Bücher gegen den Selbstoptimierungswahn: Herrlich, diese schlechte Laune!

CorbisWir müssen bloß an uns arbeiten, schon finden wir Erfüllung - das suggerieren regalmeterweise Bücher. Zwei Autoren fordern nun das Ende der Positiv-Denken-Diktatur: Glücklich sind demnach die Unglücklichen. Ein Befreiungsschlag oder doch bloß der nächste Ratgeber-Trend?

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-861877.html
  1. #1

    Einfach mal schlecht gelaunt sein...

    scheint ja in manchen Kreisen inzwischen wirklich nicht mehr zu gehen. Wer sich dieser immer gut drauf, immer leistungsfähig, immer potent und gesund Unkultur anschließt ist selbst schuld. Ich jedenfalls kann auch den dunklen Momenten im Leben etwas abgewinnen und möchte sie nicht missen.
  2. #2

    Einfach mal schlecht gelaunt sein...

    scheint ja in manchen Kreisen inzwischen wirklich nicht mehr zu gehen. Wer sich dieser immer gut drauf, immer leistungsfähig, immer potent und gesund Unkultur anschließt ist selbst schuld. Ich jedenfalls kann auch den dunklen Momenten im Leben etwas abgewinnen und möchte sie nicht missen.
  3. #3

    Gääähhn ....

    ... mehr gibt zu solchen Artikeln ja nicht zu sagen...
  4. #4

    An den Haaren herbeigezogene Probleme...

    .... wie wäre es, wenn man sich das ganze bla bla sparen würde und es mit der Wahrheit versuchen würde (lässt sich aber schlecht verkaufen): Gefühle und Launen zu unterdrücken macht den Menschen auf Dauer nicht gesund. Was nicht bedeutet, dass man nicht an seiner Einstellung arbeiten kann, wenn man das möchte. Pessimismus bringt keinen gut durchs Leben und führt zu nichts, erzwungener Optimismus aber auch nicht. M.E. fehlt heute etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann: Gesunder Menschenverstand und eine natürliche, ungekünstelte aber dafür reflektierte Sicht auf die Dinge. Man sollte anfangen, den Kindern so etwas in der Schule zu vermitteln, die Eltern bringen es heute offensichtlich nicht mehr fertig - und dann stapeln sich bei jungen Leuten massenweise sogenannte "Ratgeber" im Regal, und jede Woche wird ein neuer Verhaltenstrend erprobt. Glücklich macht das auf Dauer nicht, es führt eher zu dem überflüssigen Gedanken "bin ich eigentlich mit meiner gesunden Lebenseinstellung, die Dinge grundsätzlich erstmal nüchtern zu betrachten und abzuwägen und DANN zu entscheiden ob ich lache oder weine" total fehl am Platz?" Ich denke eher nicht.
  5. #5

    Undenkbar im Job

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wir müssen bloß an uns arbeiten, schon finden wir Erfüllung - das suggerieren regalmeterweise Bücher. Zwei Autoren fordern nun das Ende der Positiv-Denken-Diktatur: Glücklich sind demnach die Unglücklichen. Ein Befreiungsschlag oder doch bloß der nächste Ratgeber-Trend?

    Ratgeber zum Unglücklichsein - Wilhelm Schmid und Arnold Retzer - SPIEGEL ONLINE
    Schlechte Laune im Job können sich nur wenige leisten, da die Gute-Laune-Kultur mittlerweile fester Bestandteil unserer Selbstausbeutungskultur ist. Dort gibt es inzwischen auch nichts Schlechtes mehr. Beispiel: Eine Pulliverkäuferin nimmt die Reklamation ("Material riecht nach Schwer-Öl") freundlichst mit den Worten entgegen: "So riecht Wolle". Ja, Jamal, so weit sind wir schon gekommen hier!
  6. #6

    Freiheit

    Ich betrachte es als Teil meiner persönlichen Freiheit, mich nicht ständig selbst optimieren zu müssen.
    Wenn das gemeint sein sollte, also volle Zustimmung. Ich kann meine eigene Leistung und mein erfolgreiches Leben nur genießen, solange ich weiß, dass

    1. eine Portion Zufall dazugehört (den ich freilich gerne nutze)
    2. gelegentliches Durchhängen und Misserfolg dazugehört
    3. es sich nicht irgenwelchen Ratgebern, esoterischem Aberglauben oder sonstwelchen Ideologien verdankt
  7. #7

    Irritationen am Gipfelpunkt des

    erzielbaren Wachstums eines Gesellschaftsmodells sind doch vollkommen normal. Nur - dieser "Wendepunkt" wird garnicht als solcher erkannt. Ich kann ihn natürlich auch nur vermuten. Aber - gesetzt den Fall - wäre ein frisches und hochmotiviertes "weiter so" ganz und gar kontraproduktiv.
  8. #8

    Endlich...

    ...mal wieder ein Artikel der so richtig GUTE Laune macht!

    :-)

    ....ich will so bleiben wie ich bin....

    ....DU DARFST!

    ;-P
  9. #9

    Endlich mal ein Plädoyer für schlechte Laune :-)

    Na, endlich. Lange dachte ich, es ginge nur mir allein so. Nun weiß ich: es war gut, an schlechter Laune festzuhalten. Ich konnte es nie begreifen, wie diese harmoniesüchtigen Trullas immer den ganzen Tag debil-grinsend durch die Gegend rennen konnten. Wenn unsereiner ernst guckte, wurde ich angezickt: "Deine Mundwinkel hängen aber ganz schön tief." Dabei war das oft völlig fehlinterpretiert: ich habe einfach nur angestrengt nachgedacht. Entschuldigung, muss man dabei grinsen?

    Oder diese vielen und immer mehr werdenden Deppen, die einem tagtäglich in ihrer Lebensuntauglichkeit vor die Füße stolpern. Am Ende der Rolltreppe stehenbleibend und den fünfminütigen Orientierungsrundblick startend, während ihnen die Nachfolgenden in die Hacken rauschen. Oder an Nahverkehrszügen am Düsseldorfer Hauptbahnhof (übrigens auf meiner persönlichen Drängler-Hitliste die Nummer Eins), lassen nicht aussteigen, stürzen in den Waggon, bevor ich einen Schritt auf den Bahnsteig getan habe. Die remple ich nur zu gern mit meinem Reisekoffer plus Handgepäck an und denen schmettere ich stets ein fröhliches "Die Gute Kinderstube lehrte: immer erst aussteigen lassen!" entgegen.

    Supermarktkasse: es stauen sich 15 Kunden, eine einzige Kasse ist geöffnet, und keiner traut sich, die "Harmonie" des ewigen Wartens zu unterbrechen. Nein, ich rufe dann ganz von hinten, laut vernehmlich: "Könnten Sie bitte eine zweite Kasse öffnen?!" - und alle freuen sich (endlich traut sich einer). Manchmal kommt es kackfrech von der Kassiererin zurück: "Nein, ICH kann nur an einer Kasse kassieren." Dann muss es eben etwas deutlicher sein: "Falls Ihnen das zu vieldeutig war: könnte bitte ein Kollege eine zweite Kasse öffnen?"

    Oder diese Damen, die ihre üppigen Lebensmitteleinkäufe nur schleichend langsam aufs Kassenband befördern können, weil sie in der einen Hand ihre Geldbörse balancieren müssen, was die betreffende Hand quasi völlig außer Betrieb setzt, und wegen der einzigen noch verbleibenden Hand geht das nun mal nicht schneller. Wenn ich diese lebensuntüchtigen Individuen unterrichte, dass, wenn sie ihr Portemonaie kurz sonstwo ablegten, es mit dem Umpacken gleich doppelt so schnell ginge, mir sagen lassen muss, mein Karma sei aber grottenschlecht, muss ich entgegenen, dass ich genau deswegen mein Karma gern mal herauslasse anstatt jeden Frust in mich hineinzufressen, den ich wegen Leuten wie diesen erleiden muss, und dass es genau die richtigen trifft, die mir ständig mein Karma versauen.

    Ich frage mich immer öfter, wie so viele dieser offensichtlich Minderbemittelten trotzdem anscheinend unfallfrei das Erwachsenenalter erreichten. Oder hatten sie einfach nur Glück? Ach, es tut so gut, den Nervensägen den Spiegel vorzuhalten. Deswegen besitze ich auch einen Cell-Phone-Jammer, einen Handy-Störsender, mit dem kann ich wenigstens im Umkreis von 15 Metern in Bussen und Bahnen für Ruhe sorgen. Es gibt so viel Elend auf der Welt, einiges davon muss man einfach ausblenden.