Wut-"Tatort" aus Dortmund: Wenn der Kommissar die Keule schwingt

WDREr kloppt mit dem Baseballschläger Autos kaputt, säuft sich in Asi-Kneipen ins Delirium: Jörg Hartmann gibt seinen Ruhrpott-Cop Faber entfesselt wie einst Götz George seinen Schimanski. Das ist furios - und dramaturgisch fatal. Wenn er nicht bald Hilfe bekommt, bringt er sich selbst ins Grab.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/wut-...-a-865614.html
  1. #1

    Milieu-Klopper

    Oh je, das scheint ja eine Ansammlung von Plattitüden zu werden, fernab jeder Kripo-Realität - also auch fernab jeder Glaubwürdigkeit. Da freu ich mich schon auf Ulmen/Tschirner.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Zumal die Bulgaren in ihren Elendsquartieren wie Tiere hausen, die zu träge sind, um ihren Unrat aus den Höfen zu entsorgen: Die Nordstadt sieht im neuen "Tatort" aus wie die Bronx 1980.
    Ich hätte ja nie geglaubt, dass hier mal zu sagen, aber: Der Tatort ist (zumindest an dieser Stelle) so realistisch, dass es schon fast dokumentarisch ist.
    (ich kann jetzt natürlich anur auf die Beschreibung des Tatorts abstellen, da ich die Epsiode noch nicht kenne).

    Es ist in der Tat so, dass eine soziale Gruppe, die wohl vornehmlich aush Bulgaren besteht, in der Dortmunder Nordstadt ein ernstes Problem ist. Da wo rechtlich möglich, ist auch schon mehrfach das Gesundheitsamt ausgerückt, um Wohnungen dicht zu machen. Gesundheitsamt war übrigens deshalb nötig, weil es den Vermietern meistens egal ist, wie abgewohnt ihre Buden werden, die sind quasi schon abgeschrieben. Und nicht, dass diese Häuser/Wohnungen in der jüngeren Vergangenheit zu den angenehmen gehörten, aber selbst die Altmieter beschwerren sich (leise, da wenn laut es sonst der Geseundheit nicht zuträglich ist) oder ziehen weg.
  3. #3

    Schimanski

    Viele, viele Jahre sind seit Horst Schimanski vergangen. Und nun gibt's eine Schimanski-Kopie? Sehr originell.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    So trifft Ermittler Faber in einer Szene auf einen schmierigen türkischen Unternehmer, der Bulgaren für ein paar Euro kriminelle Jobs machen lässt, um sie dann zu horrenden Preisen in den Abrissimmobilien der Nordstadt wohnen zu lassen. Und was sagt der Gangster-Geck zum Cop: Früher hätten die Türken die Drecksarbeit für die Deutschen gemacht, heute drückten die Türken eben die Drecksarbeit an die Bulgaren ab.
    Ich hab die Episoda ja noch nicht gesehen, daher mag es natürlich sein, dass die Charaktere überzeichnet sind. Aber: Dieses Kräft- oder Marktverhältnis entspricht im Dortmunder Norden der Realität. Die Bulgaren machen die Drecksarbeit (was noch nichts mit Illegalität zu tun haben muß), oft von (eher alteingesessenen) Türken als Auftraggeber.
  5. #5

    optional

    Ach, war das noch schön, als Tatort-Kommissare einfach nur normale Menschen waren und keine gefährlichen Soziopathen, todkranke Hirntumorpatienten oder schwere Borderline-Fälle. Aber offenbar darf es heute keinen Bullen ohne pathologische Macke mehr geben.

    Seit Andrea Sawatzkis Kommissarin Sänger bete ich bei jedem neuen Tatort-Team, dass ich nie die Hilfe der Kripo brauche ... oder zumindest, dass ich dann nicht an jemanden gerate, wie ihn sich Tatort-Drehbuchautoren so vorstellen.
  6. #6

    Eine Lektion für Schwarzfahrer

    Da an dieser Stelle regelmäßig den abgelatzten GEZ-Gebühren hinterher getrauert wird, muss man prophylaktisch gleich mal anmerken, dass der erste Fall dieser Ermittler bereits ordentlich Appetit auf mehr machte und sein Geld wirklich wert war.
    Aus meiner Sicht setzen die guten "Tatorte" im deutschen TV immer noch Maßstäbe in punkto Dramaturgie und Bildgewalt und sind gleichzeitig das Sprungbrett vieler junger, talentierter Autoren und Regisseure.
    Weiter so, kann man da nur sagen; und lasst euch nicht von den Spöttern, Lästerern und Schwarzfahrern einschüchtern, die es mittlerweile gewohnt sind, überall alles nur noch umsonst zu bekommen.
  7. #7

    Zitat von uchawi Beitrag anzeigen

    Seit Andrea Sawatzkis Kommissarin Sänger bete ich bei jedem neuen Tatort-Team, dass ich nie die Hilfe der Kripo brauche ... oder zumindest, dass ich dann nicht an jemanden gerate, wie ihn sich Tatort-Drehbuchautoren so vorstellen.
    So ähnlich habe ich das auch in einem nicht freigeschalteten Kommentar geschrieben. Psycho- und Soziopathen, egomane Staatsanwälte und medienaffine Richter - da hat man dann wirklich verloren und kommt al Psycho- und überhaupt Wrack raus oder gleich in den Knast weil das der Herr Kommissar halt gut fand.

    Siehe auch diverse Amiserien, in denen schon mal weggesehen wird, wenn der Mörder X seinen Vater Y, der für dessen Psychose verantwortlich ist, erschießt usw. usf.
  8. #8

    Ich hab mir einmal ...

    ...nen Tatort komplett von Anfang bis Ende angeschaut, sonst nur beim Durchzappen erwischt. Fazit: zum Totlachen!!!! xD Dramaturgisch lachhaft! Handwerklich (Maske, Beleuchtung, Kamera) billig und unqualifiziert! Die Figuren wirken wie überambitionierte Kopien bekannter Figuren aus Kino und englischsprachigen Erfolgsserien oder aber Möchtegern-Schimanski-Relaunches. Während man der Schimanski-Figur immerhin noch eine kleine öffentlich-rechtliche Spießer-Revolution andichten konnte, wirkt es Ende 2012 (!!!) einfach nur unfassbar ideenlos! Wenn ich mir anschaue, was in den USA aus den übelsten, tristesten, scheinbar langweiligsten Milieus (Kentucky in "Justified" und L.A. in "Southland") rausgeholt wird. DAS sind echte Charakterstudien. Da wird das System aus Bürokratie und schlechter Finanzierung der Behörden, das generelle soziale Elend, die sukzessive Zermürbung derer, die sich im Dienste des Staates und zum Besten der "Bürger" ihre Gesundheit und ihr Privatleben versauen, schonungslos dargestellt. Das ist besser als jede Doku, weil keine Doku so trocken, so nüchtern und ungeschönt die Wahrheit abbilden darf... Tatort - pfff, dass das immer noch jemand schaut... -.-
  9. #9

    Faber stört

    Wenn der 2. Faber-Tatort so wird wie der erste, na dann gute Nacht! Die Premiere hätte etwas werden können, aber leider ist dieser Hauptkommissar (bzw. sein Darsteller) nicht zu ertragen. Schade drum!