Igel: Ärzte informieren mangelhaft über Selbstzahler-Leistungen

CorbisFür Krankenkassen ein Dorn im Auge, für Interessenten verwirrend: Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) sind umstritten. Jetzt kommt eine Studie zu dem Schluss, dass Ärzte ihre Patienten nur ungenügend über die Angebote informieren. Dennoch halten Ärzteverbande die Leistungen für sinnvoll.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-865844.html
  1. #10

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Für Krankenkassen ein Dorn im Auge, für Interessenten verwirrend: Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) sind umstritten. Jetzt kommt eine Studie zu dem Schluss, dass Ärzte ihre Patienten nur ungenügend über die Angebote informieren. Dennoch halten Ärzteverbande die Leistungen für sinnvoll.

    Igel: Patienten bekommen zu wenig Informationen in Arztpraxen - SPIEGEL ONLINE
    Das der MDS (früher MDK) die Igel für gerechtfertigt hält, ist eine dermaßene Unverschämtheit, ist doch der MDK eine der aberwitzigsten Institutionen, die selbst Schwerkranken nach langer Krankehitsdauer wieder auf die Arbeit schicken wollen mit 100%!
    Wer schon einmal mit diesem Verein zu tun gehabt, weiß, dass die selbst einebeinige Arbeitnehmern einen Job als Briefträger vorschlagen. Gehen sie mal zur Arbeitsagentur und fragen dort nach, wieviel kranke Arbeitnehmer vom MDK mit einer solchen Empfehlung hingeschickt wurde.
    Die kürzen selbst die Liegedauer von Schwerkranken im Krankenhaus, die dringend medizinsche Hilfe benötigen, was zu finanziellen Einbußen seitens der Krankenhäuser führt.
    Und die sprechen sich für IGEL aus, dass ist echt der Witz der Woche! Das sind Schildbürger!
  2. #11

    Marktwirtschaft

    Ich hatte jüngst eine etwas befremdliche Erfahrung beim Zahnarzt.
    Es handelte sich um eine reine Routinekontrolle und die lief folgendermaßen ab:

    Zahnsteinentfernung durch Zahnarzthelferin: 15 Min.

    Warten auf den Zahnarzt: 25 Min.

    Untersuchung durch den Zahnarzt: 3 Min (alles ok, kein Befund)

    Diskussion mit dem Zahnarzt, ob ich nicht profylaktisch mein komplettes Gebiss mit seiner moderen Digital-Röntgenanalge röntgen lassen möchte. War zwar nichts dran am Gebiss, aber falls später mal was kommt hätte man dann vergleichswerte und so... : 20 Minuten!!

    Im Klartext: Die meiste Zeit, die ich mit diesem Zahnarzt verbracht habe, war ein schnödes Verkaufsgespräch. Und das auch noch subventioniert, da er der Krankenkasse garantiert mehr als die 3 Minuten in Rechnung stellt, die er tatsächlich für die Untersuchung gebraucht hat.

    Ich habe den Eindruck (siehe auch Dauer-Gezeter des Marburger Bundes), dass sich heute die meisten Medizinstudenten in erster Linie gute Verdienstmöglichkeiten von ihrer Berufswahl versprechen. Die potentielle Heilung von Meschen ist bestenfalls noch angenehmer Nebeneffekt.

    Vielleicht gehen wir in 20 Jahren nicht mehr zum Arzt, sondern einfach zum Gesundheitseinzelhändler unserer Wahl. Das wäre dann wenigstens ehrlich.
  3. #12

    Zitat von just_my_2_cents Beitrag anzeigen
    Ich hatte jüngst eine etwas befremdliche Erfahrung beim Zahnarzt...........
    Tja, ich war beim Augenarzt, da fragte mich die Assistentin, ob ich nicht mal den Sehnerv begutachten lassen wollte, Kosten 67,00€ da ich privat behandelt werde, erklärte sie, na dann, wird das wohl sowieso gemacht.

    Keine Aufklärung warum und wieso. Das hat bei mir zu großem Neid geführt, denn ich hatte eine Autowerkstatt und hätte mir auch gewünscht, dass ich so einen Zettel ausfülle und die Kundschaft gar nicht wüsste, warum ich was an ihrem Brunzkübel mache, aber ich dürfte mit schwülstigen Reden dicke Rechnungen schreiben.

    Man fühlt sich entmündigt.

    MfG. Rainer
  4. #13

    Nötigung

    Zitat von singpat Beitrag anzeigen
    Polemik kann ich in diesem Artikel nicht erkennen. Er thematisiert vielmehr ein grassieredes Aergernis, naemlich dass Aerzte ihr Vertrauensverhaeltnis ausnutzen um alle moeglichen, sinnvollen oder auch weniger sinnvollen Zusatzleistungen an den Patienten zu bringen. Das aergert mich auch, vor allem wenn (wie von einem anderen Foristen beschrieben) dies in einer Art geschieht, die von fast an Noetigung grenzt. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht.[...]
    Das sehe ich genau so. Die Frauenärztin meiner verunsicherten Frau hat es so geschafft, Ihr während der Voruntersuchungen in der Schwangerschaft einige Leistungen zu verkaufen - hat aber ihre für unseren Sohn letztendlich lebensgefährlich gewordene Schwangerschaftsdiabetis übersehen, die dann allerdings in der Entbindungsklinkik von einer Ärztin im Praktikum schon beim Anblick des Bauches als solche vermutet wurde ...
  5. #14

    Zitat von circul Beitrag anzeigen
    Immer wieder finden sich Beiträge, wie schlimm das Igeln ist. Aber welche Möglichkeiten gibt es denn beispielsweise einen Prostatakrebs zu finden? Die Krankenkassen bezahlen einmal im Jahr die rektale Tastuntersuchung ab 45 Jahren, mit der allerdings meist nur fortgeschrittene Karzinome entdeckt werden können. Hilfreich ist wirklich nur PSA-Wert und Ultraschall. Es gibt gute Studien, die belegen, daß PSA-Wert-Bestimmung mit fachkundiger Bewertung beim Urologen Leben retten. Selbstverständlich gibt es auch Studien, die das Gegenteil beweisen, die sind aber meist im Auftrag der Krankenkassen weltweit erstellt worden. Dann gibt es wieder einige, die behaupten Prostatakrebs sei ein sogenannter "Haustierkrebs". Ich kenne einige Männer mit Knochenmetastasen, die im Nachhinein gern die Vorsorge bezahlt hätten.
    Bei V. a. Prostatakrebs sind PSA Bestimmung Routine, dafür braucht man kein IGEL.
    Es wird bei den IGEL Untersuchungen mit der Angst der Pat. gespielt, mehr nicht, und die dürfen für diese "Angst" noch bezahlen.
  6. #15

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Für Krankenkassen ein Dorn im Auge, für Interessenten verwirrend: Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) sind umstritten. Jetzt kommt eine Studie zu dem Schluss, dass Ärzte ihre Patienten nur ungenügend über die Angebote informieren. Dennoch halten Ärzteverbande die Leistungen für sinnvoll.

    Igel: Patienten bekommen zu wenig Informationen in Arztpraxen - SPIEGEL ONLINE
    Alle 2 Jahre ein Routinecheck wird von der Krankenkasse getragen, inkl. körperlicher u. Urin-/Blutuntersuchung. Wenn dabei irgendwelche pathologischen Dinge auffallen, geht man zum Facharzt, da braucht man keine IGEL, ganz einfach.
  7. #16

    Der Gesundheitshändler meiner Wahl sagt mir heute schon mehr zu

    als das KRANKENkassen-Zwangssystem.

    Zitat von just_my_2_cents Beitrag anzeigen
    Vielleicht gehen wir in 20 Jahren nicht mehr zum Arzt, sondern einfach zum Gesundheitseinzelhändler unserer Wahl. Das wäre dann wenigstens ehrlich.
    Wenn man genau hinschaut, haben wir heute schon Marktwirtschaft. Es gibt einen dominierenden Markt für Krankheits- und einen unauffälligeren Markt für echte Gesundheitsleistungen. Letztere müssen separat von den Krankheitsleistungen eingekauft werden. Die "Pflichtversicherten" sind gezwungen sich ihre "Behandlungen" auf dem Markt für Krankheitsleistungen abzuholen.
    Beispiele:
    Schwangere werden wie Kranke behandelt, Frauen, die in die Menopause kommen, ebenfalls. Menschen, deren Stoffwechsel durch eigene Entscheidungen bei der Wahl des Lebenswandels in einer Schieflage geraten ist, werden behandelt als hätten sie einen Mangel an Medikamenten und nicht an Gesprächstherapie und Verhaltenstraining, um z.B. ihren Alkoholismus oder ihre Nikotin- bzw. Tablettensucht aufgeben zu können.

    Der Krankheitsmarkt hat bereits hunderttausende von "Chronikern" produziert. Ihre Krankheiten werde als "unheilbar" bezeichnet, es wird so getan als existiere der Markt für Gesundheitsleistungen nicht, der Angebote zur Heilung bereithält.

    Ich teile insofern die Ansicht von Leo A. Nefiodow
    "Eigentlich müsse der Gesundheitssektor "Krankheitssektor" heißen, da es in erster Linie um die Erkennung und Behandlung von Krankheiten gehe, nicht aber um die Kunst der ganzheitlich verstandenen, gesunden Lebensführung."

    Deutsches Ärzteblatt: Gesundheitswesen: Vor der radikalen Wende (18.09.1998)

    http://www.sante-gesundheit-saar-mos...v_nefiodow.pdf
  8. #17

    Zitat von Meinungsmarktbeiträger Beitrag anzeigen
    Das sehe ich genau so. Die Frauenärztin meiner verunsicherten Frau hat es so geschafft, Ihr während der Voruntersuchungen in der Schwangerschaft einige Leistungen zu verkaufen - hat aber ihre für unseren Sohn letztendlich lebensgefährlich gewordene Schwangerschaftsdiabetis übersehen, die dann allerdings in der Entbindungsklinkik von einer Ärztin im Praktikum schon beim Anblick des Bauches als solche vermutet wurde ...
    Und dies ist auch schon der springende Punkt: Klinikärzte, die tatsächlich über das neueste Wissen und eine praxisnahe Erfahrung mit tatsächlichen Krankheiten verfügen, werden unterbezahlt und haben Arbeitszeiten, bei denen normale Belegschaften zurecht regelmässig im Streik wären. In Unikliniken wird oft noch wissenschaftliche Arbeit ausserhalb der eigenen Arbeitszeit vorausgesetzt.

    Demgegenüber wird die gesundheitliche Grundversorgung in Deutschland von einer Masse niedergelassener Ärzte 'getragen', die oft zuletzt zum 3. Staatsexamen ernsthaft ein Fachbuch in der Hand hatten. Dazu schmücken sich viele mit akademischen Titeln, die in ihrem Umfang in etwa der Facharbeit eines Abiturienten entsprechen und oft keinerlei wissenschaftlichen Wert besitzen, um Kompetenz vorzutäuschen.

    Und dementsprechend sieht auch die Behandlung aus. Von neuen Entwicklungen der Wissenschaft kriegen diese Gesellen kaum was mit. (Machen Sie sich einen Spass und bringen Sie sich auf den neuesten wissenschaftlichen Stand bzgl. eines Aspekts ärztlichen Grundwissens, z.B. Antibiotikatherapie, und dann fragen Sie ihren Hausarzt beiläufig darüber aus.)

    Wenn es ums Andrehen von überflüssigen IGeL-Leistungen geht, dann sind sie allerdings ganz vorne dabei. Sie sind nämlich Geschäftsleute, und wollen ihre Gewinne optimieren, das heisst möglichst viele Einnahmen bei möglichst wenig Leistung. Dass dies mit der ärztlichen Ethik kollidiert, ist wenig überraschend. Tatsächlich schliessen sich ärztliche Berufsethik und privatwirtschaftliche Interessen gegenseitig aus (An dieser Stelle auch schöne Grüsse an die FDP und Herrn Montgomery).

    Fazit: Der Platz eines Arztes ist im Krankenhaus, und das Krankenhaus gehört in die öffentliche Hand. Ein Arzt soll ruhig gut verdienen, aber Multimillionär braucht er nicht zu sein. Er soll sich auf seine Arbeit konzentrieren, und nicht aufs Geldverdienen. Das Gesundheitssystem zu privatisieren macht es nicht effizienter, ganz im Gegenteil. Das deutsche private Hausarztsystem ist ein Gesundheitsrisiko an sich.
  9. #18

    Zitat von Katzenliebhaber Beitrag anzeigen
    Warum sind den Kassen die IGEL ein Dorn im Auge? Die haben doch gar nichts damit zu tun.
    Natürlich haben die Kassen was damit zu tun. Die werden erstens der Lüge überführt "Wir zahlen alles" und zweitens tragen sie die Folgekosten, wird etwas entdeckt.
    Beim Glaukom zum Beispiel teuere Medikamente. Wird es spät entdeckt, und der Patient erblindet, zahlt das Blindengeld nämlich nicht die Kasse.

    Zitat von Katzenliebhaber Beitrag anzeigen
    Wie heißt es dann im IGEL-Monitor:
    >>Wir beschreiben diese IGeL zwar, aber wir ermitteln Nutzen und Schaden nicht, da Atteste und Gutachten dazu dienen, einen Gesundheitszustand festzustellen und zu dokumentieren und nicht dazu, ihn zu verbessern. <<
    Was für ein schönes Eigentor dieses IGeL-Monitors.



    Zitat von Katzenliebhaber Beitrag anzeigen
    War es nicht Ulla Schmidt, die die IGEL in die Welt setzte? Zur Kostendämpfung!
    Ulla hat damit nichts zu tun. Selbstzahlerleistungen ergeben sich aus der Tatsache, dass schon Mitte der 90er Jahre begonnen wurde Leistungen aus dem Katalog zu streichen.
  10. #19

    Zitat von Meinungsmarktbeiträger Beitrag anzeigen
    ....lebensgefährlich gewordene Schwangerschaftsdiabetis übersehen, die dann allerdings in der Entbindungsklinkik von einer Ärztin im Praktikum schon beim Anblick des Bauches als solche vermutet wurde ...
    Das sollten Sie in einem Fachblatt veröffentlichen!