Igel: Ärzte informieren mangelhaft über Selbstzahler-Leistungen

CorbisFür Krankenkassen ein Dorn im Auge, für Interessenten verwirrend: Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) sind umstritten. Jetzt kommt eine Studie zu dem Schluss, dass Ärzte ihre Patienten nur ungenügend über die Angebote informieren. Dennoch halten Ärzteverbande die Leistungen für sinnvoll.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-865844.html
  1. #1

    Vorsorge

    Immer wieder finden sich Beiträge, wie schlimm das Igeln ist. Aber welche Möglichkeiten gibt es denn beispielsweise einen Prostatakrebs zu finden? Die Krankenkassen bezahlen einmal im Jahr die rektale Tastuntersuchung ab 45 Jahren, mit der allerdings meist nur fortgeschrittene Karzinome entdeckt werden können. Hilfreich ist wirklich nur PSA-Wert und Ultraschall. Es gibt gute Studien, die belegen, daß PSA-Wert-Bestimmung mit fachkundiger Bewertung beim Urologen Leben retten. Selbstverständlich gibt es auch Studien, die das Gegenteil beweisen, die sind aber meist im Auftrag der Krankenkassen weltweit erstellt worden. Dann gibt es wieder einige, die behaupten Prostatakrebs sei ein sogenannter "Haustierkrebs". Ich kenne einige Männer mit Knochenmetastasen, die im Nachhinein gern die Vorsorge bezahlt hätten.
  2. #2

    Erfahrungsbericht, vor ein paar Monaten:

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Für Krankenkassen ein Dorn im Auge, für Interessenten verwirrend: Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) sind umstritten. Jetzt kommt eine Studie zu dem Schluss, dass Ärzte ihre Patienten nur ungenügend über die Angebote informieren. Dennoch halten Ärzteverbande die Leistungen für sinnvoll.
    Sehr geehrter Herr Dr. ###

    bitte gestatten Sie mir ein kurzes Feedback.

    Ich war am ##.##.## zu einer Visus-Untersuchung bei Ihnen.
    An der Rezeption habe ich auf einem Formular die Igel-Untersuchung zur Glaukom-Vorsorge abgelehnt.

    Sie haben meine Ablehnung bei der Untersuchung thematisiert.

    Die Heftigkeit Ihrer Argumentation für eine Glaukomuntersuchung hat mich überrascht.
    Kein Patient *muss* eine Igel-Leistung machen lassen, auch wenn er über 50 Jahre ist.

    Ich bin der Meinung, daß ein Arzt eine sorgfältige Anamnese durchführen muss.
    So hätte ich Fragen wie
    - Kam ein Glaukom in Ihrer Familie vor?
    - Haben Sie sich schon mal eine Glaukom-Vorsorgeuntersuchung machen lasse? Wann? (Ja, negativ)
    erwartet, um daraus einen weiteren Beratungs- und Untersuchungsbedarf abzuleiten.
    Ein Patient sollte beraten werden, aber nicht bedroht:
    „Ich werde keinen Grünen Start/Glaukom bekommen/daran erkranken, aber Sie“
    Das empfand und empfinde ich als Bedrohung.

    Und:

    Seit wann *muss* eine Patient ein Entscheidungsformular zur Glaukom-Igel-Untersuchung ausfüllen?
    Bin ich gesetzlich oder von der Krankenkasse aus dazu verpflichtet?
    Mir ist nichts davon bekannt.
    Die Antwort an der Rezeption „Das brauchen wir zur Dokumentation“ kann mich nicht befriedigen.
    Es mag ja dazu dienen, interne Abläufe/Prozesse zu dokumentieren, daß Ihre Angestellte
    die von Ihnen beauftragten Arbeiten auch zufriedenstellend erledigen,
    das muss aber für den Patienten an der Stelle irrelevant sein, sie könnten eben auch die Ablehnung des Patienten selbst dokumentieren.

    Bitte entschuldigen Sie meine späte Stellungnahme, ich habe mich etwas „fortgebildet“:

    Ich muss davon ausgehen, daß jeder Arzt in Deutschland sich dessen bewusst ist,
    daß „die Fachgesellschaften als oberste medizinische Autorität dem IGel-Geschäft skeptisch bis ablehnend gegenüber (stehen), was etwa in den Leitlinien deutlich wird. Ärztliche Berufsverbände vertreten dagegen primär die Interessen ihrer Mitglieder, also auch deren wirtschaftliche Interessen.“
    (Nun ist nichts gegen wirtschaftliche Interessen einzuwenden, solange sie nicht auf dem Rücken der Patienten
    (= Kunden) und zu deren Nachteil ausgetragen werden).

    Ihnen müssen die Ergebnisse der Studien zur Augeninndruckmessung bekannt sein:
    IGeL-Monitor

    Die Absonderlichkeiten im Zusammenhang mit IGel sind geradezu erschreckend:
    Verkaufstraining für Ärzte: Regierung fördert Igel-Seminare - SPIEGEL ONLINE

    Ich möchte es mit meinem Feedback so belassen.

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
  3. #3

    IGeL = notwendige Einnahme-Quelle

    Also selbst der Spiegel schreibt: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/patientenschutzgesetz-leider-gefahr-fuer-patienten-bei-igel-a-861344.html "... Gestartet wurden die kostenpflichtigen Extras in den Praxen in den neunziger Jahren.... Durch Kostensenkungen war das Einkommen der Ärzte gesunken, die Dienste sollten den Verlust wieder wettmachen. ..."
    Also die Vorteile sind glasklar:
    1.) Der Arzt erzielt ein notwendiges Einkommen.
    2.) Der Patient erhält eine möglicherweise sinnvolle medizinische Behandlung.
    3.) Die Krankenkasse wurde von Kosten entlastet.
    Da finde ich die Polemik das Artikels völlig fehl am Platze! Beziehungsweise ist die Herangehensweise total falsch: Der Betrachtungsgrund ist NICHT die medizinische Notwendigkeit oder Sinn, sondern ausschließlich das Arzt-Einkommen! Quasi ist dies eine Kostenbeteiligung des Patienten, welche nur nicht so genannt wird (werden darf?).
    Also wer etwas an diesem System ändern möchte, muss den Grund für IGeL beseitigen, d.h. die Kostensenkungen zurück nehmen.
  4. #4

    Klar

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Dennoch halten Ärzteverbande die Leistungen für sinnvoll.

    Igel: Patienten bekommen zu wenig Informationen in Arztpraxen - SPIEGEL ONLINE
    wenn man die Preise bei Audi, BMW oder Porsche kennt.
    Reitpferde und Golfclubs sind auch nicht billig.
  5. #5

    IGeL-Monitor keine zuverlässige Informationsquelle

    Im IGel Monitor wird missverständlich und fehlerhaft über den "Glaukom-IGel" informiert. Eine Augeninnendruckmessung ohne Begutachtung des Sehnervens ist natürlich zur Vorsorge gänzlich ungeeignet. Die Glaukomvorsorge-Untersuchung verlangt ausdrücklich an erster Stelle die Untersuchung des Sehnervens am Augenhintergrund und nicht nur – wie im IGel Monitor fälschlich behauptet wird, die Augeninnendruckmessung. Die im IGel Monitor kritisierte alleinige Augeninnendruckmessung zur Glaukomvorsorge ohne Begutachtung des Sehnervens wird gelegentlich von Optikern und Betriebsmedizinern durchgeführt, sie wird jedoch von keinem seriösen Augenarzt angeboten. Wer sich hierzu weiter informieren will, lese bitte die Stellungnahme der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft www.dog.org unter Publikationen/Stellungnahme zur Glaukomvorsorge
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Für Krankenkassen ein Dorn im Auge, für Interessenten verwirrend: Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) sind umstritten. Jetzt kommt eine Studie zu dem Schluss, dass Ärzte ihre Patienten nur ungenügend über die Angebote informieren. Dennoch halten Ärzteverbande die Leistungen für sinnvoll.

    Igel: Patienten bekommen zu wenig Informationen in Arztpraxen - SPIEGEL ONLINE
    Warum sind den Kassen die IGEL ein Dorn im Auge? Die haben doch gar nichts damit zu tun.

    Im Bericht werden auch sport- und reisemedizinische Untersuchungen genannt, dann gibt es noch Untersuchungen für bestimmte Führerscheine, alles zu Recht keine Kassenleistung, aber einfach notwendig.
    Wie heißt es dann im IGEL-Monitor:
    >>Wir beschreiben diese IGeL zwar, aber wir ermitteln Nutzen und Schaden nicht, da Atteste und Gutachten dazu dienen, einen Gesundheitszustand festzustellen und zu dokumentieren und nicht dazu, ihn zu verbessern. <<
    Aha. Die Atteste bzw. Impfungen werden jedoch benötigt!

    War es nicht Ulla Schmidt, die die IGEL in die Welt setzte? Zur Kostendämpfung!
  7. #7

    Transparenz?

    Frau Aigner sagt wirklich:
    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Patienten haben ein Recht auf Transparenz, hier krankt es noch an manchen Stellen"
    Igel: Patienten bekommen zu wenig Informationen in Arztpraxen - SPIEGEL ONLINE
    Ich kann es gar nicht glauben.
    Ein Privatpatient, der mit hohem Eigenanteil in die Praxis geht, möchte wissen, was die Leistungen kosten, die der Herr (oder Frau) Doktor verkaufen will. Bekommt er?
    Weit gefehlt. Die Mediziner wissen nicht die Bohne, was sie für ihre Leistungen wollen. Halt! Korrektur!!! Sie wissen, dass sie den 3,5-fachen Satz wollen. Das ja! Und das pauschal, im voraus, bevor sie überhaupt den Patienten zu Gesicht bekommen.
    Ein abstruses System.
  8. #8

    Zitat von fliegender-robert Beitrag anzeigen
    Also wer etwas an diesem System ändern möchte, muss den Grund für IGeL beseitigen, d.h. die Kostensenkungen zurück nehmen.
    Warum soll die GKV Untersuchungen bezahlen, die medizinisch nicht notwendig und teils auch nicht sinnvoll sind?
  9. #9

    Einspruch

    Zitat von fliegender-robert Beitrag anzeigen
    Da finde ich die Polemik das Artikels völlig fehl am Platze! Beziehungsweise ist die Herangehensweise total falsch: Der Betrachtungsgrund ist NICHT die medizinische Notwendigkeit oder Sinn, sondern ausschließlich das Arzt-Einkommen! Quasi ist dies eine Kostenbeteiligung des Patienten, welche nur nicht so genannt wird (werden darf?).
    Also wer etwas an diesem System ändern möchte, muss den Grund für IGeL beseitigen, d.h. die Kostensenkungen zurück nehmen.
    Polemik kann ich in diesem Artikel nicht erkennen. Er thematisiert vielmehr ein grassieredes Aergernis, naemlich dass Aerzte ihr Vertrauensverhaeltnis ausnutzen um alle moeglichen, sinnvollen oder auch weniger sinnvollen Zusatzleistungen an den Patienten zu bringen. Das aergert mich auch, vor allem wenn (wie von einem anderen Foristen beschrieben) dies in einer Art geschieht, die von fast an Noetigung grenzt. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht.
    Im Gegensatz zu "normalen" Kundenbeziehungen steht meiner Meinung nach beim Arzt aber immer noch das Vertrauen im Vordergrund. Das sind aber einige Aerzte dabei zu verspielen. Wo das hinfuehrt, kann man bei den Banken betrachten.
    Ich kann es langsam auch nicht mehr hoeren, die Leier des armen ausgebeuteten Arztes, der gegen seine tiefe Ueberzeugung IGeLs verkaufen muss um ueber die Runden zu kommen. Aerzte verdienen immer noch sehr gut.
    Ich empfehle hier mehr Augenmass.