Nach Skandal: Anlaufstelle für Unregelmäßigkeiten bei Organspenden geschaffen

DSO/ Johannes Rey Eine neu geschaffene Anlaufstelle soll helfen, Unregelmäßigkeiten bei der Organspende in Zukunft früher zu erkennen und darauf zu reagieren. Bei der unabhängigen Vertrauensstelle "Transplantationsmedizin" kann jeder - auch anonym - Auffälligkeiten und mögliche Verstöße melden.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-865453.html
  1. #10

    Solidarisches Prinzip

    An wen kann man sich eigentlich bezüglich des Missstandes wenden, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe in Deutschland zwar durchaus zur Annahme einer Spende bereit ist, aber aus verschiedenen (z.B. religiösen) Gründen nicht zur eigenen Spende?

    DAS ist doch der eigentliche Skandal, der die Spendenbereitschaft sinken lässt und nicht irgendwelche Einzelfälle, die in so einem komplexen System immer mal auftreten können.

    Am besten wäre es, wenn die verbliebenen Spender, die das System - mehr schlecht als recht - am Leben erhalten, ihre Ausweise auch abgeben würden. Erst wenn das System richtig gegen die Wand gefahren ist, wird in der Bevölkerung das solidarische Prinzip der Organspende erkannt werden. So ein System funktioniert nämlich nicht, wenn schätzungsweise 99% im Falle eines Falles "nehmen" , aber nur 5% "geben". Wer an diesem solidarischen Prinzip nicht teilnehmen möchte, der muss das auch nicht und fällt aus dem System heraus - als Spender UND Empfänger.
  2. #11

    optional

    Ich habe meinen Spenderausweis vernichtet und werde nicht mehr spenden.
    Wenn wir schon ein Zweiklassen-Gesundheitssystem haben, dann bitte auch die Organspenden in zwei Klassen:
    Kassenorgane für Kassenpatienten
    Privatorgane für Privatpatienten.
    Ich spende doch meine Organe nicht um noch mehr Geld in die Taschen von "armen" Ärzte zu spülen, Es ist zwar schade dass letztendlich vor allem die Kassenpatienten drunter leiden werden, denn unsere Geldelite wird sich halt ihre Organe im Ausland kaufen, aber es muss anscheinend noch viel schlimmer werden bevor es besser werden kann.
  3. #12

    Es mag vielleicht nicht für alle nachvollziehbar sein, aber es gibt genug Leute (mich eingeschlossen), die in diesem Land auch kein Organ nehmen würden. Ich spende nicht, aber ich will auch sicher nicht empfangen, denn eine Organspende rettet aus meiner Sicht eigentlich kein Leben, sondern verlängert es um einige Jahre, bis man wieder auf der Liste steht oder irgendwann nach der x-ten Transplantation nicht mehr transplantierbar ist. Das wir sterblich sind, ist eine leider oft verdrängte Tatsache und mir ist es wichtiger, das Leben, was ich habe, mit genug Lebensqualität zu verbringen und nicht das zu erleben, was ein befreundeter Organempfänger durchmachen musste. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, und ich respektiere die Haltund anderer zu dem Thema, aber ich möchte mich einfach nicht daran beteiligen. Dass es andererseits so wenig Spenden gibt, liegt nicht nur an mangelnder Spendenbereitschaft, sondern einerseits an der wirklich geringen Wahrscheinlichkeit, selbst einmal Spender zu werden (es gibt halt nicht so viele Hirntote) und zudem sollte man erst einmal die spendenbereiten Organe auch wirklich alle übertragen, denn was nützt es, den Kreis der Spender zu erweitern, wenn dann diese Organe trotzdem aus welchen Gründen auch immer nicht in das Transplantationsverfahren kommen? Wenn man sich die Zahlen der Hirntoten anschaut, dann sieht man auch, dass es so oder so nicht reichen würde, also ist aus meiner Sicht der einzige Weg das Züchten neuer Organe (also mehr Forschung in diesem Bereich) und dann wäre ich auch wieder dabei, vorausgesetzt es sind Organe aus meinerm eigenen genetischen Material, die ich dann bekommen würde.
  4. #13

    alles hinterfragen

    Neutrale Information und transparente Aufklärung über die Vorgehensweise rund um die Organentnahme ist dringend von Nöten, denn leider kann die Organe von frisch Verstorbenen niemand mehr gebrauchen. Von wegen "Organspende" nach dem Tod! Die Organe müssen leben und in einem aufwändigen Verfahren dem noch lebenden Körper entnommen werden, wenn sie transplantationsfähig sein sollen. Das ist der Grund, warum dazu passend der Kunsbegriff "Hirntod" erfunden wurde. Dieser bedeutet eigentlich so etwa "Halbtod" - das Gehirn und dessen Funktionen soll angblich tot sein, aber der Körper lebt noch. Diese Deffinition ist bei weitem nicht so sicher und klar, wie uns das die Ärzteschaft glauben machen möchte. Von Seiten der Organspende-Befürworter wird zwar immer wieder spitzfindig betont, es gäbe keinen Fall eines Hirntoten, der wieder aufgewacht wäre. Dieser Behauptung ist vordergründig auch nicht zu widersprechen, denn wer wieder aufwacht, kann kein Hirntoter gewesen sein. Folglich muß bei einem Wiedererwachten die Hirntoddiagnose falsch gewesen sein. Und tasächlich gibt es einige dokumentierte Fälle von Menschen die nach einer Hirntoddiagnose wieder aufgewacht sind! Leider läßt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, wieviele der als "Organspender" ausgeweideten eigentlich wegen Hirntodfalschdiagnosen noch (über)lebensfähig gewesen wären. Vermutlich eine ganze Menge! Organtranasplantation scheint so etwas wie der Kanibalismus der Moderne zu sein, in dem sich einer im Bedarfsfalle die noch brauchbaren Teile eines anderen buchstäblich einverleiben lässt. Und wirklich "gerettet" kann sowieso kein Leben je werden; es werden höchstens ein paar Monate oder im Idealfall auch Jahre an Lebenszeit - meist als Dauerintensivpatient - gewonnen. Aus diesen Gründen ist die aktuelle Praxis der Organspende meiner Meinung nach ethisch nicht vertretbar! Ausdrücklich davon ausgenommen sind Lebendspenden z.B. einer Niere, da hier sowohl der Spender als auch der Empfänger weiterleben können. Selbstverständlich ist jeder/m freigestellt sich dem Gewebe- und Organtransplantationssystem vertrauensvoll auszuliefern. Da ich mich jedoch der großen Missbrauchsgefahr nicht pauschal aussetzten möchte, trage ich konsequenter Weise vorsorglich immer einen Nichtspenderausweis bei mir, in drei Sprachen mit dem Wortlaut "Ich bin kein Organspender und kein Organempfänger!"
  5. #14

    Reanimation inbegriffen?

    Ach, die Spenderkonditionierung ist keine lebensverlängernde Maßnahme? Wie sollen denn dann Stunden oder Tage nach der Hirntoddiagnostik lebendige Organe explantiert werden? Handelt es sich da um eine Art organische Auferstehung?
    Sind Sie eigentlich als potentieller Organspender auch einverstanden mit einer prä- oder postmortalen Reanimation (durchaus Praxis), einem Herzkatheter bzw. einer Koronarangiographie (invasiv), vielleicht auch noch einem Pulmonalisthater oder Ähnlichem ?
    Die Ärztekammer versucht jetzt, einige dieser unbekannten Problemfelder der Spenderkonditionierung und Organqualitätskontrolle mit einem Arbeitspapier zur Patientenverfügung zu regeln. Da gibt es allerdings, außer den im Arbeitspapier angesprochenen Punkten wie Weiter-Beatmung und Reanimation schon noch einige andere Dinge, die angesprochen werden sollten. Und die der gutwillige, ahnungslose Spender in einem Rechtsstaat wissen müsste. Denn wenn er Pech hat, kann er bei der präfinalen Maximaltherapie zur Spenderkonditionierung auch im Koma landen, sagen die Experten. Das ist dann wirklich dumm gelaufen.