Vanessa-Prozess: Staatsanwalt hält Mörder weiter für "hochgradig gefährlich"

DPAVor zehn Jahren tötete Michael W. die zwölfjährige Vanessa mit 21 Messerstichen. Nun soll das Augsburger Landgericht über eine nachträgliche Sicherungsverwahrung entscheiden. In seinem Plädoyer warnte der Staatsanwalt davor, den "hochgradig gefährlichen" W. in die Freiheit zu entlassen.

Augsburg: Staatsanwalt hält Mörder von Vanessa weiter für hochgefährlich - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Warum

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Vor zehn Jahren tötete Michael W. die zwölfjährige Vanessa mit 21 Messerstichen. Nun soll das Augsburger Landgericht über eine nachträgliche Sicherungsverwahrung entscheiden. In seinem Plädoyer warnte der Staatsanwalt davor, den "hochgradig gefährlichen" W. in die Freiheit zu entlassen.
    wurde dieser kaltblütige Verbrecher, mit damals 20 Jahren, nach Jugendstrafrecht verurteilt?
  2. #2

    Einfache Lösung

    Herr W. könnte doch bei Helmut Kury untergebracht werden. Damit erübrigte sich dessen Kritik an der nachträglichen Sicherungsverwahrung.
  3. #3

    Problematisch

    Bei dieser Tat fragt man sich, wer durch eine nachträgliche Sicherheitsverwahrung mehr geschützt wird: der Täter oder die Allgemeinheit.

    Die Eltern des Mordopfers dürften den Mord an ihrer Tochter weder vergessen noch verziehen haben. Insofern stelle ich mir eine Haftentlassung für den Täter problematisch vor. Wer Kinder hat, weiss wovon ich rede.
  4. #4

    Darum

    Zitat von marie0001 Beitrag anzeigen
    wurde dieser kaltblütige Verbrecher, mit damals 20 Jahren, nach Jugendstrafrecht verurteilt?
    Weil das Gericht damals entschieden hat, die Bestimmungen des Jugendstrafrechts nach §§105ff. JGG anzuwenden.

    Entscheidend dabei ist im Sinne des Täterfokus im Strafrecht nicht zuvorderst die Tat, sondern vielmehr der Täter. Ob nun kaltblütig oder nicht, hier ist das Gericht eben zu dem Eindruck gekommen, dass der Täter eben noch nicht über einen ausreichenden Grad an geistiger Reife verfügte. Und so hat es halt von seiner Möglichkeit gebrauch gemacht, einen Heranwachsenden nach den Bestimmungen des Jugendstrafrechts zu verurteilen.
  5. #5

    ...

    Zitat von marie0001 Beitrag anzeigen
    wurde dieser kaltblütige Verbrecher, mit damals 20 Jahren, nach Jugendstrafrecht verurteilt?
    Das ist das Perverse in unserem Land: Ich darf wählen, ich darf Auto fahren, ich darf sonst auch ALLES. Aber strafrechtlich muss ich nicht wie einer gerade stehen, der alles darf.
    Das Jugendstrafrecht gehört für diejenigen abgeschafft, die das 18. Lebensjahr vollendet haben!
  6. #6

    Nach..

    Zitat von Tom Meier Beitrag anzeigen
    Weil das Gericht damals entschieden hat, die Bestimmungen des Jugendstrafrechts nach §§105ff. JGG anzuwenden.

    Entscheidend dabei ist im Sinne des Täterfokus im Strafrecht nicht zuvorderst die Tat, sondern vielmehr der Täter. Ob nun kaltblütig oder nicht, hier ist das Gericht eben zu dem Eindruck gekommen, dass der Täter eben noch nicht über einen ausreichenden Grad an geistiger Reife verfügte. Und so hat es halt von seiner Möglichkeit gebrauch gemacht, einen Heranwachsenden nach den Bestimmungen des Jugendstrafrechts zu verurteilen.
    meinem Empfinden, werden die von Ihnen angeführten Gründe für eine Strafmilderung wg. "geistiger Reife" etwas zu häufig angewendet und berücksichtigt.
    Schließlich ist man mit 18 Jahren voll geschäftstüchtig, darf wählen und gilt somit als volljährig. Wollen uns die Gerichte damit andeuten, dass man mit 18 dazu geistig noch nicht fähig ist?
  7. #7

    Zitat von marie0001 Beitrag anzeigen
    meinem Empfinden, werden die von Ihnen angeführten Gründe für eine Strafmilderung wg. "geistiger Reife" etwas zu häufig angewendet und berücksichtigt.
    Schließlich ist man mit 18 Jahren voll geschäftstüchtig, darf wählen und gilt somit als volljährig. Wollen uns die Gerichte damit andeuten, dass man mit 18 dazu geistig noch nicht fähig ist?
    Nein. Die Kategorie des "Heranwachsenden" existiert ja gerade, um eine möglichst dem einzelnen Fall angemessene Reaktion zu ermöglichen. Es KANN Jugendstrafrecht Anwendung finden, muss aber nicht - eben vom jeweiligen Täter abhängig. Das ist doch einfach eine Ausdifferenzierung, die der Tatssache Rechnung trägt, dass sich Menschen unterschiedlich schnell entwickeln. Und so kann eben flexibel reagiert werden.

    Warum wird das zu häufig angewendet? Wie soll man das denn sonst machen? Entweder hat der Täter eine ausreichende geistige Reife oder halt nicht. Wie soll man das denn sonst machen? Soll da ne Regel aufgestellt werden, dass solche Aspekte nur noch bei jedem 2. Angeklagten berücksichtigt werden dürfen? Und wenn das schon bei dem zufällig gerade davor Verurteilten berücksichtigt wurde - Pech gehabt? Oder wie?
    Die hohe Zahl der Anwendungen von Jugendstrafrecht hängt ja vielleicht auch damit zusammen, dass die meisten mit ausreichend geistiger Reife tendenziell weniger straffällig werden?

    Außerdem darf man zwar mit 18 wählen, aber noch nicht unbedingt für jedes öffentliche Amt gewählt werden. Und so, wie man 19jährigen mitunter kein passives Wahlrecht auf kommunaler Ebene oder z.B. für das Amt des Bundespräsidenten zuspricht, macht es eben unter Umständen auch einen Unterschied, ob eine 19jähriger oder ein 49jähriger eine Tat begeht.

    Mit der Volljährigkeit ist man übrigens geschäftsfähig. Ob Volljährige auch zwangsläufig geschaftstüchtig sind, wage ich zu bezweifeln. Aber das trifft mit Sicherheit auch auf viele Erwachsene nicht zu...
  8. #8

    Zitat von deus-Lo-vult Beitrag anzeigen
    Das ist das Perverse in unserem Land: Ich darf wählen, ich darf Auto fahren, ich darf sonst auch ALLES. Aber strafrechtlich muss ich nicht wie einer gerade stehen, der alles darf.
    Das Jugendstrafrecht gehört für diejenigen abgeschafft, die das 18. Lebensjahr vollendet haben!
    Das stimmt einfach nicht. Mit der Volljährigkeit kommen viele neue Rechte und Pflichten dazu, ja. Aber bei weitem nicht alle. Einige kommen dann z.B. mit 21 hinzu. Und um zum Bundespräsident gewählt werden zu können, muss man sogar warten bis man 40 ist...
  9. #9

    Zitat von Tom Meier Beitrag anzeigen
    Das stimmt einfach nicht. Mit der Volljährigkeit kommen viele neue Rechte und Pflichten dazu, ja. Aber bei weitem nicht alle. Einige kommen dann z.B. mit 21 hinzu. Und um zum Bundespräsident gewählt werden zu können, muss man sogar warten bis man 40 ist...
    Das man erst mit 40 Jahren Bundespräsident werden kann, bedeutet natürlich eine außerordentlich große Härte.
    Dass man allerdings einen 20-jährigen Mörder unbedingt, auch mit angeblicher geistiger "Unreife", nach Jugendstrafrecht verurteilen muss, ist schwer verständlich. Das Problem der nachträglichen Sicherungsverwahrung ist bekannt.
    Den Richtern und Entscheidungsträgern wird wohl keine andere Möglichkeit gegeben sein, als diesen hochgefährlichen Menschen wieder auf die Allgemeinheit und somit evtl. künftigen Opfern, los zu lassen.