Todes-Verdrängung: Sterben ist irgendwie uncool

CorbisEine ganze Lifestyle-Industrie verdient an der Todesverleugnung, das Altern wird scheinbar abgeschafft. In seinem Buch "Wir werden sein wie Gott" zeigt der Brite John Gray: Die ultimative Provokation für den modernen Menschen ist, dass sein Leben endlich ist.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-861848.html
  1. #1

    Hier könnte ein Titel stehen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die ultimative Provokation für den modernen Menschen ist, dass sein Leben endlich ist.
    Die ganzen Konstrukte für ein Leben nach dem Leben zeigen, dass sich die Menschen schon seit Urzeiten von ihrer Endlichkeit provoziert fühlten. Die Mittel der Bewältigung sind heute nur Andere.
  2. #2

    Glauben heißt nicht wissen...

    ... und damit kann man an den Tod nicht "glauben". Wir "glauben" ja auch nicht an Gravitation oder den Sonnenaufgang.
    Die Menschen ignorieren einfach etwas unausweichliches. Trifft es sie oder ihr Umfeld, sind sie zutiefst erschüttert und fahren alle Mittel auf, um dieses Erlebnis zu vergessen, zu unterdrücken, zu ignorieren.
    Bis zum nächsten Tod. "Die Einschläge kommen näher", sagen mir manche alte Leute. Das ist Unsinn, denn sie waren schon immer da. Jeder Tag, jede Minute, jede Sekunde könnte der letzte Augenblick sein, weil irgendein Blutgerinsel in uns platzt, wir überfahren werden oder weiß Gott ;) was.
    Anstatt daraus Kraft und Mut zu schöpfen, werden die Menschen hysterisch und tun so, als wäre das Leben unendlich.
    Wir sind unendlich zerbrechlich. Aber das macht alles, was wir tun so kostbar für uns selbst. Wir haben nicht die Zeit, sinnlos uns schinden zu lassen oder "Zeit" zu verschwenden - im negativen Sinne gemeint, wenn wir bewusstlos vor uns hindämmern im Kokon der ewigen Jugend und Fitness.
    Wir müssen unsere Zeit nutzen. Nichts anderes soll uns die Sterblichkeit lehren, davon bin ich überzeugt.
  3. #3

    Wir sind Gast

    Zitat von shokaku Beitrag anzeigen
    Die ganzen Konstrukte für ein Leben nach dem Leben zeigen, dass sich die Menschen schon seit Urzeiten von ihrer Endlichkeit provoziert fühlten. Die Mittel der Bewältigung sind heute nur Andere.
    auf diesem Planeten fuer eine begrenzte Zeit.Da es keine Zeugen gibt, ob etwas nach dem Tod kommt und was, beschaeftigt dieses Thema die Menschen seit jeher .Der Tod ist ein Geheimnis,(niemand kommt wieder und erzaehlt, wie das war, nachdem er gestorben ist) und es ist auch ein Wunschdenken, dass das Dasein mit dem Tode nicht ausgeloescht ist, um sich mit der eigenen Vergaenglichkeit nicht auseinandersetzen zu muessen.Unsere derzeitige Gesellschaft erlebt gerade den Jugendwahn.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Eine ganze Lifestyle-Industrie verdient an der Todesverleugnung, das Altern wird scheinbar abgeschafft. In seinem Buch "Wir werden sein wie Gott" zeigt der Brite John Gray: Die ultimative Provokation für den modernen Menschen ist, dass sein Leben endlich ist.

    John Gray: Wir werden sein wie Gott - SPIEGEL ONLINE
    Was ist denn der eigene Tod? Wir leben ja schon unendlich, weil der Horizont unserer Wahrnehmung vom Horizont unseres Seins begrenzt wird.

    Ich werde mir das Buch aber sowieso nicht kaufen. Der Lifestyle, die Todes-Verdrängung, der Drang, "immer jugendlich-aussehen zu wollen", .... ist doch so alt wie die Menschheit selbst. Haben sich nicht schon die reichen alten Ägypter einbalsamieren lassen und sich in ihren Grabkammern mit Dingen des täglichen Bedarfs umgeben lassen. Dies ist alles nichts Neues.

    Und zu jeder Bewegung gibt es immer auch Gegenbewegungen, die Selbstmordwelle nach dem Erscheinen des "Werther", und wie ist das noch mal mit diesen ganzen Vampirfilmen, deuten diese nicht auch auf eine gewisse Todessehnsucht im Lande? Was sagt der Psychologe hierzu?

    Im Großen und Ganzen sehe ich uns was den Umgang mit dem Tod betrifft sogar auf dem guten Wege, wie z.B. die Hospizbewegung zeigt.
  5. #5

    der Tod ist immer eine Zumutung

    alle kulturellen Leistungen sind Taten gegen den Tod - in Stein, Bild Vers kann man hunderte Jahre in Erinnerung bleiben ( eine Art der Unsterblichkeit ) alle Verdrängung scheint auf dies Motiv zu deuten.wenn ich Sätze höre wie : was machen die Menschen, wenn in xmillionen Jahren die Sonne verglüht ?? dann ist unsere Art längst ausgestorben. menschlicher Hochmut scheint unbesiegbar.
  6. #6

    An den Tod kann man nur Glauben,

    denn das einzige was feststeht, ist dass der irdische Körper eines Tages sein Funktionieren einstellen wird. Wer behauptet, dass dies das endgültige Ende sei, muss es auch beweisen können. Dieser Beweis würde darauf hinauslaufen, dass der Mensch keine Seele hat, denn das ist ja klassischerweise das was überleben bzw. weiter existieren soll, und dieser Beweis, der dann auch den Gott aller monotheistischen Religionen überflüssig machen würde, ist bis jetzt noch nicht geführt worden. Dies trifft auch für das Gegenteil zu. So muss man im streng wissenschaftlichen Sinne zugeben, dass die Sache völlig offen ist.
  7. #7

    Zitat von HannyBanny Beitrag anzeigen
    ... und damit kann man an den Tod nicht "glauben". Wir "glauben" ja auch nicht an Gravitation oder den Sonnenaufgang.
    ...

    Anstatt daraus Kraft und Mut zu schöpfen, werden die Menschen hysterisch und tun so, als wäre das Leben unendlich.
    Wir sind unendlich zerbrechlich. Aber das macht alles, was wir tun so kostbar für uns selbst. Wir haben nicht die Zeit, sinnlos uns schinden zu lassen oder "Zeit" zu verschwenden - im negativen Sinne gemeint, wenn wir bewusstlos vor uns hindämmern im Kokon der ewigen Jugend und Fitness.
    Wir müssen unsere Zeit nutzen. Nichts anderes soll uns die Sterblichkeit lehren, davon bin ich überzeugt.
    Das Leben ist ein Geschenk, etwas Besonderes und ein Phänomen, weil niemand außer auf intellektuellem Wege etwas von vor dem Zeitpunkt der eigenen Geburt und Kindheit weiß und dies erlebt hat. Davon auszugehen, die Welt gibt es auch nach dem eigenen Tod muss akzeptiert werden, akzeptiert wie die Erkenntnis, real zu altern und einmal zu sterben, wenn keine medizinische Behandlung mehr nutzt, die Operation keinen Sinn mehr ergibt und die Chemotherapie nicht anschlägt. Dann werden die Kräfte des Todes stärker, als die Lebenskräfte dem entgegensetzen können.

    Die Sterblichkeit aber, HannyBanny, ist ein abstrakter Begriff für die Endlichkeit des Lebens und will uns gar nichts sagen, denn sie spricht einfach für sich, für die zeitlich begrenzte Dimension des individuellen Lebens, will -und kann- aber nicht sprechen!;) Ansonsten bin ich ganz Ihrer Meinung. Lebet wohl und feiert jeden Tag!
  8. #8

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Eine ganze Lifestyle-Industrie verdient an der Todesverleugnung, das Altern wird scheinbar abgeschafft. In seinem Buch "Wir werden sein wie Gott" zeigt der Brite John Gray: Die ultimative Provokation für den modernen Menschen ist, dass sein Leben endlich ist.

    John Gray: Wir werden sein wie Gott - SPIEGEL ONLINE

    An der Stelle mal ein ganz großes NAJA. Der öffentliche Diskurs wird halt von Leuten geprägt, bei denen das statistische Verfallsdatum noch ein bisschen hin ist, von daher sollte es auch nicht verwundern, wenn gefühlt der Tod kein Thema in der (medialen) Gesellschaft ist. Für den einzelnen sieht das schätzungsweise ganz anders aus, da hilft schon der Verfall des eigenen Körpers (und leider vermehrt auch des Geistes), die Dinge im richtigen Licht zu sehen.

    Und was die Geschichte mit der Sonne angeht: vielleicht schaffen wir es schon lange vorher, uns selber auszuradieren, vielleicht erledigt das irgendeine schreckliche Epidemie für uns, wer weiß das schon so genau? Aber ich habe keine Zweifel, dass die Menschheit schon sehr bald in der Lage sein wird, zumindest ohne Rückfahrschein durchs All zu reisen, langsam, aber stetig. Sicher wird das nicht die gesamte Erdbevölkerung retten, wenn es irgendwann mal soweit ist. Dass aber unsere Rasse mit unserer Sonne stirbt, ist keineswegs sicher.
  9. #9

    nöööö

    Zitat von HannyBanny Beitrag anzeigen
    Bis zum nächsten Tod. "Die Einschläge kommen näher", sagen mir manche alte Leute. Das ist Unsinn, denn sie waren schon immer da. Jeder Tag, jede Minute, jede Sekunde könnte der letzte Augenblick sein, weil irgendein Blutgerinsel in uns platzt, wir überfahren werden oder weiß Gott ;) was.
    Als Zahlen und Statistik Gläubiger muss ich ihnen widersprechen.
    Suchen sie sich 1000 Dreißigjährige und 1000 Siebzigjährige. Führen Sie eine Statistik über die Mortalität der beiden Gruppen in den nächsten dreißig Jahren . Ich bin mir zu 99,9% sicher das Sie am Ende des Untersuchungszeitraumes in der älteren Vergleichsgruppe eine signifikant höhere Sterberate haben.
    Kurz: Die alten Leute haben recht.

    Zitat von HannyBanny Beitrag anzeigen
    Wir müssen unsere Zeit nutzen. Nichts anderes soll uns die Sterblichkeit lehren, davon bin ich überzeugt.
    Simmt. Die einen sammeln ein Haufen bedrucktes Papier an, andere versuchen sich häufig zu paaren, noch andere sind davon überzeugt das alle den gleichen Glauben haben müssen.

    Mir bleibt das Zitat vom Opa des kleinen Arschlochs:
    " Sterben ist Scheisse!"