Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Grabbeigaben für Großvater Geier

AFP/ Parque Arqueologico Nacional Takalik AbajIm Westen von Guatemala haben Archäologen das Grab eines Priesters gefunden, der als ältester bekannter Maya gilt. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: die Suche nach den Toten von Hastings und Rätselraten um einen goldenen Becher.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-864726.html
  1. #1

    Kuddelmuddel

    Die hier angegebene Datierung der 'Spätklassik' (650-900) bezieht sich ja wohl auf die Kultur der Maya. Die Otomí sind und waren ein hübsches Stück weiter nördlich ansässig. Obwohl es zeitweilig einen starken kulturellen Austausch zwischen den Völkern im Süden und den zentralmexikanischen Kulturen gegeben hat, sollte man ein wenig präziser sein, wenn man nicht einen Kuddelmuddel anrichten will, der einem Hollywood-Historienschinken der 50er Ehre machen würde.
  2. #2

    Wie fundiert sind wissenschaftliche Veröffentlichungen?

    Erschreckend ist, dass Journalisten ihr Handwerkszeug der qualitativen Recherche verloren haben. Hätte man sich nicht nur auf ungeprüfte Aussagen gestützt und mal wieder einmal kritiklos abgeschrieben, dann hätte man die falschen Angaben mancher Wissenschaftler entlarvt.
    Auf der Seite über Sonnenfinsternisse bei der NASA kann man erfahren, dass es am 3. August 650 n. Chr. nur eine totale Sonnenfinternis südöstlich von Madagaskar gab. Der Sonnfinsternis-Bereich erstreckte sich von der Antarktis bis zur Mitte Südafrikas.
    Einmal mehr wird von der wissenschaftlichen Seite Halbwissen als Fachwissen verkauft.
  3. #3

    Fauler Zauber

    Dass vor 6.500 Jahren die erste männliche Skulptur in einer Höhle auftaucht, bestätigt die Theorie der Patriarchalisierung Europas in diesem Zeitraum. Nachdem zehntausende Jahre lang die Höhlen Kultzentren der Urmutter waren, okkupieren nun Männer diese heiligen Orte. http://www.amazon.de/dp/3844814205
    Während sich die Menschheit weltweit bis in die Jungsteinzeit auf die Urmutter zurückführte, bekommt mit Beginn des Patriarchats bei den Völkern der "Großvater" Bedeutung, so auch bei den hier vorgestellten Maya. Bis der Urvater (Gott) Alleinherrscher wird, vergehen allerdings nochmals tausende Jahre. Bei den noch polytheistischen Maya wurde dieser Prozess durch die Christianisierung durch die europäischen Eroberer nur beschleunigt. Jedoch war nicht nur der hier vorgestellte Maya-"Großvater" kein lieber Opa, sondern ein mit Gewalt herrschender Despot.
  4. #4

    Ich bin kein Experte, und vielleicht liege ich falsch, aber Els Encantats
    würde ich mit "Die Erfreuten" uebersetzen.
  5. #5

    Zitat von temmay Beitrag anzeigen
    Erschreckend ist, dass Journalisten ihr Handwerkszeug der qualitativen Recherche verloren haben. Hätte man sich nicht nur auf ungeprüfte Aussagen gestützt und mal wieder einmal kritiklos abgeschrieben, dann hätte man die falschen Angaben mancher Wissenschaftler entlarvt.
    Auf der Seite über Sonnenfinsternisse bei der NASA kann man erfahren, dass es am 3. August 650 n. Chr. nur eine totale Sonnenfinternis südöstlich von Madagaskar gab. Der Sonnfinsternis-Bereich erstreckte sich von der Antarktis bis zur Mitte Südafrikas.
    Einmal mehr wird von der wissenschaftlichen Seite Halbwissen als Fachwissen verkauft.
    Es stellt sich doch eher die Frage, warum sie ihr oberflächlich recherchiertes Halbwissen gegen fundierte Forschung öffentlich in die Waagschale werfen.

    Für Tecozautla, Breitengrad 20° 32' Norden, Längengrad 99° 38' Westen, Höhe über dem Meeresspiegel 1707 Meter, Standard Zeitzone UTC/GMT -6 Stunden (Abkürzung der Zeitzone: CST - Central Standard Time), 650 n. Chr., ergibt der NASA Solar Eclipse Explorer:

    Calendar Date: 650-Feb-06
    Eclipse Type: P
    Partial Eclipse Begins: 07:16 (r)
    Sun Alt: 0 (r)
    Maximum Eclipse: 07:29:40
    Sun Alt: 03
    Sun Azi: 107
    Partial Eclipse Ends: 08:42:10
    Sun Alt: 19

    Legende: Key Page

    Solar Eclipse Explorer

    Das muss es sein, was Helmut Schmidt meinte mit seiner Kritik an der Oberflächlichkeit von Usern in den elektronischen Medien...
  6. #6

    Zitat von Stimmviech Beitrag anzeigen
    Dass vor 6.500 Jahren die erste männliche Skulptur in einer Höhle auftaucht, bestätigt die Theorie der Patriarchalisierung Europas in diesem Zeitraum. Nachdem zehntausende Jahre lang die Höhlen Kultzentren der Urmutter waren, okkupieren nun Männer diese heiligen Orte.[...] Jedoch war nicht nur der hier vorgestellte Maya-"Großvater" kein lieber Opa, sondern ein mit Gewalt herrschender Despot.
    Für mich klingt das so ein bisschen als würden Sie die kulturelle Ansicht, dass der Ursprung der Menschheit bei einer "Urmutter" liegt, bevorzugen und alle, die diese Vorstellung vermeintlich "okkupiert" und verändert haben, sind so etwas wie böse Ketzer. Mit der Patriarchalisierung sind dann alte, gewaltbereite Opas gekommen und haben die Menschen geknechtet.

    Ja, die Geschichte ist voller gewaltbereiter Despoten. Soll ich aus Ihrem Kommentar jetzt schließen, dass unter einer Urmutter Friede, Freude, Eierkuchen geherrscht hätten?

    Außerdem finde ich es... interessant... den Fund eines Figurentorsos ohne Brüste als Beleg für schwerwiegende gesellschaftliche Veränderungen im Verhältnis der Geschlechter zu sehen. Vielleicht gab es schon vorher männliche Figuren, aber es wurde noch keine aus früherer Zeit gefunden; vielleicht ist es gar keine männliche Figur usw.

    Klingt alles zusammen etwas sehr ideologisch.
  7. #7

    Schreckzeichen

    Auch die Römer reagierten auf sogenannte "Schreckzeichen" mit Sühnefesten und vom Senat festgelegten Bet-Tagen. Schreckzeichen waren beispielsweise ein Blitzeinschlag in einen Tempelfries, Sonnen- und Mondfinsterinesse, die Geburt missgebildeter Kinder, Überschwemmungen usw. Erst nach Abhaltung der Sühnefeiern durften die Konsuln mit den konsularischen Heeren in ihr Zielgebiet abgehen. (Livius, Römische Geschichte)
  8. #8

    Zitat von karstenkru Beitrag anzeigen
    Ich bin kein Experte, und vielleicht liege ich falsch, aber Els Encantats
    würde ich mit "Die Erfreuten" uebersetzen.
    Das spanische Verb "encantar" kann sowohl "verzaubern" als auch "entzücken" bedeuten.
  9. #9

    Zitat von Stimmviech Beitrag anzeigen
    Dass vor 6.500 Jahren die erste männliche Skulptur in einer Höhle auftaucht, bestätigt die Theorie der Patriarchalisierung Europas in diesem Zeitraum. Nachdem zehntausende Jahre lang die Höhlen Kultzentren der Urmutter waren, okkupieren nun Männer diese heiligen Orte. Archäologie und Macht: Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte: Amazon.de: Gabriele Uhlmann: Bücher
    Während sich die Menschheit weltweit bis in die Jungsteinzeit auf die Urmutter zurückführte, bekommt mit Beginn des Patriarchats bei den Völkern der "Großvater" Bedeutung, so auch bei den hier vorgestellten Maya. Bis der Urvater (Gott) Alleinherrscher wird, vergehen allerdings nochmals tausende Jahre. Bei den noch polytheistischen Maya wurde dieser Prozess durch die Christianisierung durch die europäischen Eroberer nur beschleunigt. Jedoch war nicht nur der hier vorgestellte Maya-"Großvater" kein lieber Opa, sondern ein mit Gewalt herrschender Despot.
    Die Erforschung prähistorischer Kultur-, und Geschichtszusammenhänge ist hochinteressant. Allerdings bedingt die feministische Perspektive - so sehr eine kritische Sicht auf die moderne und historisch gewachsene Diskriminierung von Frauen auch berechtigt und erwünscht sein mag - doch die Gefahr, Analyse und Konzept zur Überwindung in einem Zirkelschluss zu verknüpfen.

    Außerdem besteht die Gefahr, dass die intrinsische Moral des Geschlechterkampfes zu einer ideologisch verfestigten Gesinnungsethik führt, die einer sachlichen und kritisch-distanzierten Wissenschaftsdebatte diametral entgegenstünde.