Deutscher Debütfilm "Oh Boy": Ein Feigling sieht anders aus

X VerleihEin Glücksfall für das deutsche Kino! In "Oh Boy" driftet ein junger Mann durch Berlin. Wer jetzt noch mehr Hauptstadt-Hype oder noch ein Prekariats-Porträt fürchtet, liegt falsch. Schon allein das glänzende Spiel von Tom Schilling verleiht dem Film Format - und Haltung.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/de...-a-863700.html
  1. #1

    "Der Regisseur empört sich über Matzes Gekicher und schimpft ihn einen verwöhnten Staatstheater-Heini, der Matze-Darsteller Hosemann als Ensemble-Mitglied der Berliner Volksbühne gewissermaßen ja auch ist - einer der vielen aberwitzig klugen Drehbuch-Einfälle."
    Also wenn das ein "aberwitzig kluger" Drehbuch-Einfall sein soll, möchte ich lieber nicht wissen, was der Film sonst noch so zu bieten hat.
    Das tolle Handlungskonzept "Schweigsamer Loser driftet durch Großstadt" (umgesetzt natürlich in Schwarzweiß) wurde seit Nouvelle-Vague-Zeiten zillionenfach runtergefilmt. Protagonist ist dann immer ein Studienabbrecher oder chronisch erfolgloser Möchtegernkünstler, der in halbleeren Wohnungen vor sich hin starrt oder am Tresen abhängt.

    Und auf therapeutische Szenen wie...
    "In einer Szene etwa besuchen Niko und sein Schauspieler-Freund Matze eine Inszenierung, in der Julika tänzerisch ihr gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper verarbeitet."
    ... verzichte ich dankend.
  2. #2

    Spiegel am Morgen

    Wenn man sich zum Tagesbeginn gleich mal gepflegt runterziehen lassen möchte - dann klickt man ins SPON-Forum. Verlässlich bekommt man hier Blüten der Grämlich- und Übellaunigkeit um die Ohren gehauen. Schön, diese Konstanz in dieser so unübersichtlich und schnell gewordenen Welt.

    Schön übrigens auch die Musik im Trailer. Ich werds mir mal anschauen gehen, denke ich.
  3. #3

    Starttermin?

    ...hört sich ja vielversprechend an! Wann läuft er denn in den Kinos an?
  4. #4

    plädoyer für kleine filmfeste - eröffungsfilm in oldenburg

    ein kleines aber feines filmfest findet alljährlich in oldenburg statt. dort war "Oh Boy" zugleich eröffnungsfilm und gewinner des festivals. es war ein glück diesen film dort gesehen zu haben und ich bin heilfroh, dass trotz der nicht zu fassenden politik der (sic!) stadtratsfraktionen von SPD und Grünen gegen das filmfest oldenburg dieses stattfinden konnte. Ein lohnwertes filmerlebnis mit einem großartigen tom schilling in einem erstaunlich gelungen erstlingswerk des jungen regisseurs ole gerster.
  5. #5

    plädoyer für kleine filmfeste - eröffungsfilm in oldenburg

    ein kleines aber feines filmfest findet alljährlich in oldenburg statt. dort war "Oh Boy" zugleich eröffnungsfilm und gewinner des festivals. es war ein glück diesen film dort gesehen zu haben und ich bin heilfroh, dass trotz der nicht zu fassenden politik der (sic!) stadtratsfraktionen von SPD und Grünen gegen das filmfest oldenburg dieses stattfinden konnte. Ein lohnwertes filmerlebnis mit einem großartigen tom schilling in einem erstaunlich gelungen erstlingswerk des jungen regisseurs ole gerster.
  6. #6

    Tapferer deutscher Filmsoldat

    Hipster, Touristen und Bionade-Mütter mögen fehlen, aber die schwäbische Bedienung im Bio-Café und die entsprechende Sojamilchoption müssen bereits im Trailer herhalten. Bestimmt kein schlechter Film, aber so wenig wie Knoblauch und Kohle noch keinen Sommer machen (Lydia Daher; Tapferer deutscher Grillsoldat), machen ein jazziger Soundtrack und schwarzweiße Bilder noch keinen Glücksfall für das deutsche Kino. Ich begnüge mich damit, dass Tom Schilling und ein paar talentierte Dartsteller mehr, aus einer netten Story einen unterhaltsamen Film gemacht haben.
  7. #7

    ...

    Allein wegen Tom Schilling lohnt es sich vermutlich schon, den Film anzuschauen. Der hat schon in Napola brilliert. Einerseits subtil, zurückhaltend, gleichzeitig stark in der Haltung.

    Da stört es mich auch nicht, daß die Handlung als Skizze angeblich schon so oft verfilmt wurde. Kann ja auch ein Zeichen dafür sein, daß solche Stoffe zeitlos sind und eine tiefere Bedeutung haben.
  8. #8

    sehr fein!

    heute abend gabs die kleine, aber feine premiere in potsdam im thalia kino. protagonist und regisseur waren anwesend. die sprache des films ist so sensibel wie die hauptfigur und dabei so auf den punkt gebracht. allein die aussage, dass es kein berlin u kein generationenfilm sein soll kann ich nicht so ganz glauben. vermutlich hätte ich den film nicht geschaut, wenns nicht berlin gewesen wär u wenns nicht die abwesenheit von hippness im voraus zu lesen gegeben hätte. und so schafft er es auch mit mitteln wie s/w und songs, die schon etwas länger im cd stapel liegen u eben dieser abwesenheit von bionade, aber in anwesenheit von sojamilch, einen zurückzuversetzen. und ja, da wird einem warm ums herze :-) und immer wieder diese frage: "sie sind wohl nicht von hier ..." stärkste szene: michael gwisdek in der kneipe. weshalb der dann zum schluss tot umfallen muss, bleibt dahingestellt. am ende fehlt dann doch das funkensprühen und diese nuance esprit, was bis dahin so charmant und wie ganz natürlich versprüht wurde. mag sein, dass der regisseur es nie so meinte, aber das ist mein berlin. und der typ, der sich da durch den tag lebt, ist ganz sicher kein loser. spielte der film weiter wäre diese fiktive figur sicher bald dieser phase "entwachsen". chapó für so viel treffsicherheit und dieser liebevollen und auch sakastischen zeichnung eines manchmal irren alltags.
  9. #9

    „verzichte ich dankend.” h.hass

    was wäre es schön wenn Menschen wie der/ die/ das hass(!!) einfach dankend auf´s Kommentieren verzichten würden. Wenn er/sie/es keine Ahnung hat worum es geht sollte er/sie/es einfach die Klappe halten! und nur mal nebenbei: Der Film ist in jeder Hinsicht wunderbar! Ich empfehle sich eine persönlich Meinung zu bilden - und ggf. DANN diese kund zu tun!