Deusche Postdocs in den USA: Land der begrenzten Möglichkeiten

CorbisFrüher galt: Wer in Deutschland Professor werden möchte, sollte die USA kennen. Heute wollen viele Nachwuchsforscher gar nicht hin oder schnell wieder zurück, berichtet das Hochschulmagazin "duz". Zu teuer sind die Staaten - und zu risikoreich.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...-a-862220.html
  1. #1

    Good old days

    Ach, wie inspirierend und für alle vorteilhaft war es im Vergleich dazu doch noch in den 90er Jahren. Mit Stipendium des DAAD ohne Hürden in Berkeley forschen und anschliessend in Deutschland eine Topposition bekommen.
  2. #2

    Etwas dümmliche Schlussfolgerungen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Früher galt: Wer in Deutschland Professor werden möchte, sollte die USA kennen. Heute wollen viele Nachwuchsforscher gar nicht hin oder schnell wieder zurück, berichtet das Hochschulmagazin "duz". Zu teuer sind die Staaten - und zu risikoreich.

    Deutsche Forscher haben in den USA wenige Perspektive - SPIEGEL ONLINE
    Dass deutsche Wissenschaftler begehrt sind und in aller Welt lehren, ist eine gute Sache. Auch und gerade für Deutschland. Obwohl es natürlich nicht schlecht wäre, wenn es auch in Deutschland genug Lehrpersonal gäbe, um das Phänomen der überfüllten Hörsäle und schlecht betreuten Studenten endlich abzuschaffen. Es gibt leider gar keinen Grund, die deutschen Verhältnisse in irgendeiner Form zu bejubeln. Dazu sind die deutschen Unis immer noch viel zu kleinkariert und zu eng und erfüllen ihren Lehrauftrag mehr schlecht als recht.
  3. #3

    optional

    "Warum sollte man seine Forschung in den USA vorstellen, wenn man dort ohnehin keine längerfristige Perspektive hat?"

    Weil die Einstellungsverfahren im deutschen akademischen Betrieb oft durch Klüngel, Protektionismus, "Nasenfaktor" und oberflächliches Pseudo-Prestige geprägt sind. Es ist nämlich immer noch so, dass sich die Universitäten lieber mit jemandem brüsten, der mal in Amerika gerarbeitet hat, als dass sie jemanden einstellen, der nur in Dt. gearbeitet, aber deutlich mehr publiziert hat.

    Das ist ja in gewissem Maße auch berechtigt, weil so die internationale Vernetzung der Universitäten vorangetrieben wird.

    Das Auswahlverfahren für professorale Stellen in den USA ist auch wesentlich umfangreicher, gründlicher, objektiver und gerechter als in Deutschland. Für eine Stelle als Assistant Prof. sind mehrere Vorstellungsgespräche, eine gründliche Evaluation der Publikationen und oft auch eine Stunde Probeunterricht üblich. Für Juniorprofessuren in Dt. braucht man oft nichts als die richtigen Kontakte. Mir ist bspw. eine Juniorprofessurin hier bekannt, die bei der Einstellung nichts als zwei Aufsätze publiziert hatte, während viele Postdocs eine Monographie, eine Herausgeberschaft und deutlich mehr Aufsätze vorzuweisen haben...

    Unbefristete Stellen sind in den USA die Regel oder wenigstens mehrjährige Verträge mit Option auf Verlängerung, während in Dt. 80-90% aller universitären Mitarbeiter nur über befristete, oftmals nur kurzzeitig befristete Verträge verfügt, von reinen Ausbeutungsverhältnissen wie dem Privatdozententum ganz zu schweigen. Wenn man einem Amerikaner die deutschen Verhältnisse erläutert, muss der ungläubig lachen.
    In meinem Fach ist schon lange niemand mehr Professor geworden, der nicht entweder an einer Uni im Ausland gearbeitet hat - muss noch nicht einmal eine der Elite-Unis sein - oder wenigstens von einem einflussreichen deutschen Prof. protegiert wurde.

    Dazu kommen noch vielerlei andere Vorteile der USA gegenüber Deutschland.

    Erstens ist der englischsprachige Raum ca. vier Mal größer ist als der deutschsprachige und bietet dem entsprechend mehr Karrierechancen, wenn man global flexibel ist.

    Zweitens sind viele der deutschen Hochschulen angesichts der hohen Studentenzahlen immer noch total unterbesetzt. Vorlesungen mit mehreren hunderten von Studenten gehören hier ja zum Alltag. In den USA gilt ein Lehrdeputat von 7 Lehrveranstaltungen im Jahr schon als hoch, vielerorts sind nur 4-6 Veranstaltungen üblich, in Deutschland sind 10-12 Lehrveranstaltungen im Jahr für Professoren absolut normal.

    Drittens ist in den USA das Gehalt Verhandlungssache und fällt gelegentlich deutlich besser aus als in Dt.

    Viertens sind die Budgets der guten (!) amerikanischen Universitäten immer noch dramatisch höher als alles, was in Dt. auch nur denkbar wäre. Die im Artikel erwähnte UC Berkeley (ca. 35.000 Studenten) verfügt über ein Budget von ca. 1,7 Milliarden $, was fast doppelt so hoch ist wie der Etat aller drei großen Berliner Universitäten (UDK ausgenommen), an denen insgesamt ca. 120.000 Studenten studieren.

    Kurzum: Ich schätze, dass die Karrierechancen in den USA deutlich besser und fairer sind als in Deutschland.
  4. #4

    Lol

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Früher galt: Wer in Deutschland Professor werden möchte, sollte die USA kennen. Heute wollen viele Nachwuchsforscher gar nicht hin oder schnell wieder zurück, berichtet das Hochschulmagazin "duz". Zu teuer sind die Staaten - und zu risikoreich.

    Deutsche Forscher haben in den USA wenige Perspektive - SPIEGEL ONLINE
    195 Wissenschaftler 2007 das ist ja ne richtige Bewegung gewesen. Und nächste Woche ist es wieder andersherum. muuuah
  5. #5

    es kann nicht jeder Professor werde...

    es kann nicht jeder Professor werden, aber Dr schon.... man muß nur vor Augen haben daß die Zeit begrenzt ist und die Amis einen hinterher gnadenlos rauswerfen. Das kann nur die Politik ändern....
  6. #6

    Märchenstunde

    wenn die amerikanischen Hochschulpräsidenten meinen, ausländische Forscher ausgebildet zu haben. Deutsche Post-Docs sind in Deutschland ausgebildet worden und setzen dann ihr Know-How bei der Arbeit in den US-Labors ein. Zwar lernen sie auch dort hinzu, aber der größte Teil der Bildung stammt zum Zeitpunkt (=> nach 2-3 Jahren ) der bedauerten Heimkehr ja wohl aus den hiesigen Landen. Was die amerikanischen Kollegen natürlich völlig richtig sehen: ohne die stete Versorgung mit ausländischen Post-Docs wäre es ganz schnell vorbei mit der amerikanischen Spitzenstellung in der Forschung.

    Was die Situation in den Lebenswissenschaften angeht, kann die USA noch mit einem ungeheuren Pfund wuchern. Durch die gänzlich andere Risikomentalität vor allem bei den Geldgebern gibt es dort eine Unmenge von Start-Ups und kleineren Biotech- Firmen, die auch außerhalb der staatlichen Forschungsinstitute einen beachtlichen Arbeitsmarkt bereit stellen. Hierzulande droht gar zu schnell Hertz IV.
  7. #7

    Zitat von keksguru Beitrag anzeigen
    es kann nicht jeder Professor werden, aber Dr schon.... man muß nur vor Augen haben daß die Zeit begrenzt ist und die Amis einen hinterher gnadenlos rauswerfen. Das kann nur die Politik ändern....
    Zur Forschung in den USA muss man wissen, dass diese zum größten Teil vom Pentagon finanziert werden. Insbesondere die Publikationen des MIT machen dies sehr deutlich.
    In Deutschland gibt es ja schon Probleme, wenn man an zivilen Sateliten forscht, da diese auch militärisch genutzt werden können. Auch insbesondere in den wichtigen Werkstoff- und Materialwissenschaften ist das sehr problematisch (Stähle für U-Boote, Schiffe, Flugzeuge, Panzerungen oder Rüstungen aus Kevlar), da dies sehr wichtige Grundlagenforschung ist. Komischerweise kommen diese Proteste immer aus dem ASTA, der mit Soziologie-, Politik- und sonstigen entbehrbaren Studenten besetzt ist. Betroffen sind von solchen technikfeindlichen Regelungen dann aber die Ingenieur-, Informatik- und NaWi-Studenten, die meist ohne ideologische Voreingenommenheit an die Sachen rangehen. Das diese dann lieber in den USA forschen ist dan kein Wunder. Wenn man sich einmal vernünftig in den USA sozialisiert hat, kommen nur noch relativ wenige Forscher zurück.

    Deutschland sollte deshalb stark technisch geprägte Wissenschaftler noch stärker fördern und das Geld aus unwichtigen Bereichen abziehen. Ich fragte mich beispielsweise schon immer, warum Germanistik-Studenten in nichtdeutschsprachige Länder, wie die USA, Südamerika oder China müssen (natürlich gefördert vom DAAD).
  8. #8

    Ein Scherz

    Schlecht recherchiert und seltsame Konsequenzen.
    Nach 2 Jahren Postdoc in den USA und einem Jahr wieder in D, musste ich feststellen dass obwohl es schwer ist bei vielen Bewerbern auf eine US-Stelle in die top 5 zu kommen, es dort WENIGSTENS STELLEN GIBT.. anders als hier. Leider werden in Deutschland zur Zeit frei werdende Stellen komplett gestrichen. Die Alternativen lauten also: USA, China oder Hartz IV. PS. an meiner Leistung liegt es nicht.
  9. #9

    Zitat von Wololooo Beitrag anzeigen
    ...
    Komischerweise kommen diese Proteste immer aus dem ASTA, der mit Soziologie-, Politik- und sonstigen entbehrbaren Studenten besetzt ist. Betroffen sind von solchen technikfeindlichen Regelungen dann aber die Ingenieur-, Informatik- und NaWi-Studenten, die meist ohne ideologische Voreingenommenheit an die Sachen rangehen.
    ...
    An der in Deutschland verbreiteten Haltung zu Krieg und Waffenforschung können die Unis ja nichts dafür. Und trotzdem sind "wir" ja trotzdem noch einer der größten Exporteure von Waffentechnik.

    Dass du jedoch von "entbehrbaren" Studenten redest, zeigt deutlich deine Geistehaltung, die ich in keiner Weise teile oder befürworte (als MINT-ler).