Umstrittene Arznei-Rücknahme: Ministerium lässt Pharmafirma gewähren

CorbisEin Arzneimittelkonzern hat ein Leukämie-Mittel vom Markt genommen, um es als Therapie bei Multipler Sklerose wieder zuzulassen - mehr Umsatz ist ihm sicher. Ärzte reagierten mit heftiger Kritik und forderten strengere Regeln. Doch im Gesundheitsministerium will man davon nichts wissen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-862884.html
  1. #1

    Wenn ein Wirkstoff nur für eine Behandlungssituation zugelassen werden darf obwohl er für mehrere hilfreich ist,
    dann ist das Vorgehen der Firma akzeptabel.

    Dann ist vielmehr die Gesetzeslage unethisch.
  2. #2

    Ich sag nur...

    ... Viagra. Sildenafil wurde schon lange durch bessere Wirkstoffe ergänzt. Die Off-the-Label-Nutzung bei bestimmten Gefäßerkrankungen, die mit anderen Wirkstoffen nicht möglich wäre, ist aber aufgrund Pfizers Kostenpolitik kein billiges Unterfangen. 100 mg unter 10 EUR aufzutreiben ist fast unmöglich. Dadurch kommen bei chronischen Erkrankungen an Gefäßen bei Behandlung mit Sildenafil, für das es ursprünglich entwickelt wurde, mehrere hundert Euro im Monat zusammen.
  3. #3

    Ich kann mir zumindest vorstellen, dass mit der Vielschichtigkeit die vielen Schichten Euro-Scheine gemeint sind, um die es sich bei diesem Thema dreht.

    Da grübelt unsere EU-Häuptlinge doch gerne mal so lange über das Thema herum, bis der Sturm sich wieder gelegt hat. Dauert sicher nicht lange ...
  4. #4

    Zulassung für mehrere Indikationen

    Zitat von sprechweise Beitrag anzeigen
    Wenn ein Wirkstoff nur für eine Behandlungssituation zugelassen werden darf obwohl er für mehrere hilfreich ist,
    dann ist das Vorgehen der Firma akzeptabel.

    Dann ist vielmehr die Gesetzeslage unethisch.
    Selbstverständlich kann ein Wirkstoff für mehrere Indikationen zugelassen werden, auch nachträglich. Der Preis ist allerdings unabhängig von der Indikation, sofern die Dosis und Verabreichungsform identisch ist. Es geht der Firma Genzyme hier also ausschließlich darum, einen höheren Preis zulasten der Solidargemeinschaft durchzudrücken. Dafür nimmt Genzyme sogar in Kauf, dass Leukämie-Patienten nicht mehr ideal behandelt werden können.
  5. #5

    Patienten mit MS wird wichtiges Medikament nicht weiter vorenthalten

    Könnte die Schlagzeile nicht auch so lauten? Solange mir keiner erklärt, dass eine Zulassung für beide Anwendungen problemlos möglich wäre, finde ich das jedenfalls angebracht...

    Wenn das allerdings nicht der Fall ist - ja dann ist die Gesetzeslage einfach nur hirnrissig. Da können dann die Pharma-Firmen aber nix für.
    Und es erscheint mir nur logisch dass es so ist: Sonst würde die schlaue Pharma-Firma nämlich einfach an ALLE Patienten und nicht entweder oder verkaufen - warum soll sie auf die Leukämie-Patienten verzichten?

    Weiterhin frage ich mich dann, was daran unetisch ist, ein Medikament für den Bereich zuzulassen, in dem er den meisten Menschen helfen kann wenn es schon scheinbar anders nicht möglich ist.
  6. #6

    Den Pharma-Unternehmen geht es um die Gesundheit des Geldbeutels

    Wer glaubt, dass diese Gesundheitsindustrie Gesundheit bewerkstelligen will, glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.

    Es geht den pharmazeutischen Unternehmen um Gewinne. Wenn Gesundheit als Nebenprodukt abfällt, ist das fein. Mehr nicht.

    Man frage sich doch bloß, warum wir Unsummen in die künstliche Behebung von banalen Zivilisationskrankheiten stecken.
    Die Ärzte - nicht bloß gezwungenermaßen ein Teil des Kartells der Absahner - könnten zum Beispiel ihre fetten, behäbigen Patienten schlicht zu einer gesünderen Lebens- und Bewegungsweise anhalten.
    Aber irgendein dusseliges Medikament zu verschreiben ist natürlich einfacher.
    Da hat er dann was, der Patient. Und muss sich nicht bloß fett und faul fühlen.
  7. #7

    Lobbyisten-

    Im Kabinett von Frau Merkel regieren die Lobbyisten.
    Die mächtigste Frau der Welt ist ein Witz.
  8. #8

    Es geht nur um Profit

    Zitat von DerDodga Beitrag anzeigen

    Wenn das allerdings nicht der Fall ist - ja dann ist die Gesetzeslage einfach nur hirnrissig. Da können dann die Pharma-Firmen aber nix für.
    Und es erscheint mir nur logisch dass es so ist: Sonst würde die schlaue Pharma-Firma nämlich einfach an ALLE Patienten und nicht entweder oder verkaufen - warum soll sie auf die Leukämie-Patienten verzichten?
    Weiterhin frage ich mich dann, was daran unetisch ist, ein Medikament für den Bereich zuzulassen, in dem er den meisten Menschen helfen kann wenn es schon scheinbar anders nicht möglich ist.
    Darum geht es doch gar nicht. Genzyme könnte ihr Medikament ja problemlos zusätzlich für MS zulassen lassen. Stattdessen nimmt Genzyme die Zulassung für Leukämie zurück, obwohl das nicht nötig wäre. Man kann problemlos ein Medikament für mehrere Indikationen zulassen, das ist sogar der Regelfall. Aspirin ist ein bekanntes Beispiel.

    Warum macht Genzyme das trotdzem? Um deutlich mehr Geld für das Medikament zu verlangen. Die deutlich höheren Einnahmen machen die Verluste aufgrund der geringeren Leukämie-Verschreibungen mehr als wett. Ein typisches Beispiel dafür, dass es der Pharmaindustrie ausschließlich um's Geld geht, zur Not halt auch auf Kosten anderer.
  9. #9

    Wie genau soll das funktionieren?

    Zitat von smartinus Beitrag anzeigen
    Selbstverständlich kann ein Wirkstoff für mehrere Indikationen zugelassen werden, auch nachträglich. Der Preis ist allerdings unabhängig von der Indikation, sofern die Dosis und Verabreichungsform identisch ist. Es geht der Firma Genzyme hier also ausschließlich darum, einen höheren Preis zulasten der Solidargemeinschaft durchzudrücken. Dafür nimmt Genzyme sogar in Kauf, dass Leukämie-Patienten nicht mehr ideal behandelt werden können.
    Wie genau hängt denn der Preis mit einer erneuten Zulassung zusammen? Ich habe schon öfters sowas gehört, aber nirgends wurde das so richtig erklärt. Sie sagen ja auch selbst er ist unabhängig von der Indikation - also müssen Leukämiepatienten auch in Zukunft nicht mehr bezahlen oder was verpasse ich?

    Die werden sich wohl nicht einfach irgendwas aus den Fingern saugen können was einen neuen Preis angeht? Im Artikel hört es sich für mich vielmehr so an, dass MS-Patienten potentiell in ihrem Leben mehr von diesem Medikament zu sich nehmen werden und es auch mehr MS Patienten gibt - das hat aber in meinen Augen nichts mit dem Preis zu tun, den eine "Wirkeinheit" hinterher hat...

    Wo genau der wirtschaftliche Sinn ist, ein Medikament für eine "Kundengruppe" unzugänglich zu machen ist mir nicht so ganz klar.