EU-Gerichtshof: Entschädigung bei starker Flugverspätung ist rechtens

DPAVerspätet sich der Flieger um mehrere Stunden, haben Kunden Anspruch auf eine pauschale Ausgleichszahlung von bis zu 600 Euro - diese Regelung gilt seit Jahren. Der Europäische Gerichtshof hat die entsprechende Verordnung in einem Grundsatzurteil bestätigt.

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/...-a-862862.html
  1. #1

    Missachtung auf der Linie

    Lufthansa und Germanwings missachten seit Jahren ein Urteil des EUGH vom 16.10.2008 in der Rechtssache C-298/07

    Das neue Urteil wird auch missachtet, weil niemand in Deutschland kontrolliert, was die Airlines tun......
  2. #2

    Ich warte seit einem dreiviertel Jahr

    auf die Entschädigung von AirLingus, nun geht auch dieser Fall zum Gericht - als ob die Richter nichts besseres zu tun haben. Dabei hatte AirLingus sogar zugegeben, dass ein Defekt am Flugzeug vorlag, der zu einer vierstündigen Verspätung führte.
  3. #3

    Hinhaltetaktik bei Air Berlin

    Nach Flugüberbuchung und verspätetem Alternativflug hat Air Berlin monatelang eine Hinhaltetaktik vollzogen. Erst der Hinweis auf eine Zivlklage mit Hilfe von www.flightaware.de (auch: www.flightright.de) mit Fristsetzung führte zur sofortigen Zahlung. Ebenso sollte eine Meldung an das Luftfahrtbundesamt (LBA) erfolgen. Ein Beschwerdeformular gibt es auf deren Homepage.
    Viel Erfolg!
  4. #4

    Alles nur Augenwischerei

    Zugleich wiesen die Luxemburger Richter darauf hin, dass der Anspruch entfällt, wenn die Verspätung auf "außergewöhnliche Umstände" wie Terroranschläge, heftige Gewitter oder ähnliche Gründe zurückzuführen sei, die nicht im Verantwortungsbereich der Airline lägen.
    Damit (techn. Defekt) hat sich die Lufthansa bisher bei mir immer heraus geredet.

    Außerdem gilt das Ganze eh nur bei Airlines, die in der EU ihren Hauptsitz haben. Eine indische Airline hat bei einem Flugausfall und einer Verspätung von über 24 Std. nichts bezahlt, weil sie ihren Sitz und Gerichtsstand in Indien hat und nicht an EU Recht gebunden ist (so die offizielle Begründung der Ablehnung).

    Alles nur Augenwischerei, wenn eine Airline nicht zahlen will, dann findet sie immer einen (Aus)Weg.
  5. #5

    Und Turkish Airlines - angeblich Europas Beste?

    TK ist da fein raus. Die werben im Spiegel damit, "Europas beste Airline" zu sein. Weigern sich aber, die Entschädigung zu zahlen, da - wie selbst erlebt - der Flug ja ab dem asiatischen Teil Istanbuls gestartet sei. Der Service selbst war europäisch, nichts von türkischer Gastfreundschaft. Niemand wußte was Genaues, die Warteschlangen wurden im länger, kein zusätzlicher Schalter. Der Start war schließlich sechs Stunden verspätet. Es gab 0,3 l irgendeines Mulitvitamin-Saftes und ein pappiges, in Plastikfolie eingewickeltes Sandwich für die gesamte Wartezeit.
  6. #6

    Air France nicht besser

    Die Air France ist da kein bisschen besser, sie zahlen nicht, sie informieren nicht. Man muss vor Gericht ziehen, um sein Recht zu bekommen.
  7. #7

    sehr seltsame Entscheidung/ nutzen die Richter auch mal ihr Hirn?

    Ich hab mir letzte Woche bei EasyJet ein Ticket Berlin - Barcelona für 49 Euro gekauft. Wenn der Flug 3 Stunden Verspätung hat, kann ich einfach 250 Euro (also mehr als das 5-fache des Ticketpreises) als Entschädigung fordern... Ich frage mich, ob die Richter ihr Hirn benutzen.
  8. #8

    Gilt nicht für Code-Sharing-Flüge

    Ich hatte bei Lufthansa einen Flug in die USA mit Umstieg in Chicago gebucht, der Anschlussflug in den USA trug auch eine LH-Nummer. Trotzdem wurde mir die Entschädigung nicht zugestanden, weil es sich um einen Code-Sharing-Flug handelte. Lufthansa hatte zwar das komplette Paket verkauft, jedoch wurde der Anschlussflug in den USA von einer anderen Airline durchgeführt. (Wir hatten, weil der Anschlussflieger verpasst wurde, insgesamt 5 Stunden Verspätung am Zielort.) Und auf diesem Wege schleichen sich die Fluggesellschaften aus ihrer Verantwortung. Leider weiß das kaum jemand - und ich habe das Gefühl, dass die Fluggesellschaften das absichtlich verschweigen und vor allem ausnutzen bzw. dass bei Gesetzeserlass die Richter das glattweg übersehen haben, dass da ein riesiges Schlupfloch klafft.
  9. #9

    Recht haben vs. Recht bekommen

    Bin seit meinem Condor-Flug DE5740 am 23.11.2012 erstmals akut "betroffen" (8h Verspätung wegen technischem Defekt, wobei die Condor ohne Angabe von Details auf einen "außergewöhnlichen Umstand" plädiert und mir empfiehlt vor Gericht zu gehen, um die fälligen 400 EUR zu erstreiten). Das Spiel scheint mir ein typischer Fall von "Recht haben vs. Recht bekommen" zu sein, da man als Passagier nicht nur den Schaden, sondern auch noch den Aufwand und das Kostenrisiko eines Rechtsstreits zugeschoben bekommt.
    Der Geist der VO war (hoffentlich) nicht ein neues Geschäftsfeld für "juristische Dienstleister" zu schaffen, die sich bei der Durchsetzung berechtigter Ansprüche zu Lasten des Passagiers prozentual "beteiligen".
    Der Gedanke hinter der EU VO 261/04 war aber ausdrücklich, die "Ärgernisse" für Passagiere zu reduzieren. Dazu würde es meiner Ansicht nach auch gehören, berechtigte Ansprüche von Passagieren zentral einzutreiben und dann auszuzahlen. Ansonsten neutralisiert der zusätzliche Ärger für die Auseinandersetzung mit der Airline sofort die "ausgleichende" Wirkung einer Zahlung von ein paar hundert Euro, sofern diese überhaupt je erfolgt.
    Solange jeder Passagier individuell auf Entschädigung klagen muss, leidet auch die gewünschte abschreckende Wirkung für die Airlines erheblich, die ja eigentlich motiviert werden sollten, die Zuverlässigkeit der Beförderung z. B. durch das Vorhalten zusätzlicher Crews und Flugzeuge zu steigern.
    Traurig ist auch, dass die EuGH Rechtssprechung zur Gleichstellung von großer Verspätung und Anullierung offenbar noch nicht Bestandteil der Pflichtinformations über Fluggastrechte ist. Die meisten Aushänge und Broschüren beziehen sich nur auf den Inhalt der Verordnung von 2004, der dieses Thema nicht klarstellt.