Schweine- und Hähnchenmast: Schutzbund bringt Label für "tierfreundliches" Fleisch he

dpaKann es so etwas wie glückliche Schnitzel geben? Nein, meint der Tierschutzbund, aber die Zeit vor der Schlachtung lässt sich verbessern. Betriebe mit entsprechenden Standards sollen künftig das Label "Für Mehr Tierschutz" erhalten.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/ser...-a-862804.html
  1. #1

    Noch ein Label?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kann es so etwas wie glückliche Schnitzel geben? Nein, meint der Tierschutzbund, aber die Zeit vor der Schlachtung lässt sich verbessern. Betriebe mit entsprechenden Standards sollen künftig das Label "Für Mehr Tierschutz" erhalten.
    Die ganze Etikettiererei trägt zwanghafte Züge und offenbart eine erschreckende Unfähigkeit, zwischen Ursachen und Symptomen zu unterscheiden.
    Letztlich ist die ganze agro-industrielle Produktion - einschließlich der Intensiv-Tierhaltung und der nachgeschalteten Mega-Schlachthöfe - Ausdruck von Verbraucher-Präferenzen. Sprich: Dem Unwillen, für Nahrungsmittel angemessene Preise zu bezahlen.

    Kein Bauer betreibt Intensiv-Mastställe, weil er gern Tiere quält. Er tut dies, weil ihn der Kostendruck dazu zwingt. Bauern, die sich diesem Zwang verweigern, besetzen entweder kleine Nischenmärkte, oder geben die Landwirtschaft auf.

    Wer im Supermarkt auf der grünen Wiese sein Fleich in erster Linie nach dem Preis aussucht, den wird auch das X-te Klebelogo zu keiner Verhaltensänderung veranlassen. Und das ist nicht in erster Linie ein Armutsphänomen - man schaue sich mal an, was für Autos vor den Aldi und Penny Märkten der Republik parken.
    Es wäre viel damit geholfen, würden Natur-, Tier- und sonstige Schützer endlich mal gemeinsam mit den Landwirten (!) die Vorteile einer regionalen Produktion und Vermarktung bewerben. Bäuerliche Landwirtschaft, Erhaltung der Kulturlandschaft und Heimatschutz, Nahrungsmittelsicherheit, kurze Transportwege und Klimaschutz - all das ließe sich gemeinsam fördern. Wenn man denn wollte.
  2. #2

    Schön wär's ja...

    Der Verbraucher hat es schon heute in der Hand und ist nicht gezwungen Billigfleisch zu kaufen oder überhaupt Fleisch zu essen. Ob da ein neues Label etwas ändert? Ich glaube nicht. Hoffe aber das Beste und wünsche gutes Gelingen!
  3. #3

    Zitat von robertelee Beitrag anzeigen
    Die ganze Etikettiererei trägt zwanghafte Züge und offenbart eine erschreckende Unfähigkeit, zwischen Ursachen und Symptomen zu unterscheiden.
    Letztlich ist die ganze agro-industrielle Produktion - einschließlich der Intensiv-Tierhaltung und der nachgeschalteten Mega-Schlachthöfe - Ausdruck von Verbraucher-Präferenzen. Sprich: Dem Unwillen, für Nahrungsmittel angemessene Preise zu bezahlen.
    (...)
    Wenn ich im Supermarkt neben einem Stück Schwein für 5 €/kg ein Stück für 15 €/kg bei der selben Qualität liegen sehe, dann sagt mir nichts, daß dies nicht die linke und die rechte Hälfte vom selben Schwein sind oder daß der Bauer auch nur einen Cent mehr bekommen würde, wenn ich das teurere Schwein kaufe. Bei Milch bin ich mir sogar 100 % sicher, daß der Bauer nur den Einheitspreis bekommt, mit dem Rest finanziere ich den Markennamen des Wiederverkäufers. Oder anders gesagt, als Verbraucher habe ich da nicht die Möglichkeit, nach etwas Anderem als Preis und scheinbarer Qualität zu kaufen.

    Anders sieht es bei den Eiern aus. Hier habe ich die Möglichkeit, wenigstens grob die Art der Haltung zu erkennen. Vereinzelt meine ich, noch Käfigeier entdeckt zu haben, aber offenbar wird das zumindest hier nicht wesentlich nachgefragt, Freiland- und Bodenhaltung sind in Etwa ausgeglichen.
  4. #4

    BTW: Moderne Schweinerassen sind so verzüchtet, daß eine artgerechte Haltung nicht mehr möglich ist. Hier sollte man auf Fleischsorten umsteigen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit von Tieren kommen, die ihr Leben möglichst artgerecht gelebt haben. Wobei sich hier die Spanne zwischen der Kuh Nummer 3072 auftut, die vielleicht doch ihr Leben nur im Stall verbracht hat, und dem Wild, das ohne zusätzliche Qual fachgerecht geschossen wird.
  5. #5

    Verunsicherung

    Wenn ich als Verbraucher die absolute Gewissheit habe, dass das Fleisch was ich kaufe aus diesen besseren Umständen kommt ist mir das ohne zu zögern einige Euro mehr wert... egal ob das Fleisch besser schmeckt oder nicht.

    Aber nach der BIO Schwindelei hat man kaum noch Vertrauen in die Händler. Da kann wie ich froh sein der einen direkten Draht zum Schlachter hat und weiß welches Fleisch er kaufen soll.
  6. #6

    Zitat von robertelee Beitrag anzeigen
    Letztlich ist die ganze agro-industrielle Produktion - einschließlich der Intensiv-Tierhaltung und der nachgeschalteten Mega-Schlachthöfe - Ausdruck von Verbraucher-Präferenzen. Sprich: Dem Unwillen, für Nahrungsmittel angemessene Preise zu bezahlen.
    Das ist sicherlich das zentrale Problem. Allerdings lässt sich ein solcher Teufelskreis nicht einfach so durchbrechen - Labels, die gewisse Standards garantieren, können darum effektiv ein brauchbarer Ansatz sein.

    Kein Bauer betreibt Intensiv-Mastställe, weil er gern Tiere quält. Er tut dies, weil ihn der Kostendruck dazu zwingt.
    Aus Freude an Tierquälerei macht das natürlich niemand, aber "Kostendruck" ist leider auch ein Euphemismus. Umgekehrt ist treffender: Es geht primär um Gewinnoptimierung. Sowohl bei Bauern wie Abnehmern. Dass letztere heute meist am längeren Hebel sitzen und ihre Macht gegenüber den Produzenten ausspielen ist zwar auch so. Trotzdem ist es naiv zu denken, Produzenten würden freiwillig ihre Gewinnmarge substantiell reduzieren, d.h. teurer produzieren als sie können. Denn auch kaum ein Bauern verdient gerne weniger.

    Es wäre viel damit geholfen, würden Natur-, Tier- und sonstige Schützer endlich mal gemeinsam mit den Landwirten (!) die Vorteile einer regionalen Produktion und Vermarktung bewerben. Bäuerliche Landwirtschaft, Erhaltung der Kulturlandschaft und Heimatschutz, Nahrungsmittelsicherheit, kurze Transportwege und Klimaschutz - all das ließe sich gemeinsam fördern. Wenn man denn wollte.
    Regionale Konzepte haben sicherlich Vorteile und dürften deswegen auch mehr gefördert werden. Aber: In der heutigen Gesellschaft stossen diese unweigerlich an Grenzen, gerade in Ballungszentren lässt sich der Bedarf nicht einfach regional befriedigen. Und: Regionalität ist nur ein sehr begrenzter Wert wenn dieser nicht mit anderen Faktoren zusammenspielt. Gerade punkto Tierschutz, denn eine regionale Produktion muss noch lange keine tierfreundliche Produktion sein.
  7. #7

    Unnötige Zwischenstufe

    Schon heute hat es jeder selbst in der Hand, ob er Fleisch kauft, das unter den hinreichend bekannten (?) Bedingungen produziert wurde, oder ob er sich für Fleisch mit Bio-Etikett entscheidet. (Letzteres ist deutlich teurer, aber dann muss man seinen Fleischkonsum eben etwas einschränken - man stirbt entgegen landläufiger Meinung nicht davon.) Das erwähnte neue Etikett wird dagegen wohl eher für Verwirrung sorgen als für eine Verbesserung der Situation. Eine in meinen Augen unnötige Zwischenstufe und ein weiterer Schritt hin zum unübersichtlichen Logo-Friedhof auf Lebensmitteln.
  8. #8

    Transparenz

    Wie schon "7eggert" schrieb, kann mir im Moment keiner sagen, wohin ein Mehr an Preis hingeht.

    Ich wäre bereit, im Supermarkt den doppelten Preis fürs Schweinefleisch zu bezahlen, wenn das Geld sicher in die artgerechte(re) Haltung und Schlachtung gehen würde.

    Gebt den Schweinen mehr Lebensqualität - ich zahl auch dafür.

    Solange aber nicht ansatzweise transparent wird, wofür das Geld verwendet wird, bin ich raus aus der rechnung.

    Achso - und ich bin soweit ehrlich, dass ich es zugebe:
    Ich fahre sicher nicht extra zu einem Bauernhof dafür.
  9. #9

    Eigentlich eine gute Idee

    Tierfreundlich und Artgerecht ist nur die Freiheit für Tiere. Der Versuch die perverse und absolut moralfreie Fleischproduktion ein wenig humaner zu machen ist schon richtig, aber auch für Fleisch mit dem Label "für mehr Tierschutz" werden Tiere ermordet und das ist kein Tierschutz.