Jugendliche und Nebenjobs: Endlich darf ich ins Büro

Stephan AlbrechtDen Schüler Stephan Albrecht treibt eine für Erwachsene sonderbare Frage um: Warum darf ich im Alter von 12 Jahre nicht arbeiten, obwohl ich gerne würde? Im Dickicht aus Jugendschutz und Arbeitsrecht findet er eine Antwort - und sehnt sich nach seinem 13. Geburtstag.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-861076.html
  1. #1

    Lieber Stephan,

    gewöhn dich schon mal dran.

    Dieser Staat hat sich auf die Fahnen geschrieben, dich vor allem Bösen zu beschützen.

    Was Böse, bestimmt der Staat.


    Böse ist je nach Regierung mal das eine, mal das andere und es ist dabei egal, ob du das Böse den Anderen oder dir selbst zufügst.

    Manches Böse darfst du dennoch tun. Dafür gibt es einen "Ablasshandel", der sich z.B. Tabaksteuer, Ökosteuer, Branntweinsteuer, Mineralölsteuer, Bettenabgabe usw. nennt.

    Zum Ausgleich dardt du aber auch für das Gute bezahlen. Nennt sich dann EEG--Umlage, Solidaritätszuschlag usw.

    Wie gesagt: Gewöhn dich dran.

    Es herrscht hier allgemein der Konsens, dass die Bedürfnisse und Vorgaben des Staates über die Bedürfnisse und Wünsche des Einzelnen zu stellen sind.

    Big Brother ist wichtiger als du!

    Das war seit ca. 1700 Jahren immer so...
  2. #2

    ...

    Auch ein Kind sollte doch das Recht haben, wenn es selber will und großes Interesse hat, einem Beruf nachgehen dürfen, um sich ein wenig Taschengeld zu verdienen.

    Nein, ein Kind sollte nicht das Recht haben, einem Beruf nachzugehen. Es gibt eine Reihe guter Gründe, warum Kinder hier besonders geschützt werden, der Bericht listet ja einige auf. Und übrigens ist "mal etwas arbeiten am Nachmittag" auch kein Beruf. Das zu vermischen, zeigt die geistige Unreife des Autors, auch wenn er für sein Alter aufgeweckt sein mag.

    Hin und wieder sitze ich zu Hause und frage mich, was ich nur machen soll. Jeden Tag fahre ich eine halbe Stunde in meine Schule. Der Unterricht ist normalerweise nach fünf Stunden vorbei. Am Mittag mache ich meist recht zügig Hausaufgaben. Und dann?

    Soll ich bis zum Abend Computer spielen oder fernsehen?


    Ja, warum nicht? Oder Sport machen. Oder Freunde treffen. Oder sich einfach selbst beschäftigen. Lesen. Es gibt Tausende Alternativen zur Arbeit. Die Arbeit kommt noch früh genug. Und dann kann man es sich meistens auch nicht aussuchen, ob man und wie lange man arbeitet.

    Der wesentliche Punkt ist außerdem, daß man auch mal lernen muß, allein, mit sich selbst, und ohne Beschäftigung auszukommen. Es ist das Privileg der Jugend, einfach auch nur Zeit mit "Nichtstun" zu "verschwenden". Trotzdem passiert in dieser Zeit etwas mit einem. Man gewinnt an Charakter. Man prägt seine Persönlichkeit. Man gewinnt vielleicht Distanz zum Alltag und fragt sich nach den wirklich wichtigen Dingen im Leben. Arbeit und Beschäftigung lenken nur ab. Viele Menschen können sich auch nicht mit sich selbst beschäftigen und suchen ständig neue Ablenkung. Aber fast immer holt sie das irgendwann im Leben wieder ein. Wenn man z.B. mit 65 feststellt, daß man eigentlich nicht gelebt hat. Wenn man als Rentner merkt, daß man nichts hat, worüber man sich definieren kann. Daß man Wichtiges vernachlässigt hat...Freunde z.B.

    Am Ende des Lebens kann man diese Dinge kaum noch gutmachen. Daher sollte man sich am Anfang des Lebens ruhig mal in Ruhe damit auseinandersetzen.

    Arbeit an sich bringt diese Gesellschaft nicht voran. Arbeit an sich ist kein Wert. Eher ein Trugbild.
  3. #3

    spätere Erkenntnis

    Lieber Stephan,

    Du fragst Dich, weshalb Du nicht arbeiten darfst, obwohl Du es gern möchtest. Ich (Wirtschaftswissenschaftler, promoviert) sowie viele meiner Generation fragen sich mittlerweile, warum sie arbeiten müssen, obwohl sie es nicht wollen - weil es nun einmal viele interessantere Dinge im Leben gibt. Ich habe bspw. einen durchaus interessanten Job, bin oft in Lateinamerika unterwegs, habe schon viel gelernt und erlebt. Dennoch: am glücklichsten bin ich, wenn ich zuhause sein kann und meinen eigenen Hobbies, die mich wirklich erfüllen, nachgehen kann: Astronomie, Naturerlebnisse - oder in einem Computerspiel in eine faszinierende Welt eintauchen. Arbeit ist notwendig, leider, um Geld zu verdienen und "über die Runden" zu kommen. Aber um glücklich zu sein, benötigt man keine Arbeit - zumindest intelligente Menschen, die sich selbst Interessen und Leidenschaften schmieden können. Eventuell wirst Du später noch einmal zu dieser Erkenntnis finden.
  4. #4

    Keine Freunde?

    Lieber Stephan,

    wenn du mit 12 Jahren nicht weißt, was du den ganzen Tag so anstellen sollst, dann tust du mir echt leid. Hast du keine Freunde? Es kann doch nicht sein, dass mit 12 Jahren die paar Sachen, die du da aufzählst, für dich die einzigen Alternativen sind... Für mich ist es absolut verständlich, dass man sich als Kind gerne wie ein Erwachsener geben möchte, aber Erwachsene sollten das eigentlich verhindern... Ich habe mit 14 mit den normalen Kindersachen angefangen und auf dem Markt gearbeitet oder Zeitungen ausgetragen. Das ist früh genug, glaub mir. Wenn du später wirklich erwachsen bist und der Job den Großteil deines Tages und deines Lebens bestimmt, wirst du verstehen, warum man als Erwachsener über den Text eingentlich nur den Kopf schütteln kann.
  5. #5

    Lieber Hompster,

    Zitat von Hompster Beitrag anzeigen
    Für mich ist es absolut verständlich, dass man sich als Kind gerne wie ein Erwachsener geben möchte, aber Erwachsene sollten das eigentlich verhindern...
    ...das ist für mich völlig unverständlich. Wenn Stephan sich wie ein erwachsener verhalten will, lasst ihn doch. Die Idee dahinter ist anscheinend, dass man jemanden zu seinem Glück zwingen sollte. Arbeitest Du irgendwie in einem Politikbereich?

    Zitat von Hompster Beitrag anzeigen
    ... Das ist früh genug, glaub mir. Wenn du später wirklich erwachsen bist und der Job den Großteil deines Tages und deines Lebens bestimmt, wirst du verstehen, warum man als Erwachsener über den Text eingentlich nur den Kopf schütteln kann.
    ..über Stephan kann ich überhaupt nicht den Kopf schütteln, jedoch über die altväterliche Attitüde von Dir. Das Dingens mit Kindern solltest Du noch ein bisschen üben...
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Den Schüler <i>Stephan Albrecht </i>treibt eine für Erwachsene sonderbare Frage um: Warum darf ich im Alter von 12 Jahre nicht arbeiten, obwohl ich gerne würde? Im Dickicht aus Jugendschutz und Arbeitsrecht findet er eine Antwort - und sehnt sich nach seinem 13. Geburtstag.

    Kommentar zum Jugendarbeitsschutzgesetz: Endlich arbeiten - SPIEGEL ONLINE
    ich habe mir in dem Alter zusätzliche Reitstunden mit Stallarbeit verdient, kontrolliert wurde und Spaß gemacht hat es mir auch. Ich finde der Junge hat recht, andere in dem Alter machen Quatsch und wissen nicht wie sie ihre Zeit totschlagen sollen er möchte eine Arbeit und sich sein Taschengeld aufbessern.
  7. #7

    Lieber Stefan,

    lass dir von den anderen Foristen die ihre Beiträge auch alle mit "lieber Stefan" beginnen nicht den Spass an der Arbeit nehmen. Nur weil sie alle wegen ihrer Tätigkeit frustriert sind, heißt das nicht das einem ein Beruf auch Spass machen kann.

    Ich hab selber auch mit unter zwölf Jahren auf dem elterlichen Bauernhof mitgeholfen und obwohl mir das damals nicht immer Spass gemacht hat, hat es mir für mein späteres Berufsleben mehr geholfen als geschadet. Während Kollegen über Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten oder zu wenig Urlaub gejammert haben, waren diese Themen für mich im späteren Berufsleben nie eine große Belastung. Es hat mir auch nichts geschadet dass ich schon vor Beginn meiner Ausbildung wusste in welche Richtung eine Schraube gedreht wird oder dass Ölverschmierte Hände nicht gesundheitsgefährdend sind.

    Ein anderer Forist schreibt: Die Arbeit kommt noch früh genug.

    Es gibt genug Beispiele für die kommt sie zu Spät. Der ein oder andere Langzeitstudent der mit Mitte 30 noch keinem Abschluss hat weil er immer der Meinung war er muss einen Studiengang wählen, der noch interessanter ist als der bisherige, endet endet oft als Langzeitarbeisloser.

    Diese Menschen kommen dann zu Ansichten wie: "Arbeit an sich bringt diese Gesellschaft nicht voran. Arbeit an sich ist kein Wert. Eher ein Trugbild"

    In Wahrheit sind diese Menschen ehr neidisch auf Leute wie dich weil sie sich im Gegensatz zu dir, nicht mehr für eine Arbeit motivieren können.
  8. #8

    Komisch!

    auch wir leben in Bayern und haben ein Kind dieses Alters, das ein Gymnasium besucht. Allerdings ist die Schule hier nicht nach 5 Stunden zu Ende, eher nach 6, einmal sogar erst nach 8, und dann gibt es noch Hausaufgaben. Mein Kind hätte gerne etwas mehr Freizeit, sogar die ein bißchen Hilfe in Haus und Garten ist ihm schon zuviel, da zuviel Streß.
    Wurde hier um des Prinzips willen ein bißchen übertrieben?
  9. #9

    Die heutige Zeit ist traurig,...

    ... wenn 12 Jähriger lieber arbeiten gehen als ihre Freizeit zu nutzen. In dem Alter, bin ich draußen mit meinen Freunden unterwegs gewesen. Per Fahrrad in den 10km entfernten Wald und dort auf entdeckungs tour. War nicht immer ungefährlich (ich habe noch heute die Narben um das zu beweisen), aber auch viele schöne Erinnerungen. Und ja, der Beitrag von Lead341 (Antwort 3), passt. In der Heutigen Zeit sollte das Wirtschaftssystem endlich geändert werden. Selbst die Müllabfuhr wird automatisiert, in ein paar Jahren gibt es noch weniger Stellen und trotzdem muss man arbeiten. Von seiten des Staates wird nichts getan außer einem Steine in den Weg zu legen wenn man sich weiter bilden will. Und wenn ich dann Beiträge wie dieser lese, wo ein 12 Jähriger sich drüber aufregt das er nicht Arbeiten darf. Da muss ich sagen: Es ist eine traurige Welt in der wir leben. Kinder sollten ihre Kindheit genießen und wenn es darunter den ein oder anderen Spinner gibt der nicht genug Freunde hat und deshalb arbeiten gehen muss, ist das kein Grund Tür und Tor dafür zu öffnen den anderen Kindern noch den Rest ihres Lebens kaputt zu machen. Als Erwachsener muss man noch genug arbeiten, meist sogar mit den Folgen seines Unwissens und Naivität aus der Kindheit zurecht. Sei es weil man die Kindheit nicht nutzte oder weil man zu naiv war und glaubte das "es schon irgendwie wird". Es wäre schön in einer Welt zu leben in der man nicht arbeiten muss, sondern jeder das tun kann was er will und kann. Egal welchen alters. Solange das aber nicht der Fall ist, sind gesetze die Kinder erlauben Kinder zu sein, wichtig. Man muss noch früh genug Arbeiten, ob man will oder nicht. Selbst während man versucht die Fehler der Vergangenheit auszubügeln muss man arbeiten, wenn man erwachsener ist. Als jemand der Arbeiten war während er in der Abendschule sein Abitur nachgemacht hat, kann ich einfach nur sagen das system wie es ist, ist falsch. Aber ein 12 Jähriger der lieber arbeiten gehen will statt zu spielen, ist meiner Ansicht nach mehr als falsch. Ich frage mich ehrlich was da im sozialen Umfeld falsch gelaufen ist, das es einen 12 Jährigen dazu bringt arbeiten zu wollen. Mit dem Alter sollte man andere Interessen haben.