Fußball und Kapitalismus: Die Wahrheit ist auf dem Kopf

Die Frisur eines Fußballers ist längst wichtiger als der Ball, der Platz und die 90 Minuten. Nie wurde das so deutlich, wie beim lachhaften Unentschieden der DFB-Elf gegen Schweden. Das lässt auch hoffnungslose Fußballromantiker erschüttert zurück - weil es so deutlich zeigt, in welcher Zeit wir leben.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-862001.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Frisur eines Fußballers ist längst wichtiger als der Ball, der Platz und die 90 Minuten. Nie wurde das so deutlich, wie beim lachhaften Unentschieden der DFB-Elf gegen Schweden. Das lässt auch hoffnungslose Fußballromantiker erschüttert zurück - weil es so deutlich zeigt, in welcher Zeit wir leben.

    Georg Diez über Schauspiel im Fußball - SPIEGEL ONLINE
    fußball ist auch popkultur, richtig, aber sie, herr diez, sollten die finger davon lassen.
  2. #2

    Schrecklich ...

    so einen Text zu lesen. Was möchte man uns damit sagen?
    Darf der Fußballer heutzutage nicht mit dem Trend gehen? Was war in den 80ern? Mir ist so als regierten da die "Schnauzer" das Spielfeld oder der VoKuHiLa später? Welche Person, die häufig im Mittelpunkt der Medien steht macht sich keine Gedanken über die Frisur? Das Spiel haben die Jungs verloren, weil Sie gepennt haben und 3 Gänge runtergeschaltet haben aber nicht, weil Sie an Ihr Auftreten nach dem Spiel gedacht haben >.>
    Da gibt es wirklich meilenweit bessere Kolumnen von Ihnen Herr Diez
  3. #3

    Programmierte Prolls

    Das finde ich gar nicht. Denn Monsieur sagt es: Das Problem ist die Popkultur, die die Prollkultur usurpiert hat. Jetzt haben wir eben desodorierte, epilierte und medial programmierte Prolls.
  4. #4

    optional

    Lieber Herr Diez,
    schreiben Sie doch hier mal davon, dass das ein geiles Spiel war und nichts als Werbung für den Fußball. Dann wäre vielen geholfen. Denn die Presse hegt ja die Erwartungen. Dabei sind acht Tore in einem Spiel, Spannung und vor allem Menschlichkeit im Spiel das große Plus dieses Ereignisses. Denken sie an den ersten Titel, den Deutschland gewonnen hat. Das Ergebnis erinnert schließlich in der Toreflut daran. Was wollen wir Zuschauer sehen? Tore! Und das bot dieses Spiel im Überfluss. Danke dafür. Es geht nicht um Ergebnisse. Das sollte die Presse propagieren. Vieles haben Sie vielleicht gelesen, aber leider haben Sie vieles nicht verstanden. Das ist schade. Vielleicht kommt es ja noch...
  5. #5

    So möchte man es doch haben!

    Die Spieler passen sich einfach dem an, was der DFB, die Clubpräsidenten und die Medien vorleben; der Kommerzialisierung des Fußballs. Es möchte doch keiner Aggressivität, Stimmung und echte Kerle, sondern aalglatte Unterhaltung. Dazu gehören dann eben auch aalglatte Jungs mit aalglatten Haaren. Wer Fußball mit richtigen Männern, leidenschaftlichem Einsatz, Bier und Bratwurst und vor allem ohne Show sehen möchte muss sich Zweit- oder Drittligaspiele anschauen. Demnächst sind dann noch Ultras und Stehplätze weg, dann haben sie es geschafft: auch noch ein aalglattes Publikum. Ich freu mich schon auf drei Halbzeiten (mehr Zeit für Werbung), Sitzplatz und Popcorn, zweier schönen Drittelshows mit Cheerleadern und endlich mal RUHE im Stadion.
  6. #6

    Wenn der Rasen nicht wäre....

    Zitat: „...dazu gehört als Rückfall in identitäre nationale Zeiten der Streit darum, ob Nationalspieler die Hymne singen sollen...“

    Vielleicht wäre ja die Akzeptanz gegenwärtig größer, wenn statt der Nationalhymne die Internationale intoniert wird – aber im Ernst: Ob man sie mitsingt oder nicht, das Absingen der Hymne ist kein Rückfall in „identitären“ Nationalismus, es ist ein Ausdruck von Zusammengehörigkeit, und warum auch nicht? Niedriger hängen, allfällige historische Beklemmungen am besten mit Großzügigkeit kompensieren. Doch Herr Diez pflegt die supranationale Distanz, er betrachtet eine Nation als lokale Aggregation gleichsprachlicher Menschen, im deutschen Fall mit Flachbildfernseher, Haftpflichtversicherung und Grohe-Wasserklo.

    Der Fußball von heute in seiner Widersprüchlichkeit: die Spieler kickende Kapitalisten mit Modefrisuren und Model-Blondinen, die Spiele durchkommerzialisierte Shows – ja, direkt unterirdisch, wenn der Rasen nicht wäre. Die andere Seite: Befreiung von der nationalen Dumpfheit aus dem Migrationshintergrund, Özil und Boateng ziehen uns aus dem Sumpf von Blut und Boden. Doch dazwischen gibt es immer noch den echten Fußball: den Kampf, das Dribbling, den Granatenpass, die einmalige Kombination, das grenzwertige Foul, die Schwalbe, das Fluchen, das einmalige 90-Minuten-Abenteuer für Prominente und Proleten, das 4:4 war der Hammer, jawoll!... ich glaub, das hat Herr Diez vergessen.
  7. #7

    Diez, nachdenken!

    Dieser Text ist schon deswegen wertlos, weil er nicht berücksichtigt, dass auf der anderen Seite Schweden spielten, die Teil der gleichen Fußballpopkultur sind: mit mindestens genau so vielen Tattoos, Piercings und Haargel wie die Deutschen. Diese Jungs werden gerade in Schweden als die männlichsten und härtesten Helden der Sportgeschichte gefeiert. Die Klasse und Athletik der heutigen Fußballgeneration stellt alles in den Schatten, was vor dem Bosman-Urteil geleistet wurde. Ich bin auch erschüttert darüber, wie die Deutschen nach dem 4:0 auseinander brachen. Aber die Ursachen dafür liegen im Coaching: Löws Unfähigkeit auf Überraschungen zu reagieren; sein Stursinn, bedingungslos angreifen zu wollen statt bei Viertoreführung das Team 15 Meter zurück zu ziehen. Und natürlich war es unverzeihlich, in der Nachspielzeit nicht zum dritten Mal auszuwechseln. Diese Fehler zeigen, dass Loew ein exzellenter Taktik- und Techniktrainer sein mag, aber von Wettkampfführung nichts versteht. Mit Adorno oder Haargel hat das alles nichts zu tun. Dass Diez versucht, seine Ahnungslosigkeit mit dem Aufzählen von Philosophennamen zu verschleiern, ist bekannt. Bei Theater- oder Buchthemen mag das funktionieren, in diesem Fall wirkt es nur peinlich.
  8. #8

    danke

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Frisur eines Fußballers ist längst wichtiger als der Ball, der Platz und die 90 Minuten. Nie wurde das so deutlich, wie beim lachhaften Unentschieden der DFB-Elf gegen Schweden. Das lässt auch hoffnungslose Fußballromantiker erschüttert zurück - weil es so deutlich zeigt, in welcher Zeit wir leben.

    Georg Diez über Schauspiel im Fußball - SPIEGEL ONLINE
    "er schaut in die Welt mit diesem Badstuber-Blick, als habe er gerade eine Ball ins Gesicht bekommen oder im Gegenteil das Paradies gesehen mit seinen 99 Jungfrauen"

    haha, ich musst gut lachen :D
  9. #9

    Das Problem liegt tiefer...

    ...als die Haarwurzeln. Fußball war das Reservat des sonst zu Recht verpönten Nationalismus, bzw. Lokalpatriotismus, wenn es um Vereine geht. Hier im nationalistischen Reservat durfte man siegen, alles niedermachen, ja sogar einen Endsieg feiern. Hier war es erlaubt. Hier durften Kriege geführt und auch gewonnen werden. Aber es scheint so, dass die Friedfertigkeit weltmeisterlich (und ganz ohne Weltmeisterlichkeit will kein Deutscher sein...) vom deutschen Fußballteam verinnerlicht worden zu sein. Sie wollen lieber eine 2- , aber dafür von der ganzen Welt geliebt, als eine 1 sein und von der Welt als "Panzer" verachtet zu werden. Sie haben gelernt, beliebte Zweite zu werden.