Anhörung zum "Costa Concordia"-Unglück: Kapitän Schettino verteidigt sich

APFrancesco Schettino, Kapitän der im Januar havarierten "Costa Concordia", bleibt dabei: Das Manöver hin zum Hafen sei seine Entscheidung gewesen, so habe er Schlimmeres verhindert. Das sagte er bei einer Voranhörung vor Gericht. Staatsanwalt und Experten sind allerdings anderer Meinung.

http://www.spiegel.de/panorama/costa...-a-862135.html
  1. #1

    Mann ohne Ehre

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Francesco Schettino, Kapitän der im Januar havarierten "Costa Concordia", bleibt dabei: Das Manöver hin zum Hafen sei seine Entscheidung gewesen, so habe er Schlimmeres verhindert. Das sagte er bei einer Voranhörung vor Gericht. Staatsanwalt und Experten sind allerdings anderer Meinung.

    Costa Concordia: Kapitän Schettino verteidigt sich bei Voranhörung - SPIEGEL ONLINE
    So ist das heutzutage mit den Eliten :
    Große Fresse + nichts dahinter !

    Früher hätte ein Kapitän gewußt was zur Herstellung der Ehre getan werden muß .

    Am Ende müßen wir uns nicht wundern wenn Schettino auch noch mit Orden behangen wird .
    Ich fürchte fast , es wird kommen !
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Zudem habe der Steuermann die falsche Richtung eingeschlagen.
    Das geht ja fast in einem Nebensatz unter. Schettino ist formal zwar verantwortlich, aber da scheinen noch mehr "Experten" an Bord gewesen zu sein.
  3. #3

    Lightbringer

    Auch wenn da vtl. noch ein Steuermann am Steuerrad stand, gehen Sie mal davon aus, daß Schettino den Kahn zum Zeitpunkt der Havarie alleine 'gefahren' hat.

    Ein Schiff wird nicht unter Zuhilfenahme von gruppendynamischen Entscheidungsprozessen gesteuert und wenn doch, dann stimmt da gewaltig was nicht. Das Kommando hat stets der sog. Schiffsführer alleine, das ist entweder der Wachhabende Offizier oder bei Bedarf auch der Kapitän selbst. Ein anderes Verfahren ist wg. der in Echtzeit ablaufenden Ereignisse beim Manövrieren nicht möglich. Auch wenn der Schiffsführer nicht an allen benötigten Instrumenten gleichzeitig hantieren kann, muß er sich doch darauf verlassen können, daß sich alle an sein Kommando halten.

    Schettino hat das Desaster in technisch-nautischer Hinsicht daher erst einmal komplett selbst zu verantworten. Er hat den Kahn ohne Not gegen den Fels gefahren und damit die Katastrophe ausgelöst; daran sind alle folgenden Schuldbestände auszurichten, insbesondere ob die Reederei hier eine kolportierte Mitschuld trifft.
  4. #4

    dass der Mann auf wiederEinstellung klagt ist Zeichen

    völliger realitätsferne und übrigens auch ein beweis dass Haschisch nicht offiziell freigegeben werden sollte denn er hatte geraucht und die Realitätsverkennung ist wohl dauerhaft.
  5. #5

    ....

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Francesco Schettino, Kapitän der im Januar havarierten "Costa Concordia", bleibt dabei: Das Manöver hin zum Hafen sei seine Entscheidung gewesen, so habe er Schlimmeres verhindert. Das sagte er bei einer Voranhörung vor Gericht. Staatsanwalt und Experten sind allerdings anderer Meinung.

    Costa Concordia: Kapitän Schettino verteidigt sich bei Voranhörung - SPIEGEL ONLINE
    Der Kapitän trägt, wenn er das Kommando übernimmt, die Gesamtverantwortung! Der auf der Brücke diensttuende Wachoffizier/Steuermann (der Steuermann steuert nicht das Schiff, er lässt steuern durch den Rudergänger) hat den Kapitän bei der Schiffsführung zu unterstützen und ihn auf Gefahrensituationen hinzuweisen, das hat nicht oder nur unzureichend stattgefunden, deshalb werden sie auch, zu Recht, mit angeklagt!
  6. #6

    Kapitän Feigling

    soll die Verantwortung für den Tod von 32 Menschen tragen! Dafür ist er der Kapitän, und wurde auch dafür ausgebildet und entsprechend entlohnt.
    Klat ist es peinlich, wenn dann herauskommt, dass man den Kasten auf Grund gesetzt hat, weil man mit einem moldawischen Püppi auf der Brücke gebschäftigt war, anstatt den Kurs zu kontrollieren.
    Bei Sachenschdaden könnte man vielleicht noch darüber schmunzeln, bei Toten nicht. Sein Verhalten ist unerträglich.
  7. #7

    "Es war die Hand Gottes, die das Schiff nahe an die Insel brachte, kein Manöver des Kapitäns", sagte Verusio. "Wenn nicht der Wind das Schiff an die Küste getrieben hätte, wäre es (auf See) gekentert und in einer Minute gesunken".

    Das soll der Staatsanwalt Verusio gesagt haben. Wie kommt er darauf? Gibt es irgendwelche belastbare Gutachten, die diesen Schluß nahelegen? Die beweisen, daß das Schiff auf See schnell gekentert wäre und das Auf-Grund-Legen Menschenleben gerettet hat?

    Ich bin zwar kein Schiffahrtsexperte und kann mich natürlich irren, aber ich halte diese Behauptung - mit Verlaub - für Unfug:

    Aus meiner Sicht war es ein grober - und tödlicher - Fehler des Kapitäns (wenn er es denn, wie er behauptet, bewußt getan hat), den Kahn auf Grund zu setzen.
    Das Schiff hätte vermutlich bei geschlossenen Schotten im freien Wasser noch ein wenig Wasser in die beschädigten Bereiche des Rumpfes genommen, die unbeschädigten Zellen hätten es aber wohl schwimmfähig gehalten. Seine eigene Gewichts- und Formstabilität sowie die aktiven Trimmsysteme hätten ein Kentern wahrscheinlich verhindert.
    Dann hätte das Schiff keine kritische Lage eingenommen, und dann wäre das Wasser nicht plötzlich über Decks und Aufgänge hereingebrochen.
    Selbst wenn man unterstellen würde, daß das Schiff gesunken wäre, hätte unter diesen Bedingungen ausreichend Zeit für eine totale Evakuierung zur Verfügung gestanden.
    Allein der Umstand, daß der Kiel auf Grund ging und so ein weiteres Eintauchen des Schiffskörpers blockiert wurde, führte zum Umkippen und zum fatalen Hereinbrechen der Wassermassen über die Menschen, die sich noch auf unteren Decks und in den Aufgängen befanden. Als sich das Schiff auf die Seite legte und mit Steuerbord eintauchte, wurden zudem Fluchtwege geflutet. Bestimmte Bereiche des Schiffes wurden in diesem Moment zur ausweglosen tödlichen Falle für die dort verbliebenen Menschen.
    Hätte der Kapitän das Schiff in freiem Wasser gehalten, wäre es langsam immer weiter eingetaucht, bis die leckgeschlagenen Kammern vollgelaufen wären. In diesen Sektoren wäre das Wasser von unten her gestiegen und nicht plötzlich über Deck hereingebrochen.
    Vermutlich hätten in diesem Szenario alle überlebt. Auch eine Bergung des Schiffes wäre vermutlich ein Leichtes geworden.
    Aus meiner Sicht hat der irre Kapitän nach seinem völlig irren Verbeugungsmanöver noch alles falsch gemacht, was er falsch machen konnte, sofern er in diesem Moment überhaupt noch Kontrolle über den Kahn hatte.

    Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber so sehe ich die Sache derzeit. Leckgeschlagene Schiffe gehen heutzutage nicht einfach unter oder kentern in ruhiger See, sofern denn Sicherheitsmaßnahmen (Schotten schließen!) ergriffen werden.

    Aber vielleicht gibt es hier ja jemanden, der genaueres zur Physik des Schiffes und zu den mutmaßlichen Folgen dieser Beschädigung bei einem Verbleiben des Schiffs in freiem Wasser sagen kann.
  8. #8

    Zurueck in die Vergangenheit

    vor 100 Jahren haette man den Kapitaen entweder erschossen, gehaengt oder zumindest gefedert. leider sind wir in der Zivilisation zu weit fortgeschritten. leider wird er NUR wegen fahrlaessiger Toetung angeklagt, was maximum ( ich rate hier) 5?10? Jahre fuer 32 Tote gibt. ist das fair? wird das fuer die Familien genug sein? Kaum. leider sind unsere Gesetze fuer derartig dreiste, dumme leute zu laessig
  9. #9

    damtschweli

    "Hätte der Kapitän das Schiff in freiem Wasser gehalten, wäre es langsam immer weiter eingetaucht, bis die leckgeschlagenen Kammern vollgelaufen wären."

    Das Schiff hat sich freischwimmend bereits auf die Seite gelegt, siehe Titelphoto des Spiegel damals. Wenn Sie sich mal anschauen, mit welcher Schlagseite das Schiff auf Grund liegt, d.h. GESUNKEN IST und dann de facto an der weiteren Rotation um seine Längsachse durch den Meeresgrund gehindert wurde, dann nennen Sie bitte Effekte, die dazu hätten führen sollen, daß das Schiff sich freischwimmend nicht weiter bis in die Horizontale gedreht hätte, geschweige denn rapide gesunken wäre.

    Im Querschnitt betrachtet, befindet sich der Schwerpunkt moderner hochaufragender Kreuzfahrtschiffe extrem weit oben. Da reichen bereits geringe Schlagseiten, um gefährliche Instabilitäten herbeizuführen. Bedingt durch den hohen Schwerpunkt entsteht dann ein Moment, das das Schiff um seine Längsachse dreht und zwar umso stärker, je größer die Schlagseite wird. Durch die im beträchtlichen Umfang beschädigten Unterwassersektionen wurde der Auftrieb asymmetrisch. Mithin dürfte der intakte Auftrieb auf der dem Riß abgewandten Seite des Schiffskörpers den Dreheffekt verstärkt haben. Die Rotation kommt nicht einfach zum Stillstand; wenn überhaupt, dann erst, wenn entgegenwirkende Effekte sie kompensieren.

    Es gab die Meldung, daß kurz nach der Kollision Teile der Schiffselektronik ausfielen - nun müßig darüber zu diskutieren, ob dadurch ausgerechnet eine Trimmung um die Längsachse unmöglich wurde. Aber immerhin, eine wirksame Trimmung fand nicht statt, nicht? Es sieht wohl so aus, daß dem Kapitän dadurch schneller die Dinge aus der Hand genommen wurden, als ihm lieb war - was die Aussage des Staatsanwaltes stützt, wonach der Wind das Schiff auf den Grund trieb.

    Erlauben Sie mir die Bemerkung am Schluß, aber den Bericht des Staatsanwaltes "Unfug" zu nennen (der wird sowas bestimmt nicht sagen, ohne vorläufige Untersuchtungsergebnisse in der Hand zu haben) und dann eine Gegendarstellung vorwiegend im Konjunktiv zu schreiben (hätte... wäre... würde...), ähm na ja, hinterher ist das sicherlich immer ein leichtes.