S.P.O.N. - Im Zweifel links: Friede, Freude, Eierkuchen

Europa bekommt den Friedensnobelpreis. Bei aller Freude: Es ist ein westlicher Preis für ein westliches Publikum. Auf unsere Schultern klopfen müssen wir uns selbst. Der Rest der Welt glaubt uns schon lange kein Wort mehr.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-861299.html
  1. #1

    optional

    Endlich mal ein kritischer Okzidentalist im deutschen Feuilleton! Congrats!
  2. #2

    Wer ist der Westen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Europa bekommt den Friedensnobelpreis. Bei aller Freude: Es ist ein westlicher Preis für ein westliches Publikum. Auf unsere Schultern klopfen müssen wir uns selbst. Der Rest der Welt glaubt uns schon lange kein Wort mehr.

    Friedensnobelpreis für EU: Westlicher Preis für westliches Publikum - SPIEGEL ONLINE
    Die EU beinhaltet einiges was bis vor kurzem nicht zum Westen zaehlte und obwohl sich Deutschland mit seinem amputierten Nationalgefuehl (prima Ausdruck) gelegentlich zum Westen denken moechte, gehoert der Westen eigentlich zu Amerika.

    Die EU hat den Preis verdient. Amerika, als Taufpate der Montanunion und Sponsor des Gemeinsamen Marketes und der Nato hat den Preis mitvedient.
    Auf jeden Fall muessen alle in Europa dafuer dankbar sein, dass sich die 27 Staaten der EU nicht mehr willkuerlich und andauernd bekriegen.
    Aber man muss dazu sagen, dass es eher die Eliten dieser 27 Staaten als welche die Kriege fuehrten. Das Fussvolk diente dabei geschickt als Kanonenfutter und es daher angebracht dass gerade das Fussvolk den USA seinen Dank und seine Anerkennung ausspricht.
    Als Mitglied des Fussvolkes welches das letzte grosse Blutvergiesse ueberlebte - Danke USA.
  3. #3

    Sehr intelligent geschrieben. Meine Achtung vor Ihnen, Herr Augstein, wächst und wächst.
  4. #4

    Ergänzung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Europa bekommt den Friedensnobelpreis. Bei aller Freude: Es ist ein westlicher Preis für ein westliches Publikum. Auf unsere Schultern klopfen müssen wir uns selbst. Der Rest der Welt glaubt uns schon lange kein Wort mehr.

    Friedensnobelpreis für EU: Westlicher Preis für westliches Publikum - SPIEGEL ONLINE
    Innenpolitisch, und dieser Gedanke kam mir wirklich erst beim Lesen dieses Essays, und in Kombination mit den (intensiven und optimistischen) Eindrücken meiner Buschkowsky-Lektüren der vergangenen Woche, können wir in Europa ein "zusammenhaltendes" Selbstbewusstsein auf das Erreichte schon gebrauchen. Wir können diesen Preis als Erinnerung dafür ansehen, dass Europa auch deshalb so friedlich ist, weil es eine Gemeinsamkeit an aufklärerischen und reformatorischen Werten gibt, die uns zu den Gesellschaften machen, die wir sind. Im Bewusstsein, dass dies auch nicht für alle EU-Staaten gilt, "runde ich auf" und tue es voller Optimismus.
  5. #5

    Falsche Organisation

    Die Organisation, die den Frieden in Europa garantierte, war die NATO. Die unfähigen Brüsseler Beamten schufen einen kostspieligen byzantinischen Bürokratieapparat, der Europa an den Rand des Bankrotts geführt hat.
  6. #6

    Realitätsfern

    Lieber Herr Augstein, Ihr Kommentar hat in vielen Passagen mit der Realität nicht viel zu tun. Wenn Sie am eigenen Leibe erlebt hätten, was Krieg wirklich bedeutet, wäre Ihr Beitrag wohl anders ausgefallen. Die Europäer haben es geschafft, nach über 1000 Jahren Dauerkrieg endlich in Frieden miteinander zu leben (wenn man einmal vom Sonderfall Balkan absieht). Deshalb bin ich zwar nicht stolz darauf, Europäer zu sein, denn dazu habe ich selbst keinen Beitrag geleistet. Aber es erfüllt mich mit ungeheurer Genugtuung, dass der kriegstreibene Nationalismus in Europa so gut wie überwunden scheint. Das gibt uns zwar nicht das Recht, mit Schurken-Regimen wie mit demokratischen Partnern umzugehen. Hier stimme ich Ihnen zu, wir versündigen und damit an der Bevölkerung dieser Staaten. Dennoch: Wenn ich sehe, wie die Völker in Teilen Afrikas und Teilen der früheren Sowjetunion einander abschlachten, kann ich mit Europa durchaus als Vorbild für diese Länder vorstellen.Der Nobelpreis für die EU ist deshalb nicht nur ein Preis des Westens für den Westen. Er belohnt das erfolgreiche Bemühen der europäischen Nationen, bei aller Verschiedenheit und allen gegensätzlichen Interessen das Gewehr endlich im Schrank zu lassen. Vielleicht könnte das den einen oder anderen Warlord im Kongo oder in Tschetschenien doch nachdenklich stimmen.
  7. #7

    Vorspiegelung falscher Tatsachen

    Nicht mehr, nicht weniger als das stellt die EU in heutigen Zeiten noch dar. Ich erinnere mich daran, wie man vor einiger Zeit noch mit einem gewissen Leuchten in den Augen von der EG, dann von der EU sprach und lobenswerte Bemühungen mit dieser Institution verband.
    Inzwischen äußert sich das Wesen der EU bloß noch in der Aufrechterhaltung einer glänzenden Fassade, hinter der sich bröckelnde Strukturen und eine überfinanzierte Oberklasse verbergen.

    Ein hervorragender Artikel, Herr Augstein. Danke vielmals dafür.
  8. #8

    ohne

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Europa bekommt den Friedensnobelpreis. Bei aller Freude: Es ist ein westlicher Preis für ein westliches Publikum. Auf unsere Schultern klopfen müssen wir uns selbst. Der Rest der Welt glaubt uns schon lange kein Wort mehr.

    Friedensnobelpreis für EU: Westlicher Preis für westliches Publikum - SPIEGEL ONLINE
    Ein Europa des Friedens und der Werte wäre etwas Wunderbares. Frieden ist aber nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Und Werte sind nur dann gut, wenn sie auch umgesetzt werden. Das Europa, das wir heute haben, ist ein Europa, das sich in erster Linie als Wirtschaftsimperium versteht. Menschen sind nur dann etwas wert, wenn sie auch Leistung erbringen, ob sie dazu nun imstande sind oder nicht. Von Werten ist nur noch die Rede, wenn es um den Wert des Geldes geht. Eurokrise, Bankenkrise, Schuldenkrise, Sparmaßnahmen, Reformen. Und all das spaltet die Völker, es versöhnt sie nicht. Es ist ein schleichender kalter Krieg, in dem die Finanz-Elite die Regeln aufstellt. Demokratie ist eine gesellschaftliche Aufgabe, sie berührt das gesamte System. Wahlen allein bedeuten noch keine Demokratie. Das kann man beispielsweise sehr gut in den arabischen Ländern beobachten.

    Mit was für einem Europa soll ich mich identifizieren? Wenn ich mir in Rom den David Michelangelos ansehe, wenn ich am Eiffelturm bin oder den Louvre besuche, dann bin ich in Italien oder in Frankreich, dennoch sind mir diese Stätten so lieb und wert, fühle ich mich mit ihnen so tief verbunden, als gehörten sie zu mir. Es ist die europäische Geschichte und die europäische Kultur, die mich als Europäer empfinden lässt. Wenn jedoch in Frankreich auch die Rente mit 67 eingeführt wird oder Hartz IV, damit kann ich mich üerhaupt nicht identifizieren. Das sind nur Instrumentarien, die zwar auch wichtig sind, aber keinerlei europäisches Gefühl in mir aufkommen lassen.
  9. #9

    Mahnung

    Ich stimme diesem Artikel zu.Mir erscheint dieser Preis als Mahnung,weil sei es Frieden oder Versoehnung,Demokratie oder Menschenrechte;sind es genau diese Errungenschaften,die auf Kosten der Finanzkrise,ernsthaft in Gefahr sind.Auch wenn zwischen den europaeischen Voelkern kein Krieg mit Waffen stattfindet,ist Europa zur Zeit kein friedliches Europa.In den Krisenlaendern zeigt sich der Unmut der der Bevoelkerung und findet ihren Ausdruck in grossen Massenprotesten.Die Rechte der Buerger werden beschnitten und der Begriff Demokratie wird zu einer leeren Worthuelle.