Hightech im Klassenzimmer: "Jede Stunde so? Furchtbar"

DPASo stellen sich IT-Firmen das Klassenzimmer der Zukunft vor: Auf der Frankfurter Buchmesse testet eine Schulklasse Unterricht mit 3D-Fernseher. Ihr Lehrer fremdelt, doch die Kinder sind begeistert.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-860594.html
  1. #1

    Mri ist aus dem Artikel nicht klar geworden, was der inhaltliche Vorteil so einer Technik ist, was genau die Kinder dabei lernen sollen. Zwar will ich nicht grundsätzlich jede neue Technik in der Schule verteufeln, aber es muß doch darum gehen, die für ein Lernziel am besten geeigneten Mittel zu finden und nicht das mit einem (neuen) Mittel am besten zu erreichende Lernziel. 3D und bunt allein impliziert noch kein Verstehen, und es hilft den Kindern vor allem nicht dabei, selber irgendetwas zu tun oder zu können.

    Generell gilt für alle Arten von Bildschirmrepräsentationen: Farbraum, Auflösung und Akustik sind gegenüber der Realität bescheiden, und man gewöhnt gerade jungen Schülern damit an, alles für "wahr" zu nehmen, was sie auf einem Bildschirm sehen. Dabei zeigt das Spezialeffektekino von heute, daß jeder beliebige Nonsens realistisch dargestellt werden kann.

    Neue Methoden ja, aber nicht blindlings "irgendwas" einführen. In Schulversuchen wird die langfristige beobachtung von Konsequenzen und (Miß-)Erfolgen schon heute sträflich vernachlässigt.
  2. #2

    Mehr als eine Ergänzung, um Inhalte abzubilden und zu erklären, sollte das nicht sein. Lebendiges, greifbares Lernen kann und sollte lieber "draußen", vor Ort stattfinden. Die 15.000€ sind doch in Schulausflüge wie in diesem Artikel z.B. nach Trier, viel besser investiert. Und ob es für die Sehfähigkeit auf Dauer gut ist, bezweifle ich, grad für Kinder. Ich kann mich jedenfalls noch daran erinnern wie meine Eltern schimpften "Du bekommst noch viereckige Augen, jetz wird der Fernseher aus gemacht!". Und das war gut so. Kinder sind doch ständig von Multimediageräten umgeben, ob Handy, Tablet oder PC. Da muss es nich auch noch in der Schule sein. Höchstens zu Ergänzung.
  3. #3

    Hmm

    Jeder, ganz besonders Kinder, findet es toll wenn er etwas Neues zum Ausprobieren bekommt. Das heisst aber, nicht das dadurch die Effizienz verbessert wird.

    Ergo: Neue Technik nur, wenn Kosten und Nutzen zueinander passen, NEU allein ist kein Argument.
  4. #4

    Zitat von käsekuchenfrau Beitrag anzeigen
    Mehr als eine Ergänzung, um Inhalte abzubilden und zu erklären, sollte das nicht sein. Lebendiges, greifbares Lernen kann und sollte lieber "draußen", vor Ort stattfinden. Die 15.000€ sind doch in Schulausflüge wie in diesem Artikel z.B. nach Trier, viel besser investiert. Und.....
    Die dargestellte Technik scheint für mich nur eine stumpfe Präsentationstechnik zu sein, die eine weitere Auseinandersetzung mit dem Lernstoff verhindert. Warum?
    Aufgrund der Brillen können die Schüler schlecht eigene Notizen zum Lernstoff machen oder Arbeitsaufträge, die nicht virtuell sind, bearbeiten (z.B. Arbeitsblätter zu den dargestellten Sachverhalten). Natürlich können die Brillen abgenommen werden, aber den ganzen Morgen Brille auf, Brille ab ist irgendwie auch keine Lösung. Zusätzlich wird es nicht lange dauern, bis die Brillen entweder kaputt bzw. verschwunden sind.
    Das Ganze erinnert mich an die topatuellen Sprachlabore aus den 80er Jahren, die jede Schule haben musste, die etwas auf sich hielt. Und jeder der sich jetzt fragt, was ein Sprachlabor ist, stellt den Beweis dar, dass Schulen sich vor der Einführung neuer, teurer Technik die Frage nach dem sinnvollen Einsatz stellen sollte.
  5. #5

    Barrierefreiheit ist das nicht!

    Hallo,

    auch Schulunterricht sollte/muß barrierefrei sein, wenn es irgendwie geht. Und es gibt nicht wenige Menschen, wie mich, die kein räumliches Sehvermögen haben. Meine Kinder haben es zum Glück. Aber es wäre eine unzulässige Benachteiligung für Kinder, die nicht oder nur wenig räumlich sehen können!

    Und die könnten es, je nach Alter, noch nicht einmal benennen. Sie fänden das mit den komischen Brillen und eigenartig verschwommenen Bildern nur doof und blöd, und würden dafür vielleicht auch noch schlechte Noten bekommen...
    Ich würde auf die Barrikaden gehen, wenn das an der Schule meiner Kinder eingeführt würde!
    Das Bewußtsein für Menschen mit eingeschränktem oder ohne räumliches Sehvermögen muß endlich hergestellt und öffentlich diskutiert werden.
    Viele Grüße, Vater von 3 Kindern
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    So stellen sich IT-Firmen das Klassenzimmer der Zukunft vor: Auf der Frankfurter Buchmesse testet eine Schulklasse Unterricht mit 3D-Fernseher. Ihr Lehrer fremdelt, doch die Kinder sind begeistert.

    Hightech im Klassenzimmer: "Jede Stunde so? Furchtbar" - SPIEGEL ONLINE
    Super Ansatz. Mal eine mathematische formel in 3D darstellen und schon machts klick. Physik, Astronomie usw usw. Schöne Sache, wenn es gezielt und sinnvoll eingesetzt wird.
    15000€ HArdware. Mhh, eine "Spielkonsole" kostet 300€, ein guter, großer 3D Fernseher 900. Wirf man nun nohc den "wir bescheißen den öffentlichen Träger" Bonus oben drauf, kommt man vielleicht auf 1500€, aber nie auf 15k. Ok, Klassensatz Shutterbrillen...2000€ - aber wie zur Hölle macht man darauf 15k?
  7. #7

    ganz so einfach

    Zitat von erwachsener Beitrag anzeigen
    Mri ist aus dem Artikel nicht klar geworden, was der inhaltliche Vorteil so einer Technik ist, was genau die Kinder dabei lernen sollen. Zwar will ich nicht grundsätzlich jede neue Technik in der Schule verteufeln, aber es muß doch darum gehen, die für ein Lernziel am besten.....
    ist es nicht. Ich habe mal in 3 D eine Dokumentation über flugzeuge und den Bau von Flugzeugen gesehen und habe besser verstanden wie manches funktioniert. Und das trotz erheblichen Vorwissens.
    Man kann ja nicht jedem Schüler z. B. einen Automotor zum zerlegen geben und da ist z.B. eine 3D animation wertvoll. Denn nicht jeder Lehrer kann technische (z.B. auch bei Bauwerken) Zusammenhänge so plastisch erklären dass man z.B. die Funktion des "Schlusssteins" auf anhieb versteht.
  8. #8

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    So stellen sich IT-Firmen das Klassenzimmer der Zukunft vor: Auf der Frankfurter Buchmesse testet eine Schulklasse Unterricht mit 3D-Fernseher. Ihr Lehrer fremdelt, doch die Kinder sind begeistert.

    Hightech im Klassenzimmer: "Jede Stunde so? Furchtbar" - SPIEGEL ONLINE
    Ich habe mir neulich mal im Elektronikmarkt eine Weile 3D-Fernsehen angesehen (ich wollte den Film sehen, der da grade als Demo lief) - so toll fand ich das jetzt nicht. Klar, das Bild wirkt plastischer, aber es flimmerte auch und für mich als Brillenträger war die 3D-Brille jetzt auch nicht das bequemste. Das die Kinder das erstmal toll finden, ist doch klar. Es ist ein neues Seherlebnis, und alles neue ist interessant. Spätestens wenn 3D-Fernseher im Wohnzimmer normal werden, ist das für die Schule genauso langweilig, wie es das normale Fernsehen auch geworden ist. Letzenendes kommt es auf den Inhalt des Gezeigten an, nicht auf die Form der Präsentation. Auch ein Ausflug nach Trier zu den Römern kann furchtbar langweilig sein, wenn der Lehrer die Veranstaltung ohne Ideen organisiert.
  9. #9

    ..

    gute Ideen gibt es in der HighTechZeit immer für Unterricht, aber:

    - sehr hohe Kosten
    - Schüler müssen lernen wollen, da hilft dann auch die tolle Technik nichts, wenn die schulfrustriert sind, nützt die tollste technik nichts (ich arbeite mit bildungsfernen Schülern an einer Berufsschule)
    - kann ich das in jedem fach in jeder stunde einsetzen?
    - kann der lehrer die Inhalte selbst bestimmen? Oder bin ich vom Anbieter abhängig? Stelle ich mir gerade in Politik vor......
    - wo bleibt die Handlungsorientierung, das selbstbestimmte Lernen?

    Aber finde ich schon gut, wenn ich an die Konkurrenz der Medienwelt denke, gegen die wir Lehrer oft nicht anstinken können.
    PS: Frontalunterricht ist nicht grundsätzlich schlecht!