S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Welt im Gerät

Das mobile Netz und seine Geräte erlauben dazu eine neue Art von Instant-Eskapismus: Aus einer sozialen Situation (Bahnfart) kann man nun in eine andere entfliehen (ins Handy). Welche Welt ist die echte?

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/s...-a-860250.html
  1. #1

    Alternativlos?

    Wenn ich Bahnfahre und Bahnfahren doof finde, kann ich –das fiel mir ein, bevor es weiter unten im Text erwähnt wird- auch ein Buch lesen oder aus dem Fenster sehen oder ein wenig schlafen oder was weiß ich noch alles. Kreuzworträtsel lösen, Sudoku, über Schachaufgaben nachdenken, eine Schmährede an die Schwiegermutter vorformulieren, dem Chef die Pest an den Hals wünschen, in den Tag träumen ... alles mögliche

    Wer, wie Herr Lobo, die Welt nur noch in digial und analog unterteilt, erinnert mich an Klassenkämpfer, die in ihren Reden nur schwarz und weiß kannten. Gut und Böse. Richtig und falsch. Die oder wir! Goldmarie oder Pechmarie.

    „......die Sicht auf die Welt mit digitalen Informationen anreichert. Die Tragweite dieser Erfindung kann langfristig kaum unterschätzt werden,...“ Das glaube ich allerdings auch.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das mobile Netz und seine Geräte erlauben dazu eine neue Art von Instant-Eskapismus: Aus einer sozialen Situation (Bahnfart) kann man nun in eine andere entfliehen (ins Handy). Welche Welt ist die echte?

    Sascha Lobos Kolumne: Welt am Gerät - SPIEGEL ONLINE
    Dies lässt sich experimentell ermitteln. Versuchsanordnung: 10 Testpersonen, 5 davon wird der Handyakku weggenommen, den 5 anderen der Sauerstoff. Anschliessend erfolgt eine medizinische Inspektion der Probanden sowie die Auswertung.

    Hypothese 1: Die Sauerstoff-Welt ist die echte, die Silizium-Welt die falsche.

    Hypothese 2: Da hätte man auch schneller drauf kommen können.

    Hypothese 3: Existenz in der Silizium-Welt manifestiert sich nur durch einen permanenten "Output". Es gibt kein Pendant zu "schweigen und nichts tun". Dies ist gleichbedeutend mit Nicht-Existenz. Hierin ist u.U. auch der Grund für den vorliegenden Artikel zu finden...
  3. #3

    Freiheit vom sozialen Terror

    Zitat: "Aus einer sozialen Situation (Bahnfahrt) kann man nun in eine andere entfliehen (ins Handy). Welche Welt ist die echte?" Die interessantere Frage ist: wo findet man noch Ruhe vor dem allgegenwärtigen sozialen Terror? Im "Social Web" ganz bestimmt nicht, das ist klassische Kungelei kombiniert mit der erbarmungslosen Geschwindigkeit von Maschinenalgorithmen.
  4. #4

    Lobo Eskapismus

    Lobos dauernde Flucht vor der Realität ist genauso groß wie seine Sucht, mit möglichst vielen Fremdworten um sich sich zu schmeißen oder die deutsche Sprache durch denglische Neuschöpfungen zu vergewaltigen. Vermutlich hat Herr Lobo noch nie eine Zugreise unternommen und darum auch nicht feststellen können, dass die Flucht in das Handy allein dem Zweck dient, eigene Gedanken und Wahrnehmungen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Immer mehr Menschen unterwerfen sich digital-ökonomischen Zwängen und merken das noch nicht einmal, wie Lobo den gesellschaftlichen Rückschritt durch durch plumpe und gleichmacherische digitale Umgangsformen nicht wahrhaben will. Glücklicherweise ist Lobos herbeigesehnte digitale Echtzeit-Welt nur auf löslichem Sandstein und Schein erbaut, was mit jeder Ausgabe seiner Kolumne einmal mehr verdeutlicht wird - und sie darum längst entbehrlich ist.
  5. #5

    Nur den Lead gelesen...

    Zitat von thomas_gk Beitrag anzeigen
    Wenn ich Bahnfahre und Bahnfahren doof finde, kann ich –das fiel mir ein, bevor es weiter unten im Text erwähnt wird- auch ein Buch lesen oder aus dem Fenster sehen oder ein wenig schlafen oder was weiß ich noch alles. Kreuzworträtsel lösen, Sudoku, über Schachaufgaben nachdenken, eine Schmährede an die Schwiegermutter vorformulieren, dem Chef die Pest an den.....
    ... würde mich nicht wundern, endete Herr Lobo bald in einem Parlament, seine Schmalspurreflektionen erinnern doch sehr an die Geistesfülle in jenen Gefilden.
    Vor lauter Liquid-Digital-Brain-Storming vergessen die vernetzten Leute völlig, dass ihre ach so brandneuen Ideen teils schon einige tausend Jahre auf dem Buckel haben.
    Seine Beratertätigkeit könnte er dabei ja locker, flockig fortführen.
  6. #6

    Welche Gräben

    ich glaube bereits hier kann man das Forum schließen, die Diskussion beenden. Keiner der Foristen, die bereits gepostet haben, scheinen den Artikel auch nur im Geringsten verstanden zu haben - schade
  7. #7

    @spon-facebook....

    zum einen muss man ja eine Diskussion nicht deshalb abbrechen, weil bislang niemand (?) den Artikel verstanden hat, vielleicht kommen die erhellenden Beiträge ja noch.
    Zudem halte ich diesen "Vorwurf" für ein Totschlagargument, solange man selber nichts beiträgt
  8. #8

    "sofortismus"

    Der Beitrag hat so viele Punkte angerissen ...

    1) Wo ist das Problem daran, dass man von einer Firma erwartet, dass sie ihre Produkte verkauft?
    "shut up and take my money" ...
    Im Zeitalter des Internet sollte es problemlos möglich sein, einen Film ohne Abonnement zu erwerben, sogar eine Folge einer Serie.
    Meistens gibt es das Abo auch nur als "Eingeborener" in dem Land und ich könnte als Deutscher gar kein US-Abo abschließen.
    Ich glaube sogar, dass eine Firma, die auf ihre Kunden hört, bessere Geschäfte machen kann als eine, die so stur ist.

    2) Und warum sollte ich nicht mit einem Kollegen chatten statt sprechen, wenn er im selben Raum sitzt?
    Ich finde das als Software-Entwickler absolut nachvollziehbar, weil man beim Chat z.B. einen Screenshot des eigenen Problems oder einen Code-Ausschnitt mitschicken kann.
    Außerdem ist in einem Großraumbüro das Tippen wesentlich weniger störend als wenn man über den halben Raum hinweg laut einen Kollegen fragt.
    Es könnte ja auch sein, dass ein anderer gerade telefoniert und dafür nicht extra in ein "Telefonzimmer" geht (wenn's das überhaupt gibt) - neudeutsch "quiet room" ;)

    3) Und mal ehrlich: wenn ich Bahn fahre, hab ich keine Lust, mit fremden Leuten ein Gespräch anzufangen.
    Entweder lese ich ein ebook oder ich spiele eine Runde Sudoku oder Temple Run oder was anderes.

    4) Tja, "Sofort-Kaufen" muss man auch verstehen: es wird eben nicht auf eine Ware geboten, sondern ich sehe einen Festpreis.
    Ich nutze fast nur noch Sofort-Kaufen bei ebay, weil ich dann nicht bis zum Ablauf der Frist warten muss und einen konkreten Preis habe.
    Tja, und die Lieferung ist ein Zeit-Problem der Post, nicht des Verkäufers. Ich habe schon erlebt, dass vormittags gekauft, das Paket am nächsten Tag geliefert wurde.
  9. #9

    wenn ich das schon wieder lese...

    ...erinnere ich mich an ein probates erziehungsmittel: drei wochen fernseh- bzw. internetverbot hat schon so manches kind wieder geerdet. erstaunlich, dass sich angeblich erwachsene solche fragen überhaupt stellen.