Extremwanderung durch Deutschland: Morgens sehen, wo man abends ankommt

Raphael Kusch 1100 Kilometer in 22 Tagen: Ohne Geld und eigenen Proviant ist Raphael Kusch durch Deutschland gewandert. Der 22-jährige Auszubildende vertraute auf die Hilfsbereitschaft seiner Mitmenschen und wurde nicht enttäuscht - vorrausgesetzt er hielt sich ans Zeitfenster.

http://www.spiegel.de/reise/deutschl...-a-860103.html
  1. #20

    Zitat von bonnerinmünster Beitrag anzeigen
    ich finde es einfach respektlos, fies und charakterlich komplett daneben, sich eine schöne Urlaubswanderung mit Selbsterfahrungsanteil schamlos unter Ausnutzung der voreinkalkulierten Hilfsbereitschaft der Mitmenschen zu machen. Und dies noch hier zur Nachahmung zu empfehlen...mir fehlen die Worte... Bald heißt es: da kommt schon wieder so ein Vogel, der sich Essen und Unterkunft erschnorren will...
    Keiner derjenigen, die dem Wanderer Unterkunft gewaehrten hat es doch gegen seinen Willen getan. 3 von 4 haben ja im Schnitt keinen Schlafplatz gewaehrt (wenn man den Artikel liesst) und die hatten nun auch ihre legitimen Gruende. Ich finde so etwas grossartig. Und wer einem Wanderer Obdach geben moechte der tut es eben, andere (wie Sie vielleicht) halt nicht. Das macht die Menschen aus. Manche sind freigiebig andere nicht (oder es passte halt eben gerade nicht). Die Leute laden solche Leute doch auch ein, weil sie sich eine nette Geschichte erzaehlen lassen wollen. Haben gewiss auch eine bekommen.

    So etwas aehnliches habe ich mit einem Freund vor vielen Jahren in England und Schottland gemacht: Trampen und mit Zelt uebernachtet. Auf Sportplaetzen und einmal auch im Garten eines Herrenhauses. Auch hier, jeder den wir gefragt haben hat uns aufgenommen. Beim Herrenhaus stand morgens sogar der Butler mit einem Tee vorm Zelt. Einfach klasse und nett. Um im Gegenzug habe ich dann auch gerne Tramper beherbergt (u.a. einen Blackfoot aus Kanada, zwei Maedchen aus Argentinien, etc.) was immer nett war. Heute ist das Trampen ja leider kaum noch verbreitet...

    Also, was heisst hier schnorren: Man nimmt und man gibt. Wie es halt passt. Und wer nicht will, laesst es halt bleiben.
  2. #21

    Finde ich aber auch, Nr 19

    Stimmt. Viele von uns sind schon durch die Welt gewandert, oder geritten, oder gefahren. Aber es war mir selbst in ganz jungen Jahren wichtig, dass ich für mein Essen oder mein Geld gearbeitet habe. Nur in den allerdringendsten Notfällen hätte ich gebettelt (und nein, es war eigentlich nie notwendig). Gastfreundschaft ist natürlich ok. Aber sich darauf verlassen ist keine Ehre, sondern Ausnutzung. stt
  3. #22

    Leben

    Zitat von bonnerinmünster Beitrag anzeigen
    geht es hier darum, zu loben, wie hilfsbereit und toll die Menschen doch überall in Deutschland sind, stellt sich anschließend die Frage, wie lange noch. Wenn einem in einer Notsituation geholfen wird, ist es eine Sache. Wenn man sich aber auf Kosten der Mitmenschen aufmacht, der erlebt seinen speziellen kleinen Abenteuerurlaub mit Kick - eben auf Kosten der Mitmenschen - die nun mal es nicht übers Herz bringen, das arme kleine (wir waren ja auch mal jung und hatten kaum Geld) Hascherl an der Bushaltestelle schlafen zu lassen.
    ich finde es einfach respektlos, fies und charakterlich komplett daneben, sich eine schöne Urlaubswanderung mit Selbsterfahrungsanteil schamlos unter Ausnutzung der voreinkalkulierten Hilfsbereitschaft der Mitmenschen zu machen. Und dies noch hier zur Nachahmung zu empfehlen...mir fehlen die Worte... Bald heißt es: da kommt schon wieder so ein Vogel, der sich Essen und Unterkunft erschnorren will...
    Sie müssen ein ziemlich hartes Leben führen oder geführt haben, wenn Sie diese Reise so negativ bewerten, voller Mißtrauen und Vorsicht. Hier wird doch eigentlich nur beschrieben wie Menschen einem anderen Menschen etwas zu essen und einen Schlafplatz geben, den sie persönlich kennengelernt haben. Ich glaube nicht, dass diese Menschen das Gefühl hatten "jemandem in Not" zu helfen, sondern einfach ihrer Neugier und ihrer Menschenkenntnis nachgegeben haben. Es gibt wahrscheinlich wirklich viele Menschen die gerne etwas geben wenn es von jemandem gebraucht wird der ihnen sympathisch ist. Einfach so, ohne großes Nachdenken. Es sind doch erwachsene Menschen von denen wir sprechen. Ist es schon so suspekt jemandem etwas zu essen zu schenken? Ist dies schon verdächtig in der vermeintlichen Gesellschaft der Egoisten?
  4. #23

    danke....

    Zitat von singpat Beitrag anzeigen
    Also, was heisst hier schnorren: Man nimmt und man gibt. Wie es halt passt. Und wer nicht will, laesst es halt bleiben.
    Danke für diese wunderbare Erklärung für etwaigige Kleingeister, die da meinen, daß sowas ein Ausnutzen darstellt. Ich hätte es nicht so schön formulieren können, denn auch wenn ich mich bemühe, aber diese Erbsenzähler werden immer schwerer zu ertragen...:-)

    Es gibt doch auch in diesen Dingen sowas wie eine "Umwegrentabilität", wenn ihr schon unbedingt über Geben und Nehmen Buchhaltung führen wollt.
    Ich bin mir sicher, daß auch unser Deutschlanddurchquerer in Zukunft Leuten weiterhilft, so wie auch ihm weitergeholfen wurde. Er wird wahrscheinlich sogar mehr geben, als ihm gegeben wurde, denn seine Augen, seine Sinne sind ja nun geöffnet für so etwas.

    Menschenskinder, das hat doch nichts mit Ausnutzen zu tun, nein - eigentlich ist das überhaupt erst das "Mensch sein".
  5. #24

    Extremwandern

    Und jetzt das Ganze noch einmal, aber ohne Papiere, ohne Schlafsack und so unpassender Kleidung, dass es jedem Polizisten auffällt.
    Und dann in zwei Wochen von Trier nach Arnheim(NL). Unsinn? Habe ich als 15- und 16 jähriger mehrmals gemacht, als ich aus der Erziehungsanstalt abgehauen bin.
    Jeder Jugendliche, der aus einem Heim abhaut oder jemals abgehauen ist, hat sich so durchgemogelt. Und das ist die Lebenserfahrung von zig-tausenden.
  6. #25

    Zitat von bonnerinmünster Beitrag anzeigen
    geht es hier darum, zu loben, wie hilfsbereit und toll die Menschen doch überall in Deutschland sind, stellt sich anschließend die Frage, wie lange noch. Wenn einem in einer Notsituation geholfen wird, ist es eine Sache. Wenn man sich aber auf Kosten der Mitmenschen aufmacht, der erlebt seinen speziellen kleinen Abenteuerurlaub mit Kick - eben auf Kosten der Mitmenschen - die nun......
    Dafür, daß Ihnen die Worte angeblich fehlen, haben Sie dann aber doch noch eine ganze Menge davon irgendwo gefunden.
  7. #26

    nix neues

    seit Menschengedenken und in allen Kulturen werden Wandersleut ein Schlafplatz angeboten(und wenns auch nur die Scheune ist) und bewirtet. Hat was mit sozialem Zusammenhalt zu tun.
    Im abgelegeneren Gebieten im Orient z.B. kann man sich als Reisender teilweise gar nicht retten vor Anegboten zum Mittag-und Abendessen, von Tees und Wasserpfeifen gar nicht zu reden.
    Die Leute machen das, weil es einfach Bestandteil ihrer Kultur ist und auch weil sie neugierig sind und etwas ueber einen erfahren wollen.
    Schoen, dass dies auch noch in Deutschland moeglich ist.
    Ein Beweis auch dafuer, dass man mit fast allen Menschen prinzipiell gut auskommen kann.. Nationale oder religioese Animositaeten werden eigentlich nur von einig wenigen benutzt fuer verquere Interessen. Kriege waeren eigentlich ueberfluessig, man muesste nur die Machthaber und Hetzer gegeneinander in der Arena antreten lassen.
  8. #27

    deutschlandpersteckdose.de

    Tolle story. Gut dass du das gemacht hast! 2011 habe ich die die idee umgesetzt, mit einem kleinen elektromotorrad durch deutschland zu fahren. Stromtankstellen gibt es ja kam, auf meinem weg von sylt zur zugspitze bin ich keiner begegnet. Aber ohne probleme haben mir leute (privat oder aber in Bäckereien, Imbissbuden, Biergärten, Bauernhöfen) erlaubt ihren Strom anzuzapfen - praktisch immer ohne bezahlung. Vorurteil von den übellaunigen, mißtrauischen Deutschen widerlegt!
  9. #28

    ....

    Zitat von lorberost Beitrag anzeigen
    Danke für diese wunderbare Erklärung für etwaigige Kleingeister, die da meinen, daß sowas ein Ausnutzen darstellt. Ich hätte es nicht so schön formulieren können, denn auch wenn ich mich bemühe, aber diese Erbsenzähler werden immer schwerer zu ertragen...:-)
    Es gibt doch auch in diesen Dingen sowas wie eine "Umwegrentabilität", wenn ihr schon unbedingt über Geben und Nehmen Buchhaltung führen wollt.
    Ich bin mir sicher, daß auch unser Deutschlanddurchquerer in Zukunft Leuten weiterhilft, so wie auch ihm weitergeholfen wurde. Er wird wahrscheinlich sogar mehr geben, als ihm gegeben wurde, denn seine Augen, seine Sinne sind ja nun geöffnet für so etwas.

    Menschenskinder, das hat doch nichts mit Ausnutzen zu tun, nein - eigentlich ist das überhaupt erst das "Mensch sein".
    Das ist auch meine Lebenserfahrung!
    Z.B. steht in der schwedischen Pampa ein Auto mit deutschem Kennzeichen, Warnblinker an, angehalten, gefragt ob man Hilfe braucht, brauchte man, abgeschleppt in den nächsten Ort.
    Wir stehen in der Schleswig holsteinischen Pampa, mit schwedischem Kennzeichen und orientieren uns an der Karte, hält ein Auto, eine Frau steigt aus: "behöver du hjälp!" wir bedankten uns mit einem nein.
    Es ist ein geben und nehmen. Manch einer sollte an sich arbeiten, das Leben wird so leichter und schöner!
  10. #29

    Ich auch . . .

    2007 bin ich auch von Einödsbach nach List gelaufen. Mein Buch "Von Einödsbach zur Insel Sylt" , erschienen im Verlag BoD, schildert meine Erlebnisse und Gedanken während der Wanderung.