Buch "Allererste Liebe": Es sind nicht die Gene

CorbisWie gut Menschen in der Welt zurechtkommen, hängt vor allem von den Bindungserfahrungen in den ersten drei Lebensjahren ab. Die zentrale These des neuen Buches "Allererste Liebe" hat das Zeug, Eltern zu verunsichern. Leider werden sie mit diesem Gefühl allein gelassen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...-a-860041.html
  1. #1

    Man sollte vielleicht mal den Blick zurückschweifen lassen zur Kriegsgeneration, wo Menschen viele Jahre lang in Todesangst lebten, Hunger herrschte, Tod und Elend allgegenwärtig waren und sich dann nochmal fragen wie traumatisch es vergleichsweise ist, wenn die Mutter das Kleinkind bei der Suche nach dem Schlüssel im Bücherrgal nicht alles richtig gemacht hat. Und auch die Groß/Elterngeneration hat es irgendwie geschafft, Beziehungen aufzubauen, und diese hielten deutlich länger als das heute üblich ist.


    Hallo? Für Psychologen ist vermutlich der einzig akzeptable Zustand, daß man sein Leben streßfrei und in Harmonie verbringt. Der Rest der Welt muß damit leben, daß das Leben nicht perfekt ist -und er kann es auch ganz gut. Wer von uns kann denn behaupten, nicht das eine oder andere Traume er- und überlebt zu haben?
    Ich denke, die menschliche Seele ist wesentlich robuster, als einem hier manchmal eingeredet wird
  2. #2

    Zitat von les2005 Beitrag anzeigen
    Man sollte vielleicht mal den Blick zurückschweifen lassen zur Kriegsgeneration, wo Menschen viele Jahre lang in Todesangst lebten, Hunger herrschte, Tod und Elend allgegenwärtig waren und sich dann nochmal fragen wie traumatisch es vergleichsweise ist, wenn die Mutter das Kleinkind bei der Suche nach dem Schlüssel im Bücherrgal nicht alles richtig gemacht hat. Und auch die Groß/Elterngeneration hat es irgendwie geschafft, Beziehungen aufzubauen, und diese hielten deutlich länger als das heute üblich ist.
    Ähhhhm, und genau die Traumata, die Sie da ansprechen, haben extrem viele Familien extrem unglücklich gemacht. NUr weil man das damals nicht "posttraumatische Belastungsstörung" genannt hat, waren diese Schäden durchaus vorhanden. Und nur weil äußerer Zwang, die Familien zusammengehalten hat, heisst das noch lange nicht, dass in der "guten alten Zeit" alles so wahnsinnig gut war.

    Und darauf, dass das mit dem Schlüssel ein Beispiel für ein meineserachtens durchaus vernünftiges Konzept ist, sind sie sicher auch gekommen, oder?
  3. #3

    Ernst nehmen?

    Die Autorin is journalistin, die Geschichte und Kunstgeschichte studiert hat und wohl kaum als Kometenz in Sachen Psychologie, Genetik und Neurwissenschaften gelten darf. Wir sollten das Buch also nicht allzu Ernst nehmen.


    Zitat von les2005 Beitrag anzeigen
    Man sollte vielleicht mal den Blick zurückschweifen lassen zur Kriegsgeneration, wo Menschen viele Jahre lang in Todesangst lebten, Hunger herrschte, Tod und Elend allgegenwärtig waren und sich dann nochmal fragen wie traumatisch es vergleichsweise ist, wenn die Mutter das Kleinkind bei der Suche nach dem Schlüssel im Bücherrgal nicht alles richtig gemacht hat. Und auch die Groß/Elterngeneration hat es irgendwie geschafft, Beziehungen aufzubauen, und diese hielten deutlich länger als das heute üblich ist.


    Hallo? Für Psychologen ist vermutlich der einzig akzeptable Zustand, daß man sein Leben streßfrei und in Harmonie verbringt. Der Rest der Welt muß damit leben, daß das Leben nicht perfekt ist -und er kann es auch ganz gut. Wer von uns kann denn behaupten, nicht das eine oder andere Traume er- und überlebt zu haben?
    Ich denke, die menschliche Seele ist wesentlich robuster, als einem hier manchmal eingeredet wird
  4. #4

    Schau da...

    Prägung in den ersten Lebensjahren. Das haut den Menschen um. Ich dachte schon man lert erst ab 30, alles andere wären Gene.... Tolle Erkenntnis...
  5. #5

    Alles Bekannt...

    ...zumindest was hier steht im Artikel ist durch Büchern wie "Die Kunst des Liebens", "Die Angst vorm Glück" und "Jein!: Bindungsängste erkennen und bewältigen. Hilfe für Betroffene und deren Partner" längst bekannt.
  6. #6

    na und?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die zentrale These des neuen Buches "Allererste Liebe" hat das Zeug, Eltern zu verunsichern. Leider werden sie mit diesem Gefühl allein gelassen.

    Allererste Liebe: Bindung bei Kleinkindern ist entscheidend für das Leben - SPIEGEL ONLINE
    Das ist nichts neues. Da gab es schon früher eine Menge Bücher dazu und eine Menge, richtiger, Erkenntnisse und Meinungen. Aber es ist völlig falsch, das aus dem Netzwerk an Erfahrungen herauszupicken und zu sagen, das ist der springende Punkt. Eine stabile Eltern Kind (vorzugsweise Mutter Kind Beziehung) ist selbstverständlich die Fahrkarte für ein gutes Leben, aber eben nicht alles.
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen

    Zwischen Mutter und Kind bestehe bereits ein "vorgeburtlicher Bindungsraum" zitiert Ustorf einen ungarischen Psychoanalytiker - einen von vielen Experten, die zu Wort kommen. Freue sich die Mutter auf ihr Baby, verspüre auch das Ungeborene ein Gefühl des Gewollt-Seins. Andersherum bedeute das aber: Lehne die Mutter ihr Kind vor der Geburt ab, könne das tragische Folgen haben.
    Welch eine unglückselige Gemengelage, ein ungarischer Scharlatan (Psychoanalytiker) und eine Soziologin negieren alle aktuellen Erkenntnisse und Studien zur Entwicklungs- und Evolutionspsychologie.
    Das Märchen von der frühkindlichen- oder (noch absurder) vorgeburtlichen Prägung ist durch rationale Argumente nicht aus der Welt zu schaffen.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen

    "Schätzungen zufolge erleben 25 Prozent aller Frauen im Verlauf einer Schwangerschaft starken Stress oder Ängste", schreibt Ustorf. "Mindestens ein Viertel aller in Deutschland geborenen Kinder kommt folglich mit einer Veranlagung für psychische Krankheiten oder emotional-kognitive Beeinträchtigungen auf die Welt“
    Na so ein Glück.
    Millionen von Jahren hatten Frauen zu 100% Stress und die Evolution hat sicherlich nicht die Ponyhoffraktion selektiert.
  8. #8

    Na, dass die ersten drei Jahre besonders wichtig sind, ist doch geradezu konservativer Konsens seit langer Zeit. Witzig, dass mancher das Buch trotzdem abtun will nach dem Motto "schon wieder Psychologie".

    Ich finde das Beispiel mit dem Schlüssel schon geeignet um zu zeigen was gemeint ist. Zu bemängeln, dass das Buch Eltern Schuldgefühle machen könnte, finde ich etwas albern - solche Dinge wie die Freude auf das Kind oder Einfühlungsvermögen der Eltern lassen sich ja nur bedingt steuern. Es ist halt nun mal so wie es ist, und das Kind muss dann mit den Eltern leben die es eben hat. Zu bemängeln hätte ich da eher, dass die zentrale Aussage des Buches nicht eben neu ist.
  9. #9

    Und was ist mit Ablehnung?

    Also, in dem Beispiel fehlt mir dann noch der Aspekt "Mutter versteht zwar, was in dem Kind vor sich geht, aber ist nicht bereit, jedem Quengeln nachzugeben".

    Wieso sollte dem maulendem Kind denn sofort, nur weil es sich ärgert, der Schlüssel übergeben werden? Leuchtet mir nicht ein - klingt mir eher nach kurzfristigem "Verständnisblabla", gefolgt von Nachgeben, was zu Kindern führt, die immer das kriegen, was sie wollen.
    Wenn schon die Interaktion wäre die Frage: _Warum_ willst du den Schlüssel?
    Oftmals wollen Kinder ja z.B. nur etwas weil sie eben nicht herankommen - dann wird gebrüllt, gequengelt usw. was das Zeug hält. Und wenn sie dann mitbekommen "okay, ich kriege es", dann setzt sich das fest. Egal ob vorher gesagt wurde "das ist Ärger, was du empfindest" oder nicht.

    Wenn z.B. das Kind oben den Schokoriegel sieht und plärrt, weil es nicht daran kommt, dann wäre imho auch ein "du ärgerst dich jetzt, hier hast du ihn" falsch, sinniger wäre ein "du ärgerst dich, aber ich habe dir erklärt, dass du nur einen Riegel pro Tag bekommst, das wäre der zweite Riegel, das geht nicht".
    Die gesamte Theoriewelt der Dame basiert auf Extremideen und alles, was dazwischen liegt, wird außen vor gelassen, hilft also nicht wirklich