Europas Währungsunion: War Helmut Kohl ein Linker?

An rhetorischem Überschwang hat es in der Geschichte des Euro nie gefehlt - das zeigte sich wieder bei der Predigt von Großredner Lammert zum Einheitsfeiertag. Doch wo große Worte sind, unterbleiben oft die einfachen Fragen.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...-a-859454.html
  1. #1

    Wieder einmal mehr...

    ... kann ich Herrn Fleischhauer nur zustimmen. Wohl formuliert - und leider wahr!
    Diese Euro-Utopisten mit ihrem römisch-dekadent abgesicherten Lebensabend brauchen sich um so banale Dinge wie die eigene Existenzsicherung keine Gedanken mehr machen. Da zählen höhere Ziele. Der Eintrag ins Geschichtsbuch als Sinnbild dieses übersteigerten Narzissmus' benötigt halt Opfer, die vorzugsweise nicht selbst erbracht werden müssen.
    Herrn Lammerts "Festrede" - Schwanengesang aus dem Agit/Prop-Repertoire triffts besser - hat bei mir nur den Brechreiz gefördert. Sicher nicht den Glauben in das "Europäische Haus".
  2. #2

    rechts-links-blah

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ... Eines der großen Rätsel in der Genese des Euro ist bis heute die Frage, wie ein so guter Psychologe und Menschenkenner wie Helmut Kohl im Ernst an das Gelingen eines solch utopischen Projekts glauben konnte ...
    Ganz einfach, seine Eitelkeit einen gehobenen Platz in den Geschichtsbüchern einzunehmen war größer als alle Ratio. Wohl ein ähnlicher Effekt, wie wenn intelligente Leute an Pyramidenspielen teilnehmen, in dem Falle ist es die Gier, die siegt.
    Im übrigen war Kohl sicher keine linker. Rechts und Links sind - gerade heutzutage - oft leere Begriffe und was heute als linke Politik verkauft wird, wie der "Euro-Wahn" - hat mit früheren linken Kernideen so gar nichts gemein.

    Selbst die ursprüngliche Idee des Vaterlandes im Zusammenhang mit dem Sozialstaat unter dem Aspekt von Freiheit, Gerechtigkeit und Chancengleichheit - das ist linkes Gedankengut und keine europäische Bankenrettung auf Kosten der Steuerzahler.
  3. #3

    Toller Artikel!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    An rhetorischem Überschwang hat es in der Geschichte des Euro nie gefehlt - das zeigte sich wieder bei der Predigt von Großredner Lammert zum Einheitsfeiertag. Doch wo große Worte sind, unterbleiben oft die einfachen Fragen.

    Jan Fleischhauer: War Helmut Kohl ein Linker? - SPIEGEL ONLINE
    Herzlichen Dank für die Aussprache der Wahrheit!
    Mehr muss man nicht dazufügen.
  4. #4

    alles schön und gut ....

    zur Realität gehört auch dass man sehr unterschiedliche Kulturen und Menschen eben nicht vereinen kann. Die Völker sehen das anders als die Politiker und es ist vermessen die traumhafte Sichtweise der Politiker einem Volk aufzwingen zu wollen. Der wirtschaftliche Aspekt hat auch bei der Wiedervereinigung Deutschlands eine entscheidende Rolle gespielt da der Osten eine sehr gute Basis für wirtschaftliche Investitionen geboten hat und das auch auf Kosten der Steuerzahler. Viele der Ostbürger waren gar nicht so unglücklich wie dem Westen immer wieder vermittelt wurde. Ich kenne einge Ostbürger die entsetzt waren als sie das gelobte Westdeutschland kennenlernen konnten in dem es zwar alles gab aber alles hat eben auch seinen Preis und das Geld hat eben nicht jeder. Es wäre sicherlich sinnvoller gewesen und ich bin sicher das wußten auch viele Politiker die Gesamtsituation realistisch zu beurteilen was auf das gesamte Volk zukommt. Wie im Fernsehen gezeigt wurde wurden über Nacht die ostdeutschen Produkte aus den Regalen entfernt und die westdeutschen eingeräumt. Hat denn ein Bürger im Osten gewußt wie hoch die Arbeitslosigkeit nach der Wende sein würde? Es ist sicherlich schön die Familie wieder besuchen zu dürfen aber der Preis dafür war extrem hoch und an dem Soli zahlen alle heute noch!
  5. #5

    Richtig

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    An rhetorischem Überschwang hat es in der Geschichte des Euro nie gefehlt - das zeigte sich wieder bei der Predigt von Großredner Lammert zum Einheitsfeiertag. Doch wo große Worte sind, unterbleiben oft die einfachen Fragen.

    Jan Fleischhauer: War Helmut Kohl ein Linker? - SPIEGEL ONLINE
    Eines der wenigen Male, bei denen Herr Fleischhauer den Finger in die richtige Wunde legt und das Lesen dieser Kolumne gerechtfertigt hat...
  6. #6

    Nicht der Euro

    ist das Problem - sondern der Bruch der Maastrichtverträge. Hätten sich alle (auch D. unter Eichel/Schröder) an die vereinbarte Haushaltsdiziplin gehalten bzw. empflindliche Sanktionen verhängt wäre die Karre auch nicht aus dem Ruder gelaufen. Im übrigen wurden einige Staatsbilanzen ja nicht unerheblich von der (unvermeintlichen?) Bankenrettung verhagelt wie z.B. in Irland.

    Und auch die USA zeigen mit einer Schuldenquote wie Italien und einem absoluten Wert von mehr als 16.000.000.000.000 US$ das man auch ohne Euro gut Schulden machen kann ;-)

    Das ist mir diesmal zu einfach - das haben wir schon bei Wolle Münchau der es am Ende mal wieder besser wußte und bei dem der Euro seit 6 Monaten Geschichte hätte sein sollen ... gähn.
    Der Pathos wenn es um Europa geht nervt aber wirklich.
  7. #7

    Welch Frage

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    An rhetorischem Überschwang hat es in der Geschichte des Euro nie gefehlt - das zeigte sich wieder bei der Predigt von Großredner Lammert zum Einheitsfeiertag. Doch wo große Worte sind, unterbleiben oft die einfachen Fragen.

    Jan Fleischhauer: War Helmut Kohl ein Linker? - SPIEGEL ONLINE
    So wie Herr Dr. Kohl mit Geld umgehen konnte (Ehrenwort, Schwarzer Koffer, Kirch-Vertrag) muss er ja, nach dem Verständnis der Schwarzen, ein Linker gewesen sein.
  8. #8

    Selbstfesselung vs Ausplünderung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ... Man kann allerdings verlangen, dass einem die Moralaufrufe erspart bleiben, wenn die Rechnung kommt. Wer den Schaden hat, braucht nicht noch obendrein eine Erweckungspredigt wie jene am Mittwoch.

    Jan Fleischhauer: War Helmut Kohl ein Linker? - SPIEGEL ONLINE
    Das pastorale Rumsalbadern ist mir genauso auf den Wecker gegangen wie Ihnen - Herr Fleishhauer - denn wenn der rationale Grund fehlt, kann man ihn nicht herbeireden. Und e i n Pastor an der Spitze des säkularen Staates reicht.

    Allerdings ist aber auch Ihre Metapher von der Selbstfesselung der Deutschen inzwischen überholt. Darum geht es nicht mehr, denn wir bauen unser potentielles Kriegsgerät ja nicht mehr allein und selber, sondern mit anderen zusammen. Das greift nicht.

    Es geht nur noch um die systematische Ausplünderung der deutschen Leistungsträger - und - mit Verlauf - dazu zähle ich die Politiker nicht - sie gehören zu den europäischen Nutznießern der Aktion.
  9. #9

    Risiko?

    Wo sollen denn die angeblichen Risiken sein? Bisher wurden die vermeintlichen Risiken zwar zuhauf an die Wand gemalt, aber eine präzise Beschreibung hat noch niemand gegeben. Für Deutschland sowie seine Partner würde ein Verlassen der Eurozone nur Chancen bedeuten.