Austausch-Log Taiwan: 10 Uhr, Schulklos schrubben

Una HsiehEr grillt am Strand und badet im Mondlicht - für Austauschschüler Tim Hörster sind die Wochenenden in Taiwan paradiesisch. Doch Montags holt ihn der Alltag ein: Seine Schule ist gigantisch groß, die Schüler müssen in den Pausen putzen und schon mittags legen alle erschöpft den Kopf aufs Pult.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/a...-a-858336.html
  1. #1

    Find ich gut

    schlägt doch zwei Fliegen mit einer Klappe: Einerseits lernt jeder praktische Handgriffe die man irgendwann sowieso wieder braucht (es sei denn man hat so viel Geld dass man lieber Putzen lässt - aber das trifft auf die wenigsten zu) - und zudem geht man ganz anders mit den Räumlichkeiten um - verdreckte Zimmer weil sich niemand zuständig fühlt? Gibt es nicht.
    Würde ich in Deutschland auch sofort begrüßen, aber hier dürfen die Jugendlichen ja selbst in Zeltlagern nicht mehr schrubben, weil es Sicherheitsvorschriften zum Umgang mit Chemikalien wie Reinigern gibt ...
  2. #2

    EIn wichtiger Punkt

    "Doch es gibt nicht nur Freizeit in Taiwan. Wenn gerade nicht Samstag ist, heißt es für Taiwaner: lernen, lernen, lernen."

    Das sollte man mal ins deutsche Bildungssystem übertragen. Aber ist ja bei uns unmodern geworden.
  3. #3

    Nicht schlecht !

    Sollte bei uns auch eingeführt werden. Dann könnten manche Schüler, die nicht wissen, wohin mit ihrer Kraft, sich beim Putzen und Aufräumen gut abreagieren. Außerdem sieht man, daß dort für schulische Zwecke großzügiger gedacht und gehandelt wird. Man könnte manches übernehmen, aber wird wohl nie passieren.
  4. #4

    Zeit zum Schlaafen

    Auch diese Schlaafzeit wäre sehr brgrüssenswert in Deutschland! Inzwischen bin ich raus aber bei mir war immer so ab 12 Feierabend mit aufpassen .... da hies es Kopf auf die Bank und Heia. So gehts recht vielen leuten, somit wäre eine verordnete halbe stunde in den klassenräumen wo ruhe zu herrschen hat sehr zu begrüssen!
  5. #5

    Selbst erlebt

    In meiner Dienstzeit habe ich in der letzten Unterrichtsstunde immer 5 Minuten vorher Schluß gemacht, damit die Schüler ihre Plätze aufräumen konnten. Als ich einen Schüler bat, auch SEINEN Abfall wegzuräumen, bekam ich die Antwort: "Dafür sind doch die Putzen da."
  6. #6

    Luodong

    Mittlerweile hat er gelernt das Yilan im Osten ist ;-) im letzten Artikel war's ja noch im Westen.

    Zu dieser Jahreszeit beneide ich den Jungen. Luodong ist ganz nett, vor allem der Strand den es dort gibt ist sehr schön. Man kann dort am Abend gemütlich den Grill anwerfen und mit der Freundin die Atmosphäre genießen.
    Das Ufer scheint sich auch sehr gewandelt zu haben vor einigen Jahren war es schön flach mittlerweile ist es sehr steil.
    Der Strand im ersten Bild dürfte etwas weiter südlich sein von Luodong. Alleine die Straßenmärkte mit den richtig frischen Nahrungsmitteln. Und die BBQ Stände .....
    Die Busse von und nach Taipei sind auch klasse ca. 50 Minuten von Luodong. dürfte so 4 Eur sein pro Strecke.
    Ich kann nur sagen genieße die Zeit dort in vollen Zügen!
  7. #7

    Erfahrungen in Taiwan

    Es ist schon interessant, wie sich Eindrücke vollkommen voneinander unterscheiden können. Frage ich meine Studenten hier in Taiwan nach ihrer High School Zeit, so verdrehen die meisten einfach nur die Augen und möchten lieber über etwas anderes sprechen....

    Für die allermeisten wäre es schön, sich um 17.10 Uhr auf dem Weg nach Hause zu machen. Wahrscheinlicher führt sie der Weg aber eher in eine der zahlreichen Nachhilfeschulen (buxiban), bei der sie dann zwischen 18 und 21 Uhr weiter für die Schule und die Eignungsprüfungen der Universitäten pauken. Und wenn sie dann später nach Hause kommen, so stehen dann noch Hausaufgaben und Lernen für die morgendlichen Prüfungen an. Vor 1 oder 2 Uhr morgens kommt fast niemand zum schlafen.

    Daher auch das für uns Deutsche ziemliche putzige Ritual, in der Mittagszeit auf den Tischen zu schlafen. Ohne diese Auszeit würden viele im weiteren Tagesverlauf im Unterricht ständig einnicken, denn dieser bietet als Frontalunterricht kaum Abwechslung, kaum individuelle Förderung, aber mit mehreren hundert bis mehreren tausend Euro Schulgeld pro Semester eine große finanzielle Belastung der Eltern.

    Bleibt noch Taiwan als Paradies für Ordnungsfreunde. Durch Schülerlotsen gesicherter Schulweg klingt toll. Allerdings sind sie auch dringend notwendig, da Bürgersteige vor Schulen mehr die Ausnahme sind und Fußgänger in Taiwan von anderen Verkehrsteilnehmern eher als lästiges Ärgernis angesehen werden.

    Das klingt jetzt alles ganz furchtbar. Ist es in Teilen auch, aber wird natürlich durch viele andere wunderbare Dinge in Taiwan wieder relativiert, wozu das Bildungssystem allerdings nicht gehört. Ich wünsche Tim, dass er in späteren Jahren nochmals die Gelegenheit haben wird, nach Taiwan zu kommen, denn auch nach 10 Jahren mache ich immer noch neue Erfahrungen und entdecke neue Sichtweisen, die den meisten Deutschen wohl für immer verborgen bleiben werden (z.B. dass das deutsche Schulsystem trotz allen Fehlern besser als das taiwanische ist).
  8. #8

    Zitat von lindenborn1950 Beitrag anzeigen
    Als ich einen Schüler bat, auch SEINEN Abfall wegzuräumen, bekam ich die Antwort: "Dafür sind doch die Putzen da."
    Das habe ich aus der eigenen Kindheit in den Siebzigern sogar noch schlimmer in Erinnerung, denn nicht selten waren es die Eltern, welche ihrem Nachwuchs zugeredet haben: "Kein Problem, das Bonbonpapier / den Kaugummi etc. macht die Putzfrau weg." Schon damals kam mir das irgendwie falsch vor ...
  9. #9

    Zitat von Dennis-TW Beitrag anzeigen
    Es ist schon interessant, wie sich Eindrücke vollkommen voneinander unterscheiden können. Frage ich meine Studenten hier in Taiwan nach ihrer High School Zeit, so verdrehen die meisten einfach nur die Augen und möchten lieber über etwas anderes sprechen....

    Für die allermeisten wäre es schön, sich um 17.10 Uhr auf dem Weg nach Hause zu machen. Wahrscheinlicher führt sie der Weg aber eher in eine der zahlreichen Nachhilfeschulen (buxiban), bei der sie dann zwischen 18 und 21 Uhr weiter für die Schule und die Eignungsprüfungen der Universitäten pauken. Und wenn sie dann später nach Hause kommen, so stehen dann noch Hausaufgaben und Lernen für die morgendlichen Prüfungen an. Vor 1 oder 2 Uhr morgens kommt fast niemand zum schlafen.

    Daher auch das für uns Deutsche ziemliche putzige Ritual, in der Mittagszeit auf den Tischen zu schlafen. Ohne diese Auszeit würden viele im weiteren Tagesverlauf im Unterricht ständig einnicken, denn dieser bietet als Frontalunterricht kaum Abwechslung, kaum individuelle Förderung, aber mit mehreren hundert bis mehreren tausend Euro Schulgeld pro Semester eine große finanzielle Belastung der Eltern.

    Bleibt noch Taiwan als Paradies für Ordnungsfreunde. Durch Schülerlotsen gesicherter Schulweg klingt toll. Allerdings sind sie auch dringend notwendig, da Bürgersteige vor Schulen mehr die Ausnahme sind und Fußgänger in Taiwan von anderen Verkehrsteilnehmern eher als lästiges Ärgernis angesehen werden.

    Das klingt jetzt alles ganz furchtbar. Ist es in Teilen auch, aber wird natürlich durch viele andere wunderbare Dinge in Taiwan wieder relativiert, wozu das Bildungssystem allerdings nicht gehört. Ich wünsche Tim, dass er in späteren Jahren nochmals die Gelegenheit haben wird, nach Taiwan zu kommen, denn auch nach 10 Jahren mache ich immer noch neue Erfahrungen und entdecke neue Sichtweisen, die den meisten Deutschen wohl für immer verborgen bleiben werden (z.B. dass das deutsche Schulsystem trotz allen Fehlern besser als das taiwanische ist).