Digitale Geschäftsmodelle: Zyklus der Zerstörung

Es gibt schlechte Nachrichten aus der deutschen Zeitungslandschaft. Das hat vermutlich mit dem Internet zu tun. Doch das Netz ist eine Bedrohung für jedes digitale Geschäftsmodell. Wer sich nicht ständig neu erfindet, geht unter.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/z...-a-859005.html
  1. #1

    Quantität statt Qualität

    Qualität ist das Stichwort, Herr Lobo. Und die, die Qualität wollen werden immer weniger. Die Massen wollen nicht gebildet sein, sie wollen auch nicht die "Zeit" lesen, keine Bücher und schon gar keine intakte Natur auf dem Fahrrad. erleben Sie wollen Dauer-Party, Spass, Bequemlichkeit bei 200 km/h und vor allem eines. Mehr, immer Mehr.
  2. #2

    Ein Glück

    ...daß die digitale Form meiner guten Schwarzwaldmilch nicht zu jenem erlesenen Geschmackserleben führt, die "die Echte" auf der Zunge hinterläßt und daß sie bei weitem nicht so nahrhaft ist, wie "die Echte".
    Das digitale Bild eines Produktes, selbst wenns "hyperrealistisch" sein sollte, ersetzt nicht das Produkt selbst. Insofern gibt's keine digitalen Produkte sondern nur digitale Dienstleistungen.
    Und eben digitale Bilder von Produkten.
    Pixelt man ein Mädchen hinter das Produktbild, isses (billige) Reklame, pixelt man ein hübsches Mädchen dahinter isses (billige) Werbung.
    Gute (aber eben auch teurere) Werbung kann nur das Produkt selbst.

    Vielleicht ist mit "digitaler Demenz" ganz gut umschrieben, wenn jemand nicht zwischen Bild vom Produkt und Produkt unterscheiden kann.
  3. #3

    Wir sind das Land der Strukturkonservativen ... Wir wollen keine Zerstörung!

    Ich schlage dem Autor vor auszuwandern.
    Hierzulande hat man sich dem Strukturkonservatismus beschrieben. Beispiel Steinkohlesubvention: dort hat man mit Subventionen die "Zerstörung" verhindert. Es gab keine Trümmer auf denen man etwas Neues aufbauen konnte.

    Die Kräfte wurden gebündelt nicht um Neues zu erschaffen - sondern um das versiechende, Veraltete über den natürlichen Tod weiter am Leben zu erhalten.

    Eine ganze Generation von Berwerksarbeitern wurde mit Subventionsgeldern ausgebildet, in Lohn u.Brot gebracht und bis zur Rente durchsubventioniert.

    Nein! Wir lassen nichts Neues entstehen!

    Statt dessen wird am Alten festgehalten....
  4. #4

    Ja und?

    Zitat von Sascha Lobo
    Schon ein falscher Schritt eines solchen prozessualen Umbauunternehmens - wie es Facebook schon heute ist - reicht aus, damit die digitale Dauerdisruption das tut, was sie am liebsten macht: disruptieren, zerreißen, zernichten. Damit aus den gefallenen Kurzzeitkonzernen der Humus entsteht, auf dem Schumpeter seine nächsten Pflänzchen ziehen kann.
    Disruption, wohin man schaut. Hätte man diesen Vorgang früher nur bei Bananenprodukten verortet, stellt man heute fest, dass sich die Disruption durch alle Bereiche der Technologiewelt zieht.

    Die Wortschöpfung "zernichten" muss man einfach funky finden.
  5. #5

    Disrumpieren, zerreißen, zernichten

    Lobos Erkenntnis: Anlass zur Verzweiflung?
    Man muss sich den "Zyklus der Zerstörung"-Text einmal von Jonathan Meese (oder Helge Schneider) gelesen vorstellen. Dann ist die Welt gar nicht mehr so grauwölfisch.
    Und dann sollte man (als Journalist, Lehrer, Erzieher, Fremdenführer) nicht darüber nachdenken, was die Leute interessieren könnte, sondern darüber, wie ich die Leute für das interessieren kann, was für mich selbst spannend, interessant, relevant ist. Persönlichkeit ist so gefragt wie nie - und sie darf auf keinen Fall mit Eitelkeit verwechselt werden.
    "Die Dauerdisruption verpflichtet ... zur ständigen Wiedergeburt." Die Erkenntnis ist rd. 2500 Jahre alt. Jetzt kommt sie "hier bei uns" an. Gut so!
  6. #6

    Nur 20 Cent pro Zeile?

    Ist das wirklich wahr? Sie haben für diesen hervorragenden Artikel nur 18,40 € bekommen?
  7. #7

    Hegel, Marx und Lobo

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es gibt schlechte Nachrichten aus der deutschen Zeitungslandschaft. Das hat vermutlich mit dem Internet zu tun. Doch das Netz ist eine Bedrohung für jedes digitale Geschäftsmodell. Wer sich nicht ständig neu erfindet, geht unter.

    Zyklus der Zerstörung - SPIEGEL ONLINE
    Oberbegriff: Dialektik: Es gibt nichts so stetiges wie den Wandel. Alle auf statisches Leben gerichteten Phantasien beschreiben einen Horror Vacui ohne geschichtlichen Prozess. Was sich kaum noch ändert: das Individuum älter als ca 40 Jahre - weshalb immer die Jungen die wirklichen Innovationen anstoßen.

    Was wir alten Säcke als Umsturz abwehren, müssen Jüngere als Nortwendiges herbeikämpfen - und da dürfen ein paar Zöpfe fallen, manchmal auch mehr. Robespierre wurde von der Revolution hinweggefegt wie einst Danton. Der Nationalstaat wird umgewandelt, weil er das Gewaltmonopol auf seinem Gebiet durch das Internet weder durchsetzen noch garantieren kann - ersetzt wird er durch... aber darum sollen sich meine Nichten und Neffen kümmern, wenn es soweit ist.

    Und so läuft die Muppet-Show immer weiter und Stadler kommentiert aus der Loge...
  8. #8

    Talwärts?

    Ich vertstehe worin die Talfahrt von Facebook bestehen soll. Ein Blick in ein Internet Cafe oder auf das Smartphone Display des Nachbarn genügt - die Bildschirme sind meist blau. Und ein FB Nachfolger ist auch nicht in Sicht.
  9. #9

    Irgendwie wohlfeil …

    … wenn diejenigen, die Erhalt und Erneuerung stützen (via Kapital), keine Ahnung davon haben, dass auch Zerstörung sein muss. So halten sie (via Kapital) Dinge am Laufen, die sich überlebt haben: Währungen, Grenzen, Wachstumsziele. Sie verhindern dadurch, oft gewollt, aber oft auch ungewollt, die notwendige Innovation. Sie arbeiten gegen die Evolution, damit gegen das Naturgesetz (das immer Evolution im Auge hat, nie den Stillstand), und bringen das Naturgesetz dadurch gegen sich auf.
    Was diese Menschen nie verstehen werden: Die Natur ist IMMER stärker. Der Effekt: Das notwendig Neue – zum Beispiel ein neues Finanzsystem, die Neuordnung menschengemachter Staaten, die Abkehr gescheiterter währungsversuche – bricht sich umso eruptiver Bahn: und zerstört dabei mehr, als nötig wäre.
    Wenn Dampf kontrolliert abgelassen wird, entweicht nur Dampf. Wenn er eruptiv entweicht, reißt er den ganzen Rest, aus dem er entstand, mit.
    Die Kaldera ist Zeuge …