Vorsorgeuntersuchungen: Welche Checks in der Schwangerschaft sinnvoll sind

CorbisDown-Syndrom, Windpocken, Toxoplasmose - Ärzte bieten werdenden Müttern zahlreiche Tests während der Schwangerschaft an. Die Frauen müssen die Medizinchecks selbst bezahlen, erkaufen sich damit aber oft nur trügerische Sicherheit. Welche Tests sind wirklich sinnvoll? Ein Überblick.

http://www.spiegel.de/gesundheit/sch...-a-847864.html
  1. #40

    Zitat von gynos Beitrag anzeigen
    Schön, dass Sie in GB so zufrieden sind. Viele meiner Patientinnen, die
    in England verheiratet sind, kommen lieber hier nach Deutschland zu
    den Untersuchungen. Auch hierzulande gibt es den Quadrupel-Test.
    Allerdings streiten sich seit Jahrzehnten die Fachleute über die
    Genauigkeit der Aussagen, da die FMF (fetal medical foundation)
    England andere Ergebnisse erzielt, als die FMF Deutschland..
    Letztlich ergeben all die FMF-Tests nur eine Risikoabschätzung, bspws.
    1:350 für das Down-Syndrom. Demnach hat 1 von 350 Schwangeren 1 Down-Kind zu erwarten. Mit der Amnioszentese kann das bewiesen
    oder weitgehend ausgeschlossen werden.
    Hierzulande werden 3 Ultraschall-Untersuchungen standardmäßig
    angeboten. Das ist sinnvoll, zumal natürlich auch nach der 20.
    Schwangerschaftswoche noch Störungen des Wachstums oder der kindlichen Entwicklung auftreten können. Das fetale Herz und die korrekte Untersuchung der Durchblutungsverhältnisse der Plazenta können
    erst sicher ab der 23. Woche durchgeführt werden.
    Babyfernsehen ist eher ein Nebenprodukt der 3D/4D-Technik, die ja
    eigentlich auch dazu dient, die Diagnostik besser zu machen.
    Wer von Untersuchungsangeboten in der Schwangerschaft genervt ist, kann ja darauf verzichten, sollte aber dann auch auf Prozesse gegen Ärzte verzichten, die angeblich irgendetwas übersehen haben.
    Gynos
    Natürlich gibt der Quadrupel-Test "nur" eine Risikoabschätzung. Aber genau darum geht es ja. Jede Diagnose ist immer risikobehaftet, auch die Amniozentese (wie Sie ja selber zugeben mit "weitgehend ausgeschlossen"). Die A hat aber ein Fehlgeburtrisiko von ca. 2%, wohingegen der Quadrupel-Test absolut unbedenklich ist. Wenn Sie eine Fruchtwasseruntersuchung bei einer Schwangeren durchfuehren, die ein niedriges Risiko laut Quadrupel-Test hat, dann handeln Sie imho fahrlässig.

    Und der Feinultraschall, also das komplette Organscreening, welches hier Standard ist, ist in Deutschland auch eine Zusatzleistung (wie ich mich gerade noch einmal online vergewissert habe). Der ganze restliche Ultraschall ist tatsächlich nur "Baby-TV".

    Ich habe im übrigen nicht gesagt, dass man keine Untersuchungen haben sollte. Aber man sollte die besten Untersuchungen (Quadruper-Test und Organscreening) umsonst bekommen und den ganzen anderen Firlefanz, der lediglich dazu dient, viel (für die Kassen sehr teure) Zeit beim Facharzt zu verbringen, kann man sich da sparen. Aber die Lobbys sind in Deutschland eben mächtig, leider nicht zum Wohl der Menschen...
  2. #41

    Zitat von RobinB Beitrag anzeigen
    Natürlich gibt der Quadrupel-Test "nur" eine Risikoabschätzung. Aber genau darum geht es ja. Jede Diagnose ist immer risikobehaftet, auch die Amniozentese (wie Sie ja selber zugeben mit "weitgehend ausgeschlossen"). Die A hat aber ein Fehlgeburtrisiko von ca. 2%, wohingegen der Quadrupel-Test absolut unbedenklich ist. Wenn Sie eine Fruchtwasseruntersuchung .......
    Wenn im Ersttrimesterscreening per Ultraschall KEINE Auffälligkeiten
    festgestellt werden, aber der Quadrupel-Test ein Risiko von z.B. 1: 110 ergibt,: lassen Sie dann eine Amnioszentese machen ?
    2. Frage: wenn der Q-Test ein Risiko von z.B. 1:480 ergibt, würden Sie dann den 20`Wochen-Ultraschall noch für nötig halten ?
    Gynos
  3. #42

    optional

    Zitat von gynos Beitrag anzeigen
    Wenn im Ersttrimesterscreening per Ultraschall KEINE Auffälligkeiten
    festgestellt werden, aber der Quadrupel-Test ein Risiko von z.B. 1: 110 ergibt,: lassen Sie dann eine Amnioszentese machen ?
    2. Frage: wenn der Q-Test ein Risiko von z.B. 1:480 ergibt, würden Sie dann den 20`Wochen-Ultraschall noch für nötig halten ?
    Gynos
    Ich "lasse" gar nichts "machen". Aber bei 1:110 würde man entweder CVS oder Amnioszentese anbieten. Die Schwangere hat hierbei das Recht, auch ueber die Komplikationsrate am durchfuehrenden Krankenhaus aufgeklaert zu werden. Wo ich wohne betraegt die z.Z. ~0.5% (sehr gut). Das ist niedriger als 1:110, daher waere die Untersuchung imho sinnvoll.

    Zur zweiten Frage: der Feinultraschall schaut nach einer ganzen Reihe von Komplikationen, die der Quadrupel-Test nicht abdeckt. Symmetrie, Gehirnausbildung, Herzfunktionen, Magen, Zwerchfell, Nabel, Lippen, Gaumen, Rueckgrat wird alles angeschaut. Diese Untersuchung haengt auch deswegen nicht vom Ergebnis des Quadrupel-Test ab, weil sie gaenzlich ungefaehrlich ist.

    Es geht doch letztendlich um Risikoabwaegungen. Da muss man (1) die a-priori-Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Komplikation kennen, (2) die Verlaesslichkeit der Screeningverfahren und (3) das Risiko der diagnostischen Methode. Aus diesen drei Werten laesst sich der optimale Punkt berechnen, ab dem ein Screeningergebnis ein diagnostisches Verfahren rechtfertigt.

    Wenn Sie dieses statistische Verfahren beruecksichtigen, helfen Sie der maximalen Zahl von Schwangeren. Davon unberuehrt bleibt natuerlich jederzeit die Entscheidung der Frauen, Behandlungen abzulehnen oder zu wuenschen, je nachdem, wie sie persoenlich der Moeglichkeit einer Behinderung des Kindes gegenueberstehen. Das sollte das Recht jeder Einzelnen bleiben.
  4. #43

    Zitat von RobinB Beitrag anzeigen
    Ich "lasse" gar nichts "machen". Aber bei 1:110 würde man entweder CVS oder Amnioszentese anbieten. Die Schwangere hat hierbei das Recht, auch ueber die Komplikationsrate am durchfuehrenden Krankenhaus aufgeklaert zu werden. Wo ich wohne betraegt die z.Z. ~0.5% (sehr gut). Das ist niedriger als 1:110, daher waere die Untersuchung imho sinnvoll.

    Zur zweiten Frage: der Feinultraschall schaut nach einer ganzen Reihe von Komplikationen, die der Quadrupel-Test nicht abdeckt. Symmetrie, Gehirnausbildung, Herzfunktionen, Magen, Zwerchfell, Nabel, Lippen, Gaumen, Rueckgrat wird alles angeschaut. Diese Untersuchung haengt auch deswegen nicht vom Ergebnis des Quadrupel-Test ab, weil sie gaenzlich ungefaehrlich ist.

    Es geht doch letztendlich um Risikoabwaegungen. Da muss man (1) die a-priori-Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Komplikation kennen, (2) die Verlaesslichkeit der Screeningverfahren und (3) das Risiko der diagnostischen Methode. Aus diesen drei Werten laesst sich der optimale Punkt berechnen, ab dem ein Screeningergebnis ein diagnostisches Verfahren rechtfertigt.

    Wenn Sie dieses statistische Verfahren beruecksichtigen, helfen Sie der maximalen Zahl von Schwangeren. Davon unberuehrt bleibt natuerlich jederzeit die Entscheidung der Frauen, Behandlungen abzulehnen oder zu wuenschen, je nachdem, wie sie persoenlich der Moeglichkeit einer Behinderung des Kindes gegenueberstehen. Das sollte das Recht jeder Einzelnen bleiben.
    Meine Fragen waren etwas provokant gemeint. Ich persönlich halte
    von den PAPP A-Bestimmungen überhaupt nichts, da sie sehr häufig
    falsch positive Ergebnisse und damit Verunsicherung bringen. Die
    Gegenüberstellung der in England bei Nicolaides erhobenen Werte
    gegenüber deutschen FMF-
    Werten hat eklatante Differenzen für ein und dieselbe Untersuchung
    ergeben. (Veröffentlicht seinerzeit in der Gyne).
    Die akribische Untersuchung beim Ersttrimesterscreening ist - nach
    intensiver Aufklärung nach dem neuen Gendiagnostik-Gesetz - ein
    wichtiges Angebot an die Schwangeren. Anamnestische und
    altersbezogene Grundrisiken zusammen mit den Sonographie-
    Ergebnissen liefern aus meiner Sicht schon die Risikogrösse hinreichend gut, um evtl. pro oder kontra Chorionzottenbiopsie oder
    Amnioszentese entscheiden zu können.
    Wenn Sie die "Feindiagnostik" per Sonographie in der 20. SSW für
    sinnvoll halten (tue ich genauso), warum dann nicht die Sonographie in der 30.SSW zwecks Entwicklungskontrolle ?
    Die von Ihnen beschworene Risikoabschätzung laut Statistik halte ich
    für eine Überforderung der Patientinnen. Was macht Frau Müller mit
    einem statistischen Down-Risiko von 1: 250 ? Oder 1: 620 ?
    Sie braucht die ärztliche Empfehlung.
    Niemals ist das Risiko 0 . Die Amnioszentese oder CVS ist dagegen eine heutzutage selten notwendige, dann aber als einzige
    beweisende oder ausschließende Untersuchung, die mit 0,5 bis 1%
    ungereinigtem Abortrisiko ein vernünftiges Verhältnis zwischen Risiko
    des Eingriffs und Aufklärungssicherheit bietet. Wir hoffen natürlich auf die in Kürze bezahlbare Möglichkeit der genetischen Sequenzierung aus mütterlichem Blut.
    Gynos
  5. #44

    Zitat von gynos Beitrag anzeigen
    Wenn Sie die "Feindiagnostik" per Sonographie in der 20. SSW für
    sinnvoll halten (tue ich genauso), warum dann nicht die Sonographie in der 30.SSW zwecks Entwicklungskontrolle ?
    Meinetwegen, aber der in der 20. Woche ist wichtiger. Die Wahrscheinlichkeit für Missbildungen nimmt ab. Lagenkontrolle in der 30. Woche kann auch durch Abtasten gemacht werden, Herztöne auch ohne Ultraschall.

    Zitat von gynos Beitrag anzeigen
    Die von Ihnen beschworene Risikoabschätzung laut Statistik halte ich
    für eine Überforderung der Patientinnen. Was macht Frau Müller mit
    einem statistischen Down-Risiko von 1: 250 ? Oder 1: 620 ?
    Sie braucht die ärztliche Empfehlung.
    Ich glaube, dass man die Frau Müller ernst nehmen sollte. Und die professionelle Empfehlung sollte sich immer nach dem besten Wissenstand richten, d.h. den besten und aktuellsten Zahlen.

    Zitat von gynos Beitrag anzeigen
    Wir hoffen natürlich auf die in Kürze bezahlbare Möglichkeit der genetischen Sequenzierung aus mütterlichem Blut.
    Gynos
    Das wäre schön! Aber wenn ich mir die Ethikkommissionen, Lobbies und sonstige Verbände in Deutschland so anschaue, glaube ich, dass auch das in England schneller kommt ;-)
  6. #45

    Zitat von RobinB Beitrag anzeigen
    Meinetwegen, aber der in der 20. Woche ist wichtiger. Die Wahrscheinlichkeit für Missbildungen nimmt ab. Lagenkontrolle in der 30. Woche kann auch durch Abtasten gemacht werden, Herztöne auch ohne Ultraschall.
    Ich glaube, dass man die Frau Müller ernst nehmen sollte. Und die professionelle Empfehlung sollte sich immer nach dem besten Wissenstand richten, d.h. den besten und aktuellsten Zahlen.
    Das wäre schön! Aber wenn ich mir die Ethikkommissionen, Lobbies und sonstige Verbände in Deutschland so anschaue, glaube ich, dass auch das in England schneller kommt ;-)
    Wachstumsstörungen, Placentainsuffizienz, verringerte, vermehrte
    Fruchtwassermenge, Nabelschnurkomplikationen etc. kann weder die
    Hebamme ertasten, noch können Schwangere sowas spüren.
    Selbst Lagebestimmungen sind oft falsch. Auch Dekompensationen von vorher nicht erkennbaren Herzfehlern, Nierenstauungen bei Feten
    können nach der 20. Woche auftreten. Die 30èr Untersuchung ist also kein Scherz.
    Frau Müller wird durchaus ernst genommen, nur kann sie eben nichts
    mit den genannten Risikozahlen OHNE ärztlichen Rat, ohne Vergleiche
    und Empfehlungen anfangen. Was heißt schon Down-Risiko 1: 620 ?
    Ist das ein hohes Risiko ? Nein ? Eine andere Patientin hat ein Risiko
    von 1: 4100.
    Wenn ich richtig informiert bin, wird die Schwangerenvorsorge in
    England nur von Hebammen geleistet (?) Für uns wäre das ein mangel.
    Gynos
  7. #46

    Abrechnungsbetrug !

    Zitat von lili5 Beitrag anzeigen
    ... Die Untersuchung auf Beta-Streptokokken ist kostenlos, wenn sie eine Hebamme übernimmt. Beim Arzt kostet es. Sollte im Artikel vielleicht erwähnt werden...?
    Wenn eine Hebamme ein Screeningmethode (die laut GBA nicht Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge ist) auf Krankenkassenkosten durchführt, begeht sie Abrechnungsbetrug. Warum soll ich mit meinen Kassenbeträgen den Ihren "Service" an der Patientin bezahlen? Wenn kein Grund vorliegt, darf sie es nicht und gehört angezeigt!