Zitat des Tages: "22-Jährige, in Tränen aufgelöst"

Druck in der Schule, Druck in der Uni: Berufsberaterin Karin Wilcke findet, dass Turbo-Abi und die Verkürzung des Studiums dem Selbstbewusstsein junger Erwachsener schaden. Die Lockerheit sei völlig verschwunden, es herrsche "Schulklassendenken".

http://www.spiegel.de/schulspiegel/a...-a-858602.html
  1. #1

    Beweis?

    ... Ich habe auch 22jährige weinen sehen, weil sie statt einer 1,1 eine 1,8 bekommen haben. Die weinen nicht, weil es Noten gibt, sondern weil die anderen besser benotet sind... Schaffen wir daher doch die Noten ab ... Dann weinen sie wahrscheinlich, weil der Prof. sie nicht anlächelt ... Dann schaffen wir halt die Uni ab, kommt dann ohnehin nicht mehr drauf an... Stattdessen eine Forschungsstelle über Ehrgeizweinen im 19./20. JH...
  2. #2

    Endlich mal eine ehrliche Aussage!

    Frau Wilcke hat recht. Die Verkürzung der Schulzeit zum Abi von 9 auf 8 Jahre dient wohl vor allem der Einsparung von Lehrern. So sollen dann immer jüngere Leute für die Wirtschaft bereit stehen, während die Frage nach dem gesellschaftlichen Auftrag der Schule, der doch in der Vermittlung von Bildung und nicht ausschließlich von Wissen bestehen sollte, nicht mehr gestellt wird. Für Bildung ist schlicht keine Zeit mehr!

    Wie soll so aus den heute jungen Menschen etwas anderes werden als ein Heer von angepassten Bausparern, die schon mit 20 die Rente geplant haben? Ist es das, was unsere Gesellschaft wirklich will oder braucht?
  3. #3

    Effektive Verlängerung des Studium

    Wo sind denn Studiengänge wirklich verkürzt worden? Für ernst zu nehmende Studiengänge gilt das sicherlich nicht. Sie sind effektiv sogar verlängert worden. Viele Studiengänge, die früher 8 Semester incl. Diplomarbeit als Regelstudienzeit hatten, benötigen jetzt bis zum Master eine Regelstudienzeit von 10 Semestern (BSc 6 Sem. MSc 4 Sem.). Hintergrund ist, dass der BSc-Studiengang die Pflicht und der MSc die Kür geworden ist. Im Diplomstudiengang enthielt das Hauptstudium neben Wahlmodulen immer noch Pflichtmodule. Diese sind jetzt bei den meisten Unis mit in den BSc-Studiengang gewandert, der ja einen eigenen „Abschluss“ BSc haben sollte. Man hätte leider auch nicht einfach den BSc und den MSc-Studiengang bei 4 Sem. belassen können, das wäre nicht „durchgegangen“. Jeder Studiengang muss ja von offizieller Stelle akkreditiert werden.
    Ein Bachelor-Abschluss mag Sinn machen, wenn er als Zusatzqualifikation für einen Ausbildungsberuf betrachtet wird. Aldi z.B. wirbt um Leute, die diese Kombination wünschen. Den Unis, die sich größtenteils sehr lange gegen die Bologna-Reform (Europa-Politik lässt grüßen) gestemmt haben, war aber immer klar, dass für ein ernsthaftes Studienfach der Bachelor NIEMALS ein berufsqualifizierender Abschluss sein würde. Er kann einfach nicht dem Magister oder dem Diplom entsprechen. Ein BSc liegt z.B. in den Naturwissenschaften irgendwo zwischen Vordiplom und Diplom. Was fehlt, ist der Ausbildungsteil, in dem selbständig geforscht und Projektverantwortung übernommen wird. Dass die Industrie jemanden mit BSc nicht einstellen würde, war für uns immer klar. Das theoretische Wissen bei einem BSc liegt sicherlich über dem, was in den entsprechenden Lehrberufen vermittelt wird, die praktische Ausbildung ist aber in den Lehrberufen ausgeprägter. Für einfache Tätigkeiten ist er BSc-Inhaber dann zu gut bzw. falsch ausgebildet, für Leitungs- und Führungsaufgaben zu schlecht. Bei unseren Planungen wurde daher immer davon ausgegangen, dass eigentlich nahezu jeder Studierende, der den Bachelor schafft, auch einen Master- oder einen Promotionsabschluss macht. In Physik und Biologie promovieren viele, in Chemie ist die Promotion nach wie vor die Regel. Und wir denken nicht nur so, wir sagen es auch so. Studierenden vorzugaukeln, dass das Studium sinnvollerweise mit dem BSc enden sollte, wäre eine große Lüge… So einen Blödsinn verkünden auch in der Regel nur Politiker.
  4. #4

    Nicht die Zeit sondern die Inhalte sind das Problem

    12 Jahre zum Abi würde reichen, wenn man die Lehrpläne entrümpelte und Stunden streichen würde, statt dessen wird, was hinten raus gespart wird, in die Pläne der 9. und 10. Klasse reingedrückt - Lange Schultage, angeblich ganztagschulig sinnvoll (ha,ha) sind die Folge, die schon mal Schulfrust oder Stumpfsinnige Abdienmentalität fördern.

    Im Studium droht dann das Uni-Chaos mit Vorlesungen ohne Einführung und ohne ergänzende Seminare, weil zuviele Studenten auf zu wenig Kapazitäten stoßen.
    Mancher "studiert" also erstmal Fach-chinesisch und verplempert Zeit, bis er im 3. oder 4. Semester anfängt durchzusehen oder -- hinschmeißt.
    Die zusätzliche Aufweichung des Abiturs führt dazu, dass Abiturienten mit super-Abschlussnoten in Wirklichkeit manchmal kaum alphabetisiert sind ...
    Das Thema Ausbildungsverzweiflung gammelt seit Jahrzehnten vor sich hin, das entstand also nicht erst durch die jetzige "Verkürzungsdiskussion".
    In der DDR gab es 40 Jahre lang nur das 12jährige Abitur und dieser Punkt gehörte nicht zu den Gründen ihres Untergangs.
  5. #5

    Zitat von BouvardPecuchet Beitrag anzeigen
    Frau Wilcke hat recht. Die Verkürzung der Schulzeit zum Abi von 9 auf 8 Jahre dient wohl vor allem der Einsparung von Lehrern. So sollen dann immer jüngere Leute für die Wirtschaft bereit stehen, während die Frage nach dem gesellschaftlichen Auftrag der Schule, der doch in der Vermittlung von Bildung und nicht ausschließlich von Wissen bestehen sollte, nicht mehr gestellt wird. Für Bildung ist schlicht keine Zeit mehr!

    Wie soll so aus den heute jungen Menschen etwas anderes werden als ein Heer von angepassten Bausparern, die schon mit 20 die Rente geplant haben? Ist es das, was unsere Gesellschaft wirklich will oder braucht?
    Ach wie schrecklich, deutsche Schüler müssen das Abitur jetzt in der gleichen Zeit schaffen wie sonst überall auf der Welt. Weinen Spanier, Italiener oder Polen von mir aus wenn sie über 20 sind, nicht mehr? Ist Weinen an sich ein Zeichen für gescheiterte Reformen oder zu viel Leistungsdruck? Ist so ein Artikel ernst gemeint?

    Bildung in einer deutschen Schule, das ich nicht lache, Indoktrination triffts eher!
    Wissensvermittlung? Schwach...

    Übrigens, welche Rente, welche Bausparer?
    Wer daran noch glaubt, hat mit Sicherheit das deutsche Schulsystem mit besten Kuschelnoten absolviert...
  6. #6

    Nicht nur die Lockerheit ist weg...

    Als Lehrer in der Oberstufe kann ich das nur bestätigen. Die Schüler tun einem leid - wir müssen sie abfüllen mit Daten wie eine Festplatte. Nach der Klausur wird alles wieder gelöscht. Nachhaltiges Lernen, bei dem der Lehrer Zeit hat, die Liebe zu seinem Fach die Schüler spüren zu lassen und sie damit anzustecken, bleibt auf der Strecke. Zusätzlich ist die Gefahr psychischer Erkrankungen (Prüfungsangst und andere Phobien, Depression etc.) m.E. enorm gestiegen. Wir haben uns z.T. diesen Dreck (Zentralabitur) von den Bayern abgeguckt, die anscheinend ihre Kinder schon längere Zeit nicht lieben (Zitat aus dem Munde einer bayrischen Mutter). Die Schul- und Studienzeitverkürzung ist wohl der Anpassung an andere europäische Länder geschuldet. Fragt sich, ob das Erfolgsmodell "Deutschland" nun auch - wie es bei vielen Nachbarländern zu beobachten ist - ins Stocken kommt. Denn zur Persönlichkeitsbildung braucht es halt nun einmal schlichtweg ZEIT.
  7. #7

    Die Themen werden immer komplexer, die Lernzeit soll sich aber immer weiter verkürzen - wie geht das zusammen?

    Um 1900 dauerte ein Physikstudium ungefähr zwei Jahre. Damals gab es aber auch weder Relativitätstheorie noch Quantenmechanik, und so komplexe Felder wie Festkörperphysik oder Kernphysik, die heute in aller Regel zum Pflichtteil des Studiums gehören, waren nicht einmal angedacht.

    Das alte Argument, "früher habe das auch funktioniert", ist halt in diesem Zusammenhang nicht besonders stichhaltig. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass MEHR Lernzeit gebraucht wird, weil es mehr notwendige Dinge zu lernen gibt. Das ist schlichtweg eine Konsequenz des immer weiter voranschreitenden Fortschritts.
  8. #8

    ...

    Zitat von hirschkaemp Beitrag anzeigen
    Als Lehrer in der Oberstufe kann ich das nur bestätigen. Die Schüler tun einem leid - wir müssen sie abfüllen mit Daten wie eine Festplatte.
    ...viele fühlen sich tatsächlich nur noch wie Maschinen.

    Zitat von hirschkaemp Beitrag anzeigen
    Nach der Klausur wird alles wieder gelöscht. Nachhaltiges Lernen, bei dem der Lehrer Zeit hat, die Liebe zu seinem Fach die Schüler spüren zu lassen und sie damit anzustecken, bleibt auf der Strecke. Zusätzlich ist die Gefahr psychischer Erkrankungen (Prüfungsangst und andere Phobien, Depression etc.) m.E. enorm gestiegen.
    Über welchen Änderungs-Zeitraum sprechen Sie?

    Zitat von hirschkaemp Beitrag anzeigen
    Wir haben uns z.T. diesen Dreck (Zentralabitur) von den Bayern abgeguckt, die anscheinend ihre Kinder schon längere Zeit nicht lieben (Zitat aus dem Munde einer bayrischen Mutter).
    Eltern, die ihre Kinder lieben, schicken sie eh nicht aufs Gymnasium. Sie üben keinen Druck aus und akzeptieren einen Haupt- oder Realschulabschluss.

    Zitat von hirschkaemp Beitrag anzeigen
    Die Schul- und Studienzeitverkürzung ist wohl der Anpassung an andere europäische Länder geschuldet. Fragt sich, ob das Erfolgsmodell "Deutschland" nun auch - wie es bei vielen Nachbarländern zu beobachten ist - ins Stocken kommt. Denn zur Persönlichkeitsbildung braucht es halt nun einmal schlichtweg ZEIT.
    Zeit, die schon nicht mal mehr Ein-Jährigen gegeben wird. Die gehen am besten in eine bilinguale Krippe.

    Bald werden wir Depressionsraten wie in Frankreich bekommen. Dort orientiert sich Erziehung seit je her an dem Spruch: "Es ist egal, was Kinder tun - Hauptsache sie tun es ungerne."
  9. #9

    Durch die derzeitige....

    ...Schul und Studienform werden eigentlich nur Fachidioten gezuechtet....interessierte Schueler und Studenten die Fachuebergreifend ihre Interessen ausbilden...daran ist keiner mehr interessiert.
    Die Wirtschaft wollte G8....nun hat sie es und...was ist nun besser?...die naechste Wirtschaftskrise steht vor der Tuer...der Fachkraeftemangel in den meisten Bereichen selbstgemacht oder einfach nur gelogen....man will 25 Jaehrige Facharbeiter mit abgeschlossenem Studium, Auslandserfahrung und 10 Jahren Berufserfahrung...aber bitte nicht selber ausbilden...das kostet ja nur...und wenns dann eng wird...raus mit den Fachkraeften und bei Bedarf wieder fuer nen Billiglohn ueber die Zeitarbeit mieten....