Öko-Selbstversuch: Verzichten Sie mal auf Palmöl!

Er mixte sich sein Shampoo selbst: Adrien Gontier will Orang-Utans retten und den Regenwald erhalten, darum mied der Doktorand ein Jahr Produkte, in denen Palmöl enthalten ist. Klingt einfach? Ist es nicht.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...844000,00.html
  1. #1

    In Nutella leider auch...

    deshalb habe ich hier auf ein Bioprodukt gewechselt. Da besteht zumindest die Chance, dass die Rohstoffe halbwegs vernünftig angebaut wurden.
  2. #2

    Eiscreme/Eiskrem, eben nicht!

    Das mag in Frankreich abweichend sein. In Deutschland ist aber für Produkte mit dem Namen "Eiscreme/Eiskrem" ein Milchfettanteil von 10% vorgeschrieben. Das führt einerseits dazu, dass echte Eiskrem in Supermärkten nur sehr spärlich auftaucht. Viel häufiger sind "Eis"-Produkte die die Sahne mit Pflanzenöl substituieren und gerne mit Fantasienamen wie "Cremor" oder "Ice Dream" die Nähe zur Eiskrem suchen, aber eigentlich nur "gefrorene Magarine" sind.

    Auch bei Eiskrem besteht allein durch die Definition natürlich keine Garantie dass nicht zusätzlich noch Pflanzenöle beigemengt wurden. Bei Eiskrems die auch häufig in der Bio-Ecke zu finden sind, ist mir das noch nicht untergekommen.

    Also Eiskrem: selten mit Pflanzenöl
    Eis: gefrorene Magarine
  3. #3

    optional

    Ich finde das sehr gut und dankenswert. Verbraucher müssen ein kritisches Bewusstsein entwickeln und gut überlegen wo sie ihr Geld hintragen, bzw. das mit Forderungen an die Produzenten verknüpfen. Eh verbrauchen wir mehr als wir wirklich brauchen - es ist unsere Daseinsform...
  4. #4

    Vor allem ist es dumm.

    Sinnvoller wäre es alle Produkte aus Erdöl zu meiden. Oder solche, für die hierzulande die Umwelt geschädigt wird. Dann müsste er verhungern.

    Das Üble an der Palmöl-Diskussion ist doch, dass wir auf ein paar Informationen aus dritter Hand angewiesen sind - von ein paar selbst ernannten Regenwaldschützern, die ihre Daseinsberechtigung aus Schreckensmeldungen ziehen und die allenfalls Extrembeispiele zeigen, um die Spendenbereitschaft zu provozieren.

    Dabei ist die Mehrheit der Palmöl-Plantagen meines Wisens selbst nach unseren Standards besser als der durchschnittliche Mais-Acker in Deutschland.

    Aber es schlägt sich halt prima ein auf Menschen am anderen Ende der Welt - es tut fast niemandem hierzulande weh. Crusade:2012
  5. #5

    Ehrenwert aber nutzlos

    Bei einem Rohstoff, der überall drin steckt, ist es unrealistisch, dass die Masse der Menschen bei uns ihr Konsumverhalten so drastisch ändert, dass deswegen weniger Regenwälder gerodet werden. Dann bauen die dort eben andere Sachen an, die sich verkaufen lassen. Das Problem liegt im Versagen der Anbauländer, die es nicht schaffen, die Regenwälder unter Schutz zu stellen wegen Unfähigkeit, Korruption und Profitgier. Wenn die Anbaufläche begrenzt werden würde, würde der Preis für Palmöl steigen, die Produkte würden teurer und die Nachfrage würde sinken. Die Regelung fände über den Markt statt. Das Versagen der Anbauländer kann durch solche Aktionen leider nicht ausgeglichen werden.
  6. #6

    Palmölplantagen stehen auf Urwaldboden

    Das Problem mit den Palmölplantagen sind ja nicht die Anbaumethoden, da gibt es auch ökologisch wirtschaftende, sondern die Tatsache, dass für sie sehr wertvoller Urwald gerodet und die Landbevölkerung vertrieben wird.
    Und das gilt eben auch für Palmöl aus Ökoanbau oder´anderwietig zertifiziertes. Welche unrühmliche Rolle der WWF dabei spielt kann man im "Schwarzbuch WWF" nachlesen.
    Ein wirklich spannendes Experiment. Das habe ich auch gerade hinter mir. Vegan oder nach den verschiedensten Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu leben ist nichts dagegen!
  7. #7

    Extremer Umweltkiller => Palmöl steckt in jedem zweiten Supermarktprodukt ...

    ... und ist in der Regel nicht eindeutig als solches deklariert, sondern wertneutral als Pflanzenöl.

    Zitat: "Gontier merkte bald, dass Palmöl eigentlich überall enthalten ist: Es steckt in jedem zweiten Supermarktprodukt, unter anderem auch in Eiscreme, Seifen und Rasierschaum. Laut der Umweltschutzorganisation WWF ist Palmöl - häufig als Pflanzenöl deklariert - mittlerweile einer "der wichtigsten Rohstoffe der Welt".

    Zunächst einmal Respekt und Anerkennung lieber Spiegel, dass Ihr dieses sehr wichtige (!) Thema auf die Tagesordnung setzt. Ich meine das sehr ernst! Palmöl wird mittlerweile BEWUSST UNDERCOVER in nahezu alle relevanten Supermarktprodukte industriell beigemischt. Mit steigender Tendenz. Es wird als Rohstoff in den Industriestaaten immer beliebter, da es billig und in riesigen Mengen verfügbar ist und dazu hochqualitativ, mit sehr zuverlässigen Lieferanten.

    Der Haken an der Sache ist, dass dazu die Regenwälder des malayischen Archipels sprichwörtlich ausradiert werden. Und das sind die interessantesten und ökologisch wertvollsten Biotope, ja JUWELE (!) des Planeten. Schon nach ca. 3 Jahren ist der gerodete Plantagenboden durch die Ölpalmpflanzungen ausgelaugt und es muss deswegen wieder neu gerodet werden, damit Malaysia/Indonesien ihre Produktionsmenge und damit ihre Vormachtstellung auf dem Weltmarkt (für Palmöl) halten können. Das geschieht systematisch in riesigem Stil und wird immer mehr zur Hauptexport-Einnahmequelle dieser Länder.

    Das ist ein zerstörerischer Teufelskreislauf, an dem der Westen im letzten entscheidenden Glied der Verursacherkette steht. Es hilft nur eins, Palmölplantagen, sofern überhaupt Palmöl notwendigerweise verwendet werden muss, müssen sich auf geografische Regionen beschränken, in denen keine Ökosysteme dieser ökologischen Wertkategorie ausradiert werden. Oder das industriell beigemischte Palmöl in den zahllosen Produkten muss sukzessive durch andere Pflanzenöle/Rohstoffe ersetzt werden. Das Drama ist, dass Palmöl sich so rasant auf dem Weltmarkt durchsetzt und die durchaus vorhandenen Alternativen verdrängt.
  8. #8

    Denkfehler

    Zitat von spon-442-co10 Beitrag anzeigen
    Bei einem Rohstoff, der überall drin steckt, ist es unrealistisch, dass die Masse der Menschen bei uns ihr Konsumverhalten so drastisch ändert, dass deswegen weniger Regenwälder gerodet werden. Dann bauen die dort eben andere Sachen an, die sich verkaufen lassen. Das Problem liegt im Versagen der Anbauländer, die es nicht schaffen, die Regenwälder unter Schutz zu stellen wegen Unfähigkeit, Korruption und Profitgier. Wenn die Anbaufläche begrenzt werden würde, würde der Preis für Palmöl steigen, die Produkte würden teurer und die Nachfrage würde sinken. Die Regelung fände über den Markt statt. Das Versagen der Anbauländer kann durch solche Aktionen leider nicht ausgeglichen werden.
    "Bei einem Rohstoff, der überall drin steckt, ist es unrealistisch, dass die Masse der Menschen bei uns ihr Konsumverhalten so drastisch ändert, dass deswegen weniger Regenwälder gerodet werden."

    Das ist ein Denkfehler dem Sie da unterliegen, die Produzenten müssen dazu gebracht werden, diesen Rohstoff zu ersetzen. Es ging ja auch bis vor einigen Jahren ohne oder mit weit weniger Palmöl, warum soll das nun plötzlich nicht mehr möglich sein. Wenn Produzenten sich damit ein besseres Image erwerben, wird es möglich sein.
  9. #9

    Interessantes aber leider verfehltes Experiment

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Er mixte sich sein Shampoo selbst: Adrien Gontier will Orang-Utans retten und den Regenwald erhalten, darum mied der Doktorand ein Jahr Produkte, in denen Palmöl enthalten ist. Klingt einfach? Ist es nicht.

    Aktivist Adrien Gontier will ein Jahr auf Palmöl-Produkte verzichten - SPIEGEL ONLINE
    Es ist richtig, dass für Palmölplantagen Regenwald verdrängt wird. Es ist auch richtig, dass der verdrängte Regenwald einen immensen Beitrag zur Kohlenstoffspeicherung leistet und zur Artenvielfalt beiträgt. Wenn man Palmöl daher nur aus diesem Blickwinkel betrachtet, dass ist der Verzicht auf Palmöl eine gute Sache.
    Jedoch gibt es auch noch eine andere Seite.

    Palmöl ist derzeit auch eines der wichtigsten Mittel zur Armutsbekämpfung. Wie man inzwischen erkannt hat, ist der Mythos von den umweltfreundlichen Armen (welche ja weniger Konsumgüter und Energie verbrauchen) völliger Humbug. Armut ist einer der größten Faktoren welche zur Umweltzerstörung beitragen. Dabei spielen sowohl technische, kaufmännische als auch psychologische Hintergründe eine Rolle.
    Zum einen leben Arme i.d.R. in der Fläche. Hütten verbrauchen mehr Platz, als mehrstöckige Gebäude, selbst wenn sie trotzdem weniger Platz pro Bewohner bieten. Diese Fläche lässt sich schlecht erschliessen, sodaß es unmöglich wird eine funktionierende Kanalisation, Mülltrennung, Recycling oder einen öffentlichen Nahverkehr aufzubauen. Von jedweder Kontrolle bzgl. Energiestandards ganz abgesehen. Slums sind Dreckschleudern, welche Unmengen an Brennholz, Benzin, Fläche verbrauchen und dafür Abgase, verschmutzes Wasser, Treibhausgase, Plastikmüll produzieren.
    Zu zweiten fehlt Armen i.d.R. die Ausbildung und damit das Bewusstsein, dass Umweltschutz und Artenschutz wichtig sein könnten. Arme Menschen verdrecken ihr Land systematisch, weil sie es nicht anders kenne und arme Menschen, welche in Dörfern wohnen, wildern völlig ungehemmt und bedrohen damit den Artenschutz mehr als jede Palmölplantage.
    Zum dritten bekommen arme Menschen i.d.R. viele Kinder. Diese werden ebenfalls arm und verhalten sich entsprechend.

    Die Lösung für diese Probleme ist es daher nicht, diesen Menschen ihre Lebensgrundlage zu entziehen und sie damit noch ärmer zu machen. Die Lösung ist, diesen Menschen Wohlstand zu ermöglichen.
    Armutsbekämpfung ist das größte Umweltsschutzprogramm aller Zeiten.
    Flüsse können wieder gesäubert, Landschaften renaturalisiert, Arten können eine gewisse Zeit lang in kleinen pockets oder in Zoo bewahrt werden um sie später wieder auszuwildern. Natürlich sind das keine perfekten Lösungen und natürlich wäre es besser den Urzustand zu erhalten solange er da ist. Aber das letztere ist unmöglich solange die Menschen in der betreffenden Landschaft arm sind.

    Denn die Grundlage für sowohl die Erhaltung als auch die Wiederherstellung von natürlichen Lebensräumen ist ein ausreichender Wohlstand in der Bevölkerung, damit sich ein Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Maßnahmen entwickelt.

    Wohlstand bedeutet Umweltschutz und Artenschutz.