Doktoranden-Studie: Zwischen Leidenschaft und Armutsgrenze

DPADie Promotion ist ein Leidensweg, klagen einige junge Forscher. Aber wie schlecht geht es ihnen wirklich? Eine Studie zeigt nun: Die Zufriedenheit hängt vom Studienfach ab. Vor allem Geisteswissenschaftler verdienen schlecht, Biologen geht es etwas besser, Informatiker sind glücklich.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...849179,00.html
  1. #1

    wen wunderts

    mal ehrlich - das geisteswissenschaffler in deutschland nicht gewollt sind, merkt man schon während des studiums. während andere fakultäten aus dem vollen schöpfen können - dümplen die geisteswissenschafter dahin.
    blöd - denn informatiker und ingenieure können sich leider nicht so gut um menschen und deren umwelt kümmern, worum es ja in den geisteswissenschaften geht.
    zudem - auch wenn es keiner hören will - sind bwler und juristen auch geisteswissenschaftler ... man könnte also sagen, dass ein großteil der studieren eigentlich geisteswissenschaftler sind und später in ihrem beruf verantwortung für gesellschaft, unternehmen, menschen übernehmen.

    aber gut - irgendwelche produkte zu entwickeln ist natürlich besser und in einer exportnation natürlich auch wichtiger. denn dienstleistung - oft ein arbeitsfeld der geisteswissenschaftler - ist nicht so exportierbar, wie irgendeine maschine oder software.

    letztlich zeigt sich die bevorzugung aber auch nicht nur in den unis. wenn ich also ein auto zusammenstecke .. bei vw ... dann bekomme ich ohne akademische ausbildung um die 40000 Euro/Jahr. Die muss man als Akademiker erst mal verdienen! Dagegen müssen Doktoranten nach 12-13 Jahren Schule, 5 Jahren Studium mit um die 900 Euro irgendwie rumkrebsen. Wenn sie glück haben, müssen sie dann auch kein Bafög oder gar Studiengebühren zurückbezahlen.. was ja auch schnell nochmal zigtausende Euro Schulden bedeutet.

    Die Botschaft in Deutschland ist klar ... produziere irgendwelchen Kram. Das ist sehr gut bezahlt und sozial ziemlich gut abgesichert. Mit einer Betriebsrente oder Abfindung gehts dann mit 60 in Rente.

    Als Wissenschaftler ... naja ... kannst ja mal sehen, wie du über die Runden kommst. Vielleicht haste ja Glück!

    Die Bildungeliten in Deutschland werden schlechter bezahlt als Industriearbeiter ... YES! Also wird deren Wert auch als geringer angesehen, denn in einer Leistungsgesellschaft wird ja der mehr belohnt, der mehr leistet ... und das scheinen Arbeiter in der Industrie zu sein.

    Ich würde mir es heute wirklich überlegen, ob man ein Studium machen sollte, denn die großen Gehaltsunterschiede zum Ausbildungsberuf gibt es eigentlich nicht mehr.
    Man könnte auch sagen: Trotz aller Gründe, die gegen ein Studium in Deutschland sprechen, machen das noch erstaunlich viele. Allein dieses Engagement verdient Anerkennung, auch wenn es sonst keine gibt!
  2. #2

    muss sein

    Man sollte dazu sagen, dass es ja auch Fächer gibt in denen eine Promotion notwendig ist, um später überhaupt vernünftig arbeiten zu können. Siehe Biologie oder Chemie. Es ist also nicht immer die selbst gewählte Armut, sondern oft auch Notwendigkeit.
  3. #3

    Ich weiss nicht

    ob man grösser gleich 1400 Euro netto im Monat für einen Naturwissenschaftler mit Master-Abschluss als adequaten Verdienst ansehen kann. Es wird natürlich immer argumentiert, dass sich ein Doktorand ja noch in Ausbildung befindet. Dasselbe wird dann einem Post-Doc erzählt. In meiner Wahlheimat, einem kleinen Nachbarland, gibt es keine halben Stellen für Doktoranden. Es kann nur promovieren, wer ein Stipendium ergattert und dieses zahlt dann auf dem Niveau einer vollen Stelle in Deutschland mit Sozialversicherung und allem drum und dran. Das würde ich als fairen Lohn bezeichnen. In Deutschland will man aber möglichst viele promovieren lassen um nachher einen möglichs grossen Pool von billigen Doktores zur Verfügung zu haben (Angebot und Nachfrage regeln den Preis). Vielen von ihnen werden später feststellen, dass sie für ihren Job in der Wirtschaft überqualifiziert sind und auf dem Niveau von Master-Absolventen bezahlt werden, die aber bereits 3 Jahre früher eingestigen sind. Die Beispiele, die ich kenne sind Legion.
  4. #4

    Überrascht das jemanden?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Eine Studie zeigt nun: Die Zufriedenheit hängt vom Studienfach ab. Vor allem Geisteswissenschaftler verdienen schlecht, Biologen geht es etwas besser, Informatiker sind glücklich.
    Das spiegelt doch auch nur die Gehaltsrealität nach der Promotion wieder... in der einen Branche steckt halt Geld, in der anderen nicht. Das zieht sich natürlich durch bis runter in die finanzielle Ausstattung der verschiedenen Institute und Fakultäten. Wir leben in einer Technokratie (und das nicht erst seit Merkel/Schavan) und entsprechend werden bei uns die Gelder verteilt, und zwar innerhalb wie ausserhalb des universitären Elfenbeinturms.
    Oder um es noch weiter zu überspitzen: Wäre es nicht geradezu unmenschlich, die angehenden Dr. phils. durch vollfinanzierte Stellen an einen Lebensstil zu gewöhnen, den die wenigsten später halten können?
  5. #5

    Und wozu dies alles?

    Schaut nach Skandinavien, da wird der Titel nicht mal erwähnt geschweige denn in irgendeiner Form vor sich her getragen wie bei uns. Keine Änderung der Personalpapiere, keine neuen Briefköpfe und schon garnicht das pfauenhafte Getue mit dem erworbenen Titel. Wenn man etwas tiefer in die Psyche steigt, so bleibt lediglich die Eitelkeit als Antrieb übrig, denn wer was kann, braucht keinen Titel. Darum sollte ein grundlegendes Umdenken stattfinden und statt Titeln sollten reale Kenntnisse die Hauptrolle spielen. Ganz grotesk wird bei Mehrfachtiteln, da steht dann schon mal ein Prof. Dr. Dr. vor dem Namen. Ich würde mich schämen, mich derart zu benehmen.
  6. #6

    Zitat von gifmemore Beitrag anzeigen

    Die Botschaft in Deutschland ist klar ... produziere irgendwelchen Kram. Das ist sehr gut bezahlt und sozial ziemlich gut abgesichert. Mit einer Betriebsrente oder Abfindung gehts dann mit 60 in Rente.

    Als Wissenschaftler ... naja ... kannst ja mal sehen, wie du über die Runden kommst. Vielleicht haste ja Glück!
    Die Zeiten sind lange vorbei. So Sachen wie Zeitarbeit und Werksvertrag sagen Ihnen was? Oder glauben Sie, jeder Industriearbeiter hat einen Bestandsvertrag bei Opel.
  7. #7

    Maßstab?

    Ich bin mal wieder entsetzt über den “kritischen“ Journalismus. Ist jetzt neuerdings die Armutsgrenze der Maßstab für ein angemessenes Einkommen von hochqualifizierten in Deutschland? Ich bin selber Ingenieur und habe mein Doktorat zum Glück im Ausland auf einer vollen Stelle gemacht. Was hier in Deutschland läuft das ist perverse Ausbeutung derjenigen, die den großen Teil der Forschung leisten. Das ist es nämlich, was die Doktoranden tun! Sie generieren das Know-How, von dem dieses ganze Land lebt und werden dafür schlecht entlohnt und oft abfällig behandelt.

    Was die Relation zwischen den Einkünften nach dem Master betrifft: man muss sich in der freien Wirtschaft schon extrem dämlich anstellen, um nicht mindestens dass 1.5-fache zu verdienen, wie der Kollege, der ins Doktorat geht...
  8. #8

    Wenn man etwas tiefer in die Psyche steigt, so bleibt lediglich die Eitelkeit als Antrieb übrig, denn wer was kann, braucht keinen Titel.
    Leider legen etliche Personaler und Firmenchefs Wert auf die zwei Buchstaben vor dem Namen, was sich oft auch im Gehalt widerspiegelt. Auch wenn das Können vollkommen gleich ist. "Dr. Mustermann" verkauft sich bei Gehaltsverhandlungen einfach besser als "Herr Mustermann". Auch wenn es kindisch sein mag, so ist es leider nun einmal.
  9. #9

    60+ Arbeitsstunden jede Woche, unbezahlte Wochenend-, Nachtarbeit und unbezahlte Überstunden, dazu jedes Jahr ca. 20 verfallene Urlaubstage, Überbrückungszeiten auf Arbeitslosengeld im Labor und Zusammenschreiben auf Hartz IV für 1300,- netto nach 25 Jahren Schule/Studium.
    Ja, und das in der Naturwissenschaft, wo dieser bekackte Titel nunmal sein muss, weil man sonst keinen echten Job bekommt. Ich werde diesen Titel ab nächstem Jahr voller Stolz tragen, denn den habe ich mir mit Arbeit, wie sie die ganzen Spötter wohl noch nie geleistet haben, ehrlich und redlich verdient. Das ist keine Egostreichlerei, sondern das ist mein Lohn für 5 wirklich unmenschliche Jahre des staatlichen Sklaventums und des Schnauze haltens.

    Ich frage mich wirklich, bei welchen Grattlern die diese Umfrage gemacht haben. Alle aus meinem Semester hatten diese von mir geschilderter, widerrechtlichen Arbeitsbedingungen bei ihrer Promotion und die haben sich auch schön über die Republik verteilt.