Literatur - Was lohnt es noch zu lesen?

Bücher sind populär, über Bücher wird gestritten, manchmal werden Bücher noch verboten, sogar im Fernsehen erzielen Literatursendungen ("Lesen!") nach wie vor ansehnliche Quoten. Gute Zeiten für belletristische Literatur? Oder haben es literarische Texte heute schwerer denn je, inmitten der PR-Gewitter ihr Publikum zu finden? Gibt es noch die Lust auf den unbekannten Text oder ist gängige Literatur fast nur noch leicht verdauliche Häppchenware für Party-Smalltalk?
  1. #23680

    Zitat von klappertopf Beitrag anzeigen
    Dabei ist Friedrich Nietzsche mit seiner fulminanten Entlarvungspsychologie letztlich immer auf der Seite des Humors anzusiedeln, denn alle irdische Pein und alle irdische Gram kann mit Hilfe des Humors gemeistert werden.
    Nietzsche und Humor? Sich selbst hat er in jedem Falle nicht durch den Spiegel des Humors betrachtet.
  2. #23681

    Zitat von Hawkeye 1 Beitrag anzeigen
    Nietzsche und Humor? Sich selbst hat er in jedem Falle nicht durch den Spiegel des Humors betrachtet.
    Nach dem Rezensenten Günter Figal kommt dem Zarathustra die Rolle des Lehrers zu, der aus dem Amor fati eine Welt des Lachens formt. Für ihn., Zarathustra, wird das Leben zur Komödie.
  3. #23682

    Versuch einer Selbstkritik

    Zitat von klappertopf Beitrag anzeigen
    Nach dem Rezensenten Günter Figal kommt dem Zarathustra die Rolle des Lehrers zu, der aus dem Amor fati eine Welt des Lachens formt. Für ihn., Zarathustra, wird das Leben zur Komödie.
    In der kurzen Vorbetrachtung zum Werk "Die Geburt der Tragödie", schreibt Friedrich Nietzsche das Folgende:
    "Nein! Ihr solltet vorerst die Kunst des diesseitigen Trostes lernen,- ihr solltet lachen lernen, meine jungen Freunde, wenn anders ihr durchaus Pessimisten bleiben wollt;vielleicht dass ihr darauf hin, als Lachende, irgendwann einmal alle metaphysische Trösterei zum Teufel schickt - und die Metaphysik voran! ... Diese Krone des Lachenden..."

    Als Motto für seine 1887er Ausgabe von "Die fröhliche Wissenschaft"
    verwendete Nietzsche das Nachstehende:

    " Ich wohne in meinem eigenen Haus,
    Hab Niemanden nie nichts nachgemacht
    Und - lachte noch jeden meister aus,
    Der nicht sich selber ausgelacht."
  4. #23683

    Aber....

    Zitat von klappertopf Beitrag anzeigen
    In der kurzen Vorbetrachtung zum Werk "Die Geburt der Tragödie", schreibt Friedrich Nietzsche das Folgende:
    "Nein! Ihr solltet vorerst die Kunst des diesseitigen Trostes lernen,- ihr solltet lachen lernen, meine jungen Freunde, wenn anders ihr durchaus Pessimisten bleiben wollt;vielleicht dass ihr darauf hin, als Lachende, irgendwann einmal alle metaphysische Trösterei zum Teufel schickt - und die ....."
    Als Motto mag er es verwendet haben, sich selbst nahm er aber immer ganz ernst....
  5. #23684

    Der Wille zur Macht

    Zitat von Hawkeye 1 Beitrag anzeigen
    Als Motto mag er es verwendet haben, sich selbst nahm er aber immer ganz ernst....
    Nietzsche wurde oftmals falsch verstanden,weil seine "liebe" Schwester, welche stock konservativ und nationalistisch war,seine Texte bearbeitet
    hatte. So stammt der Gedanke "Wille zur Macht" nicht von Nietzsche selbst, sondern angeblich von der Schwester.
    Man kann Nietzsche Kulturpessimismus vorwerfen,aber nicht, dass er humorlos war. Auch das mit der Peitsche wird ihm völlig humorlos angelastet, obwohl dies in einem ganz anderen Sinne zu verstehen ist.

    "Wer Nietzsche "eigentlich" nimmt, wörtlich nimmt, wer ihm glaubt,ist verloren." (Thomas Mann)

    "Ein Fälscher ist, wer Nietzsche interpretiert,indem er Zitate aus ihm benutzt. Im dieses Denkens ist jedes Metall zu finden, Nietzsche hat alles gesagt und das Gegenteil von allem." (G.Colli)
  6. #23685

    Zitat von klappertopf Beitrag anzeigen
    Nietzsche wurde oftmals falsch verstanden,weil seine "liebe" Schwester, welche stock konservativ und nationalistisch war,seine Texte bearbeitet
    hatte. So stammt der Gedanke "Wille zur Macht" nicht von Nietzsche selbst, sondern angeblich von der Schwester.
    Man kann Nietzsche Kulturpessimismus vorwerfen,aber nicht, dass er humorlos war. Auch das mit der Peitsche wird ihm völlig humorlos angelastet, obwohl dies in einem ganz anderen Sinne zu verstehen ist.

    "Wer Nietzsche "eigentlich" nimmt, wörtlich nimmt, wer ihm glaubt,ist verloren." (Thomas Mann)

    "Ein Fälscher ist, wer Nietzsche interpretiert,indem er Zitate aus ihm benutzt. Im dieses Denkens ist jedes Metall zu finden, Nietzsche hat alles gesagt und das Gegenteil von allem." (G.Colli)
    Es erscheint dahier verboten zu sein, Widerspruch zu üben. Drum ein neuer Versuch: Ausgehend vom letzten Ihrer Zitate, ist Nietzsche zu nichts Nutze, außer vielleicht der schönen Sprache wegen. Aber das ist ja auch schon was....
  7. #23686

    Zitat von Hawkeye 1 Beitrag anzeigen
    Es erscheint dahier verboten zu sein, Widerspruch zu üben. Drum ein neuer Versuch: Ausgehend vom letzten Ihrer Zitate, ist Nietzsche zu nichts Nutze, außer vielleicht der schönen Sprache wegen. Aber das ist ja auch schon was....
    Nietzsche ist nicht in erster Linie Philosoph sondern ein dichtender Denker. Einmalig ist seine Aufteilung des Lebens in ein dionysisches und ein apollinisches Prinzip. In seiner "Geburt der Tragödie" versteht er es, das Leben des Dionysos über das des Gekreuzigten zu stellen, obwohl beide ja eine ähnliche Historie haben.
    Nietzsche ist einer der bedeutendsten Denker nach Schopenhauer. Bei ihm findet man Orientierung und die Kunst, die Dinge von der humorvollen Seite zu sehen.Das verunglückte Zitat von G.Colli hat folgenden Wortlaut:
    "Ein Fälscher ist, wer Nietzsche interpretiert, indem er Zitate aus ihm benutzt. Im Bergwerk dieses Denkers ist jedes Metall zu finden..."

    Man muss Nietzsche lieben, um seine tiefen Gedankengänge zu verstehen. Unserer Zeit mangelt es an dieser Liebe.
  8. #23687

    Zitat von klappertopf Beitrag anzeigen
    Nietzsche ist nicht in erster Linie Philosoph sondern ein dichtender Denker. Einmalig ist seine Aufteilung des Lebens in ein dionysisches und ein apollinisches Prinzip. In seiner "Geburt der Tragödie" versteht er es, das Leben des Dionysos über das des Gekreuzigten zu stellen, obwohl beide ja eine ähnliche Historie haben.
    Nietzsche ist einer der bedeutendsten Denker nach Schopenhauer. Bei ihm findet man Orientierung und die Kunst, die Dinge von der humorvollen Seite zu sehen.Das verunglückte Zitat von G.Colli hat folgenden Wortlaut:
    "Ein Fälscher ist, wer Nietzsche interpretiert, indem er Zitate aus ihm benutzt. Im Bergwerk dieses Denkers ist jedes Metall zu finden..."

    Man muss Nietzsche lieben, um seine tiefen Gedankengänge zu verstehen. Unserer Zeit mangelt es an dieser Liebe.
    Dann ist es mal wieder die moderne Zeit schuld. Vielleicht war Nietzsche aber auch nur ein hochgebildeter Schwadroneur!?
  9. #23688

    Zitat von Hawkeye 1 Beitrag anzeigen
    Dann ist es mal wieder die moderne Zeit schuld. Vielleicht war Nietzsche aber auch nur ein hochgebildeter Schwadroneur!?
    Die Quintessenz bei Nietzsche ist die, dass er es verstanden hat das Leben zu bejahen. Man muss hinaus aufs stürmische Meer und die Gefahren
    bewältigen oder schiffbrüchig werden, und wenn man dennoch das rettende Ufer erreicht, dann kann man zum Helden (Übermenschen) werden. Diese Crux, die man zu tragen hat, bezeichnet er als "amor fati". Sein Nihilismus räumt mit den Vorurteilen auf, dass es eine Wahrheit gibt,und dass in der Religion Heil zu finden ist.
  10. #23689

    Zitat von klappertopf Beitrag anzeigen
    Nietzsche ist nicht in erster Linie Philosoph sondern ein dichtender Denker
    Einer von der Sorte Dichter, die mit „letzter Tinte“ schreiben ?

    Nietzsche ist einer der bedeutendsten Denker nach Schopenhauer
    Haben Sie da nicht was vergessen, ich meine das Wort „deutsch“ vor Denker ?
    Und erklären Sie mir bitte mal, inwieweit er für das heutige Leben relevant ist.
    Bei ihm findet man Orientierung und die Kunst, die Dinge von der humorvollen Seite zu sehen
    Sie meinen bei Humor jetzt aber nicht das mit dem „Weib“ und der „Peitsche“ ?
    Man muss Nietzsche lieben, um seine tiefen Gedankengänge zu verstehen. Unserer Zeit mangelt es an dieser Liebe.
    Vielleicht war ja früher nicht alles besser, sondern einfach nur „früher“ ?