Streit um Hausgeburten: Kuschelatmosphäre plus High-Tech-Medizin

CorbisFür die meisten Schwangeren ist klar: Sicherheit geht vor - das Baby kommt im Krankenhaus zur Welt. Aber wie gefährlich ist eine Entbindung außerhalb der Klinikmauern? Studien lassen viel Raum für Interpretation. Klinikärzte setzen sich jetzt für mehr "Wellness während der Geburt" ein.

http://www.spiegel.de/gesundheit/sch...821295,00.html
  1. #140

    Jedem das seine ...

    .... es gibt viele Studien die belegen, dass eine natürlich Geburt das Beste für das Kind sei. Diese Studien stützen sich auf auf diverse Umfragen. Da gebe ich meiner Vorrednerin absolut recht, dass es der Mutter gefallen muss und sie sich wohlfühlen muss, und sonst nichts. Aber was ist mit den Studien? Sind die immer so falsch? Fragt man da immer die richtigen oder nur eine bestimmte Gruppe? So eine Studie kann sehr schnell durch kleinste Faktoren beeinflusst werden. Aber es gibt ja auch die Studie dass Obst reich an Vitaminen sein soll und dass Vitamine gut für den Körper sind. Es gibt Studien dass es weniger Schrei-Kinder bei normaler Geburt gibt als durch den Kaiserschnitt. Es gibt Studien dass die Kinder nicht gleich nach der Geburt desinfiziert werden sollte, sondern dass die natürliche "schmiere" für das Kind gut ist. Studien belegen auch dass die Mutter nicht immer liegen muss bei der Geburt und dass man sowas im sitzen, stehen oder unterwasser machen kann. Das Kind fängt in der Regel auch von alleine an zu atmen, da muss man keinen klaps auf den Hintern geben. Es wird auch dazu geraten das Kind zu stillen anstelle aus der Flasche zu ernähren.
    Aber oft ist es der Egoismus der Frau es sich leicht zu machen. Natürlich ist es schön wenn man bekocht und betüttelt wird. Aber ist es nicht schön wenn das der eigene Mann macht? Ist es nicht schön wenn die Geschwister dabei sein können und das neue Familienmitglied umsorgen können? Ich glaube das das nicht nur dem Säugling gut tut, sondern auch der ganzen Familie. Leider erlebe ich und lese hier im Forum dass es Mütter gibt die am liebsten den geplanten Kaiserschnitt haben, danach das schmierige Kind erstmal gebadet bekommen und dann die nächsten drei Tage kaum zu Gesicht bekommen, damit man sich mal so richtig verwöhnen lassen kann. Das kleine ist dann im separaten Raum damit das Geschrei nicht stört und kann ja wunderbar aus der Flasche gefüttert werden. Schade solche Einstellungen, denn das gehört alles auch mit zur Geburt. Aber wenn's gefällt....
  2. #141

    Hausgeburt ist kein hanebüchener überflüssiger Modequatsch

    ... sondern die ganz natürliche Art des Menschen, seinen Nachwuchs zu bekommen. Heute denken alle, dass es ohne Ärzte nicht geht, aber wäre dem so, wären wir schon längst ausgestorben. Dass es Ärtze für Notfälle gibt, ist toll, aber man sollte nicht vergessen, welchen Einfluß Krankenhausatmospäre auf die Psyche einer im Moment gerade sehr verletzlichen Frau haben kann (und so Ängste usw. entstehen) und dass viele Probleme erst durch ärztliche Intervention entstehen (selbst erlebt!). Die Mediziner meinen alles zu verstehen und - noch schlimmer - Mittelwerte aufstellen zu müssen, die sie dann ihrer Arbeit zugrunde legen. Stimmt mal ein Wert nicht, wird sofort vorsorglich interveniert. Oft genug kommt danach raus, dass es nicht nötig war. Hinter den erhöhten Hebammen-Versicherungsprämien stecken übrigens die immer horrender werdenden Summen, die im Schadensfall ausgezahlt werden (da immer mehr teuere medizinische Geräte bezahlt werden, was ja nicht schlecht ist, wenn es nötig ist). Es steckt NICHT dahinter, dass es mehr Schadensfälle gibt! Ich finde es sehr schade, dass moderne Frauen offenbar nicht mehr das Selbstvertrauen in ihre Fähigkeit zur Geburt haben. Geburt ist sicher ein Ausnahmezustand, aber sie gehört zum Leben und unser Körper ist darauf eingerichtet. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, geht Geburt gut (mal mit mehr Schwierigkeiten, mal mit weniger). Für diese Ausnahmesituationen ist die Medizin da, aber sie hat sich leider alle Gebärenden als Patienten "unter den Nagel gerissen". Ich halte das nicht für gut.
  3. #142

    jedem das seine...

    keine ahnug, warum man heutzutage alles "verhochwissenschaftlichen" muss. warum wird eigentlich die hausgeburt als neumodischer modetrend abgetan? jahrundertelang fanden und finden geburten außerhalb der kliniken statt. eigentlich ist doch die klinikgeburt der modetrend.
    ich frage mich, warum man von leuten eingetrichtert bekommt, nicht mehr auf sein bauchgefühl zu vertrauen? keine ahung, in kliniken gibt es schon von vornherein die hohe keimbelastung, die man seinem frischgeborenen zumutet. dann ist es weiterhin so, dass den gebärenden zwar allerlei utensilium für eine geburt zur auswahl steht, wenn allerdings mal ctg nicht mehr die herztöne des babys empfangen kann, weil es durch den herzton der mutter und durch die wehen ansich überlagert wird, muss man sich doch ins bett legen, obwohl man gern eine alternative geburtsmethode bevorzugt hätte. also ich finde, jeder sollte für sich entscheiden dürfen und das sind nunmal in erster linie die mamas, die ihre babies gebären. und ich finde auch, dass nur die papas noch einen entscheidendes mitsparcherecht haben sollten. ärtze, hebammen, geburtshelfer, familien und bekannte haben allenfalls eine beratende form.
  4. #143

    Geburtshaus

    Wir waren bei der Geburt unserer Tochter im örtlichen Geburtshaus. Ich pers. habe ein KH bevorzugt, aber da es plötzlich sehr schnell gehen musste und ein KH mit Kreißsaal 35Km entfernt ist haben wir uns für die Geburt im Geburtshaus entschieden. Die Hebamme die uns zuvor schon vorbereitet hatte war die ganze Zeit über dabei. Es war ruhig und schön. Als die Geburt in die "heiße" Phase ging, kam eine zweite Hebamme zur Unterstützung. Wir haben uns rundherum wohl und sicher gefühlt. Keine Klinikatmosphäre, keine Schichtwechsel, kein Arzt der gegen das Selbstverständnis einer Hebamme medikamentös in die Geburt eingreift, weil das ärztliche Verständnis es verlangt.

    Ich - normalerweise sicherheitsfanatisch medizintechnikgläubiger Vater - würde nach dieser Erfahrung das Fachwissen einer Hebamme jedem Arzt vorziehen und bedauere es sehr, dass aufgrund der idiotisch angezogenen Versicherungsprämien das Geburtshaus nun geschlossen ist. Die Hebamme hat aufgegeben. Schade.
  5. #144

    Ich hatte mich für eine Hausgeburt entschieden, mit dem Glauben,das beste für mein Kind zu tun. Meine Gynäkologin war nicht begeistert, hat mir aber nicht abgeraten. Sie ist immer sehr bemüht, die Autonomie einer Frau während der Schwangerschaft zu respektieren.
    Nach nur 5 Stunden Wehen zuhause, Muttermund vollständig auf, aber er wollte nicht ins Becken rutschen, kam mein Sohn dann per Notkaiserschnitt tot zur Welt. Die tolle Betreuung, die ich vorher genossen hatte, löste sich dann in Luft auf...ich denke das Problem ist, das man als Erstgebärende nichts mit Statistiken anfangen kann (eine Statistik hat einfach nie etwas mit einem selbst zu tun). Man hat einfach keine Idee, was es bedeutet ein Kind zu entbinden. Und schon gar nicht, was es bedeutet, wenn ein Kind stirbt. Und das schlimmste, dann sitzt man plötzlich in dieser Wohnung in der alles passiert ist...
  6. #145

    My home is my castle

    Ich habe sowohl meine Tochter (vor fast 34 Jahren nur mit aerztlicher Hilfe meines damaligen Mannes) als auch meinen Sohn (vor 26 Jahren unter fachkundiger Assistenz einer fast siebzigjaehrigen Hebamme, die bereits ueber 5000 Kindern den Weg auf die Welt geebnet hatte) daheim geboren, und moechte die Erfahrung nicht missen. Dank Ultraschall und regelmaessiger Vorsorge noch am Morgen der Geburt unseres Sohnes konnten wir so weit wie moeglich sichergehen, dass alles okay sein wuerde. Und am Morgen kam die Kinderaerztin ins Haus, um das Baby komplett zu untersuchen. Ich bin selbst Krankenschwester und der Meinung, dass es fuer Geburten keine allgemeingueltige Regeln geben darf. Meine Tochter, eine Internistin, hat ihre beiden Kinder in der Klinik zur Welt gebracht, liess sich jedoch innerhalb weniger Stunden nach Hause entlassen. Moeglicherweise hat sie sich fuer das Krankenhaus entschieden, weil sie bei der Geburt ihres Bruders zugegen war! Jede Frau/Familie muss das fuer sich selbst entscheiden. Ich lebe in Virginia, wo Hausgeburten aeusserst selten sind. Deutschland hat mit seiner Vielfalt an Moeglichkeiten den USA einiges voraus.
  7. #146

    Liebe Autorin,
    wie ich Ihrem Artikel entnehme, scheint Geburtshilfe nicht Ihr Spezialgebiet zu sein. Meins aber. Und nach 10 Jahren Tätigkeit als freiberufliche und Kreißsaal-Hebamme empöre ich mich über genau solche oberflächlichen Rundumschläge wie den Ihren, der niemandem dienlich ist außer dem Spiegel.
    Wissen Sie, wo wirklich Kuschelatmosphäre stattfindet? Im hochtechnisierten Kreißsaal. Nur, der Weg von der Gebärwanne zur Gebärzange ist dort ein verlockend kurzer. Was glauben Sie, wieviele Geburtseinleitungen meine Kolleginnen und ich wegen Fußballspielen und anstehender Familienfeiern - wohlbemerkt des diensthabenden Gynäkologen - miterleben musste? Wieviele Kinder mit Atemstörungen auf die Welt kommen, weil Geburten aufgrund von Zeitmangel und/oder Ungeduld des Personals operativ beendet werden? Schonmal was von Personalmangel in Krankenhäusern gehört? Nach Adam Riese ist so ein Kreißsaal dann ebenfalls betroffen, stimmts? Stimmt. Haben Sie eine leise Vorstellung davon, wie es ist, als Hebamme zwischen 3 Kreißbetten hin- und her zu rennen, und allen und keinem gerecht zu werden? Und wie sich wohl eine alleingelassene Gebärende fühlen mag? Das weiß die dummerweise auch erst, wenn das Kind bereits in den ... naja.
    Wissen Sie außerdem, bei wievielen Frauen die Wehen nachlassen bzw. ganz aufhören, sobald sie den Kreißsaal betreten? Wohlbemerkt: aus Stress. Und wissen Sie, wie oft dann Wehenhormone gegeben werden, damit der Kreißsaalablauf funktioniert? Schon mal was von Krankenhausinfektionen gehört? Wissen Sie, wie verängstigt gebärende Frauen sind und dass Angst so ziemlich genau das ist, was einen natürlichen Geburtsvorgang hemmt? An dieser Stelle breche ich ab, nur eins noch: meine größte Sorge als Schwangere war die, im Krankenhaus gebären zu müssen. Also bin ich geblieben, wo ich war. Ich habe mir eine Hebamme gesucht, die mich von Beginn der Schwangerschaft bis ins Wochenbett begleitet hat, und es war beide Male eine sehr unaufgeregte Geschichte. Weder kuschelig noch riskant. Vielleicht sollte man mal mit genau diesen Klischees radikal aufräumen! Gebären ist seit Jahrmillionen Jahren das, was es ist: eine hochprivate, durch und durch intime Angelegenheit! Und darum Ihr Frauen: sucht euch ganz bald eine Hebamme, mit der ihr gut könnt – und hört auf, verwirrenden Mist zu lesen.