Streit um Hausgeburten: Kuschelatmosphäre plus High-Tech-Medizin

CorbisFür die meisten Schwangeren ist klar: Sicherheit geht vor - das Baby kommt im Krankenhaus zur Welt. Aber wie gefährlich ist eine Entbindung außerhalb der Klinikmauern? Studien lassen viel Raum für Interpretation. Klinikärzte setzen sich jetzt für mehr "Wellness während der Geburt" ein.

http://www.spiegel.de/gesundheit/sch...821295,00.html
  1. #1

    Die richtig harten Daten...

    haben wohl, auch wenn sie nicht publiziert werden, die Risikoanalysten der (sich durchaus im Wettbewerb befindlichen) Versicherungen für Hebammen und Krankenhäuser.

    Da in Deutschland mittlerweile immer häufiger realistische Schadenersatzsummen gezahlt werden, wenn etwas schief geht, hat das entscheidende Auswirkungen auf die Prämien. Und da sieht es für Hebammen ganz und gar nicht gut aus - deren Versicherungskosten sind enorm, und in den letzten Jahren bis zum Faktor 10 gestiegen.

    Wer also auf nackte Zahlen schaut und rational nach Risiko entscheidet, verzichtet lieber auf des letzte Quäntchen Kuscheligkeit und geht zur Geburt gleich ins Krankenhaus.
  2. #2

    Lasst doch den Bionade-Lifestyle-Menschen ihren ökologisch verträglichen häuslichen Lebensborn. Man muß ja nicht jeden hanebüchenen überflüssigen Modequatsch gleich verteufeln.
  3. #3

    wenn alles gut geht ist eine hausgeburt sicherlich eine tolle sache,doch leider weiß man das vorher nicht,weswegen ich nie so ein risiko eingehen würde.im krankenhaus ist es vielleicht nicht so kuschelig,dafür kann der notkaiserschnitt aber in unter 2min durchgeführt werden und der weg vom kreißsaal zum op dauert nicht so lange wie von zu hause.im endeffekt weiß man nie wie die geburt abläuft und man braucht dann auch eine tolle hebamme die erkennt wann es zeit wird den krankenwagen zu rufen und gerade noch unerfahrene hebammen haben dafür vielleicht noch nicht so das gespür.und möchte ich das wohl meines babys und meines davon abhängig machen?ich glaube nicht.
  4. #4

    Ihr fallt auch noch darauf rein...

    …die Geburt im Krankenhaus viel gefährlicher. Es geht nur um Kohle machen und mit Angst beeinflusst man Menschen am besten !
  5. #5

    Krankenhaus und sicher?

    Ich habe bei der Geburt meines Sohnes notgedrungen beide Geburtsorte "ausprobiert". Zunächst vorweg:
    Sowohl mein Mann als auch ich sind keine Esoterik- oder Wellnessfreaks. Die Entscheidung für eine Hausgeburt haben wir aus folgenden Gründen getroffen:
    - hohes Fachwissen der Hebamme (im Vergleich z.B. allein gegenüber meiner Frauenärztin) rund um das Thema Geburt,
    - rationale und auf Sicherheit basierende Einschätzung der Hebamme,
    - individuelle Rundumbetreuung bei der Geburt und die damit verbundene Sicherheit,
    - Doppelbetreuung durch zwei Hebammen während der "heißen" Phase.
    Unsere Einschätzung hat sich in der Geburtsphase zuhause nur bestätigt. Die Verlagerung zum Krankenhaus wurde schnell vorbereitet; während wir mit dem Auto unterwegs waren, hatte die Hebamme ihre fachliche Einschätzung bereits an die Ärzte der Klinik übermittelt. Theoretisch konnte das Krankenhaus also gleich loslegen.
    Jedoch habe ich in der Klinik nur folgendes erlebt:
    - ich wurde 45 Minuten in einem Kreissaal mit Schmerzen - aber Wehenschreiber - liegengelassen,
    - alle 15 Minuten guckte nur kurz eine Schwester herein,
    - ich musste persönlich insgesamt 2 Ärzten und 2 Hebammen Bericht über meinen Zustand abliefern - ohne dass dies irgendwelche Folgen gehabt hätte,
    - nach einem endlich durchgeführten Ultraschall (Kindslage falsch) habe ICH mich schließlich für einen Kaiserschnitt entschieden, das der behandelnde Arzt nur rumdruckste und irgendwas von "wir könnten es später nochmal versuchen" faselte,
    - dem Anästhesisten musste ich noch darauf aufmerksam machen, dass eine Spritze ins Rückenmark bei gleichzeitigen Wehen vielleicht nicht so gut wäre.

    Nun denn, der Kaiserschnitt ging schnell und das Kind war quietschfidel. Nach weiteren 5 Wochen konnte ich dann auch dank dem richtigen Antibiotikum gerettet und nach einer schweren Infektion (mit Darmbakterien) entlassen werden. Auch in meiner Klinikzeit nach der eigentlichen Geburt musste ich aufpassen, dass der jeweils behandelnde Arzt über das Vorgehen seiner Vorgänger informiert wurde und welche Medikamente mir - wirkungslos - doppelt und dreifach zugeführt wurden.Analysen (Einschicken von Blutproben u.a.) wurden dagegen verspätet und anscheinend eher mit Gleichgültigkeit oder auf meinen Wunsch hin angeordnet.
    Dank an die Sicherheit der Klinik! Gottseidank hat mich im Anschluss meine Hebamme wieder betreut und aufgepäppelt. Und das für 6,50 Euro die Stunde!
  6. #6

    Hausgeburten sind verrückt...

    Und wenn eine Hebamme ernsthaft meint, vorher schon Risiken weitestgehend ausschließen zu können, dann ist das dumm und gefährlich.

    Ich habe bei zwei Klinikgeburten hautnah mitbekommen, wie schnell sich der Zustand von "alles bestens" zu rennendem Klinikpersonal ändern kann. Und dass auch erst ein von einem dritten Arzt angeschlepptes Ultraschallgerät zwei erfahrenen Geburtshelfern zeigt, dass das Kind doch ganz anders und problematischer liegt als "gefühlt".

    Die Geburt ist einer der gefährlichsten Vorgänge im Leben mit ganz weit reichenden Konsequenzen. Wer da die vermeintliche "Wohlfühlatmosphäre" daheim der deutlich größeren Sicherheit im Krankenhaus vorzieht, für den habe ich Null Verständnis.

    Und mal ehrlich: Mit Kuschelatmosphäre haben weder Klinik- noch Heimgeburten etwas zu tun. Dieses ganze Gehampel ist eher für die Erstgebährenden und auch die werden sich allerspätestens zu Beginn der Austreibungsphase kaum noch dafür interessieren, ob die Vorhänge gelb oder nicht vorhanden sind.
  7. #7

    Angstmacherei

    Ich wollte erst viele Worte machen über die absurde und unverantwortliche Angstmacherei der Schulmediziner, die angesichts sinkender Geburtenzahlen offensichtlich selbst den mittlerweile verschwindend geringen Anteil an Hausgeburten als Konkurrenz betrachten.

    Und viele Frauen glauben leider der Angstmacherei, denn sie sind nicht bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen und sich und dem Baby zu vertrauen, einen natürlichen Vorgang zu überstehen, der so alt ist wie der Mensch.

    Die völlig überzogene Kaiserschnittquote in Deutschland ist Anzeichen genug dafür, dass in deutschen Kreißsälen viel zu früh eskaliert wird.
    Die viel gepriesenen Apparate dienen in erster Linie dazu, Probleme zu beheben, die gar nicht aufgetreten wären, wenn im Vorfeld weniger Stress und Druck geherrscht hätten.

    Wir waren sehr froh über die Möglichkeit einer Hausgeburt und können uns nicht vorstellen, wie sich jemand freiwillig in die Hände der Ärzte begibt.
    Als Privatpatientin wird man sowieso noch als Goldesel benutzt, jede noch so absurde Behandlung wird durchgeführt, müssen doch die teuren Apparate refinanziert werden.

    Was in Sachen Geburts"hilfe" in Deutschland passiert, ist ein viel zu lange verschwiegener Skandal. Leider ist dieses Wort sehr inflationär, aber hier trifft es wirklich zu.
    Schließlich werden hier Lebenswege schon zum frühestmöglichen Zeitpunkt traumatisch begonnen.

    Jetzt hab ich doch vieles gesagt, obwohl doch Monty Python bereits von 40 Jahren die noch heute aktuellen Probleme des unmenschlichen Umgangs mit Menschen auf den Punkt gebracht haben.
    Und man lese sich die Kommentare durch, wie viele Klinikmitarbeiter bestätigen, dass es heute noch genauso schlimm ist wie damals.

    Es wäre lustig, wenn es nicht so wenig übertrieben wäre.

    http://www.youtube.com/watch?v=NcHdF1eHhgc
  8. #8

    Aaaalso, 3 x wollte meine Frau die Hausgeburt ...

    und ich bin eigentlich dagegen. Das Risiko, gerade in Stadtrandlage mit weitem Weg in die Klinik ist doch recht hoch. Bei Kind 1, 2 und 3 hat die im Hausgeburtsbereich erfahrene Hebamme uns zur Sicherheit in der Entbindungsstation schon mal vorgestellt. Bei 1 und 2 sehr frühzeitig die Hausgeburt abgebrochen und in die Klinik verlegt (sie konnte dann auch dabeibleiben). Bei Kind 3 ist der Wunsch meiner Frau in Erfüllung gegangen, das Kind zuhause auf die Welt gekommen. Ich bin nach wie vor für die Klinikgeburt ... aaaaber: Kurz vor der Geburt sagen zu können "ich geh' jetzt mal in die Küche, spülen" und zur Antwort zu bekommen "Ok, wenn's ernst wird, rufe ich Sie", das war schon cool, nix von wegen nägelkauender werdender Vater, nein Spüli und ein Berg Geschirr. Und das die Jungs ihr Schwesterlein gleich zu Hause begrüßen durften, das war auch vom Feinsten. Toll!!! Solange alles gutgeht ... Danke, Universum!
    PS. womit ich trotzdem nicht zurechtkomme: die Väter, die von Geburten mit verklärten Blick erzählen und das ALLES soooo toll war. Toll ist's ja schon, wenn die Kleinen da sind und die Mami das verklärte Gesicht hat. Ansonsten: Geburt für Vater = Schmerzschrei- und jammern der Frau, Schleim, Blut, Hilflosigkeit, unnütz im Weg stehen.
  9. #9

    Zitat von kibbs Beitrag anzeigen
    wenn alles gut geht ist eine hausgeburt sicherlich eine tolle sache,doch leider weiß man das vorher nicht,weswegen ich nie so ein risiko eingehen würde.
    Es ist deutlich wahrscheinlicher, dass du an eine unerfahrene, überforderte, müde, gestresste Hebamme gerätst, die du nie zuvor gesehen hast, wenn du ins Krankenhaus gehst.
    Krankenhäuser müssen auch finanziert werden, d.h. die Gefahr ist deutlich größer, dass deutlich schneller eskaliert, d.h. operiert oder eingeleitet wird.
    Viele Probleme entstehen erst dadurch, dass zuviel Stress und Druck herrscht.
    In deutschen Krankenhäusern endet über ein Drittel als Kaiserschnitt. Und das nennst du ein geringes Risiko??
    Unsere Hebamme hat viele Tausend Hausgeburten betreut, rund 20 mussten ins Krankenhaus zum Kaiserschnitt.
    Welcher Kreißsaal hat so eine Quote?!

    Eine gute Hebamme stärkt dich in deinem Vertrauen zu deinem Körper, der im Zusammenspiel mit dem Baby perfekt funktioniert - wenn du ihn lässt!
    Bei Problemen kann sie dir helfen, ohne gleich zur Zange zu greifen.

    Meine Schwester, heute freiberufliche Hebamme (wovon sie natürlich nicht wirklich leben kann), hat früher im Krankenhaus gearbeitet.
    Die kann Geschichten erzählen... Was dort ROUTINEMÄßIG verbrochen wird, ist unfassbar.
    Es ist wirklich nicht zu glauben, dass sich überhaupt jemand freiwillig ins Krankenhaus begibt.
    Von Hygienemängeln mal ganz zu schweigen.

    Leider vertrauen viele Frauen den natürlichen Kräften ihres Körpers nicht mehr und geben die Verantwortung nur zu gern an andere ab. Dann sind ja auch nachher andere schuld, wenn was schiefgeht.

    Eine gute Hebamme stärkt dich in deinem Vertrauen und LÄSST dir die Verantwortung!
    Warum willst du dir den stolzesten Moment deines Lebens von irgendeinem Arzt wegnehmen lassen?

    Eine gute Hebamme erklärt dir auch, warum eine PDA keine Routinelösung ist.
    Dein Körper hilft dir, indem er Anti-Schmerzhormone ausschüttet.
    Diese helfen natürlich auch dem Baby, das ja nicht einfach nur rausgeholt wird, sondern voll am Geburtsvorgang beteiligt ist.
    Wenn nun Mama schön betäubt ist, wer wird dann mit den Schmerzen allein gelassen? Genau, dein Baby.

    All das wird dir von SchulmedizinerInnen viel zu selten erzählt.

    Bei unserem einzigen Besuch bei einer Frauenärzten wurden wir erstmal über die Krebsrisiken informiert ("Ich will Ihnen ja keine ANGST machen...").
    Nein Danke.

    Nach zwei wundervollen Geburten (die erste sehr langwierige, im Krankenhaus wäre unser Kind NIEMALS natürlich zur Welt gekommen) im Geburtshaus hätten wir uns die nächste Geburt tatsächlich zu Hause alleine zugetraut.
    Und das muss das Ziel guter Geburtshilfe sein.

    Übrigens: Das zweite Kind war über 2 Wochen über den Termin.
    Kein Arzt hätte unser Kind auf den richtigen Zeitpunkt warten lassen sondern hätte die Einleitung quasi zwangsverordnet, mit jeder Menge Angstmacherei.

    Unsere Hebamme hat uns bestärkt und auf natürliche Unregelmäßigkeiten beim Errechnen des Termins hingewiesen.
    Und alles war bestens, kein bisschen "übertragen" oder was sonst für ein Quatsch erzählt wird.

    Mein Rat:
    Such dir eine gute Hebamme und meide Gynäkologen so weiträumig wie möglich.
    Vertraue der Natur und der weiblichen Urkraft deines Körpers.
    Dann brauchst du auch keine Eskalationsmedizin.