Promotionsbetrug im Selbstversuch: Wie ich mir einen Doktortitel erschummelte

SelJüngsten Skandalen zum Trotz ist die Faszination des Doktortitels ungebrochen. Rabattportale verhökern "echte" Dr. h.c.-Würden zu Schleuderpreisen. Wie leicht es ist, sich das Angeberkürzel zu verschaffen und sogar im Ausweis eintragen zu lassen, hat Armin Himmelrath ausprobiert.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...842596,00.html
  1. #1

    Genial.

    Geniale Erkenntnis: Urkundenfälschung ist möglich. Wow. Fantastsich. Hochgradig investigativer Artikel. Wer hätte das gedacht?

    Eine solche Fälschung fliegt im Bewerbungsgespräch doch sowieso spätestens dann auf, wenn Herr Himmelrath auf den Inhalt der Arbeit und nicht vorhandene Publikationen angesprochen wird.
  2. #2

    Titel wozu?

    Solange ein Titel sich auf Ansehen und Gehalt auswirkt, wird es auch Betrüger geben.
    Die Frage muss erlaubt sein: Warum bekommt jemand für einen "Dr." (außerhalb der Uni) mehr Geld? Warum wird er als "besserer" Mensch angesehen?
    Behandelt mich ein Dr. med. besser als ein Dipl. Med.? Was hat eine Dissertation über ein seltenes Bakterium mit den Fähigkeiten zu tun, die man als Patient von seinem Arzt erwartet? Ist ein Dr. Ing. ein besserer Ingenieur als ein Dipl. Ing., nur weil er über etwas promoviert hat, mit dem er in seiner späteren Berufspraxis kaum noch etwas zu tun hat?
    Titel sollten nur dort eine Rolle spielen, wo sie hingehören - in der akademischen Welt, denn nur dort sind sie eine Qualifikation.
  3. #3

    Och je, nicht schon wieder

    Zitat von ruhepuls Beitrag anzeigen
    Die Frage muss erlaubt sein: Warum bekommt jemand für einen "Dr." (außerhalb der Uni) mehr Geld? ... Ist ein Dr. Ing. ein besserer Ingenieur als ein Dipl. Ing., ...
    Die Fragen sind vollständig rhetorisch und beantworten sich daher von selbst.

    Zitat von ruhepuls Beitrag anzeigen
    Titel sollten nur dort eine Rolle spielen, wo sie hingehören - in der akademischen Welt, denn nur dort sind sie eine Qualifikation.
    Fußballeuropameister und Olympiasieger sind auch nur Titel. Warum muss dann sogar der Steuerzahler für den dt. Sportbund berappen?
  4. #4

    Sehr traurig

    Ich bin doch sehr erstaunt, wie einfach das geht. Damit wird die jahrelange harte Arbeit von Doktoranden seher stark diffamiert. Und mal davon abesehn, dass so ein Betrug sehr schnell auffällt beim Bewerbungsgespräch, ist es für mich viel schlimmer, dass ein Mitmensch, der ehrlich seinen Dr. durch harte Arbeit erworben hat, schnell Hohn und Spott von der Gesellschaft bekommen kann bzw. auch umgekehrt, Ansehen und Respekt ernten kann ... Denn wer überprüft denn sowas schon außer der Arbeitgeber (und evtl. Anonymous bei VIPs) ?
  5. #5

    Ohne Titel ist komisch

    [QUOTE=ruhepuls;10499272]Behandelt mich ein Dr. med. besser als ein Dipl. Med.? Was hat eine Dissertation über ein seltenes Bakterium mit den Fähigkeiten zu tun, die man als Patient von seinem Arzt erwartet? Ist ein Dr. Ing. ein besserer Ingenieur als ein Dipl. Ing., nur weil er über etwas promoviert hat, mit dem er in seiner späteren Berufspraxis kaum noch etwas zu tun hat?[QUOTE]

    Natürlich kann ein Arzt ohne Dr.-Titel ein guter Arzt sein - keine Frage. Dennoch macht es mich stutzig. Denn gerade die medizinischen Doktorarbeiten sind ein Witz und wenn ein Arzt keinen Dr.-Titel hat, vermute ich, dass er entweder dumm oder faul ist und wenn ich vor zwei Türen stehe und beide Ärzte nicht kenne und einer hat einen Titel und einer nicht, öffne ich die Tür mit dem Dr.

    Bei Ing. ist es im übrigen so, dass die Dr.-Arbeit extrem anspruchsvoll ist und viele Jahre dauert. Auch hier würde ich wieder sagen, dass der Ingenier, der sich durch die Arbeit gekämpft hat, mehr Biss und Ausdauer hat und daher von mir den Vorzug erhalten würde. Überdies hat er sicherlich in den vielen Jahren seiner Doktorarbeit Themen gestreift, von denen der normale Ing. im Zweifel noch nich was gehört hat...
  6. #6

    optional

    Als Trägerin eines amerikanischen Ph. D. -von einer amerikanischen Eliteuniversität verliehen- sind solche Geschichte wie die MLDC Inc. für mich persönlich ein riesiges Ärgernis, weil sie das Ansehen meines eigenen, hart erarbeiteten Titels mindern.
    Das Träger von Doktortiteln mehr Geld bekommen ist richtig und fair. Sie haben bewiesen, dass sie in der Lage ein Thema in der Tiefe zu bearbeiten, neue Fakten zu finden und eine Theorie aufzustellen, die in einer Diskussion mit anderen Wissenschaftlern durchaus Bestand hat. Der Nutzen für einen potentiellen Arbeitgeber liegt aber auch im Renomee, dass ein solcher Mitarbeiter im Kundenkontakt bringt. Der Doktor gilt gemeinhin immer noich als besser qualifiziert und deshalb eben auch kompetenter. In der Wirtschaftsrealität bringt das eben auch Kunden und damit ist ein promovierter Mitarbeiter eben ein wertvoller Mitarbeiter. Mal abgesehen davon dass es durchaus Promotionen gibt die mit dem späteren Berufsleben verbunden sind.
  7. #7

    Titel, Dr.

    @ruhepuls.

    Titel, wie Dr. Prof. sollen in der Tat wissenschaftliche Expertise garantieren.

    Meiner Ansicht nach sind Juristen, Mediziner, Juristen, Volkswirte und Juristen - vor allem aber auch die Juristen recht Inflationär mit dem Titel Dr. umgegangen, was wohl der Eitelkeit geschuldet ist.

    Geld gibt's außerhalb der genannten Fakultäten (wie z.B. Juristen) aber nur für einen 'richtigen' Doktor. (Von einer seriösen Fakultät nach einem anspruchsvollen Diplom)
  8. #8

    Deshalb

    Zitat von ruhepuls Beitrag anzeigen
    Solange ein Titel sich auf Ansehen und Gehalt auswirkt, wird es auch Betrüger geben.
    Die Frage muss erlaubt sein: Warum bekommt jemand für einen "Dr." (außerhalb der Uni) mehr Geld? Warum wird er als "besserer" Mensch angesehen?
    Behandelt mich ein Dr. med. besser als ein Dipl. Med.? Was hat eine Dissertation über ein seltenes Bakterium mit den Fähigkeiten zu tun, die man als Patient von seinem Arzt erwartet? Ist ein Dr. Ing. ein besserer Ingenieur als ein Dipl. Ing., nur weil er über etwas promoviert hat, mit dem er in seiner späteren Berufspraxis kaum noch etwas zu tun hat?
    Titel sollten nur dort eine Rolle spielen, wo sie hingehören - in der akademischen Welt, denn nur dort sind sie eine Qualifikation.
    Mit der Erlangung des Doktors (lassen wir mal die Mediziner weg, der Dr. med. ist Quatsch und wird in der Regel vor dem Staatsexamen absolviert, also bessere Semesterarbeit) hat ein Kandidat bewiesen, sich komlexen wissenschaftlichen Fragestellungen stellen und diese bearbeiten zu können. Somit ist so eine Person von der Qualifikation höher angesiedelt als ein ehemals Diplomand oder jetzt Master. Und wenn die Wirtschaft dies so will und bezahlt, wo ist das Problem? Uns wurde bei von Wirtschaftsvertretern immer gesagt, dass wir den Dr. rer. nat. bräuchten, um in der Wirtschaft durchstarten zu können, also haben die dazu Befähigten den auch gemacht; dauerte ca. 3-3,5 Jahre, war schlecht bezahlt und durchaus harte Arbeit (Wochenende im Labor war normal).
    Gegen den "Angebertitel" verwahre ich mich energisch, allerdings gebe ich zu den Titel auch artfremd zu nutzen: wenn ich beim Mediziner gefragt werde, ob ich ein Kollege sei, antworte ich durchaus manchmal: "Nein, ich hab 'nen richtigen Doktor!"
    Gar nicht so schlecht, so'n Doktor! Besserer Mensch ist man deshalb aber mitnichten ;-)
  9. #9

    Unsinnig

    Was macht man denn dann mit so einem Titel, außer ihn im Ausweis zu führen? Bewerben oder gar arbeiten damit, dürfte wohl gründlich in die Hose gehen. Ich möchte den sehen, der sich mit gefälschter Mediziner-Urkunde der ersten Operation im Krankenhaus ausgesetzt sieht. Spätestens dann sollte der Schwindel auffliegen