Doktorarbeit - wie viel Mogeln ist erlaubt?

Die Doktorwürde als akademischer Grad ist ins Gerede gekommen, da immer mehr prominente Doktoren beim Schummeln mit Zitaten, Ergebnissen und der Erstellung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten ertappt wurden. Nun ist im Zeitalter der digitalen Verfügbarkeit von Daten und Fakten im Internet manche Grauzone entstanden. Müssen nun die Regeln für wissenschaftliche Arbeiten erneuert werden? Provokant gefragt: Wie viel Mogeln ist erlaubt?
  1. #1

    außeruniversitär

    Man kann es einfach ausdrücken: Mogeln ist überhaupt nicht erlaubt!

    Man sollte aber auch berücksichtigen, dass eine Doktorarbeit ohne den Rückgriff auf vorhergehende Arbeiten anderer Autoren unmöglich ist. Dies muss nur korrekt gekennzeichnet werden. Eine Doktorarbeit soll neue wissenschaftliche Erkenntnisse erarbeiten, dabei muss sie selbstverständlich auf anderweitigen Ergebnissen aufbauen. Wenn hier ein wenig nachlässig zitiert wurde, dann reden übelgesonnene Zeitgenossen von Plagiat, Urkundenfälschung oder Mogelei. Für mich ist dies Schlampigkeit, aber noch keine Mogelei.

    Mogelei fängt bei mir an, wenn durch "Schwadroniererei" und durch "Wortgeklingel" verdeckt wird, dass der Doktorand keinerlei neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefert. Wenn er das Sachgebiet nicht beherrscht, wenn er Ergebnisse verfälscht und abändert, damit sie in seine Argumentation passen.

    Im Normalfall absolvieren Doktoranden nach ihrem Hauptstudium ein Promotionsstudium; sie sind in eine Arbeitsgruppe bei ihrem Doktorvater integriert. Wöchentliche Doktorandenseminare, Vorträge und Diskussionen vor versammelter Mannschaft sorgen dafür, dass eine Doktorarbeit "weitergeht" und auch Ergebnisse liefert. Viele Augen würden sofort bemerken, wenn jemand nur abschreibt und nichts selbst beiträgt.

    Die in der Öffentlichkeit aufgefallenen ermogelten prominenten Doktorarbeiten waren aber keine "normalen" Doktorarbeiten über ein Promotionsstudium. Die Herrschaften (oder deren Eltern) kannten einen Lehrstuhlinhaber, der als Doktorvater dienen konnte. Die Arbeit wurde außeruniversitär geschrieben (oder schreiben lassen), zu Hause, in irgendwelchen Bibliotheken, ohne permanente Kontrolle durch Mitdoktoranden oder durch den Doktorvater. Bei solchen Konstellationen sind Mogeleien natürlich Tür und Tor geöffnet, besonders wenn Doktorvater, Koreferent und Promotionskommission wegen der Prominenz des Kandidaten nicht genau hinschauen. Würde man solche außeruniversitären Promotionsmöglichkeiten abschaffen, wäre das Mogelproblem größtenteils gelöst.
  2. #2

    Zitat von maikalex Beitrag anzeigen
    Man kann es einfach ausdrücken: Mogeln ist überhaupt nicht erlaubt!

    .....Im Normalfall absolvieren Doktoranden nach ihrem Hauptstudium ein Promotionsstudium; sie sind in eine Arbeitsgruppe bei ihrem Doktorvater integriert. Wöchentliche Doktorandenseminare, Vorträge und Diskussionen vor versammelter Mannschaft sorgen dafür, dass eine Doktorarbeit "weitergeht" und auch Ergebnisse liefert.
    Eigentlich beginnt es noch viel früher, nämlich mit der Themenstellung. Eigentlich müsste das Thema zwischen Doktorant und Doktorvater(mutter!) so abgesprochen werden, dass wirklich nach einer neuen Erkenntnis, Lösung gesicht wird, die es bis dahin noch nicht gab. In naturwissenschaftlichen Gebieten wird das sich besser herausformulieren lassen, als in den Laberfächern, wo nur Texte zu schreiben sind, mehr oder weniger logisch bzw. überzeugend.
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nun ist im Zeitalter der digitalen Verfügbarkeit von Daten und Fakten im Internet manche Grauzone entstanden. Müssen nun die Regeln für wissenschaftliche Arbeiten erneuert werden? Provokant gefragt: Wie viel Mogeln ist erlaubt?
    Der Hase liegt woanders im Pfeffer:

    Es ist die Inflation von Dissertationen, die das Gelände verseucht.

    Da der politisch- ideologisch verordnete Wegfall jeder schulischen Selektion in logischer Fortsetzung dazu führt,
    dass selbst ernstzunehmende Studenfächer zur Soft-Nummer verkommen (siehe z.B. hier:Uni Köln: Studenten bestehen Mathe-Klausur massenhaft nicht - SPIEGEL ONLINE),

    da wahnhafter Gleichheitsdrang die Differenzierung zwischen Universitäten, Hochschulen und beruflichen Ausbildungsgängen verwischt,

    da Abitur- und Hochschulzeugnisse an Aussagekraft verlieren,

    und da der Doktortitel im nicht-wissenschaftlichen Vereich aus Prestigegründen eingefordert werden, um in die Sektetagen aufsteigen zu können....,

    werden strengere Regeln vielleicht das Mogeln an sich einschränken, aber die inhaltliche Qualität vieler Arbeiten dennoch nicht steigern können.
  4. #4

    Was heißt hier mogeln?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Doktorwürde als akademischer Grad ist ins Gerede gekommen, da immer mehr prominente Doktoren beim Schummeln mit Zitaten, Ergebnissen und der Erstellung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten ertappt wurden. Nun ist im Zeitalter der digitalen Verfügbarkeit von Daten und Fakten im Internet manche Grauzone entstanden. Müssen nun die Regeln für wissenschaftliche Arbeiten erneuert werden? Provokant gefragt: Wie viel Mogeln ist erlaubt?
    Wenn jemand das geistige Eigentum anderer als sein eigenes ausgibt, ist das natürlich nicht ok und gehört abgestraft, es ist einfach Diebstahl!

    Was sicherlich gang und gäbe und auch legitim ist, ist das zitieren.
    Schließlich kann und sollte man nicht ständig das Rad neu erfinden. Zu grossen Teilen liegt die Herausforderung nun darin, bereits bestehendes Wissen zu analysieren und neu zu verpacken, wenn möglich, mit eigenen Ideen zu versehen und aufzuarbeiten. Wirklich Neues schaffen die Wenigsten von uns.

    Aber dann bitte nicht so tun, als ob...völlig zu Recht sollten die Guttenbergs und alle anderen Plagiateure ihre Titel abgeben müssen.
  5. #5

    Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn hat auf die Plagiate reagiert. In den verschiedenen Fakultäten wurde und wird die Promotionsordnung überarbeitet. Amtliche Bekanntmachungen - Inhalt - E-Pflicht-Sammlung

    Wer mogelt, ist nichts vertrauenswürdig. Aber bei jemanden, der/die sich gut "verkauft", fällt dies meist nicht auf. Und in einem "gemachten Nest" zu promovieren, ist auch wesentlich einfacher. Bei einigen Kandidaten kann man schon mal die Rechtmäßigkeit der Doktorwürde anzweifeln.
  6. #6

    Wer klaut von wem?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Doktorwürde als akademischer Grad ist ins Gerede gekommen, da immer mehr prominente Doktoren beim Schummeln mit Zitaten, Ergebnissen und der Erstellung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten ertappt wurden. Nun ist im Zeitalter der digitalen Verfügbarkeit von Daten und Fakten im Internet manche Grauzone entstanden. Müssen nun die Regeln für wissenschaftliche Arbeiten erneuert werden? Provokant gefragt: Wie viel Mogeln ist erlaubt?
    Apropos Mogeln und skrupelloses Klauen von geistigem Eigentum um Karriere zu machen oder sich auf dem Treppchen zu halten. Was ist eigentlich aus diesem interessanten Fall geworden?

    Professor contra Doktorandin: Wer klaut hier bei wem? - SPIEGEL ONLINE

    Langkieler schrieb am 07.08.2011 dazu:

    ".... Nicht nur Professor/inn/en, sondern gerade auch Habilitierende auf dem Weg zu Cx-Würden klauen und kopieren doch ganz ungeniert aus den von ihnen aktuell betreuten Doktor-, Diplom-, neuerdings auch Masterarbeiten. Wer aus einer Bachelorarbeit klauen muß, hat es dann echt nötig... Die Texte und Ergebnisse finden sich dann bei den Vorgesetzten nicht nur in "ihren" Arbeiten, sondern in Veröffentlichungen, Vorträgen, Projektanträgen. Besonders nett ist auch die Variante, aus zu begutachtenden Arbeiten, die einem so zufliegen, gute Ideen aufzusaugen. ..."

    Wer kann aus persönlicher Erfahrung darüber berichten, wie wissenschaftliches Personal bzw. der eigene Doktorvater die Forschungsergebnisse von bzw. seines Doktoranten ausbeutet, um es in Aufsätzen u.a. Schriftwerken (unter eigenem Namen) zu verwursten?

    Welche Möglichkeiten gibt es sich dagegen zu wehren?
  7. #7

    Zitat von ElisR. Beitrag anzeigen
    Apropos Mogeln und skrupelloses Klauen von geistigem Eigentum um Karriere zu machen oder sich auf dem Treppchen zu halten. Was ist eigentlich aus diesem interessanten Fall geworden?

    Professor contra Doktorandin: Wer klaut hier bei wem? - SPIEGEL ONLINE

    (...)

    Welche Möglichkeiten gibt es sich dagegen zu wehren?
    Ich habe dazu auf die Schnelle (vom 2.12.2011) noch Folgendes gefunden:

    "Aachen/Bonn. Eine Aachener Wissenschaftlerin darf ihre an der Universität Bonn unter Plagiatsverdacht geratene juristische Doktorarbeit zurücknehmen und gilt damit als unbelastet. Schwer trifft es hingegen den Betreuer der Dissertation, den RWTH-Professor Walter Frenz, und auch die Aachener Hochschule kriegt etwas ab."

    Ärger für Aachener Professor und die RWTH - AN-Online.de
  8. #8

    Zitat von ElisR. Beitrag anzeigen
    Wer kann aus persönlicher Erfahrung darüber berichten, wie wissenschaftliches Personal bzw. der eigene Doktorvater die Forschungsergebnisse von bzw. seines Doktoranten ausbeutet, um es in Aufsätzen u.a. Schriftwerken (unter eigenem Namen) zu verwursten?

    Welche Möglichkeiten gibt es sich dagegen zu wehren?
    Auch wenn dies Ungerecht erscheinen mag, gehört dies dazu. Die Antragsteller für Drittmittel sind in der Regel wissenschaftliches Personal und Doktorväter. Publikationen sind eine Art Arbeitsnachweis und die Voraussetzung für weitere Förderung.

    Wenn der Name des Doktoranden, Diplom- oder Master-Studenten, der mit Daten zu einer Publikation beigetragen hat, nicht als Autor erscheint, ist dies eine Sauerei. Sich dagegen zu wehren, hilft nichts. Die Autorenliste wird nach Veröffentlichung nicht geändert.

    Als Doktorand kann man sich da nur fragen, ob man aufhört oder weitermacht. Das Vertrauensverhältnis ist gestört. Das Engagement nimmt ab. Dies habe ich selber erlebt aber duchgezogen.
  9. #9

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Auch wenn dies Ungerecht erscheinen mag, gehört dies dazu. Die Antragsteller für Drittmittel sind in der Regel wissenschaftliches Personal und Doktorväter. Publikationen sind eine Art Arbeitsnachweis und die Voraussetzung für weitere Förderung.

    Wenn der Name des Doktoranden, Diplom- oder Master-Studenten, der mit Daten zu einer Publikation beigetragen hat, nicht als Autor erscheint, ist dies eine Sauerei. Sich dagegen zu wehren, hilft nichts. Die Autorenliste wird nach Veröffentlichung nicht geändert.

    Als Doktorand kann man sich da nur fragen, ob man aufhört oder weitermacht. Das Vertrauensverhältnis ist gestört. Das Engagement nimmt ab. Dies habe ich selber erlebt aber duchgezogen.
    Weitermachen. Obwohl irgendwann auch mal die Frage gestellt werden darf: Hebt ein Dr.-Titel die Persönlichkeit eines Fritz Schulze? Ich habe eine Diplomarbeit geschrieben, viel zitiert, mit Quellenangabe, alles auf Schreibmaschine getippt, das Farbband habe ich häufiger mal wechseln müssen. Geneidet hat mir die Arbeit niemand, ich fühle mich auch nicht elitärer dadurch. Es war halt ein Nachweis, dass ich gelernt habe.