Reaktionen: Staeck verteidigt Grass

dapd"Man muss ein klares Wort sagen können": Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, hat Günter Grass in Schutz genommen. Es dürfe keine "reflexhafte Verurteilung" geben. Negativ bewerten dagegen viele Politiker und Zeitungen die Israel-Schelte des Schriftstellers.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...825876,00.html
  1. #1

    Antisemitismus

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Man muss ein klares Wort sagen können": Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, hat Günter Grass in Schutz genommen. Es dürfe keine "reflexhafte Verurteilung" geben. Negativ bewerten dagegen viele Politiker und Zeitungen die Israel-Schelte des Schriftstellers.

    Reaktionen: Staeck verteidigt Grass - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Zunächst: Ich finde Grass hat unrecht. Das ist aber nicht das worum es mir geht.
    Mir gefällt nicht, dass jede Kritik am Staat Israel mit dem Totschlagargument "Antisemitismus" belegt wird. Kritik an Deutschland wird auch nicht mit "Antigermanismus" abgebügelt.
    Davon Abgesehen finde ich aber schon das D nicht zu letzt auf Grund des Holocoust eine Verpflichtung hat sich gegen jeden Rassismus zu engangieren und einzusetzen. Deshalb darf aber schon Israel kritisieren und die Lieferung der U-Boote kritisch hinterfragen.
  2. #2

    titel

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Man muss ein klares Wort sagen können": Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, hat Günter Grass in Schutz genommen. Es dürfe keine "reflexhafte Verurteilung" geben. Negativ bewerten dagegen viele Politiker und Zeitungen die Israel-Schelte des Schriftstellers.

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    Hahaha. Ein Anschlag auf Israels Existenz? Kann man also doch noch peinlicher daherkommen als Broder.
  3. #3

    Dahinter steckt immer ein kluger Kopf

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Man muss ein klares Wort sagen können": Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, hat Günter Grass in Schutz genommen. Es dürfe keine "reflexhafte Verurteilung" geben. Negativ bewerten dagegen viele Politiker und Zeitungen die Israel-Schelte des Schriftstellers.

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    Merkwürdig, gerade die Leute die in der Vergangenheit kein Blatt vor den Mund genommen haben, wollen jetzt vorschreiben was andere sagen dürfen und was nicht.
  4. #4

    Mag sein, daß man zukünftig gut damit fährt, zunächst das Gegenteil zu behaupten

    Zitat von neu_im_forum Beitrag anzeigen
    Zunächst: Ich finde Grass hat unrecht. Das ist aber nicht das worum es mir geht.
    Mir gefällt nicht, dass jede Kritik am Staat Israel mit dem Totschlagargument "Antisemitismus" belegt wird. Kritik an Deutschland wird auch nicht mit "Antigermanismus" abgebügelt.
    Davon Abgesehen finde ich aber schon das D nicht zu letzt auf Grund des Holocoust eine Verpflichtung hat sich gegen jeden Rassismus zu engangieren und einzusetzen. Deshalb darf aber schon Israel kritisieren und die Lieferung der U-Boote kritisch hinterfragen.
    These: Grass hat unrecht.

    Frage:
    Hat Grass unrecht mit der Behauptung, die israelische Regierung sei in letzter Zeit enorm aggressiv ?
    Hat Grass unrecht mit der Behauptung, Israel verfüge über Atomwaffen - und deklariere dies nicht ?
    Hat Grass unrecht, wenn er, konform mit dem Völkerrecht, den Erstschlag verurteilt?
    Hat Grass unrecht, wenn er sich vor einem dritten Weltkrieg fürchtet?
  5. #5

    Schweigen ist noch schlimmer

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Man muss ein klares Wort sagen können": Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, hat Günter Grass in Schutz genommen.

    Reaktionen: Staeck verteidigt Grass - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Schweigen ist noch schlimmer, als entgegen dem politischen Mainstream Wahrheiten auszusprechen.

    Fakt ist nur, mit über 80 Jahren kann ein Schriftsteller so etwas wagen, sich so etwas erlauben, oder ein Kind (siehe: "Des Kaisers neue Kleider")
  6. #6

    "Mit dem Tabu gegenüber Kritik ...verhindert man keine Antisemiten, man schafft sie"

    Die Überschrift ist die Quintessenz des Beitrags eines Foristen, dessen Beitrag mir abgestürzt ist, und dem ich mich nur anschließen kann.
    Mag sein, der "Zentralrat der Juden" verhindert eine differenzierte Berichterstattung aus/über Israel - keine Ahnung.
    Ich wünschte mir zukünftig Beiträge wie aus der NZZ, aus denen hervorgeht, das es in Israel auch durchaus "normale" Menschen gibt und nicht nur Hardliner, über die die DEUTSCHEN MEDIEN berichten.
    Hierfür beispielhaft:
    Vollendete Tatsachen (Politik, International, NZZ Online)

    Auch über das Freihandelsabkommen für Landwirtschaftliche Produkte
    seitens der EU (beschränkt auf 2 Jahre) fand ich SELTSAMERWEISE in den deutschen Zeitungen NICHTS.
    Darauf aufmerksam wurde ich durch einen entsprechenden Bericht in der NZZ.
    Das riecht (mir) schon fast nach Zensur.

    Ich finde es ausgesprochen nützlich, dass G.Grass dieses, nennen wir es "Gedicht", veröffentlicht. Es ist ein wichtiger Denkanstoß.
    Wobei Herr Grass sich nur auf jene Informationen bezieht und diese verarbeitet, die HIER IN DEUTSCHLAND frei zugänglich sind.
    Insofern ist die -sehr subjektive- Kritik eines Herrn Wolffsohn oder eines "Tom ....ev" verfehlt, weil Herrn Grass bzw. uns Informationen z.B. über Aussagen eines ehemaligen Mossad-Chefs nicht zur Verfügung stehen, bzw. vorenthalten werden.
  7. #7

    An Herrn Grass

    Auf des Hauptes Haar so still
    Kratze ich verrucht hin und her,
    weil ich mir was überlegen will.
    Mein Geist, er ist ja ach so schwer.
    Drum stütze ich mit meinen zitternden Händen ihn sehr.
    Wenn ich auf meine letzte Tinte blicke…
    Nein, das möchte‘ ich doch nicht schreiben!
    Von vorn:
    Im schillernden Grass fand ich freudig einen grünen Halm
    Nein! Ich möchte etwas sagen, weil ich so nötig muss…
    Nein, jetzt hab‘ ich’s. So kann es bleiben:
    Was ich sagen muss – und gar eifrig ringe ich um Worte –
    Ist, was mir gar nicht recht gefällt:
    Soweit ich es recht aus den Medien verstand –
    Und deshalb will ich schweigen nimmermehr –
    Unsere Regierung U-Boote nach Israel entsand.
    Da nun Israel und Iran verfeindet
    und diese Boote man am Land nicht sieht,
    so glaube ich, dass von Israel eine Gefahr ausgeht.
    Und dies bedrückt mich ach so sehr.
    Ein Krieg, ein Krieg, das ist es, was vor der Türe steht.
    Ach, die Worte! Ach, die Worte!
    Sie trommeln wie Blech aus meinem süßen Mund.
    Nein! Wie ist es doch gediegen:
    Hätt‘ ich mal bloß geschwiegen!
  8. #8

    .

    Was ist an dem Gedicht denn israelkritisch oder antisemitisch? Er kann inhaltlich recht haben oder unrecht haben. Was richtig und falsch ist, weiß niemand. Selbst die weltweiten Experten sind sich uneinig, aber selbst die USA warnen vor einem Angriff auf den Iran. Und die sind eher nicht antisemitisch!
    Die reflexartigen Verurteilungen von Grass sind einfach nur albern und helfen niemandem.

    Da ein Präventivschlag die ganze (westliche) Welt in Mitleidenschaft ziehen würde - sehr zur Freude der Möchtegerngroßmächte China, Indien und Russland - ist es wohl nur recht und billig, dabei auch mitzureden. Wieso darf ein Schriftsteller das dann plötzlich nicht?
    Selten ist es klarer geworden, dass die Freiheit in der heutigen Welt abgenommen hat. Mittlerweile gibt es viel zu viele Denk- und Meinungsverbote! Zwar gibt es nur wenige juristische Verbote - diese meistens auch zu recht - aber moralische Verurteilungen haben Hochkonjunktur.

    Statt sich tatsächlich inhaltlich auseinanderzusetzen, empört sich sofort der Moralmob (schöner Begriff aus der ZEIT der letzten Woche) und versucht damit, jede ernsthafte Diskussion zu unterbinden.

    Es ist ja auch schön einfach: Kann man intellektuell nicht mithalten, hält man eben die angebliche Moralflagge hoch, die sich so schön populistisch nutzen lässt, und hat sofort die Deutungshoheit.
    Dass diese Vorgehensweise ein sehr starker, weil lange anhaltender Rückschritt ist und uns langfristig ins Mittelalter zurückfallen lässt, ist offensichtlich!
  9. #9

    Ich wundere mich nur...,

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Merkwürdig, gerade die Leute die in der Vergangenheit kein Blatt vor den Mund genommen haben, wollen jetzt vorschreiben was andere sagen dürfen und was nicht.
    Dass wir uns hier in der letzten Ecke äußern dürfen. Offensichtlich ist vielen Leuten nichts zu peinlich. Der Antisemitismusvorwurf ist natürlich überhaupt nicht substanziell begründbar. Von den vielen Keulen schwingenden Publizisten merkt keiner, dass er überzieht und seiner Sache, Israels Sicherheit, massiv schadet durch gesteigerte Unglaubwürdigkeit und Peinlichkeit. Es ist nämlich tatsächlich an der Zeit Israel auszubremsen, wie das die US-Administration schon tut.

    Natürlich ist es völlig egal, ob wir Grass im Verdacht haben können, er wolle mit letzter Tinte noch einmal Aufmerksamkeit heischen. Es ist auch völlig schnurz, ob Grass in der SS war. Allein der Text ist Grund für die Kritik an ihm und allein der Text muß den Antisemitismusvorwurf begründen können.

    Peinlich, peinlich, peinlich sind die pawlowschen Reflexe von Hendrik Broder. Herrn Graumann sei wegen seiner noch viel peinlicheren Vorgänger verziehen. Seine Bemerkungen waren auch daneben, aber können noch als maßvoll angesehen werden.

    Es erhebt sich auch die Frage nach der merkwürdig unkritischen Loyalität der Antisemitismus-Exponenten. Es gibt doch andere, sogar israelische Stimmen, die auf die Gefahren der übertriebenen Eretz-Israel-Politik der Regierung hinweisen.