Von Rechts wegen: Du sollst nicht falsch Zeugnis geben

CorbisGelogen wird in Firmen jeden Tag, gerade in Arbeitszeugnissen. "Wohlwollend" sollen sie formuliert sein. Das führt oft zu Knatsch zwischen Chef und Angestellten: Wann ist ein Lob ehrlich, wann ist Gift versteckt in einem Geheimcode, den Personaler sofort entschlüsseln?

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...825835,00.html
  1. #1

    Arbeitsbescheinigung reicht

    Ich finde es schrecklich mit den Arbeitszeugnissen.
    Wofür hat man dann noch eine Probezeit? Nach meinem Empfinden müsste man doch einem Punkt Glauben schenken können und der andere könnte dann wegfallen.

    Wenn ich dem Zeugnis glaube, müsste die Probezeit wegfallen. Tut sie aber nicht, weil dem Zeugnis eh keiner glaubt. Also: Zeugnis unnötig, Arbeitsnachweis von wann bis wann man dort gearbeitet hat, reicht. Und wenn ich wirklich als Personaler wissen will, was sich dort zugetragen hat, dann kann man immer noch anrufen.
  2. #2

    Zitat von kira1615 Beitrag anzeigen
    Und wenn ich wirklich als Personaler wissen will, was sich dort zugetragen hat, dann kann man immer noch anrufen.
    Das mach ich eigentlich immer, wenn im Zeugnis irgendwelche merkwürdigen Formulierungen auftauchen oder ich meine Bedenken bei einem sehr guten Zeugnis habe. Das persönliche Gespräch ist im Zweifel viel informativer als ein Stück Papier, um das möglicherweise sogar vor Gericht gestritten worden ist.

    Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass viele Zeugnisse aus mittelständischen oder kleinen Firmen stammen, bei denen auch mal der Chef oder Vorgesetzte schnell das Zeugnis schreiben muss.

    Und da kommt dann mal auch ein unübliche Formulierung zustande, die aber eigentlich positiv gemeint war.
  3. #3

    Zitat von kira1615 Beitrag anzeigen
    Ich finde es schrecklich mit den Arbeitszeugnissen.
    Wofür hat man dann noch eine Probezeit? Nach meinem Empfinden müsste man doch einem Punkt Glauben schenken können und der andere könnte dann wegfallen.
    Warum gibt es bei uns Arbeitszeugnisse?

    Ganz einfach, man kann so ungeliebte AN herausloben aber auch in Kündigungsstreitigkeiten dem AN Feuer unterm Hintern machen, damit er einer "gütigen" Einigung zustimmt.

    Ob ein AN auf einer neuen Stelle die gleiche Leistung überhaupt bringen kann, kann man nie einem Zeugnis entnehmen. Das Umfeld und auch die Arbeit als solche bei der neuen Arbeitsstätte eben komplett anders. Daher ist genaugenommen ein Zeugnis für die Eignung so gut wie wertlos.

    Vermutlich hätte ohne das KSchG auch in D wie in vielen anderern Ländern das Zeugnis so gut wie keine Bedeutung.


    Leider nutzen und können vielleicht die AG die Probezeit zur richtigen Beurteilung nicht ausnutzen. Auch gibt es manchmal zwischenmenschliche Probleme (beispielsweise neuer Vorgesetzter). Wenn sich dann der AN nicht flexibel zeigt, gibt es nicht selten unlösbare Probleme.
  4. #4

    deutscher Bürokratenblödsinn

    Ich durfte meine letzten drei Arbeitszeugnisse selbst schreiben. das sagt wohl alles. inzwischen fordere ich keines mehr an. falls ich beim Jobwechsel danach gefragt werde ist die Antwort auch eindeutig.
    Solch einen Blödsinn machen eh nur wir deutschen. in anderen Ländern interessiert es keinen und es will auch keiner haben. Ein schweizer Unternehmen hat mich mal gefragt, was sie damit machen sollen ;) => ab in die Tonne damit!
  5. #5

    :) Stimmt!

    Zitat von Graphite Beitrag anzeigen
    Ich durfte meine letzten drei Arbeitszeugnisse selbst schreiben. das sagt wohl alles. inzwischen fordere ich keines mehr an. falls ich beim Jobwechsel danach gefragt werde ist die Antwort auch eindeutig.
    Solch einen Blödsinn machen eh nur wir deutschen. in anderen Ländern interessiert es keinen und es will auch keiner haben. Ein schweizer Unternehmen hat mich mal gefragt, was sie damit machen sollen ;) => ab in die Tonne damit!
    In anderen Ländern interessiert es keinen Menschen (Personaler) was in deutschen Zeugnissen drinsteht. Es lässt sich auch keiner übersetzen bzw. man muss auch keine Übersetzung beilegen. Es reicht ein Lebenslauf und die Probezeit. Naja, Deutschland und Bürokratie passen einwandfrei zusammen. Kostet ja auch überhaupt kein Geld. Achja, da hab ich wieder was verpasst. Die Post muss ja verdienen, der Kopierladen um die Ecke auch, denn Online-Bewerbungen haben sich ja auch noch nicht durchgesetzt.
  6. #6

    Arbeitszeugnisse sind Augenwischerei

    Die Formulierungen sind seit Jahren bekannt und in Büchern nachzulesen. Ich habe ein Zeugnis schon dreimal zurückgegeben, bis es mir zuträglich erschein. Meist habe ich es aber selbst geschrieben, und dann war es wohl zu gut. Interessiert den Personaler aber gar nicht. Er hat ein Telefon und fragt den Kollegen. Oder der alte Chef den neuen Chef.

    Das Wichtigste am Zeugnis ist übrigens das, was nicht drinsteht.

    Daß viele Chefs und auch Personaler gar nicht wissen, wie man ein zeugnis aufsetzt, ist ein gespondertes Thema. Die meisten Einstellungen laufen ohnehin über Empfehlungen und Bekanntheit. Die Nichteinstellungen auch. Die Definition für schwarze Schafe ist eindeutig.
  7. #7

    Arbeitszeugnisse sind inzwischen sehr standardisiert

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen
    Die Formulierungen sind seit Jahren bekannt und in Büchern nachzulesen. (...) Meist habe ich es aber selbst geschrieben, und dann war es wohl zu gut. (...)
    Daß viele Chefs und auch Personaler gar nicht wissen, wie man ein zeugnis aufsetzt, ist ein gespondertes Thema.
    Stimmt alles, und habe ich ebenfalls so erlebt. Zeugnisse sind inzwischen deutlich standardisierter, als man oft liest. (Ein dubioser "Geheimcode" lockt eben viele Leser an, ähnlich wie "geheime Tricks" für höheres Gehalt etc.) Viele Zeugnisse sind doch deswegen auch automatisch generiert, siehe z.B. Arbeitszeugnisgenerator.de. Letztendlich ist diese Standardisierung einerseits gut für alle, auf der anderen Seite könnte man sich das Trara um Formulierungen sparen und sich im Wesentlichen auf klar kommunizierte Noten von 1 bis 6 einigen. Manche Konzerne machen sowas (zusätzlich zum rechtlich erforderlichen Zeugnis), habe das z.B. bei BMW mal gesehen.
  8. #8

    Zitat von ksail Beitrag anzeigen
    Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass viele Zeugnisse aus mittelständischen oder kleinen Firmen stammen, bei denen auch mal der Chef oder Vorgesetzte schnell das Zeugnis schreiben muss.
    Nein, das muss er nicht. Das Zeugnis textet der Mitarbeiter selbst und lässt es einen Profi überarbeiten. Der Chef unterschreibt es nur (ggf. nachdem es die Sekretären nochmal auf Firmenbriefpapier getippt hat).

    Mir wollte z.B. mal ein Ex-Chef attestieren, ich habe einen "gewöhnungsbedürftigen Arbeitsstil". Den Zeitaufwand, sich ein zweitesmal damit zu befassen (bei zweitenmal mit dem von mir getexteten) hätte er sich sparen können, und ich kann mir nicht vorstellen, dass einer der noch alle Tassen im Schrank hat bis vor Gericht geht um als Chef dickköpfigerweise das Zeugnis selber zu texten.
  9. #9

    Zitat von kenzino Beitrag anzeigen
    Herrlich :-) Was noch fehlt ist "Er verlässt unser Unternehmen auf unseren Wunsch, was er sehr bedauert."