Debatte über Urheberrecht: Wenn Ameisen Grillen grillen

Was für eine verlogene Debatte! Der Streit um Urheberrecht und Netzkontrollen ist hoffnungslos verfahren. Es geht schon lange nicht mehr um Kunst und Künstler, sondern nur noch um Stars.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...825385,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was für eine verlogene Debatte! Der Streit um Urheberrecht und Netzkontrollen ist hoffnungslos verfahren. Es geht schon lange nicht mehr um Kunst und Künstler, sondern nur noch um Stars.

    Debatte über Urheberrecht: Wenn Ameisen Grillen grillen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    herr lobo, habe nur die die überschrift und tl, dnr gelesen und spüre schon tiefe übereinstimmung, die ich mit dem evergreen "nichts neues unter der sonne" kundtun möchte. vor zehn jahren haben alle geglaubt, das internet überbringe der menschheit eine art geisteshostie; alle werden klüger, alles wird gerechter, usf. die wahrheit ist aber: "there are just more idiots. look around".
  2. #2

    Kunst kommt von Können

    Da hat sich der Herr Künstler Lobo aber ein wenig verrannt. Nicht jeder der sich Künstler nennt, ist auch einer.
    Die meisten Leute wissen, dass sie nicht gut genug sind, um ihre Brötchen mit singen, malen oder tanzen verdienen zu können und wählen einen langweiligeren, aber einträglicheren Beruf.

    Diejenige, die es trotz fehlender Fähigkeiten versuchen (und manchmal auch kurzfristig schaffen), werden belächelt und etwas herablassend behandelt.
    Diejenigen, die über herausragende Fähigkeiten verfügen und deshalb Erfolg haben, werden entsprechend bewundert.
    Erfolg ist kein Selbstläufer. Es gibt immer einen Grund warum es Künstler zu Erfolg bringen und der hat fast immer mit Können zu tun.
    Der Rest der Argumentation von Herrn Lobo ist damit eigentlich hinfällig...
  3. #3

    Sehr nett und grundlegend nicht zu widersprechen, jedoch...

    es fehlen leider noch weitere Aspekte. Urheberrecht betrifft nicht nur Künstler. Auch und sehr sind Wissenschaftler davon betroffen, wenn Vermarkter von Veröffentlichungen Hand darauf legen. Dies wird immer und gerne übersehen.
    Ein sinnvolles Urheberrecht muss auch diesen Bereich korrekt abdecken.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was für eine verlogene Debatte! Der Streit um Urheberrecht und Netzkontrollen ist hoffnungslos verfahren. Es geht schon lange nicht mehr um Kunst und Künstler, sondern nur noch um Stars.
    Was will Herr Lobo uns eigetlich sagen. Dem erfolglosen Künstler kann das Uhrheberrecht natürlich völlig wurst sein, denn sein Ergüsse werden weder gekauft noch runtergeladen, damit ergeht es ihm aber nicht anders als dem Schreiner, der schiefe Tische baut.

    Kunst ist doch nicht wertvoll nur weil der Künstler sie dafür hält. Davon abgesehen ist es natürlich schon gewagt ehemalige DSDS oder GNTM Kanditaten als Künstler zu bezeichnen, da kann man auch gleich jeden, der in der Badewanne singt Künstler nennen.

    Fakt ist natürlich der erfolgreiche Künstler wird nicht zuletzt aufgrund des digitalen Zeitalters überdurchschnittlich entlohnt. Musste ein Shakespeare noch von Ort zu Ort ziehen um seine Kunst an den Mann zu bringen reicht heute einmal Youtube oder Itunes einstellen aus, um die Kohle einzufahren und selbt 75 Jahre nachdem der arme Kerl ins Gras bebissen hat verdienen die Verwertungsgesellschaften gut an seiner Hinterlassenschaft. Der Schreiner kassiert leider nur einmal für den Tisch, danach muss er einen neuen bauen.
  5. #5

    hier irrt Sascha und das gleich mehrfach

    erstens: "Verdienen" hat nichts (und hat auch noch nie) mit Arbeit zu tun gehabt; wenn ich etwas anbiete (z.B. meine Arbeitskraft oder ein Gemälde) hat das genau DEN Wert, den ein anderer dafür zu zahlen bereit ist. Im Fall eines Investmentbankers führt das viellelicht zu 100 Mio, im Fall eines Krankenpflegers vielleicht zu 30 T€ (jeweils p.a.); und wenn es jemand anderen gibt, der das gleiche für weniger anbietet (also der osteuropäische Krankenpfleger z.B.), wird der Preis fallen.

    Und bei Künstlern ist das genau so: wenn Lady Gaga 100€ Eintritt verlangt und hunderttausende das gerne zahlen, wird sie reich. Und wenn mir mit meinem Klavier maximal 100 Leute zuhören wollen und dann höchstens ein paar hundert Euro am Abend an (Brutto!) Einnahmen rauskommen: hat das wohl weniger mit meiner Arbeit, meinem vielen Üben, meinen Kompositonen oder der reinen Menge an Arbeitsstunden zu tun. aber hey, that´s live. (und dafür hab ich auch einen Zweitjob, der mir Auto, Klavier, Wohnung und Leben finanziert)
    der zweite Irrtum bei Sascha: das Internet hat vor allem eine Eigenschaft, die für Kulturschaffende relevant ist: es reduziert die Reproduktionskosten auf 0. Will sagen: wenn ich eine CD aufnehme und verkaufe (und Studio zahle, Druckkosten, Vermarktung, Distribution, Lieferung ...) trägt der Preis der CD ein Gesamtpaket an Aufwand, von denen mein Anteil als Künstler (Autor, Interpret und Produzent) ein sehr kleiner ist (rund 1€ pro CD);

    die Kopie im Internet etlässt mich von Vermarktung, Presskosten, Druckkosten, Distribution, Abrechnung etc.; und da verstehen es die meisten Kulturkonsumenten eben nicht, dass der Preis eines Downloads dann trotzdem gleich hoch ist, wie die gekaufte CD, was ich persönlich durchaus nachvollziehen kann;

    aus meiner Sicht fehlt es an vernünftigen (einfachen) Strukturen, wie ein fairer (von allen Seiten als fair empfundener) Preis zustande kommt und dann auch zur Abrechnung kommt. Wenn ich pro CD nur 1€ als Künstler und Produzent bekomme, die CD aber für 10€ bei iTunes gekauft werden muss, fehlt noch ein direkterer Weg, auf dem ich selber mich vermarkten kann. (und Amazon hat in Richtung Bücher da erste Ansätze, die zukunftsträchtig aussehen!)

    so oder so: Plattenfirmen, Verlage und das ganze Gedöhns wird den Weg von Q-Cells gehen, wenn sie nicht sehr schnell ihre Geschäftsmodelle aktualisieren
  6. #6

    Ergänzung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was für eine verlogene Debatte! Der Streit um Urheberrecht und Netzkontrollen ist hoffnungslos verfahren. Es geht schon lange nicht mehr um Kunst und Künstler, sondern nur noch um Stars.

    S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Wenn Ameisen Grillen grillen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    Es geht sogar noch weiter: Von der Kapitalisierung der Kunst haben, wenn überhaupt, vor allem Künstler profitiert, deren Werke sich sehr einfach vervielfältigen lassen: Zunächst die Schriftsteller, mit der Entwicklung der Musikmaschinen und später der Tonträger die Musiker, schließlich die Filmkünstler wie Schauspieler und Regisseure.

    Die Hauptprofiteure waren aber diejenigen, die die Kunst zur Ware machen konnten, die Vervielfältiger und diejenigen, die ein Kunstwerk für die Vervielfältigung vorbereiten konnten, also Druckereien, Verlage und Agenturen.
    Sie lebten davon, dass es für den Nutzer einfacher war, eine Kopie anfertigen zu lassen als selbst eine zu fertigen. Ein Buch abzuschreiben istbereits überaus aufwändig, ein Gemälde nachzumalen ebenfalls, und um Beethovens Neunte jederzeit hören zu können, muss man ohne Kopiermöglichkeit ein ganzes Orchester entweder anwerben oder selbst anlernen. Dieser Preisvorteil war die Grundlage für das Geschäft mit Kunst.

    Es hat über 250 Jahre gedauert, um von den ersten Druckrechten (Imprimatur) im 15. Jahrhundert bis zur Einsicht zu kommen, dass auch die Künstler im Grunde von diesem Geschäft profitieren sollten. Erst im 18. Jahrhundert gab es mit dem Statute of Anne eine generelle Vergütungspflicht der Vervielfältiger an die Urheber zumindest in einem Land, und erst im 19. Jahrhundert mit der Konvention von Bern eine länderübergreifende Vereinbarung.

    Aber nun ist genau dieser Konstruktion ihre Grundlage entzogen. Es ist für den Nutzer nicht mehr zu aufwändig, sich seine Kopien selbst zu erstellen. Das Problem ist nicht das Internet. Das Problem ist der private Computer, der alle Daten, die durch ihn durchlaufen, beliebig oft ohne Aufwand perfekt kopieren kann. Er ist in der westlichen Welt für jeden erschwinglich. Damit ist der tatsächliche materielle Wert einer Kopie, also der Aufwand für den Nutzer, eine weitere Kopie zu erstellen, nahezu Null geworden. Und deswegen ist es so schwer, Geld für Kopien einzutreiben - derjenige, der die Kopie vornimmt, ist nicht mehr derjenige, der den Künstleranteil für die Kopie beim Nutzer eintreibt.

    Das Problem haben zum Beispiel die Architektur oder die Bildhauerei bisher nicht - es ist auch heute für den einzelnen schwer, eine Statue zu kopieren, geschweige denn ein ganzes Gebäude. Das Kunsthandwerk steht auf der Kippe. Der einzelne Nutzer kann zwar die Gegenstände nicht einfach kopieren, aber der Arbeiter im Billiglohnland kann es günstiger als der einheimische Kunsthandwerker. Und Künste, für die nie ein Urheberrecht galt wie Modedesign oder die Kochkunst haben von vornherein andere Strategien gewählt - Designs haben zum Beispiel ein Verfallsdatum, welches eher kommt als der potenzielle Kopierer den Schnitt in seiner Schneiderei nachahmen kann, und die Kochkunst zelebriert die Einmaligkeit ihrer Kreationen: Nur das Essen des Spitzenkochs im richtigen Ambiente zählt, und alles andere wird als minderwertig erklärt.

    Bei aller Anpassung von Internet an Urheberrecht oder Urheberrecht an Internet, das generelle Problem wird damit nicht gelöst: Das Geschäft mit der Kopie für andere ist tot, da Kopierer und Nutzer die gleiche Person sind.
  7. #7

    Herr Lobo hat schon einen Punkt...

    Aber der Reihe nach:
    - Vielleicht sind auch so wenige Nicht'künstler' im Dschungelcamp, weil sie nicht ganz so grenzdebil und kamerageil sind, oder sich besser unter Kontrolle haben. Wie Herr Lobo sagt ist Erfolg für Künstler leicht messbar. Er hängt direkt mit Aufmerksamkeit zusammen. Deshalb ist das Dschungelcamp für Künstler gut. Für Politiker (noch am ehesten), Manager (schon weniger) und Wissenschaftler (garnicht) bietet das keinen Gewinn. Ich denke nicht, dass es von denen so wenige im Dschungelcamp gibt, weil keiner über sie lachen will, sondern weil sie sich nichts Positives davon versprechen. Wer würde nicht gerne Guttenberg oder Ackermann im Dschungelcamp sehen?
    - Viele Künstler sind kommerziell wenig erfolgreich. Das muss nicht immer heißen, dass sie schlechte Künstler sind. Das trifft bei einem Teil zu, aber bei anderen liegt es einfach am geringen Markt. Besonders in anspruchsvoller Gebieten ist das zu beobachten. Ich will keine Kunstform über eine andere erhöhen. Aber versuchen sie mal mit fundierter Sozialkritik beispielsweise aus dem Kabarettbereich die Umsatzzahlen der Volksmusik (oder wie man das, was zum Beispiel Helen Fischer vertritt, bezeichnet) zu erreichen. Fazit: nicht alle kommerziell erfolglosen Künstler sind unbegabt.
    - Wir brauchen ein neues Urheberrecht. Bravo Herr Lobo! Vorschläge? Keine?! ahja...
  8. #8

    so ganz habe ich dem Inhalt jetzt nicht folgen können ...

    ... und finde die Argumentation nicht konsistent oder zielführend oder ganz treffend - ABER dass eine Partei in Deutschland momentan 12% Zuspruch in Umfragen erfährt, nur weil sie das mehr oder weniger urheberfreie Internet propagiert, lässt mich mehrmals täglich erschrocken zusammenfahren!
  9. #9

    Erfolg ist kein Selbstläufer

    Zitat von keenox Beitrag anzeigen
    Erfolg ist kein Selbstläufer. Es gibt immer einen Grund warum es Künstler zu Erfolg bringen und der hat fast immer mit Können zu tun.
    Der Rest der Argumentation von Herrn Lobo ist damit eigentlich hinfällig...
    das mag wohl für so gut wie für alle anderen Branchen gelten... Natürlich kann man das auch den Künstlern attestieren, die jahrelang in der Garage oder auf kleinen Festen spielen bis Ihnen der Durchbruch gelingt.

    Aber genau dieser ist doch in der Branche mehr als abhängig von den richtigen Kontakten, zur richtigen Zeit am richtigen Ort...usw. Glück ist in dieser Branche m.E. weitaus wichtiger als das Basisrüstzeug von Schauspielern o Sängern. Denn auch die Erfolgreichen sind fast alle jederzeit austauschbar.
    Ich kann dem Beitrag von Herrn Lobo nur vollumfänglich zustimmen. Ihr Einwand bzw. Ihre Unterteilung hingegen, mutet schon etwas seltsam an.