Erste Hilfe Karriere: Wie ist der bloß Chef geworden?

CorbisMäßige Mitarbeiter werden so lange befördert, bis es nicht mehr weitergeht: also ins Management. Darunter leiden Kollegen, Kunden und die frischgebackenen Führungskräfte selbst. Oft starten sie selbst als Fachmann. Auf dem Chefsessel verkommen sie zum Schwachmann.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...824913,00.html
  1. #20

    Filz

    Zitat davidnopotis Es bleibt kein Zweifel: Die Vergabe von öffentlichen Ämtern dient als Erbhof zur Versorgung des eigenen Klientels.
    Ich arbeite in einer öffentlichen Verwaltung. Diese ist über die Jahrzehnte verfilzt, dh sämtliche Führungspositionen sind von Parteigenossen besetzt, bzw. von Mitgliedern parteinaher Organisationen. Da die SPD regiert, sind dies ASB (ArbeiterSamariterBund) oder AWO (Arbeiterwohlfahrt). In anderen Verwaltungen mag dies eine andere Partei sei. Weitere Pluspunkte sind natürlich Verwandschaftsverhältnisse. Die Qualität der Führung ist entsprechend, dh der Besitz des Parteibuches ist ausreichend, sonstige Fähigkeiten werden nicht vorausgesetzt. Sollte eine Stelle neu ausgeschrieben werden, so steht in der Regel der Kronprinz/prinzessin schon fest und es werden Statisten gesucht, die dem Ganzen den offiziellen Rahmen verleihen. Intern kann man sich erkundigen und sich die Bewerbung sparen, Externe haben diese Möglichkeit nicht und investieren leider ins Leere. So wurde für eine Führungsposition ein Ingenieur oder technischer Kaufmann gesucht, die Stelle wurde letztendlich mit einem Verwaltungsmann ohne technische oder kaufmännische Qualifikation besetzt, aber das Parteibuch stimmte. Auch bei einfachen Stellen gilt das Schema; ein Betriebsleiter musste eine Fahrerstelle neu besetzen. Die Stelle wollte er aufgrund von grossem Interesse nur intern ausschreiben; die Personalabteilung wies ihn daraufhin an, die Stelle auch extern auszuschreiben – Kosten der Annonce 800 Euro – man will sich mit dem Provinzblatt auch gut halten. Bewerbungen trudelten dann waschkörbewiese an. Am Ende bestimmte der Bürgermeister die neue Kraft – ein Mann bekam die Stelle, der sich nicht beworben hatte, aber der Bürgermeister musste irgendwem einen Gefallen erfüllen.
  2. #21

    Social Leadership

    Klar, ein ausgezeichneter Fachmann ist noch lange keine ausgezeichnete Führungskraft. Mit gezielter Vorbereitung auf die Spielregeln und Anforderungen der neuen Position kann man aber schon aus manchem hervorragenden Experten auch einen hervorragenden Manager machen (sicher nicht aus jedem). Grundsätzlich ist der Ansatz ja positiv, den Kräften aus dem eigenen Unternehmen Führungsverantwortung zu übertragen. Leider wurde die dazu nötige Vorbereitung in den letzten Jahren in vielen Unternehmen stark vernachlässigt. Aktuell beobachte ich aber, dass, u.a. bedingt durch den Fachkräftemangel, in vielen Branchen ein Wandel stattfindet und der ist auch dringend nötig. Ich denke Unternehmen, in denen ein überkontrollierender oder streng hierarchischer Führungsstil noch Usus ist, werden sehr bald umdenken müssen. Durchsetzen werden sich am Markt meines Erachtens Unternehmen, die sukzessive eine moderne, transparente Unternehmens- und Führungskultur etablieren. Stichwort: Social Leadership.
  3. #22

    Das Beispiel ist sehr konstruiert

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mäßige Mitarbeiter werden so lange befördert, bis es nicht mehr weitergeht: also ins Management. Darunter leiden Kollegen, Kunden und die frischgebackenen Führungskräfte selbst. Oft starten sie selbst als Fachmann. Auf dem Chefsessel verkommen sie zum Schwachmann.

    Erste Hilfe Karriere: Wie ist der bloß Chef geworden? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Wenn man keine Freude am Umgang mit Menschen hat, wird man nicht Chef. Wenn man Manager wird, muss man das auch wollen. Das ein Vorgesetzter irgend einen Mitarbeiter mit Null Bock auf Chef sein zum Manager macht, ist unwahrscheinlich. In der RK ist das möglich aber nur da.
  4. #23

    gut gebasht ist halb geschrieben

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Jeder rostige Gabelstapler wird professioneller geführt als die Mitarbeiter. Die meisten Vorgesetzten kommen in ihr Amt ohne Vorbereitung und ohne Qualifikation. Sie fallen als Meister vom Himmel.

    Erste Hilfe Karriere: Wie ist der bloß Chef geworden? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Jaja.
    Sind ja alle so.
    Schon mal was von Führungskräftetraining gehört?

    Klar, ich kenne auch so ein paar Typen, die Schneisen der Verwüstung hinterlassen, meine frühere Abteilungsleitung hat es in einem unternehmenskritischen Bereich innerhalb eines Jahres geschafft, Experten mit insgesamt über 80 Jahren Diensterfahrung aus dem Unternehmen zu vergraulen. Wohlgemerkt Expertenwissen, dass auf dem Markt kaum oder nur zu absurden Preisen erhältlich ist.

    Es dauert eben ab einer gewissen Abwärtsspirale sehr lange, bis ein größerer Laden dann personalbedingt in den Sturzflug geht. Die Szene lacht über meinen früheren Arbeitgeber, der auch in der Presse öfter negativ in Erscheinung trat.

    Aber ganz ehrlich: Wenn ein Laden so richtig den Bach runtergeht, ist das Jammern der Betroffenen oft nur ein Ausdruck davon, dass man selber das System stabilisiert hat - oder gar Ursache dafür ist.

    Gekniffen sind halt die, die unverschuldet zwar Marktwert haben (um den muss man sich nun mal selber kümmern) aber familienbedingt nicht umziehen können.

    Ansonsten bin ich froh, dass es nicht auch noch Führerscheine für Chefs gibt. Lizenzen helfen da nicht.
  5. #24

    Meine Erfahrung

    Nun ich werde dieses Jahr 27 und habe bisher in 3 renomierten Firmen gearbeitet. Es ist schwer zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiver Sicht der Dinge zu unterscheiden, aber ich werde es probieren.

    Firma 1
    Angefangen als kleiner Angestellter, hoch motiviert und an der Optimierung der Prozesse interessiert, bin ich binnen von einem Jahr Teamleiter geworden. Nachdem ich hierdurch direkten Kontakt mit dem Management hatte, habe ich freiwillig das Unternehmen verlassen, da diese Menschen nicht am Erfolg der Firma interessiert waren.

    Weder die Qualitätssicherung noch der Leiter des Unternehmens hatten eine Vision, sondern waren nur damit beschäftigt alles irgendwie am laufen zu halten. Bei der heutigen Konkurrenz benötigt man Profil und muss die Mitarbeiter begeistern, was der Grund war zugehen.
    Es war auch meine erste "Führungsposition" und ich hatte noch Ideale...
    Firma 2:
    Als ich anfing wollte man mir relativ schnell eine Führungsaufgabe übertragen, welche ich abgelehnt habe. Die Gründe hierfur waren:

    1. Viele ältere höher "qualifizierte" Kollegen
    2. Gutsherren Mentalität des Firmenleiters
    3. Stark beschädigtes Verhältnis zwischen allen

    Firma 3:

    Nachdem ich es wissen wollte bin ich für 2 Jahre ins Ausland zu einer großen amerikanischen Firma und was ich dort erlebt habe war das Management Disaster meines Lebens.

    1. Konstruktive Vorschläge abgeblockt vom Mid. Management aus Angst das jemand an den Trog kommt.
    2. Führung oder Reaktionen auf einen sich verändernden Markt waren nicht vorhanden und kamen nur von der Basis
    3. Projekte die man in der Freizeit zum Wohle des Unternehmens erarbeitete abgelehnt aus Grund 1
    4. "Think Tanks" - "Special Matters Groups" alles nur Schall und Rauch 50% wollten dabei sein weil es gut aussieht, 30% hatten keine Ahnung 15% haben es verstanden wollten aber nicht aus der Reihe tanzen...
    5. Jobvergabe nach dem Schema wer spielt mit uns Karten am Wochenende und wirbelt keinen Staub in unsere ruhigen Büros.

    Als ich die Firma verlassen habe erhielt ich ein Gespräch mit dem Europachef indem ich Abblockversuche/Intrigen/Fehlentscheidungen auf den Tisch gebracht habe... Mit einigen interessanten Mails untermauert die sich so angesammelt haben.

    Er hat nicht verstanden was ich ihm sagen wollte und wollte mir erklären wie gut doch alles läuft und das wir uns verbessert haben... Der einzige Lichtblick war das er mich wohl gerne behalten hätte, also wurde zumindest der Einsatz gewürdigt.

    Meine Fazit

    LIch will nur in Ruhe meine Arbeit machen können und habe die Erwartung das ein Vor-Gesetzter in der Lage sein muss an Ihn herangetragene Probleme zu lösen. Wenn er dies nicht tun möchte oder kann, da die Firma der Meinung ist unfehlbar zu sein, soll er kündigen und sein Glück andernorts suchen. Ein leistungsbereiter flexibler Mensch macht überall seinen Weg, wenn dies einmal jedem auf den die Beschreibung zutrifft klar wird, dann wird sich auch im Management etwas ändern müssen, denn Anwesenheit der Mitarbeiter alleine bringt keinen Gewinn auf lange Sicht.

    Ohne die ganzen kleinen fleißigen Arbeitsbienchen auf "unterer" Ebene funktioniert keine Firma, denn diese fertigt entweder das Produkt oder deren Dienstleistung ist das Aushängeschild des Unternehmens. Die Personen hinter den Kulissen sind dafür da Potential/Möglichkeiten freizulegen und somit Sicherheit und Perspektiven für den Organismus "Unternehmen" zu schaffen und nicht teure Dinge zu kaufen und anzugeben...
  6. #25

    Leider wahr

    Meinen Erfahrungen nach zeichnet sich die Fähigkeit zur Führung in der heutigen Zeit mehr dadurch aus, mit welchen Arbeitskollegen, Bekannten zu welchem Zeitpunkt beim Saufabend dies oder jenes Bier getrunken wurde, als mit der Fähigkeit wirklich führen zu können. Nicht selten werden Manager-Seminare als Möglichkeit ein wenig Spass zu haben genutzt anstatt die Kompetenzen zu verstärken oder zu erlernen. So hebt eine Flachpfeife die andere in ihrer Kreis nach oben. Gefördert durch den demographischen Wandel werden Mitarbeiter zu 5 in 1 Persons geformt, denen aufgrund des Arbeitsaufwandes garnicht die Möglichkeit bleibt in einzelnen bestimmten Bereichen besser zu werden und wertvolle Erfahrung zu sammeln, denn die Arbeit muss gemacht werden und wo Ressourcen knapp sind wird jeder, der nur das Wort "Excel" aussprechen kann als Spezialist betitelt zusammen mit der maßlosen Unterschätzung der Anfordungen hinsichtlich der Komplexität von Aufgaben: frei nach dem Motto: aus dem Mund kommt's doch so einfach, reden kann jeder. Dann wirklich machen können nur die wenigsten, was sie zuvor mit großem Mund verkündet haben. Zu viele Schaumschläger, Vielredner anstatt wirkliche Macher gibt es leider. Aber freuen wir uns auf Aussagen die den Mitarbeitern in Unternehmen freudig verkünden in ein paar Jahren mit dem Drittel der Besatzung das Dreifache an Arbeitsaufwand bewältigen zu sollen / müssen. Das fördert natürlich die Fähigkeit und Kompetenz der aktuell ohnehin schon total überforderten Mitarbeiter und insbesondere auch der Führungskräfte enorm. Aber es ist noch nicht genug, da geht noch was, wir müssen noch billiger werden.