Erste Hilfe Karriere: Wie ist der bloß Chef geworden?

CorbisMäßige Mitarbeiter werden so lange befördert, bis es nicht mehr weitergeht: also ins Management. Darunter leiden Kollegen, Kunden und die frischgebackenen Führungskräfte selbst. Oft starten sie selbst als Fachmann. Auf dem Chefsessel verkommen sie zum Schwachmann.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...824913,00.html
  1. #10

    Das Grundproblem

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mäßige Mitarbeiter werden so lange befördert, bis es nicht mehr weitergeht: also ins Management. Darunter leiden Kollegen, Kunden und die frischgebackenen Führungskräfte selbst. Oft starten sie selbst als Fachmann. Auf dem Chefsessel verkommen sie zum Schwachmann.

    Erste Hilfe Karriere: Wie ist der bloß Chef geworden? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    ist eigentlich, das in unserem Kulturkreis Karriere machen mit "man führt eine gewisse Anzahl Personen" gleich gesetzt wird, je mehr desto besser. Es eignet sich nur nicht jeder dazu. Auch als Fachkundiger muss es allerdings möglich sein, Karriere zu machen, Einkommen und Sozialprestige zu verbessern, ohne Personal führen zu müssen. Analog zu Sport und Militär sozusagen. Dann hört das "Petern" endlich auf.
  2. #11

    Zitat von Gerdd Beitrag anzeigen
    Zum anderen - das ist zum Glück nicht so sehr schlimm, denn zumindest in größeren Firmen kann man sich - zumindest, wenn man sein Fach versteht - zurücklehnen in der Gewißheit: "Manager kommen, Manager gehen ..." Ganz besonders wahr wird das, wenn man in einem Land arbeitet, wo es so etwas wie "Affirmative Action" gibt. Manager werden schnell mal auf einen Lehrgang geschickt und sind dann "qualifiziert." Fachwissen muß man sich über längere Zeit erarbeiten und dann immer schön aktuell halten - da ist die Konkurrenz schon wesentlich kleiner.

    Man muß allerdings aufpassen, daß man nicht doch in eine Management-Karriere abrutscht (oder abgeschoben wird.)
    Kurz zum Artikel mit dem "Leiter Rechnungswesen" ganz klar der Teufelskreis der Theorie X unbewusst angewandt.
    X-Y-Theorie
    Wenn er es mal gehört hätte, hätte er einen hauch von Chance gehabt sich selber darauf zu überprüfen.
    Während meiner Technikerfortbildung gibt es das Fach betriebliche Kommunikation. Bei vielen steht da eine 2 drin. Aber was bedeutet die eigentlich?
    Zumindest wäre man zum aktuellen Zeitpunkt fähig schriftlich die eine oder andere Formulierung welche dem Lehrer gefällt zu schreiben.
    Es gibt dann die Abstufungen:
    Auswendig lernen, sofort vergessen, Kurzzeitgedächtnis und als unnötig markieren.

    Auswendig lernen und es versuchen zu behalten über einen Gewissen Zeitraum, als wichtig markieren.

    Auswendig lernen, es versuchen zu behalten und ANZUWENDEN. Das ist ganz sicher das schwerste und ob man es beherrscht sieht man nicht an theoretischen Ergebnissen in der Prüfung sondern in Grenzfällen wenn die Gefühle (Hormone) die Übermacht erlangen wollen bei Streß, Termindruck und Stacheleien.

    Das ist die letzte Stufe es verinnerlicht zu haben. Das dauert Jahre ich versuche es noch anzuwenden BEVOR ich ins Management wechsle.

    Zu dem Zeitpunkt wenn ich da bin werde ich mir die aktuellste Literatur mit den Studien usw. beschaffen um meinen Mitarbeiter das bestmöglichste zukommen zu lassen.

    Der Chef wird, nein er muss, wegen seiner fachlichen Qualifikation befödert worden sein. Seine Hauptaufgabe ist die Personenführung und das Überblicken des ganzen. In Details darf er sich nur in Notfällen verfangen....

    Mit Freunden spielt man ja auch nicht nur Fußball und hat sonst kein Kontakt.
  3. #12

    Die Meister fallen nicht vom Himmel...

    ... sie erarbeiten sich ihr Können.

    In der Unternehmenshierarchie gilt der Meister nichts mehr. Absolventen mehr oder minder elitärer, vom Steuerzahler voll finanzierter Bildungsmassenfabriken (die heute alle "Hochschulen" sind) halten sich - analog zum Funktionsmuster Öffentlicher Dienst - für einzig qualifiziert, Menschen, Mittel und Abläufe zu leiten. Dabei steht genau diese Qualifikation dort nicht auf dem Lehrplan, vor allem nicht bei Juristen, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren.

    Aber diesem Drama stellt man sich nicht, man schiebt es mit leichter Hand aufs lächerliche Niveau des "Peter Principle". Man will sich ja gegenseitig keinen Schaden zuführen...
  4. #13

    von wegen Fachkompetenz

    Als ich in meinem Beruf anfing, wurden viele aufgrund ihrer Fachkompetenz zum Chef. Diese Chefs hatten zwar wenig Ahnung von "Führung", sie waren aber meistens kompetent genug, dass ihre Abteilung (oder wie auch immer die Einheit genannt wurde) funktionierte und gute Ergebnisse brachte. Heute werden tatsächlich immer häufiger diejenigen Vorgesetzte, die mangels Fachkompetenz zu "richtiger" Arbeit nicht in der Lage sind. Am schlimmsten ist es, wenn sie in Managementkursten (oder MBA-Studium) Managementtechniken auswendig lernen, ohne sie zu verstehen und ohne ihre Anwendbarkeit im Einzelfall zu überprüfen.
  5. #14

    Zitat von exHotelmanager Beitrag anzeigen
    ... sie erarbeiten sich ihr Können.

    In der Unternehmenshierarchie gilt der Meister nichts mehr. Absolventen mehr oder minder elitärer, vom Steuerzahler voll finanzierter Bildungsmassenfabriken (die heute alle "Hochschulen" sind) halten sich - analog zum Funktionsmuster Öffentlicher Dienst - für einzig qualifiziert, Menschen, Mittel und Abläufe zu leiten. Dabei steht genau diese Qualifikation dort nicht auf dem Lehrplan, vor allem nicht bei Juristen, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren.

    Aber diesem Drama stellt man sich nicht, man schiebt es mit leichter Hand aufs lächerliche Niveau des "Peter Principle". Man will sich ja gegenseitig keinen Schaden zuführen...
    Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht. Aber auch ein Meisterbrief alleine ist keine Führungsqulifikation.
    Der Punkt ist, daß einer, der in die Fürhungsporsition möchte (oder gerückt wird) vorher selber lange genug als nicht-Fürhungs-Mitarbeiter gearbeitet hat, um sich eine Kompetenz und Erfahrung zu erarbeiten, die er in einer Fürhungsposition dringend braucht.
    Mit einer Promotion zu wedeln und alleine dadurch von seinen Mitarbeitern Gefolgschaft zu erwarten, wird nicht lange funktionieren, wenn die eigenen Kompetenzen nicht zum Diskutieren auf mindetstens Augenhöhe mit den Mitarbeitern reicht.

    Anders rum werden Mitarbeiter eher eine Fürhung akzeptieren, die auch fachlich weiß, wovon sie spricht.

    erstmal muß das Handwerk verstanden sein und beherrscht werden. Erst dann kann man darüber nachdenken, Führungverantwortung haben zu wollen. oft genug ist es tatsächlich umgekehrt, daß man "keine Lust mehr" auf die Arbeit hat und deshlab eine Führungsposition möchte. Das ist der komplett falsche Weg.

    In meinem Betrieb wird lebhaft darüber diskutiert, ob man neue Mitarbeiter, die auf Fürhungspositionen sollen, erstmal zwei Wochen(!) in den betrieb selber stecken kann, damit sie lernen, was ihre Mitarbeiter machen, wie man die Geröte bedient und was füpr Prozesse da überhaupt laufen.
    ....eigentlich können nur diejenigen Führen, die genau das aus ihrer Erfahrung heraus schon alles können, egal ob das Meister, Ingenieure oder Promovierte sind.
  6. #15

    dieses Verfahren ist besonders bei der Kirche sehr beliebt. Die Fähigkeit zur Führungskraft erfolgt dort durch Handauflegung. Weiterbildungskurse werden gemieden wie vom Teufel das Weihwasser. Wenn sich die Führungsfähigkeiten nicht von allein einstellen wird weiter nach oben befördert oder gewartet bis zum Ruhestand.
  7. #16

    Lebens- und Führungserfahrung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mäßige Mitarbeiter werden so lange befördert, bis es nicht mehr weitergeht: also ins Management. Darunter leiden Kollegen, Kunden und die frischgebackenen Führungskräfte selbst. Oft starten sie selbst als Fachmann. Auf dem Chefsessel verkommen sie zum Schwachmann.

    Erste Hilfe Karriere: Wie ist der bloß Chef geworden? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Ich habe in vielen verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Dabei habe ich feststellen müssen, dass es genau das Problem ist, dass wir keine Ausbildung zur Führungskratft haben.
    Lebenserfahrung gibt nicht automatisch Führungserfahrung, ebenso wenig wie Universitätswissen.
    das Peterprinzip habe ich nur allzuoft live gesehen. Fachliche hervorragende Menschen werden zum Vorgesetzten "befördert" und somit ihrer eigentlichen Stärke entbunden. Ich kann dem Artikel nur zustimmen, dass wir zukünftig mehr darauf achten sollten, wer Führungsqualitäten hat. Der- oder diejenige wird das imense Fachwissen seiner Mitarbeiter zu nutzen wissen. Zum Wohle des Unternehmens und aller Mitarbeiter.
    In den obersten Führungsriegen klappt das ja auch. Oder warum können Vorstandsvorsitzende in vollkommen unterschiedlichen Branchen einen Posten bekommen?
  8. #17

    Zitat von Aquifex Beitrag anzeigen

    In meinem Betrieb wird lebhaft darüber diskutiert, ob man neue Mitarbeiter, die auf Fürhungspositionen sollen, erstmal zwei Wochen(!) in den betrieb selber stecken kann, damit sie lernen, was ihre Mitarbeiter machen, wie man die Geröte bedient und was füpr Prozesse da überhaupt laufen.
    ....eigentlich können nur diejenigen Führen, die genau das aus ihrer Erfahrung heraus schon alles können, egal ob das Meister, Ingenieure oder Promovierte sind.
    Also wer immer sich als Führungskraft nicht wenigstens ein paar Wochen in einem für ihn neuem Feld mitarbeitet oder auch nur neben die Leute setzt hat aus meiner Sicht eh verloren....
  9. #18

    Vitamin B / Parteibuch / verwandtschaftliche Verbindungen

    Zitat von Käfer63 Beitrag anzeigen
    Zitat: "Beliebteste Frage: "Wie ist ausgerechnet der bloß Chef geworden?..."
    Die Antwort: Vitamin B.
    ...
    Flipcharts und Powerpoint-Präsentationen umgehen können. Daher läßt sich auch erklären warum in Deutschland so viele Menschen innerlich gekündigt haben und reinen Dienst nach Vorschrift machen, bei solchen Chefs...... :-(
    zum Jagdkumpan passen auch die Vorgänge um die Besetzung der Leiterstelle der Veterinärabteilung eines südbayerischen Landratsamtes. So hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in den vergangenen Jahren über die Besetzung der Leiterstelle eines südbayerischen Veterinäramtes zu befinden und die Stellenvergabe für rechtswidrig erachtet. Daraufhin musste die Auswahlentscheidung aufgehoben werden. Nach der Argumentation des obsiegenden Klägers handelte es sich bei dem unterlegenen Kandidaten um einen der leistungsschwächsten Jungbeamten und um den Neffen des örtlichen Abgeordneten und ex. Staatssekretärs. Nach der gerichtlich erzwungenen Aufhebung der Auswahlentscheidung übete der Verwandte das Amt kommissarisch aus und wurde mit neuem Datum dann wieder mit dem selben Dienstposten betraut. Die zweite Auswahlentscheidung griff der Konkurrent erneut an worauf der Bayer. BGH auch diese Ernennung für rechtwidrig befand. Die Auswahlentscheidung wurde erneut aufgehoben und der Posten mit neuem Datum und neuer Beurteilungen ein drittes Mal an den Neffen vergeben.
    Es bleibt kein Zweifel: Die Vergabe von öffentlichen Ämtern dient als Erbhof zur Versorgung des eigenen Klientels. Die Fragestellung dieses Artikels, "wie der bloß Chef geworden ist", ist leicht zu beantworten.
  10. #19

    "Vitamin B"

    Zitat von davidnopotis Beitrag anzeigen
    zum Jagdkumpan passen auch die Vorgänge um die Besetzung der Leiterstelle der Veterinärabteilung eines südbayerischen Landratsamtes. So hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in den vergangenen Jahren über die Besetzung der Leiterstelle eines südbayerischen Veterinäramtes zu befinden und die Stellenvergabe für rechtswidrig erachtet. Daraufhin musste die Auswahlentscheidung aufgehoben werden.
    Die Kommentare in diesem Forum zur Schulleiterbesetzung und zur Veterinärabteilung des zitierten Landratsamtes zeigen doch im Prinzip nur, dass es beim Staat in Bezug auf Führungsfunktionen wie in der Wirtschaft fast nur noch über "Vitamin B" läuft - Artikel 33 Absatz 2 Grundgesetz scheint nur noch eine leere Worthülse zu sein.
    Traurig, aber in der Wirtschaft bereits schon länger üblich.