Copyright-Debatte: "Netzgemeinde" gegen "Tatort"-Autoren

rbb/ ORFNetzaktivisten, Grüne, Linke und Piraten wollen das Urheberrecht abschaffen oder massiv schwächen - das haben 51 "Tatort"-Drehbuchautoren in einem offenen Brief behauptet. Jetzt ernten sie einen Proteststurm.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...824787,00.html
  1. #1

    Das ist heftig...

    Zitat von Artikel
    [...]die Schutzfristen für das Urheberrecht nach dem Tod der Urheber verkürzen. Die Drehbuchautoren schrieben dazu: "Nicht nur, dass die Urheber durch diese Schutzfristen-Verkürzung enteignet und damit dramatisch schlechter gestellt würden
    Sorry, aber Leichen haben keine Eigentumsrechte. Und wie muss ich mir die Schlechterstellung eines Toten vorstellen?

    Im Uebrigen hat der CCC da recht. Immer, wenn die Schutzfristen am ablaufen sind, werden sie verlaengert. Erst 50 Jahre nach dem Tod des Autors, dann 75, dann 100.
    Patente laufen nach 20 Jahren ab, egal, ob der Erfinder noch lebt. Selbst eine Schutzfrist mit 0 Jahren nach dem Tod des Autors ist da noch grosszuegig.
  2. #2

    Mal sehen, wie die mitfühlenden SPON-Autoren reagieren, wenn es keine VG-Wort-Ausschüttungen mehr gibt...
  3. #3

    Schlechterstellung von Lebenden

    Zitat von vhe Beitrag anzeigen
    Sorry, aber Leichen haben keine Eigentumsrechte. Und wie muss ich mir die Schlechterstellung eines Toten vorstellen?
    Erstens haben viele Urheber Partner, von denen sie alimentiert werden, weil ihre Werke vorfinanziert werden müssen. Da ist es nur gerecht, wenn die Partner auch nach dem Tod der Urheber profitieren.

    Und zweitens bekommen Urheber natürlich weniger Honorar zu Lebzeiten, wenn z.B. ein Verlag nicht auch nach dem Tod des Autors noch Geld mit den Werken verdienen kann.
    Daher bedeutet die Einschränkung der Schutzfristen eine direkte Verminderung der Honorare und also die Schlechterstellung des lebenden Urhebers.
  4. #4

    Zitat von limrz Beitrag anzeigen
    Mal sehen, wie die mitfühlenden SPON-Autoren reagieren, wenn es keine VG-Wort-Ausschüttungen mehr gibt...
    Dann müsste eben SPIEGEL dafür bezahlen - wie in jedem anderen Beruf auch.
    Und sie müssten arbeiten, Artikel schreiben, wenn sie ein Einkommen haben wollen - wie in jedem anderen Beruf auch.
    Wenn sie mehr Geld wollen, müssten sie mehr arbeiten - wie in jedem anderen Beruf auch.
    Wenn sie nicht mehr arbeiten, würden sie eben auch nichts mehr bekommen - wie in jedem anderen Beruf auch.
    Ich bekomme für die Software, die ich für meinen Arbeitgeber schreibe, auch nicht lebenslang Geld, nur weil ich der Urheber bin. Sondern nur, solange ich arbeite.
    Klar, das schöne Leben der Drehbuchautoren könnte vorbei sein, einmal im Jahr auf Teneriffa für 2 Wochen Urlaub machen, dabei ein Drehbuch schreiben, und davon reich werden, das geht dann eben nicht mehr. Ist aber auch nicht so schlimm.
  5. #5

    Ich weiß...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Netzaktivisten, Grüne, Linke und Piraten wollen das Urheberrecht abschaffen oder massiv schwächen - das haben 51 "Tatort"-Drehbuchautoren in einem offenen Brief behauptet. Jetzt ernten sie einen Proteststurm.

    Copyright-Debatte: "Netzgemeinde" gegen "Tatort"-Autoren - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
    ...nicht warum die sich so auf Aufführen, diese Autoren, da geht es doch bloß um trivialen Mord und Totschlag. Ohne ÖRR sind diese seichten Stories doch nichts wert, interessieren doch keinen. Außerdem werden die mit Zwangsgeldern finanziert, die der Allgemeinheit abgenommen werden. Also unterste Schublade.
  6. #6

    Zitat von erlachma Beitrag anzeigen
    Klar, das schöne Leben der Drehbuchautoren könnte vorbei sein, einmal im Jahr auf Teneriffa für 2 Wochen Urlaub machen, dabei ein Drehbuch schreiben, und davon reich werden, das geht dann eben nicht mehr. Ist aber auch nicht so schlimm.
    *lach!*
    Es ist unglaublich, wie hartnäckig sich die Klischeevorstellungen über das dolce vita von Autoren halten.

    Mit der Realität, werter Forist, hat das allerdings nichts zu tun.
    Und es ist übrigens nicht schwer, sich im Internet zu informieren, was für ein Drehbuch gezahlt wird - oder wie hoch im Durchschnitt so ein Scheck von der VG-Wort ist.
  7. #7

    34534

    Zitat von vhe Beitrag anzeigen
    Sorry, aber Leichen haben keine Eigentumsrechte. Und wie muss ich mir die Schlechterstellung eines Toten vorstellen?

    Im Uebrigen hat der CCC da recht. Immer, wenn die Schutzfristen am ablaufen sind, werden sie verlaengert. Erst 50 Jahre nach dem Tod des Autors, dann 75, dann 100.
    Patente laufen nach 20 Jahren ab, egal, ob der Erfinder noch lebt. Selbst eine Schutzfrist mit 0 Jahren nach dem Tod des Autors ist da noch grosszuegig.
    "Immer, wenn die Schutzfristen am ablaufen sind, werden sie verlaengert"
    rechnen wir mal. Das kann, kurz Nachdenken, ja nur für einen Künstler, allenfalls für eine Gruppe zueinander zeitnah verstobener, gelten.

    Also, 1965 gab es tatsächlich die Rechtsänderung. 50 auf 70 Jahre. jetzt nehmen wir Ihre Aussage, es muß wohl um die Rechte eines 1915 verstorbenen Künsters gehen, die damals "am Ablaufen waren". Wenn man die hübsche Mini-VT zuende denkt, hätte die nächste Verlängerung 1985 angestanden. Gab es aber nicht. Aber gut gebrüllt Löwe. Es laufen ständig Fristen ab.

    Und die Verlängerung ist völlig egal, wer profitiert denn derzeit davon? Die Brechterben fallen mir ein, aber im Allgemeinen geht es darum, was Künstler mit ihren aktuellen Werken verdienen.
  8. #8

    Piratenvorschlag

    In Offenbach haben die Piraten einen Vorschlag ins Programm zum Thema Urheberrecht aufgenommen, welcher von vielen Personen (auch Musiker/Autoren) erarbeitet wurde.

    Ziel ist:
    Stärkung der Rechte des Urhebers am eigenen Werk
    Schwächung der Rechte der Vermarkter an fremden Werken
    Stärkung der Rechte der Verbraucher am gekauften Werk
    Primat der Bildung über die Vermarktung

    Wer die Zeit hat, kann das Positionspapier hier finden:
    http://wiki.piratenpartei.de/wiki/im...gBPT2011-2.pdf
  9. #9

    Wirres Gewäsch

    Die Situation von Musikern ist bereits dramatisch schlecht auf der Einnahmenseite, die der Filmbranche und die der Verlage wird dank eBook und Filmstreams auch nicht besser. Darauf muss die Politik reagieren. Das Geschrei der Netzgemeinde resultiert doch daraus, dass jahrelang illegal gedownloaded wurde, ohne dass es eine Möglichkeit gab, dies zu unterbinden. Inzwischen wird den illegalen Portalen der Garaus gemacht. Doch die User wollen weiterhin alles umsonst, Geiz ist schließlich geil. Aber auch der Bäcker schenkt einem die Brötchen nicht, warum sollte der Musiker also die Musik umsonst machen oder der Autor seine Bücher kostenlos verteilen?
    Wenn Musik, Film und Text durch die neuen technischen Möglichkeiten mehr genutzt wird, muss auch der Urheber an diesen Gewinnen anständig beteiligt werden. Youtube ohne Filme wäre ein totes Portal, das keinen interessiert. Spotify ohne Musik ebenso.

    Da unsere Politik aber gerade mal erfahren hat, dass es ein Internet gibt, wird es dauern, bis sich hier was rührt. In der Zwischenzeit verdient sich Google und Co. an der Arbeit anderer eine goldene Nase.