Männlichkeitshormon: Jäger und Sammler brauchen wenig Testosteron

uncontactedtribes.org/ D.CortijoHarte Kerle haben viel Testosteron? Ein Blick auf eine Kultur von Jägern und Sammlern in Bolivien spricht dagegen. Die Tsimane-Männer trotzen mit niedrigem Testosteronspiegel den harten Leben im Regenwald. Doch in einem anderen Aspekt gleichen sie ihren Geschlechtsgenossen in Industriestaaten.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...824087,00.html
  1. #1

    Bart?

    Sehe ich das recht, der Indianer hat einen Bart? Ich dachte Indianer hätten keinen Bartwuchs!? Unglaublich, ich bin einer Sensation auf der Spur.
  2. #2

    ...

    der höhere testosteronspiegel bei männern aus industrienationen mag auch damit zusammenhängen das wir uns an nördliche, gemäßigte klimazonen angepasst haben. krankheiten gibts hier auch, aber vermutlich weniger als in tropischen sümpfen und urwäldern. gleichzeitig waren die beutetiere größer (mamuts und co).
    mag also sein das die nachteile des hohen testosteronspiegels geringer, die vorteile dafür aber höher waren als im südamerikanischen urwald.
  3. #3

    So zeigt sich ein Testosteronmangel

    Damit alle Unklarheiten beseitigt sind:

    Ein Testosteronmangel zeigt sich durch vielfältige Symptome
    Die Andropause oder besser gesagt der Testosteronmangel äußert sich durch eine ganze Reihe von Symptomen wie:

    1. Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme;

    2. Haarausfall, schwächerer Bartwuchs;

    3. Abnahme der Muskelkraft;

    4. Übermäßiges Schwitzen;

    5. Hitzewallungen;

    6. Nachlassen der Griffstärke;

    7. Abnahme der Libido;

    8. Erektionsstörungen;

    9. Verkleinerung der Hoden;

    10. Gewichtszunahme;

    11. Abnahme der Knochenmasse;

    12. Leistungsminderung;

    13. Depressive Stimmung;

    14. Schlafstörungen;

    15. Müdigkeit.

    Mit den besten Grüssen

    Dr. Ralf Hettich
  4. #4

    Zitat von glimmlampe Beitrag anzeigen
    der höhere testosteronspiegel bei männern aus industrienationen mag auch damit zusammenhängen das wir uns an nördliche, gemäßigte klimazonen angepasst haben. krankheiten gibts hier auch, aber vermutlich weniger als in tropischen sümpfen und urwäldern. gleichzeitig waren die beutetiere größer (mamuts und co).
    mag also sein das die nachteile des hohen testosteronspiegels geringer, die vorteile dafür aber höher waren als im südamerikanischen urwald.
    Da hätte ich noch eine weitere Spekulation ein zu bringen: In Europa haben sich Ackerbau und Viehzucht als vorherrschende Lebensweise ja nun auch seit Jahrtausenden durchgesetzt. Damit ist auch eine Umstellung der Ernährung verbunden ,z.B. mehr Getreide. Darauf stellt sich ja auch der Körper ein. Oder nehmen wir die Verbindung zwischen Milchviehwirtschaft und Laktoseintoleranz: Laktoseintoleranz . Könnte also der Testosteronpegel auch mit der Ernährung zusammen hängen?
  5. #5

    Zitat von ralfhettich Beitrag anzeigen
    Die Andropause oder besser gesagt der Testosteronmangel äußert sich durch eine ganze Reihe von Symptomen wie

    2. Haarausfall, schwächerer Bartwuchs;
    Ich dachte immer Haarausfall sei eine Folge von *zu viel* Testosteron?
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Tsimane-Männer trotzen mit niedrigem Testosteronspiegel den harten Leben im Regenwald. ...
    Wenn ein Wettkampf ansteht, steigt auch bei ihnen der Testosteronspiegel deutlich an.
    Ist es überhaupt sinnvoll, den Testosteronspiegel irgendwann zu messen? Der ist doch in Sekundenbruchteilen stark veränderbar, sonst hätte dieser Botenstoff wohl keinen Sinn.
    In Industrieländern ist das Leben stressreicher, obwohl es wirklich Gefahren praktisch nicht mehr gibt.
  7. #7

    Zitat von wasabiroshi Beitrag anzeigen
    Da hätte ich noch eine weitere Spekulation ein zu bringen: In Europa haben sich Ackerbau und Viehzucht als vorherrschende Lebensweise ja nun auch seit Jahrtausenden durchgesetzt. Damit ist auch eine Umstellung der Ernährung verbunden ,z.B. mehr Getreide. Darauf stellt sich ja auch der Körper ein. Oder nehmen wir die Verbindung zwischen Milchviehwirtschaft und Laktoseintoleranz: Laktoseintoleranz . Könnte also der Testosteronpegel auch mit der Ernährung zusammen hängen?
    Wieviele Europäer leben noch als Bauern? Wir ernähren uns durch Ackerbau und Viehzucht, die hohen Kohlehydrat- und Eiweißdosen, die uns dadurch beschehrt werden, brauchen wir mehrheitlichen Bürostuhlsitzer und "aus dem Auto Faller", höchstens noch beim Sport. Als wir noch fast alle als Bauern lebten, war die Ernährung für die schwere körperliche Arbeit zwingend notwendig.
    Natürlich stellt sich der Körper auf die Ernährungsweise ein, auch hormonell. Daher ist es wahrscheinlich, dass der Testosteronspiegel neben der Lebensweise eng an die Ernährung gekoppelt ist.

    Ich nehme an, die Tsiname leben im Regenwald Boliviens, dort spielt der Aktionsradius eine untergeordnete Rolle. Vermutlich gibt es genügend Nahrung vor Ort, dass ist bei Jäger und Sammlerkulturen in kälteren Klimazonen nicht der Fall, wo man über große Distanzen dem Wild folgen bzw. ihm auflauern muss, je nach Jahreszeit. Vermutlich liegt darin der Kern, warum es keinen Bedarf an einem hohen Testosteronspiegel bei den Tsiname gibt: Man braucht ihn dort schlichtweg nicht. Konkurrenzkampf und Hunger mag ebenso kaum eine Rolle spielen wie schwere körperliche Anforderungen. Von unseren zivilisatorischen Errungenschaften, dem künstlich beschleunigten Alltag mit all seinen Gefahren, ganz zu schweigen.

    Gravierende Nachteile scheint der niedrige Testosteronspiegel ja nicht zu haben, wenn man ihn haben darf. Bei uns ist er eine Krankheit, passt nicht zu unserer Umwelt, den Anforderungen des Alltages in modernen Industrienationen. Dass wir uns allerdings selbst mit unserem hohen Testosteronspiegel krank machen, könnte man auch vermuten.
  8. #8

    Testosteron und die menschliche Natur

    Einige Forscher, aber vor allem Journalisten finden offensichtlich Gefallen daran, aus einer einzelnen wissenschaftlichen Studie zu verallgemeinernden Aussagen über die Natur des Menschen zu kommen. Das ist nicht die normale wissenschaftliche Vorgehensweise und diskreditiert diese.

    Verallgemeinerung:
    Weil die Forscher im Blut des Tsimane-Volkes im Vergleich zu Männern in Industrieländern etwa nur ein Drittel der Testosteronmenge fanden wird gefolgert: „Unser Lebensstil ist eine Anomalie, eine Abweichung von der Jahrtausende alten Lebensweise unserer Art als Jäger und Sammler…Das Streben nach möglichst hohen Testosteronwerten…hat demnach mit ursprünglicher Männlichkeit oder gar altem Jägererbe wenig zu tun.“

    Tatsächliche Forschungslage:
    Der Gehalt von Testosteron im Blut wird sowohl von erblichen als auch von sozialen und ökologischen Faktoren bestimmt. Zwischen verschiedenen menschlichen Populationen gibt es erhebliche Unterschiede im basalen Testosteronspiegel. So zeigen z.B. die Männer des San- bzw. !Kung-Volkes im südlichen Afrika einen ähnlich hohen Testosteron-Spiegel wie Männer aus Industrieländern (siehe Studie von Wortheman & Konner, 1987). Die San stehen mit Sicherheit näher an der Wurzel der menschlichen Entwicklung als die Tsimane.

    Darüber hinaus muss gesagt werden, dass die neuromodulatorischen Wirkungen von Testosteron im Gehirn die entscheidenden sind. Testosteron reguliert individuelles, soziales Dominanzverhalten und diese Regulation ist unabhängig vom Basis-Plasmaspiegel im Blut. Die Wirkungen von Testosteron auf das individuelle, soziale Dominanzverhalten konnte bei vielen Wirbeltieren nachgewiesen werden, z. B. bei Fischen und Mäusen. Dieser Mechanismus ist also nicht nur ein fundamentaler Aspekt der menschlichen Biologie, sondern (mindestens) der Biologie der Wirbeltiere.

    Der bekannte Gewinner-Effekt (Testosteronwerte steigen bei Gewinnern von individuellen Dominanzwettbewerben an) konnte in dieser Studie nicht gezeigt werden. Warum? Weil es beim Gewinner-Effekt nur um individuelle Dominanz geht – in Teamwettbewerben zeigt er sich nicht, weil das individuelle Dominanzstreben der Gruppe untergeordnet wird (Metha et al. 2009). Es soll im Menschen ja auch noch andere (biologisch fundierte) Motivationen geben, die nicht kompatibel mit dem Dominanzstreben sind. :-)
  9. #9

    Zitat von sfb Beitrag anzeigen
    Ist es überhaupt sinnvoll, den Testosteronspiegel irgendwann zu messen? Der ist doch in Sekundenbruchteilen stark veränderbar, sonst hätte dieser Botenstoff wohl keinen Sinn.
    In Industrieländern ist das Leben stressreicher, obwohl es wirklich Gefahren praktisch nicht mehr gibt.
    Ich habe ehrlich gesagt auch zuerst an Stress und nicht an die Überlegenheit des weißen Mannes in der arktischen Tundra gedacht. Tatsächlich sieht sich doch heute jeder Mensch in den Industrienationen ständigem Wettbewerb ausgesetzt. Existenzfragen werden anders gestellt, sind aber in unserer Informationsgesellschaft um so präsenter. Zu guter letzt reicht mir aber auch schon das Beispiel Straßenverkehr als Gefahrenquelle vollkommen aus, um auch hier einen möglichen Grund für einen dauerhaft erhöhten Testosteronspiegel zu vermuten.

    Bleibt nun tatsächlich die Frage offen, wie weit sich Testosteron auf die Gesundheit des Menschen überhaupt auswirkt.