Rebellen in Syrien: Der Henker von Bab Amr

DPA/ SANAIn der syrischen Protesthochburg Homs machen sich die Aufständischen ihr eigenes Gesetz. Es gibt ein Standgericht - und eine Brigade von Henkern. Einer davon ist Hussein, er schneidet gefangenen Soldaten des Regimes die Kehle durch. Geschichte einer Rebellion, die ihre Unschuld verloren hat.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...823382,00.html
  1. #110

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Da scheinen Sie etwas missverstanden zu haben. Im Bab Amr hielten sich hauptsächlich Zivilisten auf.
    Das ist nicht wahr. Auf all den anderen Quatsch werde ich gar nicht mehr eingehen, Ihre Tagträumereien brauchen Sie mir nicht zu vermitteln versuchen.
    In Bab Amr hatten sich eine ganze Menge Mörder, ehemalige Gefängnisinsassen, Islamisten und Deserteure verschanzt. Es wurde ein Emirat ausgerufen, geleitet von dem selben Kommandeur, welcher die mehrere hundert Todesurteile innerhalb weniger Monate ausgeprochen hatte.
    Wenn dies die Leute sind, die Sie unterstützen möchten, dann bitte.

    Nur tun Sie mir gegenüber bitte nicht so, als hätten Sie ausreichend Syrien- oder Orientkenntnis, um hier irgendeinen neuen, interessanten, oder richtigeren Standpunkt einzuführen.

    Es gibt nämlich auch Leute, welche Syrien nicht nur von der Karte und von SPON kennen.
  2. #111

    selber schuld

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der syrischen Protesthochburg Homs machen sich die Aufständischen ihr eigenes Gesetz. Es gibt ein Standgericht - und eine Brigade von Henkern. Einer davon ist Hussein, er schneidet gefangenen Soldaten des Regimes die Kehle durch. Geschichte einer Rebellion, die ihre Unschuld verloren hat.

    Rebellen in Syrien: Der Henker von Bab Amr - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Als die westliche Welt (zum Glück ohne Deutschland) den militärischen Aufstand in Libyen ausgelöst, unterstützt und beendet hat, hat sie eine gewalttätige aggressive Meute von Verbrechern mit Waffen und Macht ausgestattet.

    Diese Henkergeschichten werden nicht die letzte Quittung dafür sein.
  3. #112

    Ein paar Zweifel

    Ich möchte einige Zweifel an den genannten Zahlen äussern:

    In einem Bürgerkrieg bei dem aktuell grösstenteils die Staatsmacht in der Offensive ist dürfte das Verhältniss von Gefangengenommen zu im Kampf getöteten Loyalisten deutlich weniger als 1:10 betragen.
    Die Loyalisten Assads kämpfen erstens um ihr Ueberleben, sind zweitens in der Vorhand und drittens sind die Rebellen kaum in der Lage taktische Situationen zu erschaffen die massive Gefangennahmen ermöglichen.

    Sowohl Rebellen als auch die Regierung geben die Verluste der Sicherheitskräfte etwa 2100 bis 3000 Mann.
    Mann würde also von etwa 210-300 Gefangenen der Rebellen in ganz Syrien ausgehe... Wenn dieser Rebell von 150 exekutierten Soldaten spricht lügt er, so viele Gefangene dürften sie gar nicht gemacht haben, da Babr Amar nur einen Teil der gesamten Front darstellt.
  4. #113

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Was wäre denn, wenn die demokratische Mehrheit der Aufständischen einen islamischen Staat will? Wäre es nicht typisch westlich-arrogant und obendrein undemokratisch, den Leuten vorschreiben, dass sie Freiheit und Demokratie zu wünschen haben? Hm.
    Es ist sicher nicht die Aufgabe des Westens, anderen ihre Gesellschaftsform vorzuschreiben. Aber es wäre absolut idiotisch eine solche Gesellschaftsform auch noch aktiv herbei zu führen. Und es wäre mit Sicherheit nicht im Sinne der Minderheiten, der Frauen und sonst aller, die in einem solchen System marginalisiert werden.
  5. #114

    Zitat von andrej_s. Beitrag anzeigen
    Ich möchte einige Zweifel an den genannten Zahlen äussern:

    In einem Bürgerkrieg bei dem aktuell grösstenteils die Staatsmacht in der Offensive ist dürfte das Verhältniss von Gefangengenommen zu im Kampf getöteten Loyalisten deutlich weniger als 1:10 betragen.
    Die Loyalisten Assads kämpfen erstens um ihr Ueberleben, sind zweitens in der Vorhand und drittens sind die Rebellen kaum in der Lage taktische Situationen zu erschaffen die massive Gefangennahmen ermöglichen.

    Sowohl Rebellen als auch die Regierung geben die Verluste der Sicherheitskräfte etwa 2100 bis 3000 Mann.
    Mann würde also von etwa 210-300 Gefangenen der Rebellen in ganz Syrien ausgehe... Wenn dieser Rebell von 150 exekutierten Soldaten spricht lügt er, so viele Gefangene dürften sie gar nicht gemacht haben, da Babr Amar nur einen Teil der gesamten Front darstellt.
    Sie hätten ja vermutlich recht wenn "nur" gefangene Soldaten ermordet werden würden.
    Aber lesen Sie den Artikel noch mal.
    Zitat:

    ""Wenn wir einen Sunniten bei Spionieren erwischen oder wenn ein Bürger die Revolution verrät, machen wir kurzen Prozess", sagt der Kämpfer. 200 bis 250 Verräter habe Husseins "Begräbnis-Brigade" seit Beginn des Aufstandes hingerichtet, so Abu Rami."

    Zitat Ende.
    Nix Soldaten, Verräter.
    Und der Begriff dürfte recht dehnbar sein.
  6. #115

    Zitat von Lekcad Beitrag anzeigen
    Sie hätten ja vermutlich recht wenn "nur" gefangene Soldaten ermordet werden würden.
    Aber lesen Sie den Artikel noch mal.
    Zitat:

    ""Wenn wir einen Sunniten bei Spionieren erwischen oder wenn ein Bürger die Revolution verrät, machen wir kurzen Prozess", sagt der Kämpfer. 200 bis 250 Verräter habe Husseins "Begräbnis-Brigade" seit Beginn des Aufstandes hingerichtet, so Abu Rami."

    Zitat Ende.
    Nix Soldaten, Verräter.
    Und der Begriff dürfte recht dehnbar sein.
    Bitte selbst genauer lesen:

    "Seit vorigem Sommer haben wir nicht ganz 150 Mann hingerichtet, das sind etwa 20 Prozent unserer Gefangenen", sagt Abu Rami. Diejenigen, die nicht für schuldig befunden und zum Tode verurteilt würden, würden gegen gefangene Rebellen oder inhaftierte Demonstranten ausgetauscht. Mehr Arbeit als die Kriegsgefangenen machten den Scharfrichtern von Homs jedoch die Rebellen aus den eigenen Reihen. "Wenn wir einen Sunniten bei Spionieren erwischen oder wenn ein Bürger die Revolution verrät, machen wir kurzen Prozess", sagt der Kämpfer. 200 bis 250 Verräter habe Husseins "Begräbnis-Brigade" seit Beginn des Aufstandes hingerichtet, so Abu Rami.


    Sie behaupten 150 Soldaten hingerichtet, wollen (150 sollen 20% sein)750 Mann (Soldaten) gefangen genommen haben und haben ausserdem 200 bis 250 "Verräter" ermordet.

    Alle Angaben dürften (hoffentlich) massiv übertrieben sein.
  7. #116

    Erklärung, die Erste

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    hab sie schon fast vermisst! jetzt mal im ernst, sie sind doch ein gebildeter und cleverer mensch und weis gott kein naivling.
    Naja, ich bemühe mich. ;-) Vielen Dank für die freundlichen Worte, die ich gern erwidere.

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    vergessen wir doch einfach mal die ganze ideologische schiene auf der sich der ein oder andere bewegt und fokussieren uns einfach mal aufs wesentliche.
    Gern.

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    wieso um himmels willen verteidigen sie so wehement selbst die miesesten offensichtlich religiös motivierten schandtaten der syrischen revolution und zuvor der lybischen?
    Weil ich es -- angesichts der Tatsache, dass ich Kollegen in Tunesien und Ägypten habe -- ablehne, die Oppositionellen pauschal und rundheraus alle über nur genau einen, nämlich den religiösen Kamm zu scheren. Ich weiß von Menschen, welche bei den Demonstrationen in Tunesien und Ägypten dabei waren, die ich persönlich kenne, die ich für glaubwürdig halte, und mit denen ich sichere Kommunikationskanäle habe, dass das nicht alles radikale Islamisten sind. Und ich kenne hier wie dort genügend viele Muslime, an deren ehrlicher demokratischer Gesinnung ich nicht den kleinsten Zweifel habe.

    Abgesehen davon halte ich einen aufgeklärten Islam für nicht weniger mit demokratischen Strukturen vereinbar als beispielsweise das aufgeklärte Christentum. Schließlich gibt es nicht "den" Islam, sondern eine immense Vielzahl an zum Teil stark divergierenden Auslegungen -- und alleine das Beispiel Türkei zeigt, trotz der wiederholten Rückschläge unter Erdogan, dass Islam und Demokratie durchaus miteinander vereinbar sind.

    Obendrein verstehe ich, dass die Errichtung einer Demokratie in einer an demokratischen Traditionen nicht eben reichen Kultur eine schwierige und langwierige Sache ist. Europa ist ja auch nicht von heute auf morgen demokratisch geworden, das war ein langwieriger und oftmals blutiger Prozess, der sich über Jahrzehnte und -hunderte hinweg zog. Auch bei uns hat es seine Zeit (und furchtbar schreckliche Kriege) gebraucht, bis die Demokratie in den Köpfen der Menschen angekommen war -- und bei Manchen ist sie das bis heute nicht. Da schon unsere Eltern und auch wir selbst nichts anderes als eine friedliche, stabile Demokratie kennen, neigen wir leider oft dazu, sie als selbstverständlich hinzunehmen, und vergessen dabei, was für ein langwieriger und schwerer Kampf es für unsere Vorfahren war, bis hierher zu kommen.

    Das geht auch in der arabisch-islamischen Welt nicht von heute auf morgen, aber unter den brutalen Gewaltherrschern ist nicht einmal eine Entwicklung in diese Richtung möglich. Die Einzigen, die sich sichtbar um eine Annäherung an demokratische Prozesse orientieren, sind der Emir von Katar und der König von Marokko. Die sind reichlich vorsichtig und zurückhaltend damit -- weil auch sie wissen, dass das ein langwieriger, schwerer Prozess mit gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen ist. Aber sie geben tatsächlich freiwillig etwas von ihrer Macht ab und lassen den deutlichen Willen erkennen, ihre Länder und Bürger in eine bessere Zukunft zu führen.
  8. #117

    Erklärung, die Zweite

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    ich mein rein aus westlicher, unserer sicht, wenn man wie gesagt mal die ideologisch gefärbte brille abnimmt, ist das regime assad, war das regime hussein, war das regime gaddafi u damals nadshibullah in afghanistan, was die stabilität und sicherheit für seine jeweiligen bürger und die welt angeht, besser als das chaos und leid was wir jetzt in diesen regionen erleben,
    Da denke ich durchaus langfristig, und ja, ich bin ein Optimist und hoffe deswegen das Beste. Das Chaos ist nur eine Übergangsphase bei der Überwindung der von Ihnen genannten Gewalt- und Willkürherrschaften, und es wird vorübergehen. Andererseits halte ich es für äußerst naiv, zu glauben, dass man Herrscher gewaltfrei loswerden kann, die ihre eigene Bevölkerung bombardieren oder gar mit Giftgas massakrieren.

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    klar mögen das alles unrechtsregime sein aber meinen sie nicht man hätte diese anders in die knie zwingen oder verändern können (...)
    Nein, das meine ich nicht. Einen Herrscher, der zum Erhalt seiner Macht auf friedliche Demonstranten schießen und sogar zivile Wohngebiete bombardieren lässt, wird man nicht anders los. Diese Staatsterroristen gehen rücksichtslos über Leichen, und die wird man nur mit Gewalt los.

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    was glauben sie was die nächsten ziele der sunnitisch radikal islamischen gemeinschaft sein werden, wenn erstmal alle arabischen gebiete befreit sind?
    Diese Frage stellt sich nur dann, wenn man unterstellt, dass es sich bei den Oppositionellen ausschließlich um eine "sunnitisch radikal islamische Gemeinschaft" handeln würde. Genau das glaube ich aber nicht nur nicht, sondern weiß es aufgrund meiner obengenannten Kontakte zu Menschen, die höchstselbst mitten im Geschehen stecken und teilweise sogar daran teilnehmen, tatsächlich besser. Und um Ihrer Frage vorzubeugen: ja, ich rechne dabei mit ein, dass auch meine Kollegen keinen vollständigen und kompletten Überblick haben. Aber deren Perspektive ist sicherlich sehr viel genauer, als es die unsere je sein könnte.

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    ich kann ihrer optimistischen sichtweise auf das momentan vorherrschende phänomen in der arabischen welt einfach nicht folgen.
    Sicherlich bin ich ein Optimist, soweit ich an das Gute im Menschen glaube. Aber mein Optimismus reicht nicht weit genug, um das Böse zu verkennen, dass ebenfalls in jedem Menschen steckt.
  9. #118

    Zitat von Earendil77 Beitrag anzeigen
    Gut, wenn Sie das auch können... war mir da nicht so sicher. Ich halte aber auch die Erklärung für unzureichend. Welche Konsequenzen man aus dem Terror des Regimes oder auch aus persönlichen Erfahrungen damit zieht, ist wie gesagt ganz unterschiedlich.
    Das gilt sicherlich auch für die Aufständischen in Syrien. Wir müssen uns dringend davor hüten, zu verallgemeinern. Nur weil sich auf jeder Demo hierzulande auch gewaltbereite Randalierer und vermummte A-Löcher finden, heißt das doch nicht, dass alle Demonstranten so wären. Und so wie sich unter den Aufständischen in Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien auch gewaltbereite Islamisten finden, heißt das doch ebensowenig, dass die Aufständischen alle so wären. Oder?

    Zitat von Earendil77 Beitrag anzeigen
    Wenn sie keine Möglichkeit finden, die Gefangenen zu internieren, müssen sie sie halt laufen lassen. Was auch sonst? Die Aussicht macht es den Gegnern auch leichter, sich zu ergeben. Und es geht hier ja offensichtlich nicht um den örtlichen Geheimdienstchef oder so, wo man einen "kurzen Prozess" unter diesen Umständen noch verstehen könnte, sondern um ganz normale Soldaten.
    Bitte überdenken Sie das noch einmal aus der Perspektive von Menschen, deren Familie gerade ermordet wurde und die ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Können Sie sich das wirklich vorstellen? Ich nicht. Aber eines weiß ich: wenn jemand mein Land, meine Mitbürger, mein Eigentum oder gar meine Familie bedroht, dann werde ich mich nötigenfalls auch mit Waffengewalt dagegen wehren.

    Ob ich da auch Gefangene töten würde, kann und will ich für mich selbst nicht mit letzter Sicherheit ausschließen. Weil ich mir nämlich nicht einmal in meinen schlimmsten Alpträumen auch nur im Entferntesten vorstellen kann, unter welch enormem Stress ich in so einer Situation stehen und in welcher emotionalen und rationalen Verfassung ich mich in einer solchen Situation befände. Obwohl, oder vielleicht gerade weil ich schon in Kriegs- und Krisengebieten war.

    Es ist ziemlich einfach, völlig risiko- und gefahrlos, sich hier in seinem warmen Sesselchen über Menschen zu erheben, die in einer Situation stecken, die wir alle hier uns nicht vorstellen können und die man keinem Menschen wünschen kann. Es ist leicht, das moralische Zeigefingerchen zu erheben und vor denen herumzuwedeln, die für uns unvorstellbarer Gewalt und andauernder akuter Lebensgefahr ausgesetzt sind.

    Aber vor allem ist es billig, die Aufständischen alle über einen Kamm zu scheren und zu behaupten, das sie allesamt blutrünstige islamistische Terroristen seien. Genau dagegen habe ich mich in meinem Beitrag Nr. 33, der unsere kleine Diskussion ausgelöst hat, aussprechen wollen.

    Zitat von Earendil77 Beitrag anzeigen
    Nein. Hab ich doch deutlich genug geschrieben.
    Da wiederum war ich mir jetzt nicht so sicher. ;-)
  10. #119

    Zitat von andrej_s. Beitrag anzeigen
    Bitte selbst genauer lesen:

    "Seit vorigem Sommer haben wir nicht ganz 150 Mann hingerichtet, das sind etwa 20 Prozent unserer Gefangenen", sagt Abu Rami. Diejenigen, die nicht für schuldig befunden und zum Tode verurteilt würden, würden gegen gefangene Rebellen oder inhaftierte Demonstranten ausgetauscht. Mehr Arbeit als die Kriegsgefangenen machten den Scharfrichtern von Homs jedoch die Rebellen aus den eigenen Reihen. "Wenn wir einen Sunniten bei Spionieren erwischen oder wenn ein Bürger die Revolution verrät, machen wir kurzen Prozess", sagt der Kämpfer. 200 bis 250 Verräter habe Husseins "Begräbnis-Brigade" seit Beginn des Aufstandes hingerichtet, so Abu Rami.


    Sie behaupten 150 Soldaten hingerichtet, wollen (150 sollen 20% sein)750 Mann (Soldaten) gefangen genommen haben und haben ausserdem 200 bis 250 "Verräter" ermordet.

    Alle Angaben dürften (hoffentlich) massiv übertrieben sein.
    Point taken.
    Da wahr ich zu schnell beim lesen Ihres Beitrages.