Rebellen in Syrien: Der Henker von Bab Amr

DPA/ SANAIn der syrischen Protesthochburg Homs machen sich die Aufständischen ihr eigenes Gesetz. Es gibt ein Standgericht - und eine Brigade von Henkern. Einer davon ist Hussein, er schneidet gefangenen Soldaten des Regimes die Kehle durch. Geschichte einer Rebellion, die ihre Unschuld verloren hat.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...823382,00.html
  1. #90

    Zitat von falksturmfels Beitrag anzeigen
    Ob die Aufständischen auf der anderen Seite für Freiheit und Demokratie kämpfen oder für einen islamistischen Staat, wer kann das sagen?
    Was wäre denn, wenn die demokratische Mehrheit der Aufständischen einen islamischen Staat will? Wäre es nicht typisch westlich-arrogant und obendrein undemokratisch, den Leuten vorschreiben, dass sie Freiheit und Demokratie zu wünschen haben? Hm.

    Und um die Verwirrung komplett zu machen: nur weil ein Teil dieser Aufständischen aus Islamisten besteht oder von diesen unterwandert ist -- was durchaus eine perfide Strategie des Assad-Regimes und seiner Verbündeten sein könnte -- so bedeutet das noch lange nicht, dass alle Aufständischen gleich auch Islamisten sein müssen. Das ist nämlich der eigentliche Punkt: die Aufständischen sind gar keine homogene Gruppe, sondern teilweise Demokraten, teilweise Islamisten und teilweise anders motivierte Menschen, deren Gemeinsamkeit nicht langfristige politische Ziele sind, sondern nur das kurzfristige Ziel, sich von der Unterdrückung des Assad-Regime zu befreien. Das ist doch auch eine bemerkenswerte Aussage: dass die Abneigung gegen das Unterdrückerregime so stark ist, dass sie sogar Demokraten und Islamisten miteinander vereint.

    Was danach kommt? Das weiß ich so wenig wie Sie, wie alle anderen hier und wie sicherlich auch die Aufständischen selbst. Aber dafür sind die Syrer dann selbst verantwortlich.

    Zitat von falksturmfels Beitrag anzeigen
    Es ist jedefalls sehr schwer zu erkennen (jedenfalls für mich :-) ), wer hier, welche Interessen hat und wer im Hintergrund die Fäden zieht. Und noch schwerer kann man voraussehen, was passieren wird, wenn die eine oder andere Partei gewinnen wird.
    Richtig. Deswegen verfolge ich persönlich einen gänzlich anderen Ansatz, nämlich einen humanistischen. Ich lehne es ab, wenn Menschen sterben, besonders wenn der einzige Grund dafür der Machterhalt eines brutalen Gewaltherrschers und seiner schmierigen innen- wie außenpolitischen Freunde ist. Ich lehne es ab, dass egal zivile Wohngebiete mit schwerer Artillerie bombardiert werden, und auch wenn ich es für nachvollziehbar halte, dass die Aufständischen keine Gefangenenlager errichten und sie noch viel weniger unterhalten können, so lehne ich es dennoch ab, dass Gefangene gefoltert oder gar getötet werden.

    Zitat von falksturmfels Beitrag anzeigen
    Was soll man also machen? Ich weiß es nicht.
    Tatsächlich kann man nur für ein Ende der Gewalt eintreten, und dafür ist Assad verantwortlich -- ganz genauso, wie er ja auch für ihren Ausbruch verantwortlich war und ist. Wie es danach weitergeht, ob mit Assad oder ohne, ob in einem vereinten Syrien oder mit einer Aufteilung auf mehrere Einzelstaaten, oder oder oder: das ist dann Sache der Syrer, und deren Entscheidung ist zu akzeptieren. Wenn diese in einem islamischen Staat leben wollen, müssen wir schauen, ob wir uns damit arrangieren können und wollen -- und, ganz ehrlich: sogar die Schari'a halte ich trotz aller berechtigten Kritikpunkte daran für ein besseres Rechtssystem als die rechtlose und korrupte Willkürherrschaft des Assad-Regime.
  2. #91

    Zitat von Earendil77 Beitrag anzeigen
    Völlig korrekt. Es ist auch nicht grundsätzlich zu kritisieren, dass die Aufständischen nach monatelanger Gewalt gegen friedliche Demonstrationen selbst zu Gewalt bzw. militärischen Mitteln greifen. Da ist höchstens die Frage, ob sie damit realistischerweise Erfolg haben können.

    ABER: Das rechtfertigt nie und nimmer, Gefangene und "Verräter" zu foltern und zu massakrieren! Man sollte den Rechtfertigungen der Mörder da nicht auf den Leim gehen: Viele Menschen haben selbst Folter und den Verlust von Angehörigen durchgemacht, ohne selber zu Mördern zu werden. Nein, diese Entscheidung hat der Mann bzw. seine Gruppe allein getroffen, dazu wurden sie nicht gezwungen.
    Ich weiß, dass Sie eine Erklärung von einer Rechtfertigung unterscheiden können, daher...

    Alles richtig, natürlich. Es stellt sich die Frage, was die Aufständischen da machen sollen, rein praktisch gesehen. Die haben nämlich gar keine Mittel und Möglichkeiten, Gefangenenlager zu unterhalten. Wir reden hier doch nicht von einem bewaffneten Konflikt zwischen zwei Staaten, die an die Haager Landkriegsordnung gebunden sind (oder jedenfalls sein sollten) und über die Mittel und Möglichkeiten verfügen, Gefangene zu versorgen. Und gefangene Soldaten mit einem "Du, Du, Du" laufen zu lassen... ich fürchte, für einen Aufständischen, der gerade seine Familie verloren hat und dessen Frau vor ihrer Ermordung noch vergewaltigt wurde, ist das wahrscheinlich keine echte Option. Gut finde ich das trotzdem nicht.

    Zitat von Earendil77 Beitrag anzeigen
    Sicher war es notwendig, die Revolutionen 1789 ff. in Frankreich und 1917 ff. in Russland gewaltsam / militärisch zu verteidigen.
    Hm. Mit Terror? Eher nicht.
  3. #92

    Zitat von alnemsi Beitrag anzeigen
    Von sowjetischer Herkunft sind sie sicherlich, schließlich ist auch fast die gesamte Bewaffnung der Hisb'allah sowie der irakischen Armee aus sowjetischen Fabriken gekommen, wenn auch auf dem ein oder anderen Umweg.
    Vermutlich liegt das daran, dass früher die Sowjetunion und heute Russland jeden mit Waffen geradezu überhäuft hat, der etwas gegen den Westen hatte. Demzufolge finden Sie sowjetische und russische Waffen in jedem Krisen-, Konflikt- und Kriegsgebiet der Welt, stellvertretend die AK (Awtomat Kalaschnikowa). Von diesem vollautomatischen Sturmgewehr gibt es tatsächlich ganze 110 Millionen Stück auf der Welt, und es ist mit sehr, sehr weitem Abstand das meistproduzierte und -verkaufte Sturmgewehr der Welt. Zum Vergleich: auf Platz 2 dieser Liste liegt das M-16 mit etwa 8 Millionen Stück.
  4. #93

    Zitat von gievlos Beitrag anzeigen
    Generell gebe ich Ihnen Recht, in einem Punkt möchte ich aber widersprechen. Auch in unseren so weit entwickelten Kulturkreisen war genau dieses Verhalten, wie im Artikel beschrieben, vor wenigen Jahrzehnten möglich. Und wäre es unter den gegebenen Umständen auch heute noch. Denken Sie einfach an die französischen, russischen oder italienischen Partisanen im zweiten Weltkrieg. Und um nichts anderes handelt es sich bei den aufständischen Kämpfern in Syrien. Es sind keine friedlichen Demonstranten, es sind aber auch keine fanatischen Terroristen ohne Rückhalt in der Bevölkerung - auch die wird es dort geben. Aber sie würden sich anders verhalten. Nein, diese Menschen, von denen hier berichtet wird, leben, kämpfen und töten wie Partisanen. Ganz unabhängig davon, wie man das Wort Partisane werten will. Und genau so werden sie auch von der Armee und den Milizen bekämpft. Es ist eine einzige Gewaltspirale

    Da gebe ich Ihnen völlig recht. Spätestens seit Freud, drittem Reich und Stalinismus wissen wir, daß zwischen Zivilisation und Barbarei nur ein hauchdünner Grat besteht.
  5. #94

    Zitat von marwankhoury Beitrag anzeigen
    Als Syrer kenne ich mich aus. Der Geheimdienst von Assad, welche für alle Greultaten fähig ist , hat diese GESCHICHTE ERFUNDEN:
    ich weiss nur eines : wir wollen Freiheit, und dafür starb bis jetzt 10 000 menschen. ich glaube diese geschichte nicht ABER AUCH wenn sie richtig ist , dann VERURTEILE ich diese Leute die Selbst Justiz übernommen haben. Jedoch läßt mich das nicht für assad sein. Dieses Regime ist Mörder, Korrupt gegen Menschenrechte und gegen Freiheit und hat nach alle internationale Kriterien seine Legimität verloren.

    Europa soll Ihre Verantwortung für die Menschen Schutz übernehmen und die Syrer von dem Mord schützen , damit auch selbstjustiz aufhört , falls vorhanden ist. die leute die Ihrer Kinder oder frauen oder Eltern verloren haben , oder ihre Frauen vor ihre Augen vergewaltigt sind , SIND FÜR EINE RACHE FÄHIG.


    Das ist etwas widersprüchlich. Einerseits behaupten Sie, daß solchen Geschichten vom Assad-Regime frei erfunden werden, andererseits äußern Sie Verständnis für Rachegelüste bei Assad-Opfern.

    Marwan Khoury
  6. #95

    äpfel und birnen

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Natürlich jubeln jetzt all jene, die "es schon immer gewusst" haben. Es ist vermutlich müßig, darauf hinzuweisen, dass erst Assads massive Gewalt gegen friedliche Demonstranten die Situation so hat eskalieren lassen -- da kommen von den Freunden Assads, Russlands und Chinas nur wieder bescheuerte Vergleiche mit Stuttgart21 und Heiligendamm. Ich frage mich nur, was die Aufständischen nach Ansicht dieser Leute tun sollten -- sich einfach wehrlos massakrieren lassen?
    Sich zu wehren und zurückzuschießen ist eine sache.

    kriegsgefangene auf brutalstmögliche art ( dazu zähle ich nämlich das halsaufschneiden mit nem alten russischen bajonett o ähnliches ) zu ermorden und offensiv mit bombenanschlägen und anderen terroristischen mitteln und methoden das regime zu attakieren ohne rücksicht auf zivile opfer, etwas völlig anderes, zumindest wenn man für sich das moralische recht und die richtige, gute, gerechte seite beansprucht.

    ich hoffe sie ändern ihre ansicht wenn es nicht mehr die assadschen schergen und unterstützer oder ganz einfache leute sondern soldaten unserer streitkräfte und die unserer verbündeter trifft. ich persönlich habe keine lust geliebten menschen in einem anderen aufregenden exotischen land das letzte geleit zu geben.

    ansonsten, guten morgen
  7. #96

    Zitat von alphabravo31 Beitrag anzeigen
    Sich zu wehren und zurückzuschießen ist eine sache.

    kriegsgefangene auf brutalstmögliche art ( dazu zähle ich nämlich das halsaufschneiden mit nem alten russischen bajonett o ähnliches ) zu ermorden und offensiv mit bombenanschlägen und anderen terroristischen mitteln und methoden das regime zu attakieren ohne rücksicht auf zivile opfer, etwas völlig anderes, zumindest wenn man für sich das moralische recht und die richtige, gute, gerechte seite beansprucht.

    ich hoffe sie ändern ihre ansicht wenn es nicht mehr die assadschen schergen und unterstützer oder ganz einfache leute sondern soldaten unserer streitkräfte und die unserer verbündeter trifft. ich persönlich habe keine lust geliebten menschen in einem anderen aufregenden exotischen land das letzte geleit zu geben.

    ansonsten, guten morgen
    Wo sollen sie die Gefangenen einsperren?
  8. #97

    Chaoten-Regime

    Zitat von d.wanze Beitrag anzeigen
    Assad hat 2 Millionen Irakische Flüchtlinge aufgenommen. Da können wir aber von Glück reden das Syrien dem Irak nicht den Krieg erklärt hat, oder wie?
    Die Türkei sieht sich als Modell für die Staaten der Region. Sie sieht sich nicht als Stütze der gescheiterten Autokraten von gestern und wird nicht ewig zuschauen, wie die syrische Staatsmafia die "Assad-inkompatible" Bevölkerung in die Türkei und den Libanon treibt. Das syrische Chaoten-Regime wird immer mehr zu einer Gefahr für die Stabilität in der Region.

    Damaskus: Türkei schließt Botschaft in Syrien - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
  9. #98

    ---

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen
    Assad hat die Demonstranten systematisch, gezielt und geplant massakriert, und nun weinen Sie bittere Krokodilstränchen, weil die es tatsächlich wagen, sich dagegen zu wehren.
    Zumindest die, um die es gerade geht, tun weit mehr als sich nur zu wehren. Auch wenn man dem Aufstand mit Sympathie begegnet, sollte man Folter und Mord von Seiten der Rebellen weder gutheißen noch mit der Brutalität des Regimes rechtfertigen.

    Man sollte auch nicht vergessen, dass sowas auch der Revolution einen Bärendienst erweist. Wenn die Assad-Anhänger - und das sind nach wie vor nicht ganz wenige in Syrien - wissen, dass sie nach dem Umsturz massakriert werden, werden sie nur umso entschlossener bei der Stange bleiben. Und bei neutralen Menschen wie auch bei auswärtigen Unterstützern kostet solche Brutalität ziemlich viel Sympathie.
  10. #99

    Begriffe

    Zitat von nocheinbuerger Beitrag anzeigen
    Die Wahrheit ist, daß es niemals eine "unschuldige" oder "friedliche" Rebellion in Syrien gab respektive gibt. Was es gibt, ist ein blutiger und zunehmend barbarisch geführter Bürgerkrieg,
    Schon die Wortwahl ist entscheidend, "Revolution", "Bürgerkrieg" oder sogar "Terrorismus"? Der Begriff enthält bereits die Wertung.
    War der amerikanische Sezession z.B. eine "Revolution" gegen die Zentralregierung? Nein, weil sie nämlich gescheitert ist.
    War die französische Erstürmung der Bastille ein terroristischer Akt? Nein, weil die Handlung erfolgreich war.