Studentische Selbsttäuschung: Juhu, ich langweile mich

CorbisDas Referatsthema ist öde, das Studium langweilig, der Job ätzend. Doch wir verteidigen alles als spannend, interessant, herausfordernd, vor allem vor uns selbst. Stefanie Unsleber, 24, spürt solchen Uni-Alltagsphänomenen nach - und erklärt, wie wir uns selbst austricksen.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...822468,00.html
  1. #1

    ziemlich dramatisch

    Da hat die autorin mit ein paar klugen worten aus dem psychologiebuch das ziemlich allgemeine und weitverbreitete phänomen des gnädigen selbstbetruges beschrieben - am eigenen beispiel.

    das Schlimme dabei ist ja nicht, dass sie sich selbst belog. Das schlimme ist: ihren ausführungen ist zu entnehmen, dass Psychologie eigentlich das fach ihrer wahl gewesen wäre!
    das schlimme ist: sie hat ihre eltern belogen, hat nicht den mut aufgebracht zu sagen "sorry, auch das mit der politikwissenschaft war ein schuss in den ofen", und aber, vor allem: sie hat die gesellschaft betrogen!

    Ich glaube an den satz, dass jemand nur dort wirklich gut ist, was er persönlich auch wirklich "will". Und nichts braucht unsere gesellschaft dringender, als wirklich gute leute, ob im handwerk, in der wissenschaft, in der politik, oder der psychologie. Gnädige selbstbetrüger, mediocre, die sich halt so durchwurschteln, interesse und aktivität nur heucheln, aber ansonsten den herrngott einen guten mann sein lassen und in der sache nie wirklich etwas beitragen - davon haben wir in unserem lande mehr als genug.

    das nebenfach psychologie bringt der autorin wohl gar nichts, ausser ein paar kluge worte, die sie nun gelernt hat. Schade für sie, aber v.a. schade für die gesellschaft, schade für die psychisch kranken menschen, denen sie hätte helfen können, schade für die sache, egal in welcher richtung sie sich engagiert hätte.
  2. #2

    Re: Ziemlich dramatisch

    Zitat von autocrator Beitrag anzeigen
    das nebenfach psychologie bringt der autorin wohl gar nichts, ausser ein paar kluge worte, die sie nun gelernt hat. Schade für sie, aber v.a. schade für die gesellschaft, schade für die psychisch kranken menschen, denen sie hätte helfen können, schade für die sache, egal in welcher richtung sie sich engagiert hätte.
    Ziemlich dramatisch sind nur Ihre Ausführungen.
    Ich denke das mit der Kognitiven Dissonanz ist so eine Sache. Auf der einen Seite redet man sich Dinge schön, die nicht schön sind, auf der anderen Seite aber hat jeder Studiengang seine langweiligen und uninteressanten Bereiche, egal wir sehr man sich für das eigentliche Fach interessiert. Auf einer Universität sollten Studiengänge meines Erachtens auch breitere Kompetenzen vermitteln und etwas zur persönlichen Reifung beitragen, und das tun sie bisweilen auch. Wenn sich die Dame für Politik interessiert, kann ihre Studienwahl nicht komplett verkehrt gewesen sein, selbst wenn sie verständlicherweise dem Thailändischen Parteiensystem nichts abgewinnen kann. Und nur weil man gewisse Teile aus der Psychologie interessant findet, wird man noch kein guter Psycholge.
  3. #3

    Großer Fachbereich

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Referatsthema ist öde, das Studium langweilig, der Job ätzend. Doch wir verteidigen alles al
    Sie sollte sich eine Uni mit einem großen Gesellschaftswissenschaftenbereich suchen. Ich kann - trotz des Bachelors - sehr viel frei wählen und Veranstaltungen der Politikwissenschaft, Soziologie, Kulturwissenschaft und Umweltwissenschaft besuchen. Daneben Softskillkurse in Moderation, Visualisierung, journalistisches schreiben.
    Ich bräuchte viel mehr Zeit, den ich dank des Bachelors nicht habe, um die ganzen interessanten Veranstaltungen zu besuchen.
  4. #4

    Langeweile im Studium

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Referatsthema ist öde, das Studium langweilig, der Job ätzend. Doch wir verteidigen alles al
    Jaja, das kennen wohl alle Studenten. Der einzige, der das Thema wichtig findet, ist der Prof. Und bei dem deshalb, weil er Geld dafür bekommt... Und als Anfänger-Prof nicht mal besonders viel.
  5. #5

    Zitat von J.Fuchs Beitrag anzeigen
    Auf der einen Seite redet man sich Dinge schön, die nicht schön sind, auf der anderen Seite aber hat jeder Studiengang seine langweiligen und uninteressanten Bereiche, egal wir sehr man sich für das eigentliche Fach interessiert.
    Ich denke, letzteres ist eher der Punkt und die "kognitive Dissonanz" darum auch irrelevant. Das Problem ist eher, dass viele Studenten ähnlich naiv wie die Autoren an ein Studium herangehen und meinen, nur weil etwas grundsätzlich cool und interessant klingt, wäre dann jede einzelne Vorlesung actionbepackte Unterhaltung. Was natürlich Quatsch ist. Theorie und Details einer Ausbildung oder Arbeit sind nie von A bis Z interessant geschweige denn reiner Spass. Auch im besten Studium oder Traumjob nicht.

    Weshalb man sich eigentlich bewusst sein sollte, dass Arbeit halt auch immer Arbeit bedeutet und manchmal etwas Sitzleder erfordert. Oder einfach langweilig sein kann. Was aber auch kein Problem ist, solange man auf übergeordneter Ebene die Motivation und das nötige Interesse behält. Weshalb es oft auch nicht wirklich nachvollziehbar ist, wie viele Studenten mit derart falschen Erwartungen an die Sache herangehen und dann wegen dieser Enttäuschung und dem ersten Widerstand gleich hinschmeissen. Etwas "kognitive Dissonanz" sollte man ja noch verkraften können, zumal die Motivation auch sein sollte, das Ziel zu erreichen.
  6. #6

    Nach dem Studium geht's weiter

    Mit der Selbsttäuschung geht's nach der Uni fließend weiter. Also mal ganz abgesehen von Leuten, die ihr Hobby zum Beruf machen und deshalb nicht lügen/übertreiben, wenn sie sagen: Ich liebe/mag meinen Job. Wieso ist es eigentlich so verpöhnt, wenn man einfach mal die Wahrheit sagt: Ich arbeite für Geld. Das ist mein Hauptmotiv.
  7. #7

    Bitte mal aus einer anderen wiss. Disziplin!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Referatsthema ist öde, das Studium langweilig, der Job ätzend. Doch wir verteidigen alles al
    Ich wünsche mir, dass vom Spiegel auch mal das Leben einer /eines nicht-geisteswissenschaftlichen Studierenden beleuchtet wird. Ich wette, dadurch würde die geneigte Leserschaft auch einmal einen anderen Blick auf das Studieren werfen können.
  8. #8

    Love it, leave it or change it...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Referatsthema ist öde, das Studium langweilig, der Job ätzend. Doch wir verteidigen alles al
    Wenn man es nicht ändern oder lassen kann/will, muss man es sich halt schönreden bis man selber dran glaubt. Das gilt so ziemlich für alles und ist überall zu beobachten.
    Irgendwann - sehr viel später - kommt dann das böse Erwachen...
  9. #9

    Interessen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Referatsthema ist öde, das Studium langweilig, der Job ätzend. Doch wir verteidigen alles als herausfordernd...
    Das kommt dabei raus, wenn man gesellschaftlichen Erwartungen folgt statt seinen eigenen Interessen. Wer wirklich studiert (und tut) was einem Spaß macht, hat den Selbstbetrug nicht nötig.

    Andererseits kann man das von ganz jungen Menschen vielleicht auch noch nicht erwarten. Probieren durch Versuch und Irrtum gehört ja auch dazu.