Öffentlicher Nahverkehr: Verloren in der Tarif-Todeszone

DPAÖffentlicher Nahverkehr könnte ja so schön sein - wäre da nicht die Sache mit dem Fahrkartenkauf. Gelten Tickets der Stufe 3 auch im Großbereich B? Oder nur in den Zonen eins bis sieben ohne Hund? Eine Reise ins unendliche Dickicht der deutschen ÖPNV-Tarife.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...816980,00.html
  1. #170

    Ingel und Rasierpinsel

    Zitat von kaba06 Beitrag anzeigen
    ...
    Interessanter wäre es mal, die Angebote in Deutschland selbst hinsichtlich Komfort und Netzdichte zu vergleichen: München prima, dann kommt lange nichts, dann Berlin, Stuttgart und Hannover, dann wieder sehr lange nichts.
    Und wieder, Sie negieren den Faktor Preis, schon mal etwas von Preis-Absatz Funktion vernommen. Die Menschen vergleichen doch zu recht den Preis einer Busfahrt mit dem einer KFZ Fahrt. Sie als MVV stehen doch nicht im Wettbewerb zum RMV oder zur BVG? Was soll man da sinnvoll vergleichen - außer den Preis?
  2. #171

    Wertverlust

    Zitat von JupiterIII Beitrag anzeigen
    ... Allerdings reden wir hier über reiche Gemeinden, die daran keinerlei Interesse haben.
    Ich kenne die Problematik. Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Aber D hat generell ein Problem mit dem Nahverkehr, gut, es ist dezentraler aufgebaut. Aber die Kosten sind zu hoch. 8 Euro für realistisch 3 km. Da wird es bitter, sehr bitter und auch bei 0,80 Cent je km. Wenn wir wie die Amis in Miles per gallon rechnen würden, dann würde man das sehen. Sagen wir 10l auf 100 km, macht 1l auf 10km, macht pro km 17 Cent. Alles hoch gegriffen.Schafft man inklusive Wertverlist des PKW und Steuern mit dem ÖPNV nie. Schon gar nicht, wenn da der km über 2 Euro kostet und schon gar nicht bei Gasanlage im Auto.
  3. #172

    Irrsinn?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Öffentlicher Nahverkehr könnte ja so schön sein - wäre da nicht die Sache mit dem Fahrkartenkauf. Gelten Tickets der Stufe 3 auch im Großbereich B? Oder nur in den Zonen eins bis sieben ohne Hund? Eine Reise ins unendliche Dickicht der deutschen ÖPNV-Tarife.

    Öffentlicher Nahverkehr: Verloren in der Tarif-Todeszone - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Der Wahnsinn beginnt schon bei dem Gedanken warum nicht für alle passen soll was sich bewährt hat? Warum das Rad immer wieder neu erfinden? Warum soviel Energie in etwas stecken was längst gelöst ist?
    Speziell wir Deutsche neigen dazu der "Gerechtigkeit" großen Raum zu geben. So haben wir es zum kompliziertesten Steuersystem gebracht und gleich danach kommt der Münchener MVV.
    Der Blechlawine einhalt zu gebieten - das klingt wie Hohn, anläßlich der Preise, die bei Einzelfahrten schon nahe an die Preise von Taxis kommen. Wer denkt sich sowas aus?
    Deshalb nehme ich wo immer es geht das Auto, oder das Fahrrad.
    Ich verabscheue den ÖPV, denn er ist Verarsche!
  4. #173

    Vergleichen lohnt sich...

    Zitat von Liberalitärer Beitrag anzeigen
    Und wieder, Sie negieren den Faktor Preis, schon mal etwas von Preis-Absatz Funktion vernommen. Die Menschen vergleichen doch zu recht den Preis einer Busfahrt mit dem einer KFZ Fahrt. Sie als MVV stehen doch nicht im Wettbewerb zum RMV oder zur BVG? Was soll man da sinnvoll vergleichen - außer den Preis?
    ..weil die Angebote woanders funktionieren. Man sollte sich als Stadt/Region, z.B. Hamburg oder Düsseldorf oder Köln oder Frankfurt schon fragen: Warum haben München, Hannover, Stuttgart, Karlsruhe so viel besseren ÖPNV als wir?

    Aber es gilt: Not invented here. Dann kann man wie die SPD in Hamburg sagen: Der ÖPNV ist zwar Mist, aber 1. haben wir keine Kohle, weil wir ein paar 100 Millionen in 3 km U-Bahn verbuddelt haben, der wir sogar eigene Nummer geben (eigentlich ist die U2 ein Zweig der U4 weil von den sinnvollen Plänen nichts übriggeblieben ist) 2. Haben wir den ganzen Verhinderern und Wutbürgern versprochen, dass es keine Straßenbahn geben wird und 3. Beschleunigen wir die Busse in dem in Zukunft nur noch vorne eingestiegen wird. Die Hochbahn/HVV Sitzungen stelle ich mir in der Tat so ähnlich vor, wie die Sitzungen in der Sparkasse Reklame: Wir machen das mit den Fähnchen! Es nützt ja auch nichts, dass der Sprit immer teurer wird, denn die Fahrpreise im ÖPNV steigen ja auch immer mit Blick auf die Energiekosten.
  5. #174

    Aber...

    Zitat von rockpommel1963 Beitrag anzeigen
    Wussten Sie, dass Bahncard 100 Inhaber die S-Bahn, Strassenbahn, U-Bahn und auch Busse benutzen können ohne zusätzlich bezahlen zu müssen und das in jeder Stadt in Deutschland.
    ... in allen Städten befindet man sich ja nicht so oft. Meist ist man ja nur in ein bis zwei Städten. Außerdem gilt das dann nicht für eigene Kinder. Und z.B. in Meerbusch (ist eine Stadt, mit Bahnhof, wirklich!) kann man die Bahncard 100 in Bussen und Straßenbahn nicht benutzen. Ebensowenig in Husum, Pinneberg, Itzehoe, Langenhagen, Hilden, Bingen, Siegburg (außer auf der Linie 66) ......diese Städte haben teilweise Fernverkehrsanschluss.
  6. #175

    ein/ausbrechender Verkehr, virtuell Zug fahren etc

    Mmh, also ich finde dass sich alles noch im Rahmen hält solange man einen bestimmten Verkehrsverbund nicht verlässt. Schwierig wird es doch erst wenn man dies tut und ein und ausbrechender Verkehr nicht erlaubt ist, dann kommt es zur absurden Situation dass man für die Stationen A und B an den jeweiligen Tarifverbundgrenzen zwar ein Ticket hat aber nicht für die zwei Minuten Fahrzeit dazwischen.

    Oder dass man angeblich keine zwei Tickets zweier Verbünde kombinieren darf wenn der Grenzbahnhof ein einziger Bahnhof ist und man theoretisch dann nur nach DB Tarif fahren darf auch wenn dies mehr kostet.

    Oder man kombiniert ein RegioTicketNamedesBundeslandes (hin- und zurück für 11 Euro bis 50km einfach aber nur falls Start und Ziel in unterschiedlichen Verbünden liegen - oder eben nicht in einem Verbund) mit einer Verbundfahrkarte damit man es zur ersten Station schafft an der dieses Ticket gilt.

    Oder virtuell Bahn fahren, das ist erst lustig: Man kauft sich eine Fahrkarte nach DB Tarif (mit BC Rabatt) nach C obwohl man nur bis B möchte, weil es billiger ist als der Verbundtarif (ohne BC Rabatt) nach B.

    Oder die Fahrkarte kostet für die gleiche Strecke (und den gleichen Zug) unterschiedlich viel je nachdem ob man das Ticket aus dem DB Automaten oder dem Nahverkehrsautomaten zieht (weil entweder DB Tarif oder Verbundtarif) z.B. in Aalen...

    Nimmt man nun noch ein Fahrrad mit, kann es sehr lustig werden (kostenlos? Kinderpreis? DB Tageskarte? und was ist wenn man eine Verbundgrenze überquert wenn beide Verbünde das Fahrrad zu dieser Tageszeit auf dieser Strecke kostenlos mitnehmen? - richtig, DB Tageskarte für vierfuffzig - aber Moment Mal, ist doch beides Mal kostenlos?!)...oder man nimmt einen Zug den ein privater Akteur ins Tarifgebiet eines anderen hineinfahren lässt und dafür ein Spezialticket anbietet, was man aber nicht unbedingt überall kaufen kann wo es gilt (Europass 24+FDS gilt im CUS in Strasburg, der TGO im Ortenaukreis und auf der Schienenstrecke nach Freudenstadt, sogar bis Freudenstadt Stadt obwohl dort eine Karlsruher Straßenbahn operated by KVV im Netz der Verkehrsbetriebe Freudenstadt fährt!) - kaufen kann man diese Karte aber nicht in Frankreich obwohl sie dort gültig ist...(Oder BaWü Ticket was netterweise auch bis Würzburg gilt obwohl das nun wirklich tief in Bayern liegt. Nett? Ja! Logisch? Naja...)
  7. #176

    ÖPNV Flatrate

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Öffentlicher Nahverkehr könnte ja so schön sein - wäre da nicht die Sache mit dem Fahrkartenkauf. Gelten Tickets der Stufe 3 auch im Großbereich B? Oder nur in den Zonen eins bis sieben ohne Hund? Eine Reise ins unendliche Dickicht der deutschen ÖPNV-Tarife.

    Öffentlicher Nahverkehr: Verloren in der Tarif-Todeszone - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

    Wär das nicht die Lösung ? Eine Jahreskarte, gilt überall und immer.
    Und nur wer keine hat muss sich weiter mit diesen kruden Tarifen rumärgern.

    Aber stattdessen entwickeln die Verbünde lieber Apps die das eigene Händy in einen Fahrkartenautomaten verwandeln und bauen weiter Personal und Fahrkartenautomaten ab.
  8. #177

    Eschborn und Frankfurt

    Zitat von JupiterIII Beitrag anzeigen
    Ein großes Problem sind die Gewerbesteuerhebesätze der Umlandgemeinden. Frankfurt ist nicht so groß, daß es sich nicht lohnen würde ins Umland zu ziehen. Das beste Beispiel hierfür ist die Deutsche Börse AG in Eschborn, der Sitz ist zwar noch in Frankfurt aber die Arbeitsplätze sind in Eschborn - so fehlen Steuereinnahmen in Frankfurt. Das limitiert die Möglichkeiten den ÖPNV auszubauen oder die Tarife zu senken.

    Besonders bemerkenswert hierbei, dass das Eschborner Büroviertel, in dem noch zahlreiche andere Arbeitgeber aus dem Bankensektor (so z. B. die Deutsche Bank AG) angesiedelt sind, über eine S-Bahn-Haltestelle namens Eschborn Süd erschlossen wird, die aus irgendwelchen im Dickicht der siebziger Jahre verschütt' gegangenen politischen Gründen noch dem Frankfurter Stadttarif (Tarifgebiet 50) zugeschlagen wurde bzw. genau auf der Grenze der Frankfurter und Eschborner Tarifwaben liegt.

    Den Pendler - und insbesondere die großen Unternehmen, für die damit ein erheblich geringerer finanziellen Aufwand für sog. Jobtickets anfällt - mag's freuen; die Gewerbesteuer landet jedoch alleine im Eschborner Stadtsäckel. Zwar sicherlich bereits ein anderes Thema, jedoch zeigt dies treffend auf, wie sich die Irrnisse und Wirrnisse der politischen Willensbildung in der Vergangenheit in infrastrukturellen Gegebenheiten - hier: des RMVs und seines intransparenten Tarifsystems - niederschlägt.
  9. #178

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Öffentlicher Nahverkehr könnte ja so schön sein - wäre da nicht die Sache mit dem Fahrkartenkauf. Gelten Tickets der Stufe 3 auch im Großbereich B? Oder nur in den Zonen eins bis sieben ohne Hund? Eine Reise ins unendliche Dickicht der deutschen ÖPNV-Tarife.
    Herrlicher Beitrag, trifft den nagel auf den Kopf.

    Aber Paris und London sind mitnichten einfacher. Das "Ein-Preis-Systm" gilt nämlich nur in der U-Bahn. Fahren Sie mal als Pendler per Regionalzug in die Banlieue und dann mit dem Bus weiter - ich wünsche viel Spass.

    Den Haag war bis vor Kurzen noch skurriler: In der blauen Straßenbahn muss man am Bahnsteig stempeln, in der roten Straßenbahn nur im Fahrzeug. Besonders nett, wenn die Wagen Ganzreklame tragen...

    Aber Holland hats kapiert: Da gibts die OV-Chokaart. Beim Einsteigen kurz an ein Gerät halten, beim Aussteigen wieder - fertig. Ich fands klasse.
  10. #179

    Qualität

    Zitat von kaba06 Beitrag anzeigen
    ..weil die Angebote woanders funktionieren. Man sollte sich als Stadt/Region, z.B. Hamburg oder Düsseldorf oder Köln oder Frankfurt schon fragen: Warum haben München, Hannover, Stuttgart, Karlsruhe so viel besseren ÖPNV als wir? ...
    Wissen Sie, das ist berechtigt, aber prinzipiell erwarte ich vom ÖPNV preisgünstig und sicher von A nach B zu befördert zu werden. Ja, Sicherheit kostet, das sehe ich ein. Ich bin vielleicht 4 mal im Jahr in München, ÖPNV nehme ich meistens für Messen, weil es schneller geht als Taxi. Ich erwarte da keine orgiastischen Erlebnisse. Wo das Geld beim Geld bleibt, versteht wohl wirklich niemand, einiges geht sicher in Prestigeprojekte, aber die Verwaltung ist mit Sicherheit suboptimal. Nehmen wir diese neuen Automaten, die Region hätte auch ein RFID System einführen können - mal wieder Pustekuchen. Das geschieht leider immer wieder. Aber, das hat v. Hajek geblickt, man muss nicht so sehr qualitativ vergleichen. In einem Markt übernimmt diese Informationsfunktion für den Kunden der Preis. Leider gibt es den hier nicht.