Anonyme Meinungsäußerungen im Internet – mehr Schaden als Nutzen?

Die Anonymität, die das Internet bietet, wird von manchen als sinnvoll und nötig, von anderen als Anreiz zum Missbrauch gesehen. Sicher würde es manche Hinweise und Darstellungen ohne den Schutz der eigenen Identität nicht geben - aber sollte nicht jeder hinter seinen Äußerungen mit seinem Klarnamen stehen? Beinhaltet die Anonymität des Internet mehr Schaden oder mehr Nutzen?
  1. #10

    Die entgrenzte Netzfreiheit

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Und dann aber drauf auf die z.Guttenbergs, Wulffs, Kachelmänner und auf die Westerwelles und vor allem auf die Missliebigen in der eigenen Umgebung, auf die Streber in der Schule wie auf Schwächlinge. Die "Große Freiheit Nr. 7" für alle, also auch für den Missbrauch.
    Eines Tages fand ich eher zufällig eine Meldung über eine mehr oder weniger öffentliche Person, dessen Ehefrau soeben ein Kind zur Welt gebracht hatte. Noch am selben Tag draschen die anonymen Online-Kommentatoren wie besinnungslos auf den jungen Vater ein: Der sei doch viel zu hässlich, um Kinder in die Welt zu setzen. Verantwortungslos!
    Meine etwas befremdete Nachfrage, ob die Anmahner von Veranwortlichkeit denn glaubten, dass der Beschimpfte solche Kommentare nicht selber auch lese, führten mitnichten zur Mäßigung. Stattdessen stellte jemand kühl fest, das sei erstens gewollt und zweitens auch irrelevant: Der Betreffende verfüge ja wohl über einen Spiegel und wisse das selbst am besten.
    Die totale Netzfreiheit, wie sie die Piratenpartei zur Zeit einfordert, hat mit dem Totalen Markt so Einiges gemeinsam. Nicht zuletzt, weil beider Befürworter die Kehrseite der Medaille konsequent ignorieren. Präsident Lammert verdient Dank, weil er in einer geradezu historischen Rede darauf hingewiesen hat, was die totale Netz- (und Hetz-) Freiheit womöglich zur Disposition stellt: Unter Anderem nichts Geringeres als die Würde des Menschen, deren Unantastbarkeit unsere Verfassung garantiert. Auch das völlig entgrenzte freie Wort kann sie beschädigen.
  2. #11

    Ich sehe das Problem mit der Anonymität nicht. Zwar kann jeder seine Meinung äußern ohne seinen Namen dahinter zu schreiben. Aber wenn er möchte, dass seine Meinung richtig Ernst genommen wird und man auf ihn eingeht, muss er schon seinen Namen dazu schreiben. Da es so einfach ist, eine anonyme Meinung ab zu geben und dies auch oft missbraucht wird, ist eine anonyme Meinung einfach nicht mehr viel wert.
  3. #12

    Name ist nicht gleich Name.

    Wenn ich Thomas Meyer heiße, dann kann ich auch getrost auf Anonymität im Inernet verzichten. Der Zwang zum Klarnamen im virtuellen Bereich würde automatisch Menschen ungleich behandeln.

    Im realen Leben existiert diese Problematik nicht: Entweder gehört zu dem Namen dann auch ein Gesicht (was eine zweifelsfreie Zuordnung auch bei Thomas Meyer ermöglicht) oder eine Adresse (was i.d.R. ebenfalls eine zweifelsfreie Zuordnung bei Thomas Meyer ermöglicht).

    Um das zu umgehen, müsste man nicht nur den Klarnamen, sondern auch die Adresse im Internet angeben.

    Da niemand gerne mit voller Adresse im Internet stehen möchte, würde also jeder Beitrag im Internet eine vorherige Anmeldung mit Hinterlegung von Name und Adresse (die auch noch verifiziert werden müssten) erforderlich machen, um dann unter einem Pseudonym (dem jedoch eine zweifelsfreie natürliche Person zuordenbar ist) schreiben zu können.

    Zum Thema Verifizierung: Da ich ja im Internet einfach den Namen und die Adresse meines Nachbarn angeben könnte, müsste das Ganze per Postident-Verfahren oder am besten einen Verwaltungsakt (Einwohnermeldeamt) kontrolliert, protokolliert und standardisiert werden. Das ist notwendig, weil ja gerade die Personen, die strafrechtlich relevante Äußerungen im Internet tätigen möchten, jede Gelegenheit nutzen werden, um ihre eigene Identifizierung zu verhindern. Und der arme Nachbar ist sonst am Ar***.
  4. #13

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Anonymität, die das Internet bietet, wird von manchen als sinnvoll und nötig, von anderen als Anreiz zum Missbrauch gesehen. Sicher würde es manche Hinweise und Darstellungen ohne den Schutz der eigenen Identität nicht geben - aber sollte nicht jeder hinter seinen Äußerungen mit seinem Klarnamen stehen? Beinhaltet die Anonymität des Internet mehr Schaden oder mehr Nutzen?

    Das offene und lebendige Internet ist geprägt von der Möglichkeit zur anonymen Meinungsäußerung und macht es zu dem was es ist. In Foren, bei Facebook, auf Plattformen zu privaten Dingen wie Hobbys, Stricktreffen, Modellbaufreunde, Austausch bei Motorölfragen oder um sich bei technischen Angelegenheiten in einem Fachforum einen wertvollen Tipp zu holen. Ohne die Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen, den Chef und den Rest der mit dem Finger zeigenden Welt hat man die Möglichkeit sich auszutauschen, zu lernen, und auf einer anderen Ebene Menschen kennen und schätzen zu lernen, deren Namen keine Rolle spielen. Wenn man alles abschaffen würde, was von der üblichen Quote Vollidioten aus allen Schichten missbraucht werden kann, wäre außer Sonne und Mond nichts mehr da on planet earth.
  5. #14

    1984

    Ich habe kein Problem damit meine Meinung auch laut zu sagen. Ich tu das nicht nur online. Aber was ich sagen will ist, wer sich unbemerkt im Netz bewegen will, hat schlechte Karten. Wenn ich eine Nachricht nur einer einzigen Person zukommen lassen will, geht das nicht online. Da ist immer "eine dritte Person" im Hintergrund. Und diese "Person" kann alles zurückverfolgen und tut es auch. Das hat nichts mit Paranoia zu tun. Im Zeitalter des Sicherheitswahns plus modernster Nachrichtenelektronik ist das nur allzu logisch.
  6. #15

    Hmpfkuzist oder Qtrngler

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Man kann sich getrost davon verabschieden, dass in diesem System Meinungsfreiheit besteht. Auch Foren wie dieses zeigen oft genug, wie aus dem Meinungsaustausch persönliche Angriffe gestartet werden.
    Was ist daran so schlimm, wenn ein anonymer Forist „WasWeissIch“ mich als Hmpfkuzist oder Qtrngler bezeichnet?

    Die Frage ist doch, was ICH GLAUBE und NICHT, was andere sagen, was ich glauben SOLL.

    Das funktioniert sogar in Diktaturen, bzw. hat in ehemaligen ebensolchen funktioniert.
  7. #16

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Anonymität, die das Internet bietet, wird von manchen als sinnvoll und nötig, von anderen als Anreiz zum Missbrauch gesehen. Sicher würde es manche Hinweise und Darstellungen ohne den Schutz der eigenen Identität nicht geben - aber sollte nicht jeder hinter seinen Äußerungen mit seinem Klarnamen stehen? Beinhaltet die Anonymität des Internet mehr Schaden oder mehr Nutzen?
    Hier ist niemand anonym. Jeder hat hier im SPON-Forum den Weg zu seiner Identität hinterlegt.

    Und auch mit dem Klarnamen sind nicht alle gleich. Wenn jemand Klaus Maier oder Sabine Müller heißt, ist er fast genauso anonym wie ein Peter03.
    Meinen Klarnamen gibt es jedoch nur ein einziges Mal auf dieser Welt. Und ich möchte doch das gleiche Maß an Anonymität erhalten wie alle Peter Schneiders dieser Welt.
  8. #17

    Anonymität beim SPON

    Zitat von Luscinia007 Beitrag anzeigen
    Hier ist niemand anonym. Jeder hat hier im SPON-Forum den Weg zu seiner Identität hinterlegt.
    Bei der SPON-Registrierung konnten Sie Angaben machen, die nicht zu Ihrer Identifizierung führt,
    erst recht nicht eine künstliche E-Mail-Adresse, dessen Konto schon längst gelöscht sein kann.
    (Der Serviceprovider dürfte den Namen zu Ihrer IP-Adresse nicht ohne richterlichen Beschluß weitergeben.)
    Selbst bei korrekten Angaben wird der Moderator Sie nicht mit legalen Mitteln verfolgen oder bloßstellen können.

    Und auch mit dem Klarnamen sind nicht alle gleich. Wenn jemand Klaus Maier oder Sabine Müller heißt, ist er fast genauso anonym wie ein Peter03.
    Meinen Klarnamen gibt es jedoch nur ein einziges Mal auf dieser Welt. Und ich möchte doch das gleiche Maß an Anonymität erhalten wie alle Peter Schneiders dieser Welt.
    Die meisten auch weniger häufigen Namen haben Dubletten außerhalb Verwandschaftsbeziehungen.
    Hier könnte ein vermeintlicher Diffamierer danebengreifen.
  9. #18

    Wozu Klarnamen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Anonymität, die das Internet bietet, wird von manchen als sinnvoll und nötig, von anderen als Anreiz zum Missbrauch gesehen. Sicher würde es manche Hinweise und Darstellungen ohne den Schutz der eigenen Identität nicht geben - aber sollte nicht jeder hinter seinen Äußerungen mit seinem Klarnamen stehen? Beinhaltet die Anonymität des Internet mehr Schaden oder mehr Nutzen?
    Meinungen sind ja nichts verbindliches.
    Wie oft ich schon meine Meinung geändert hab, weil ich mich von anderen hab überzeugen lassen.
    Es wäre anders, wenn damit verbindliche Entscheidungen verbunden sind.
    Ein Vertragspartner kann (oder sollte) nicht anonym bleiben.
    Oder wenn z.B. eine Partei wie die Piraten ihre "Basisabstimmungen" Online durchführen, über Nutzer-Account, Stimmabgabe per E-Mail, etc.
    In diesem Fall müsste man die Identität jeder Stimme überprüfen, damit's keinen Betrug gibt.
    Außerdem lassen sich die Klarnamen auch leicht herausfinden.
    Wer wissen möchte, wer sich hinter websingularität verbirgt, kann das mit etwas "Know-How" in Erfahrung bringen.
    Aber wenn man den Klarnamen für jeden öffentlich macht, dann muss man bei jeder Meinungsäußerung damit rechnen, dass ein Heckenschütze vor der eigenen Haustür lauert.
    Dann würde ich hier keinen einzigen meiner scharfsinnigen und bereichernden Kommentare verfassen :)
  10. #19

    Zitat von JaIchBinEs Beitrag anzeigen
    Die meisten auch weniger häufigen Namen haben Dubletten außerhalb Verwandschaftsbeziehungen.
    Hier könnte ein vermeintlicher Diffamierer danebengreifen.
    Das mag sein. Aber es ist wesentlich einfacher, einen Foristen zu identifizieren, der unter seinem Klarnamen schreibt anstatt unter einem Pseudonym. Erst kürzlich habe ich einen alten Bekannten erkannt, dessen seltener Name bei mir sofort Assoziationen hervorrief. Nachdem ich seine Beiträge gelesen hatte, wusste ich ganz genau, dass ein Irrtum ausgeschlossen ist.
    Die wenigsten Leute haben eine Vorstellung davon, welch raffinierte Software heutzutage existiert, um die weit verstreuten Puzzlestücke über bestimme Personen im Internet zu einem (nicht immer positiven) Gesamtbild zusammenzufügen. Die ehemaligen Stasi-Leute würden da vor Neid erblassen. Angeblich ist derartige Software auch bei Personalchefs beliebt!