Anonyme Meinungsäußerungen im Internet – mehr Schaden als Nutzen?

Die Anonymität, die das Internet bietet, wird von manchen als sinnvoll und nötig, von anderen als Anreiz zum Missbrauch gesehen. Sicher würde es manche Hinweise und Darstellungen ohne den Schutz der eigenen Identität nicht geben - aber sollte nicht jeder hinter seinen Äußerungen mit seinem Klarnamen stehen? Beinhaltet die Anonymität des Internet mehr Schaden oder mehr Nutzen?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Anonymität, die das Internet bietet, wird von manchen als sinnvoll und nötig, von anderen als Anreiz zum Missbrauch gesehen. Sicher würde es manche Hinweise und Darstellungen ohne den Schutz der eigenen Identität nicht geben - aber sollte nicht jeder hinter seinen Äußerungen mit seinem Klarnamen stehen? Beinhaltet die Anonymität des Internet mehr Schaden oder mehr Nutzen?
    Eine interessante Frage, wie sehr Kontrolle und Sanktion durch Staat und Gesellschaft auch im Internet zum Tragen kommen soll.
    Genau so interessant wie die Frage, warum eigentlich seit tausenden von Jahren das Gebot "Du sollst nicht lügen" sich noch nicht umfassend durchgesetzt hat, gerade auch bei Äußerungen mit Klarnamen.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    - aber sollte nicht jeder hinter seinen Äußerungen mit seinem Klarnamen stehen?..
    Wie nett. Schaffen wir doch auch gleich die (freien und) geheimen Wahlen ab und fordern, dass jeder seine Stimme zur BundesLandesIrgendwas-Wahl öffentlich und mit Klarnamen abgibt. Damit auch der - zukünftig ehemalige - Arbeitgeber sieht, wen er da auf seiner Lohnliste hat und die Nachbarn. Und auch die - dann auch ehemaligen - Freunde ("Das hätte ich ja nicht gedacht, Karl-Heinz. Du bist ein LinkerRechterHalblinksrechter??").

    Auch das Briefgeheimnis sollte überholt sein. Nur noch Postkarten sind zugelassen zukünftig, weil wir ja nichts zu verbergen haben.
    Ich fass es nicht....
  3. #3

    Vorsicht...

    Zitat von LouisWu Beitrag anzeigen
    Wie nett. Schaffen wir doch auch gleich die (freien und) geheimen Wahlen ab und fordern, dass jeder seine Stimme zur BundesLandesIrgendwas-Wahl öffentlich und mit Klarnamen abgibt. Damit auch der - zukünftig ehemalige - Arbeitgeber sieht, wen er da auf seiner Lohnliste hat und die Nachbarn. Und auch die - dann auch ehemaligen - Freunde ("Das hätte ich ja nicht gedacht, Karl-Heinz. Du bist ein LinkerRechterHalblinksrechter??").

    Auch das Briefgeheimnis sollte überholt sein. Nur noch Postkarten sind zugelassen zukünftig, weil wir ja nichts zu verbergen haben.
    Ich fass es nicht....
    ...die haben doch bereits eh alles gespeichert, was ihnen suspekt vorkommt.
    Allerdings hapert es anscheinend mit der Auswertung, sodass der vormals nette Nachbar auf einmal ein Terroristenzombie ist.
    Das ist in Deutschland passiert und auch in veränderter Form woanders.
    Das Netz kann so oder so benutzt werden, es ist auf jeden Fall verwundbar.
    Was den Klarnamenzwang anbetrifft:
    Spiegel-Online kennt meine Emailadresse...
  4. #4

    Anonym?

    Ich verstehe nicht, dass es immer noch Leute gibt, die glauben, dass das Internet ein anonymer "Platz" ist. Jede Spur ist verfolgbar, egal wieviel Mühe sich ein "User" gibt, seine Spuren zu verwischen. Natürlich hat nicht jedermann die Möglichkeiten dazu, diese Spuren aufzunehmen, das heisst aber nicht, dass es diese Möglichkeiten nicht gibt. Die Zukunft wird zeigen, wie lange uns die "Meinungsfreiheit" erhalten bleibt. Das Meinungsdiktat ist schliesslich sehr erfolgreich. Davon abweichende Ansichten werden ja von vorn herein in die Schublade "Verschwörungstheorie" gesteckt. Aber irgendwann werden diejenigen, die über den Tellerrand der Mainstream-Medien hinausblicken, dafür die Konsequenzen tragen müssen. Die Frage ist nur noch: wann?
  5. #5

    Zutritt für Jedermann

    Als ich vor ca 15 Jahren meine eigene Homepage einrichten ließ, von Profis übrigens, war ich in die Gesellschaft von seriösen, vertrauenswürdigen Homepages von Firmen, Künstlern, Promis, Politikern gelangt. Selbstverständlich hielt man seinen Namen, Adresse, Telefonnumer nicht geheim, Werbung war ja der Sinn der eigenen Wegsite. Und auch Bilder und Videos und Musik bildeten keine Gefahr für Missbrauch.

    Mit schüler-vz, studie-vz, facebook u.a. erhielt aber jedermann einen einfachen Weg zur Selbstdarstellung. Gleichzietig waren ganz schnell Hämische, Heimtückische, Mobber, Spaßvögel. Aggressive, Klicksammler, Freundezähler, Bloßsteller, Schadenfreudige usw. unterwegs, die verborgen hinter Decknamen im Dunkel der Anonymität leichtes Speil bekamen. Und schnell wurden die Suchmaschinen genutzt, um Peinlichkeiten aufzufinden. Und dann aber drauf auf die z.Guttenbergs, Wulffs, Kachelmänner und auf die Westerwelles und vor allem auf die Missliebigen in der eigenen Umgebung, auf die Streber in der Schule wie auf Schwächlinge. Die "Große Freiheit Nr. 7" für alle, also auch für den Missbrauch.
  6. #6

    Zitat von LouisWu Beitrag anzeigen
    Wie nett. Schaffen wir doch auch gleich die (freien und) geheimen Wahlen ab und fordern, dass jeder seine Stimme zur BundesLandesIrgendwas-Wahl öffentlich und mit Klarnamen abgibt. Damit auch der - zukünftig ehemalige - Arbeitgeber sieht, wen er da auf seiner Lohnliste hat und die Nachbarn. Und auch die - dann auch ehemaligen - Freunde ("Das hätte ich ja nicht gedacht, Karl-Heinz. Du bist ein LinkerRechterHalblinksrechter??").

    Auch das Briefgeheimnis sollte überholt sein. Nur noch Postkarten sind zugelassen zukünftig, weil wir ja nichts zu verbergen haben.
    Ich fass es nicht....
    Aus Ihren Vergleichen entnehme ich, dass Sie selber bemerken, in jedem Falle liegen die Dinge anders:
    - auf einem Wahlzettel ist nur ein Kreuz zu machen, keine Texte, Bilder, Videos usw.
    - Postkarten schreuibt man nach wie vor, in der Gewissheit, die Post verhindert, dass Fremde etwas hinzufügen, schwärzen oder verändern.

    Nein, das "freie" Internet ist etwas anderes, weil (fast) jeder auf (fast) jeden anderen direkt zugreifen kann.Da werden Konten abgeräumt, Abo-Fallen gelegt, Firmenarchive angebohrt und eben auch persönliche Zielscheiben beschossen. Und das ist dann eben beschossen (bitte das o gegen ein i austauschen)
  7. #7

    Zitat von brabax22 Beitrag anzeigen
    Ich verstehe nicht, dass es immer noch Leute gibt, die glauben, dass das Internet ein anonymer "Platz" ist. Jede Spur ist verfolgbar, egal wieviel Mühe sich ein "User" gibt, seine Spuren zu verwischen. Natürlich hat nicht jedermann die Möglichkeiten dazu, diese Spuren aufzunehmen, das heisst aber nicht, dass es diese Möglichkeiten nicht gibt. Die Zukunft wird zeigen, wie lange uns die "Meinungsfreiheit" erhalten bleibt. Das Meinungsdiktat ist schliesslich sehr erfolgreich. Davon abweichende Ansichten werden ja von vorn herein in die Schublade "Verschwörungstheorie" gesteckt. Aber irgendwann werden diejenigen, die über den Tellerrand der Mainstream-Medien hinausblicken, dafür die Konsequenzen tragen müssen. Die Frage ist nur noch: wann?
    Was sagt das? Die Freiheit der Meinung ist nur eine theoretische Floskel. In Wirklichkeit gibt es einen harten Kampf der Meinungen gegeneinander, weil viele meinen, nur ihre freie Meinung ist richtig/wahr und deswegen andere überreden wollen, ihre Meinung zu ändern/zu revidieren. Und in den Medien geschieht eine gezielte Meinungsmache, dazu Meinungsumfragen, "Sonntagsfragen" auf der Suche nach Meinungsmehrheiten/Meinungsmainstream.

    Man kann sich getrost davon verabschieden, dass in diesem System Meinungsfreiheit besteht. Auch Foren wie dieses zeigen oft genug, wie aus dem Meinungsaustausch persönliche Angriffe gestartet werden. Beliebte Meinungsgegensätze: Wessis - Ossis, Links - Rechts, konservativ - liberal, demokratisch - diktatorisch, revolutionär - opportunistisch, kämpferisch - pazifistisch, religiös - atheistisch, politisch - privat, Regierung - Opposition, Alte - Junge usw. usf. Die Meinungsfreiheit gibt es auf dem Papier, real ist sie eine Meinungsvielfalt mit harten Gegensätzen. Und es ist weit verbreitet, Leute wegen ihrer Meinung Schubladen zuzuordnen.

    Interessant sind Diskutierwettbewerbe, wo die Teilnehmer gegeneinander antreten und wechselweise für oder gegen einen Sachverhalt auftreten. (Im sächsischen Landtag regelmäßig veranstaltet)Damit wird trainiert, Argumente gegeneinander abzuwägen - im beruflichen Alltag oft sehr gefragt, wenn man eine Firmenhaltung nach außen vertreten soll, unabhängig von der eigenen Meinung.
  8. #8

    Nutzen dem System ..

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Anonymität, die das Internet bietet, wird von manchen als sinnvoll und nötig, von anderen als Anreiz zum Missbrauch gesehen. Sicher würde es manche Hinweise und Darstellungen ohne den Schutz der eigenen Identität nicht geben - aber sollte nicht jeder hinter seinen Äußerungen mit seinem Klarnamen stehen? Beinhaltet die Anonymität des Internet mehr Schaden oder mehr Nutzen?
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    und sind daher dem Äußerer eher Zeitverschwendung, bestenfalls Ablenkung. Wir müssen uns doch klar darüber sein, dass online-foren NOCH MEHR ZENSIERT sind vom Veranstalter als öffentliche Demos, wo der Mensch wenigstens laut schreien darf/kann, wenn er will. Online-Foren veröffentlichen zensiert nur einen Bruchteil der tasächlichen Äusserungen. Merkel würde sagen: "Diese Praxis der political correctness ist alternativlos systemrelevant". Leider verbergen die Filter und Redakteure für Geld auch hier die Realität - Alles fürs System und seinen Erhalt!
  9. #9

    Bleiben wir doch mal konkret bei SPON. Man kann anonym über seinen Scheidungskrieg berichten, Probleme in einer früheren Firma ansprechen (ohne natürlich diese zu benennen), usw. - Dinge die andere interessieren könnten oder wobei andere weiterhelfen könnten - und man übertritt damit gerade eben nicht die schutzwürdigen Interessen anderer. Mit seinem eigenen Namen können sehr schnell Bekannte, Kollegen usw. voll im Bilde sein – obwohl das denen gar nichts angehen sollte. Leider gibt es überall die Beinpinkler, die dann – oft genug dann selber anonym(!) – gern weiter berichten (so nach dem Motte: „ich hab' da etwas für Sie, was Sie interessieren könnte – schauen Sie doch einfach mal da und dort hinein ….“).
    Und dann gibt es noch die unabsichtlichen und absichtlichen Mißversteher – in der Politik sogar die berufsmäßigen Mißversteher, die gern auf andere einen Rechtfertigungsdruck ausüben wollen (und das manchmal sogar regelrecht gelernt haben; z.B. in Lehrgängen: „Wie kommuniziere ich richtig?“ Die einschlägigen Fehler werden dann vorsätzlich verübt) – die kann man dann auch ignorieren; man braucht sich nicht permanent um Klarstellungen zu bemühen. Und Demagogen mit ihren üblichen Nazi-, Kommunisten- und sonstwas -Keulen kann man dann einfach ins Leere laufen lassen …
    Natürlich gibt es Meinungsfreiheit – aber nicht immer die Freiheit, diese immer und überall zu äußern. Religiöse und politische Bekenntnisse z.B. haben in einer Firma aus gutem Grund nichts verloren – der Kollege einer anderen Abteilung, den man sonst nur vom Namen kennt, könnte das aber irgendwann anders sehen: als ob Mobbing nicht Milliardenverluste in der Wirtschaft verursachen würde! Die Beinpinkler erinnern sich eben gern an dem Abend, als sie bei einer Unterhaltung zu Hause mit auf Ihrem Schoß gesessen haben ...
    Warum also sollte man seinen Namen nennen, wenn unzählige – dann allerdings natürlich anonym – mitlesen können? So braucht man sich keinen Gedanken darüber zu machen, wer sonst noch so mit am „Tisch“ sitzt und nur mitliest.
    Klarnamenzwang würde doch nur zu einem Rentner-Forum mit einem Austausch gut überdachter Schüleraufsätze führen.
    Die Verhältnisse sind klar: es sind Foren mit Anonymität – aber man kann es niemand verbieten, den richtigen Namen als „Pseudonym“ zu verwenden. Ein klassisches Leserbriefforum ist es nicht – eher sogar manchmal ein Brain-Storming (ohne Witz – die Foren regen ja doch irgendwie über den Artikel hinaus zum Nachdenken an), bei dem der Herr Professor von und zu seine Titel an der Garderobe abzugeben hat; falls nicht – es nützt ihm nichts …
    Schaden haben vor allem diejenigen, die (man spürt es manchmal regelrecht!) gern den seltenen Namen im Telefonbuch googlen und zu nachmitternächtlicher Stunde anrufen würden. Ein Herr Klaus Müller, Berlin hätte wiederum den Vorteil der Anonymität (spaßenshalber ausprobiert – es sind über hundert!).