Kinderarbeit in Indien: Zigarillos drehen statt Bücher lesen

dapdWenn sich Sagira Ansari, 11, mit ihren Freundinnen verabredet, dann nicht zum Spielen, sondern zum Drehen von Zigarillos. Acht Stunden lang schuftet sie täglich. In Indien ist Kinderarbeit verboten, doch Schlupflöcher gibt es viele, und die Nachfrage nach "Bidis" ist groß.

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...823290,00.html
  1. #10

    Zitat von Pizza No.7 Beitrag anzeigen
    Klar, ein bißchen lernresistent zu sein, kann nie schaden. Das Thema hat sehr wohl etwas mit Hartz-IV zu tun. Denn die Menschen in Indien schaffen es tatsächlich, drei Mahlzeiten am Tag zu finanzieren, und das ohne irgendeine staatliche Hilfe. Das finde ich toll und bewundernswert. Sie nicht?
    Fragt sich nur, wer hier "lernresistent" ist. Da müssen Kinder für den Lebensunterhalt der Familien schuften und das findet hier sogar noch jemand "bewundernswert". Wenn die armen Familien nicht verhungern wollen, müssen sie viele Kinder haben, denn viele Kinder = viele Ernährer - allerdings heißt das später auch wieder viele arme Erwachsene, die viele Kinder zeugen müssen. Ich finde das überhaupt nicht "bewundernswert".
  2. #11

    Zitat von Cotti Beitrag anzeigen
    Fragt sich nur, wer hier "lernresistent" ist. Da müssen Kinder für den Lebensunterhalt der Familien schuften und das findet hier sogar noch jemand "bewundernswert". Wenn die armen Familien nicht verhungern wollen, müssen sie viele Kinder haben, denn viele Kinder = viele Ernährer - allerdings heißt das später auch wieder viele arme Erwachsene, die viele Kinder zeugen müssen. Ich finde das überhaupt nicht "bewundernswert".
    Die Zukunft manifestiert sich auch in moderner Technik. Eins geht halt nur, Bildung und Zukunft, oder A-Bombe und Kinderarmut. So eine Einstellung ist doch auch "bewundernswert".

    MfG. Rainer
  3. #12

    .

    Zitat von Pizza No.7 Beitrag anzeigen
    Klar, ein bißchen lernresistent zu sein, kann nie schaden. Das Thema hat sehr wohl etwas mit Hartz-IV zu tun. Denn die Menschen in Indien schaffen es tatsächlich, drei Mahlzeiten am Tag zu finanzieren, und das ohne irgendeine staatliche Hilfe. Das finde ich toll und bewundernswert. Sie nicht?
    Nein, ich finde es nicht "toll und bewundernswert", wenn Menschen in bitterster Armut leben und einen täglichen Überlebenskampf führen müssen. Vor allem wünsche ich niemandem, dass er in einem Staat leben muss, in dem es keine soziale Absicherung gibt. Dass letzteres unseren Hartz-IV-Hetzern ein Dorn im Auge ist, ist mir auch klar.

    Es ist absurd und idiotisch, wenn das traurige Leben bettelarmer Menschen in den Entwicklungsländern auch noch als eine Art leuchtendes Beispiel für deutsche Hartz-IV-ler herangezogen wird.

    Weshalb ist es eigentlich nicht "toll und bewundernswert", dass wir in einem zivilisierten und hochentwickelten Land leben, das seine Einwohner vor einem täglichen Überlebenskampf schützt? Na, Hauptsache mal wieder ein paar starke Sprüche gegen die Ärmsten in diesem Staat abgefeuert, dann fühlt man sich gleich besser und kann auch von den wahren Schweinereien in diesem Land ablenken - zum Beispiel davon, dass sich die "Eliten" in einer kaum vorstellbaren Weise die Taschen vollstopfen und Vorstandsgehälter ins Astronomische wachsen, während gkeichzeitig auf breiter Front Billiglöhne gezahlt werden.
  4. #13

    Zitat von Pizza No.7 Beitrag anzeigen
    Das Thema hat sehr wohl etwas mit Hartz-IV zu tun. Denn die Menschen in Indien schaffen es tatsächlich, drei Mahlzeiten am Tag zu finanzieren, und das ohne irgendeine staatliche Hilfe. Das finde ich toll und bewundernswert. Sie nicht?
    Ohne Staatliche Hilfe. Dafuer muessen sie auch nicht ihr Leben lang einen Grossteil ihres Einkommens an den Staat abgeben...

    Wer mur einmal in Indien war mag geschockt sein, wenn man das Riesenland aber oefter mal besucht bekommt man den Eindruck das die Entwicklung ueber die Jahre hinweg sehr positiv ist.

    Zitat von Layer_8 Beitrag anzeigen
    Anderen Kindern werden z.B. mitunter auch Gliedmaßen amputiert damit die besser betteln können. "Indisches Wirtschaftswunder", dass ich nicht lache ;(
    Klar kann man mal in einem Film sehen, das ein Kind geblendet wird um besser betteln zu koennen, aber das sind Einzefaelle, die 99.99999% der Inder auch nicht gutheissen. Das Inder in der BRD verpruegelt werden ist ja auch nicht die Regel, auch wenn ein Indisch National Angehauchter evtl. so etwas behaupten wuerde...
  5. #14

    ..

    Zitat von Layer_8 Beitrag anzeigen
    ...

    Bitte verzeihen Sie meinen Zynismus. Aber mit Bidis drehen hat die Kleine noch ein "gutes Los" gezogen. Für indische Verhältnisse. Ich kenne dieses Land recht gut, denke ich, und was ich da sehr oft sehen musste ist himmelschreiend. Anderen Kindern werden z.B. mitunter auch Gliedmaßen amputiert damit die besser betteln können. "Indisches Wirtschaftswunder", dass ich nicht lache ;(
    Leider stimmt das nicht. Das Drehen von Bidis mit blossen Händen ist langfristig extrem gesundheitsschädlich.
    Sollte einem bei ein wenig Nachdenken klar werden....

    Sonst haben sie natürlich recht, was Indien angeht.
  6. #15

    Zitat von jolip Beitrag anzeigen
    Heinrich von Pierer, zur Zeit dieses Zitats Vorstand bei Siemens:

    "Es liegt an unserem System. In Indien oder China darf mit viel größerer Härte oder Zielstrebigkeit gearbeitet werden, als bei uns."

    Ist dass das Endziel der Neoliberalen?
    MFG
    jolip
    Wollen sie damit sagen, dass sie bei der Beantwortung dieser Frage auch im Jahre 2012 noch Schwierigkeiten haben?

    Warum denn auch nicht?

    Der deutsche Wähler wählt Politiker die das alles legitimieren, und arbeitet für solche Firmen in denen solche Manager das dann in die Praxis umsetzen.....
    Oder wozu meinen sie hält man sich ein Heer an Arbeitslosen und Gering-Verdienern?
  7. #16

    ...

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    Die Zukunft manifestiert sich auch in moderner Technik. Eins geht halt nur, Bildung und Zukunft, oder A-Bombe und Kinderarmut. So eine Einstellung ist doch auch "bewundernswert".

    MfG. Rainer
    Wenn man von "Zukunft" spricht, muss man auch immer daran denken WESSEN Zukunft....

    Indien ist ja bekanntermasen eine sehr alte Hochkultur und so hat man damit sehr viel Erfahrung.
    Etliche sehr weise Herren haben vor 100 oder 150 Jahren an mittellose Familien eine Rupie verliehen, zB damit die Familie einen Arztbesuch damit bezahlen kann. Solche Kreditverträge verlangten dafür im Gegenzug, dass sich, je nach Betrag, mindest ein Mitglied der Schuldnerfamilie kostenlos bei der Gläubiger Familie als Sklave verdingt und, und das ist der Gag dabei, seine Arbeit bringt auf unendliche Zeit nur den Zins für das Geliehene. Der eigentliche Kredit kann überhaupt niemals zurück gezahlt werden. Und das natürlich nicht nur für eine Generation, sondern für alle folgenden.... Man nennt dieses System in Indien ganz offiziell "bonded Labor" und keine indische Regierung hat jemals ernsthaft versucht dies ändern. Einige unabhängige Inder versuchen seit Generation dies zu ändern, Ana Hazare ist einer von ihnen.
    In den Steinbrüchen im nord-indischen Uttar Pradesh können sie ca 100.000 solcher Kinder bei der Arbeit antreffen....

    Bei solchen Zuständen bekommen Investment banker feuchte Hände. Und die ganze freie Markt Wirtschaft freut sich mit so einem Land Geschäfte machen zu können, denn da lässt sich was verdienen.
  8. #17

    ...

    Zitat von h.hass Beitrag anzeigen
    Nein, ich finde es nicht "toll und bewundernswert", wenn Menschen in bitterster Armut leben und einen täglichen Überlebenskampf führen müssen. Vor allem wünsche ich niemandem, dass er in einem Staat leben muss, in dem es keine soziale Absicherung gibt. Dass letzteres unseren Hartz-IV-Hetzern ein Dorn im Auge ist, ist mir auch klar.

    Es ist absurd und idiotisch, wenn das traurige Leben bettelarmer Menschen in den Entwicklungsländern auch noch als eine Art leuchtendes Beispiel für deutsche Hartz-IV-ler herangezogen wird.

    Weshalb ist es eigentlich nicht "toll und bewundernswert", dass wir in einem zivilisierten und hochentwickelten Land leben, das seine Einwohner vor einem täglichen Überlebenskampf schützt? Na, Hauptsache mal wieder ein paar starke Sprüche gegen die Ärmsten in diesem Staat abgefeuert, dann fühlt man sich gleich besser und kann auch von den wahren Schweinereien in diesem Land ablenken - zum Beispiel davon, dass sich die "Eliten" in einer kaum vorstellbaren Weise die Taschen vollstopfen und Vorstandsgehälter ins Astronomische wachsen, während gkeichzeitig auf breiter Front Billiglöhne gezahlt werden.
    Da wir in einer Demokratie leben sollten sie aber schon auch ehrlicherweise davon ausgehen, dass es genau diese von Billiglöhnen Lebenden waren, und viele die in diesen Bereich abzurutschen drohen, die seit 30 Jahren freiwillig Regierungen an die Macht gewählt haben, die genau das verursachen.
    Sie sollten beim "mit dem Finger auf Andere zeigen" vorher ein wenig mehr reflektieren?
  9. #18

    Titel

    Zitat von h.hass Beitrag anzeigen
    Nein, ich finde es nicht "toll und bewundernswert", wenn Menschen in bitterster Armut leben und einen täglichen Überlebenskampf führen müssen. Vor allem wünsche ich niemandem, dass er in einem Staat leben muss, in dem es keine soziale Absicherung gibt. Dass letzteres unseren Hartz-IV-Hetzern ein Dorn im Auge ist, ist mir auch klar.

    Es ist absurd und idiotisch, wenn das traurige Leben bettelarmer Menschen in den Entwicklungsländern auch noch als eine Art leuchtendes Beispiel für deutsche Hartz-IV-ler herangezogen wird.

    Weshalb ist es eigentlich nicht "toll und bewundernswert", dass wir in einem zivilisierten und hochentwickelten Land leben, das seine Einwohner vor einem täglichen Überlebenskampf schützt?
    Und das zu einem Preis, der über kurz oder lang nicht durchzuhalten ist. Wir werden sehen, wie sich die geschüzten Menschen in ihren Sozialbiotopen schlagen, wenn irgendwann die Realität Einzug hält.
  10. #19

    Indien den Indern!

    Hallo!

    Kinderarbeit in Indien - find ich Scheiße! Genauso wie die elende "Tempelprostitution", die Schuldsklaverei die weite Teile des ländlichen Indiens noch immer beherrscht, oder das ganze unwürdige hinduistische Kastensystem, die allgemeine Armut in vielen ländlichen Teilen Indiens etc. etc. etc.

    Aber Indien leistet sich auch ein umfangreiches Raumfahrtprogramm, rüstet seine Flotte gerade mit Flugzeugträgern und Atom-U-Booten auf, kauft Raffale Kampfjets in Frankreich, entwickelt neue Kampfflugzeuge ( sollen Mach5+ bringen und die ollen US F-22 Raptors deklassieren) und auch für ein bisschen Kriegsgerassel in Kashmir ist immer reichlich Geld da.

    Aber das ist halt die Entscheidung der "Inder", ob sie ihr Geld lieber für soziale Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung und Bildung ausgeben oder dafür demnächst eine "Großmacht mit Weltgeltung" zu sein...
    auch wenn das für viele Gutmenschen hier bei uns schwer zu ertragen ist. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist halt eben ein zweischneidiges Schwert - und solange die Mehrheit der indischen Bürger mit den herrschenden Verhältnissen einverstanden sind steht es selbst den empörtesten Gutmenschen bei uns nicht zu, sich groß aufzuregen. Nein, es muss nicht immer "die Welt am deutschen Wesen genesen".

    Was man tun kann: Produkte aus Kinderarbeit wenn sie bei uns angeboten werden halt nicht kaufen - und wenn sie unbedingt wollen können sie auch gerne soziale Hilfsprojekte in Indien finanziell unterstützen.