Reformkurs: Wie sich Portugal aus der Krise schlängeln kann

REUTERSDer Top-Investor zeichnet ein düsteres Bild: Portugal werde bis Ende des Jahres ein zweites Griechenland sein, behauptet Pimco-Chef Mohamed El-Erian. Er übertreibt. Das Land hat durchaus Chancen, die Krise in den Griff zu bekommen - auch ohne Schuldenschnitt.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...822283,00.html
  1. #1

    Mal eine blöde Frage

    Was machen wir hierzulande eigentlich, wenn all die Sorgenkinder plötzlich wieder stärker konkurrenzfähig werden und für deutlich geringere Löhne und Lohnnebenkosten ähnliche Qualität produzieren?

    Vermutlich heißt es dann wieder wie 2005: Wir sind zu teuer, Löhne runter, Leistungen zurückfahren. Dann fallen andere wieder zurück und müssen auch kürzen und mehr Druck ausüben, was wiederum uns hierzulande unter Druck setzt usw.

    Wie kommt man eigentlich aus dieser Abwärtsspirale in einer globalisierten Welt heraus? Ideen dazu?
  2. #2

    Da war doch was.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Land hat durchaus Chancen, die Krise in den Griff zu bekommen - auch ohne Schuldenschnitt.

    Reformkurs: So kann sich Portugal aus der Krise schlängeln - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Da war doch was, haben die EU Bürokraten und Berliner Schausteller das nicht auch von Griechenland gesagt?
  3. #3

    Pimco

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Top-Investor zeichnet ein düsteres Bild: Portugal werde bis Ende des Jahres ein zweites Griechenland sein, behauptet Pimco-Chef Mohamed El-Erian. Er übertreibt. Das Land hat durchaus Chancen, die Krise in den Griff zu bekommen - auch ohne Schuldenschnitt.

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    Der Mann hat doch Recht, das Land hat ohne Schnitt keine Chance. Besser jetzt. Irland wird auch einen brauchen.
  4. #4

    Vodoo-Ökonomie

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Top-Investor zeichnet ein düsteres Bild: Portugal werde bis Ende des Jahres ein zweites Griechenland sein, behauptet Pimco-Chef Mohamed El-Erian. Er übertreibt. Das Land hat durchaus Chancen, die Krise in den Griff zu bekommen - auch ohne Schuldenschnitt.

    Reformkurs: So kann sich Portugal aus der Krise schlängeln - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Potugal wird sich nur dann aus der Krise schlängeln können, wenn es den Euro verlässt und mit dem wieder eingeführten Escudo kräftig abwertet, um wieder Konkurrenzfähig zu werden.

    Das Land hatte im Zeitraum 2005 bis 2010 ein Leistungsbilanzdefizit von sagenhaften 10,9 des BIP. Der Grund dafür: das Lohn- und Preisniveau war in der Euro-Ära viel zu schnell gestiegen. Im Ergebnis führte das zu Konsum auf Pump und vollkommen ungesunden Wirtschaftsstrukturen - eine wirtschaftliche Fehllenkung, die vom Einheitszins in der Eurozone hervorgerufen wurde! Der Euro selbst war das Problem- und er ist es immer noch.
    Eine reale Abwertung, also eine Absenkung von Löhnen und Preisen bei gleichzeitigem Verbleib im Euro in der Größenordnung, wie sie in Portugal zur ökonomischen Gesundung notwendig wäre, ist eine Illusion.
    Das Ergebnis wird vielmehr eine deflationäre Schrumpfspirale sein, die selbst das wenige an gesunder ökonomischer Substanz, das derzeit noch in Portugal da ist, zerstören wird.

    Das Portugals Wachstum unter diesen Bedingungen nächstes Jahr ohne massive Transfers und massive Zinssubventionen wieder wächst - wie im Artikel behauptet - ist eine Seifenblase aus der Waschküche euromantischer Vodoo-Ökonomen.

    Ich bin auch gerne bereit, mit dem Verfasser dieses Artikels eine Wette abzuschließen, dass dem nicht so sein wird.
    Der Wetteinsatz sollte aber in einer Unze Gold bestehen-und nicht in Euro ;-)
  5. #5

    Titel

    Zitat von Whitejack Beitrag anzeigen
    Wie kommt man eigentlich aus dieser Abwärtsspirale in einer globalisierten Welt heraus? Ideen dazu?
    Nein. Die Karawane des produzierenden Gewerbes wird immer weiter ziehen, irgendwo ist es immer noch billiger. Tja, Globalisierung ist eben nicht nur in ein paar Stunden nach Japan fliegen.
  6. #6

    Falscher Ansatz

    Zitat von Whitejack Beitrag anzeigen
    Was machen wir hierzulande eigentlich, wenn all die Sorgenkinder plötzlich wieder stärker konkurrenzfähig werden und für deutlich geringere Löhne und Lohnnebenkosten ähnliche Qualität produzieren?

    Vermutlich heißt es dann wieder wie 2005: Wir sind zu teuer, Löhne runter, Leistungen zurückfahren. Dann fallen andere wieder zurück und müssen auch kürzen und mehr Druck ausüben, was wiederum uns hierzulande unter Druck setzt usw.

    Wie kommt man eigentlich aus dieser Abwärtsspirale in einer globalisierten Welt heraus? Ideen dazu?

    Es ist ja gerade so, dass die anderen Länder aufholen. Es ist ja so, dass sich die Billiglohnländer immer "verschieben" und das die ehemaligen Billiglohnländer eben keine mehr sind.

    Das einige der ehemaligen Billiglohnländer es mit den Lohnzuwächsen übertrieben haben, bedeutet aber nicht, dass die Entwicklung eindeutig dahingeht, dass diese Länder im Allgemeinen bzw. die entsprechenden Arbeitnehmer einen Lohnzuwachs bekommen haben.
    Die angebliche Abwärtsspirale der globalen Welt wird ja "nur" Länder betreffen, bei denen die Arbeitnehmer zu viel verdienen.

    Da wird es auch keine Weg "raus" geben. Wie sollte man da auch was ändern. Die anderen Länder schaffen es immer mehr, die gleichen Dienstleistungen, Waren,... in gleicher Qualität und niedrigeren Preisen anzubieten. Firmen siedeln Tochterunternehmen mit den entsprechenden Maschinen und techn. Wissen im Ausland an.

    Und dann hängt es nur noch am einzelnen Arbeitnehmer. Und dann muss der dt. Arbeitnehmer entsprechend seines höheren Arbeitslohnes besser sein, als der vermeidlich ineffektiver im Ausland.

    Kein Mensch glaubt heute ernsthaft mehr, dass in der heutigen globalen Welt, Länder wie Deutschland auf Dauer ihren "Vorsprung" bei den Leistungen der Arbeitnehmer halten wird.

    Das einzige was man heute machen kann, ist vielen die Augen zu öffnen und zu sagen, beim Lohn ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Das wird nicht so weitergehen. So funktioniert der Markt. Wenn es (Fiktion) einmal 100 dt. Arbeitnehmer gab die eine bestimmte Leistung erbringen konnten und heute gibt es 100 dt. Arbeitnehmer aber dazu noch 80 im Ausland die die gleiche Leistung erbringen, dann kann man nicht erwarten, dass die eigene Leistung (auch wenn man tatsächlich das gleiche macht) in Zukunft höher entlohnt wird.

    Das Problem sind im Grunde nur die Träumer, die Kommunisten in Deutschland, die den Leuten einreden, durch Umverteilung könnte man dem entgegenwirken. Da wird auf Neid u.a. gebaut... hat nur mit der Realität nichts zu tun...
  7. #7

    Der Markt...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Top-Investor zeichnet ein düsteres Bild: Portugal werde bis Ende des Jahres ein zweites Griechenland sein, behauptet Pimco-Chef Mohamed El-Erian. Er übertreibt. Das Land hat durchaus Chancen, die Krise in den Griff zu bekommen - auch ohne Schuldenschnitt.

    Reformkurs: So kann sich Portugal aus der Krise schlängeln - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Der Markt hats Pimco jedenfalls nicht geglaubt. Die Anleihekurse sind nach der Veröffentlichung der Studie sogar gestiegen. Mal sehen, wer Recht behält.
  8. #8

    Zitat von Freifrau von Hase Beitrag anzeigen
    Nein. Die Karawane des produzierenden Gewerbes wird immer weiter ziehen, irgendwo ist es immer noch billiger. Tja, Globalisierung ist eben nicht nur in ein paar Stunden nach Japan fliegen.
    Stimmt auffallend. Irgendwo auf dieser Welt gibt es immer Länder, die es erlauben, das die gierigen Manager und sogenannten Investoren auch Kinder gnadenlos ausbeuten können. Hauptsache der Profit stimmt und die Gewinnmaximierung wurde durchgepeitscht.
  9. #9

    Daran ist aber erstmals gar nichts schlecht

    Zitat von Freifrau von Hase Beitrag anzeigen
    Nein. Die Karawane des produzierenden Gewerbes wird immer weiter ziehen, irgendwo ist es immer noch billiger. Tja, Globalisierung ist eben nicht nur in ein paar Stunden nach Japan fliegen.
    Man darf sich von Ländern wie Griechenland nicht täuschen lassen. Grundsätzlich ist ja gar nichts schlechtes daran, wenn ein armes Land ein Billiglohnland wird.

    Weil dann siedelt sich Industrie an und die Infrastruktur entwickelt sich. Und wenn sich irgendwann die Strukturen so gefestigt haben, dass die Unternehmen im Land bessere hochwertige Waren herstellen können und deshalb die Arbeitnehmer keine Billiglöhne mehr akzeptieren (weil sie z.B. auch bessere Qualität abliefern), dann passt doch alles... Man kann diesen (wenn auch langsamen Anstieg) doch z.B. in Osteuropa sehen.

    Das Problem werden nur die Länder bekommen, die heute Hochlohnland sind. Weil man den Vorsprung der normalen Arbeitnehmer auf entsprechende ausl. eben nicht ewig steigern kann. Und wenn es keine Leistungssteigerung mehr gibt, dann wird man über kurz oder lang die Konkurrenz aus dem Ausland spüren. Die werden dann die gleiche Leistung für weniger Geld erbringen...

    Deshalb ist es im Grunde relativ simpel. Am Anfang (und Zeit ist hier relativ) haben die Hochlohnländer von der Globalisierung enorme Vorteile (neue Märkte). Nur ist es absolut klar, dass Ausland wird die Lücke z.B. zur Effektivität der Arbeitnehmer in den Hochlohnländer schließen. Und dann wird es für diese Arbeitnehmer schwierig. Weil dann müssen diese einsehen, dass sie unter Umständen exakt die gleiche Leistung erbringen, aber dass diese Leistung jetzt viel mehr Leute auch erbringen können und damit der Wert der Leistung fällt....