Austausch-Log Russland: Tanjas komplizierte Liebschaft

Tanja Hausdorf Es ist eine Liebe, die häufig weh tut: Tanja Hausdorf hat sich zwar in Russland verknallt, über den alltägliche Rassismus ihrer Austausch-Freunde kann sie aber meist nur den Kopf schütteln. Wenn sie deshalb mit ihrer Gastmutter in Streit gerät, entspannt sie unterm verschneiten Tannenbaum.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/a...821589,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es ist eine Liebe, die häufig weh tut: Tanja Hausdorf hat sich zwar in Russland verknallt, über den alltägliche Rassismus ihrer Austausch-Freunde kann sie aber meist nur den Kopf schütteln. Wenn sie deshalb mit ihrer Gastmutter in Streit gerät, e
    ...ich habe immer schon Schüler bewundert, die einen Austausch nicht in komfortablen Ländern, sondern wie hier - mitten in Rußland verbringen. Die Kenntnisse der Sitten und der Sprache bringen einen riesigen Vorteil beim späteren Jobsuchen. Jeder depp kann heutzutage english, französich und/oder spanisch vorweisen, es ist nichts Besonderes mehr (v.a. im Kreise der Akademiker). Und Russland ist und bleibt ein sehr bedeutender Handelspartner...somit war das ein absolut cleverer Schritt, für eine längere Zeit nach Rußland zu gehen.
    Den offenen Rassismus der Russen zu den Menschen aus dem Süden/Kaukasus konnte ich bei meinen Reisen vielerorts ebenfalls bestätigen. Die Gründe dafür sind aber viel tiefer zu sehen als nur "eine Folge der verfehlten Einwanderungspolitik". Aus den südlichen Ländern wie Usbekistan, Kaukasus etc. mussten die dort einsässigen Russen nach dem Zerfall der SU eilig ausreisen, weil die aufkommende Intoleranz zu den "nicht - moslems"
    unerträglich bis lebensgefährlich wurde. Somit liegt die "fehlende Sympathie" für einander auf den beiden Seiten.
    Das Verhältniss der Russen zu den "Europäern" bzw. "WASP"s ist wiederum diametral anders, - sehr herzlich bis bewundernd.
    Insgesamt als sehr sinnvoll investiertes "Auslandsjahr", welches sich sowohl in punkto Erfahrungen als auch spätere Jobaussichten auf jeden Fall positiv bemerkbar machen wird.
  2. #2

    Komplizierte Liebschaft

    Ich bin derzeit selber für 7 Monate in Russland und bin in meinem Praktisches Studiensemeter ca. 120km südlich von Moskau in einem großen holzverarbeitenden Betrieb.

    Ich habe genau die selben Erfahrungen gemacht wie Tanja. Manchmal ist es erschreckend wie selbstverständlich die einheimischen Leute Usbeken als minderwertige Menschen ansehen...

    Habe in dieser Beziehung schon einige Sachen erlebt die man sich als Mitteleuropäer kaum vorstellen kann!
    Ich habe sehr großen Respekt vor Tanja!
    Meine Erfahrung ist entweder man liebt dieses Land oder kommt nicht damit zurecht!
  3. #3

    Das hat tiefere Gründe

    Zitat von calimer26 Beitrag anzeigen
    Ich habe genau die selben Erfahrungen gemacht wie Tanja. Manchmal ist es erschreckend wie selbstverständlich die einheimischen Leute Usbeken als minderwertige Menschen ansehen...
    Wenn Sie die Erfahrungen gemacht hätten die diese Leute gemacht haben, würden sie nicht anders denken. Diese Einstellung kommt durch Erfahrung, leider. In der Zeit des Umbruchs wurden viele "Nicht-Muslime" einfach ausgeschlachtet. Auch heute erlebt man sogar in Moskau Szenen dass Südländer (Tschetschenen oder Dagestaner) Werhlose verprügeln und in der U-Bahn mit vorgehaltener Pistole tanzen.
  4. #4

    Fernheizung, Strom und Wasser im Überflüß

    Zitat von BarisP Beitrag anzeigen
    ...ich habe immer schon Schüler bewundert, die einen Austausch nicht in komfortablen Ländern, sondern wie hier - mitten in Rußland verbringen.
    Russlands Stadtleben würde ich nicht als unkomfortabel bezeichen. Jede russische Familie hat all das, was in D. Standard ist. Angefangen beim Auto und Lebensmitteln bis hin zur Fernheizung. Zwar sind die Wohnungen kleiner, und Fahrstüle in 5-stöckigen Wohnhäusern fehlen auch. Aber das ist nicht entscheidend. Nahverkehr funktioniert gut. Medizinische Versorgung ist auch in der Provinz erstaunlich gut.

    Einfache Menschen in Russland haben überwiegend schlechte Erfahrungen mit muslimischen Südländern gemacht, deshalb diese ablehnende Haltung.
  5. #5

    Spielplatz Psychologie

    Wir haben hier auf den Spielplaetzen Schwarze Amis, Weisse Amis, Inder, Deutsche, Russen, Moslems. In den USA haben es alle der Gruppen genauso schwer/ leicht, es kann sich also keiner mit boesem Rassismus als Grund rausreden.
    Was ich ueber Jahre beobachtet habe ist das viele russische Kinder regelrecht boesartig sind.
    Deutsche Kinder sind stark, friedfertig und heulen nicht wenn sie mal fallen oder Sand in die Augen bekommen, spielen aber nicht mit anderen.
    Inder trauen sich nichts zu und sind immer dick eingepackt und heulen oft, tun aber keiner Fliege etwas und bleiben unter sich.
    Schwarze sind weniger geschickt, weinen kaum, scheeren sich aber nicht um andere. Wenn du nicht aus ihrem Weg gehst, hast du Pech. Aber es ist nicht so das sie dich gezielt angreifen.
    Weisse Amis, sind immer nett und wollen mit allen spielen, aber etwas wehleidig und vorsichtig.
    Moslems beharken sich gegenseitig, bleiben aber unter sich. Sportlich sind sie auch nicht so gut.
    Russen pruegeln sich untereinander, schubsen andere Kinder von Kletterstangen und bewerfen sogar alte Menschen mit Dreck. Deren Eltern schenken denen keine Beachtung. Kommt mal eine Beschwerde sind sie genervt und zwingen den Spielplatztyrann sich zu entschuldigen, wobei dem Kind aber klar gemacht wird das die nur pro forma ist.

    Das hat natuerlich nichts mit "Rassen" zu tun. Einzig und allein der Erziehungsstil der Eltern ist dafuer verantwortlich und die Basis dafuer liegt in deren Kultur, weshalb es in ethnischen Gruppen auch beobachtbare Trends geben kann.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es ist eine Liebe, die häufig weh tut: Tanja Hausdorf hat sich zwar in Russland verknallt, über den alltägliche Rassismus ihrer Austausch-Freunde kann sie aber meist nur den Kopf schütteln. Wenn sie deshalb mit ihrer Gastmutter in Streit gerät, e
    Habe selbst vor vielen Jahren in Russland gewohnt und kann den Eindruck nur bestätigen, dass es dort einen sehr ungeschminkten Umgang mit Anderen gibt. Das betrifft nicht nur "Südländer", die dort "Schwarzärsche" genannt werden, sondern auch Schwarze oder Juden. Mir ist sehr oft der Unterkiefer runtergefallen, wenn mir intelligente, gut ausgebildete Leute gesagt haben, dass "Schwarze doch irgendwie ein bischen stinken"... Meine damalige Schwiegermutter hat einen jüdischen Freund von uns je nach Stimmung mal "evrej" genannt (Hebräer, was die normale Bezeichnung ist) oder eben "zhid", was eher ein Schimpfwort ist, von dem sich auch Adjektive bilden lassen, die dann mit wenig schmeichelhaften Substantiven verbunden wurden ("Zhidovskaya morda" z.B., was soviel heißt wie "Judenfresse").

    Das Erstaunliche daran ist, dass viele Russen so ganz ohne jede Scham diskriminieren, es gibt - gab damals zumindest - überhaupt kein Unrechtsbewußtsein.Ebenso kamen damals zum Thema Stalinismus die unglaublichsten Ansichten zu Tage.

    Es ist schon sehr sehr gut, dass wir in Deutschland unsere Geschichte so aufgearbeitet haben, wie wir das getan haben. Das ist in Russland nicht passiert und inzwischen dürfte es auch keine Zeitzeugen mehr geben. Darum können von den nettesten Leute solche Meinungen völlig "unschuldig" aus dem Mund kommen. Ich glaube zumindest, dass das einer der Gründe ist. Fehlende Pressefreiheit kommt dazu sowie dieser - aus der Isolation geborene? - Glaube, dass in Russland alles anders sei, dass man in Russland z.B. immer eine "harte Faust" bräuchte, um zu regieren etc.

    Dass Tanja sich trotzdem in das Land verliebt hat, kann ich gut verstehen, ging mir genauso.
  7. #7

    Geheimtipp Russland

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es ist eine Liebe, die häufig weh tut: Tanja Hausdorf hat sich zwar in Russland verknallt, über den alltägliche Rassismus ihrer Austausch-Freunde kann sie aber meist nur den Kopf schütteln. Wenn sie deshalb mit ihrer Gastmutter in Streit gerät, e
    Man hoert immer weider von deutschen Scbhulern und Studenten in Russland. Wie geht das eigentlich ? Ohne Russisch funktioniert das doch wohl kaum. Haben die alle vor der Abfahrt schnell mal eben Russisch gelernt ?
  8. #8

    Eilig ausreisen?

    Zitat von BarisP Beitrag anzeigen
    Den offenen Rassismus der Russen zu den Menschen aus dem Süden/Kaukasus konnte ich bei meinen Reisen vielerorts ebenfalls bestätigen. Die Gründe dafür sind aber viel tiefer zu sehen als nur "eine Folge der verfehlten Einwanderungspolitik". Aus den südlichen Ländern wie Usbekistan, Kaukasus etc. mussten die dort einsässigen Russen nach dem Zerfall der SU eilig ausreisen, weil die aufkommende Intoleranz zu den "nicht - moslems"
    unerträglich bis lebensgefährlich wurde. Somit liegt die "fehlende Sympathie" für einander auf den beiden Seiten.
    Eilig ausreisen? Das war leider nicht jedem russischstämmigen Bewohner in Zentralasien gegönnt. Viele hat Moskau einfach "vergessen". Damals zur Machtabsicherung der UDSSR in die zentralasiatischen Provinzen mit guten Jobs, Geld und Versprechen hingelockt, wurden sie nach dem Zusammenbruch der UDSSR einfach ohne jegliche Hilfe dort zurückgelassen.

    In der Tat werden russischstämmige Bewohner in Zentralasien, da eben Nicht-Muslime, nicht nur schwer benachteiligt, sondern regelrecht schikaniert. Jobs gibt es für russischstämmige Menschen in Zentralasien in Behörden oder (staatlichen) Banken, was viele Banken dort sind, schon mal gar nicht, selbst wenn sie besser ausgebildet sind.

    Andererseits reisen viele nicht-russischstämmige Bewohner aus Zentralasien nach Russland, um dort zu arbeiten. Da Jobs in Russland auch Mangelware sind, konkurrieren diese Ausländer mit den Russen selbst, auch wenn die Russen diese miesen Jobs gar nicht annehmen würden. Aber das ist ja auch in Deutschland gang und gäbe.
  9. #9

    Russisch lernen

    Zitat von marypastor Beitrag anzeigen
    Man hoert immer weider von deutschen Scbhulern und Studenten in Russland. Wie geht das eigentlich ? Ohne Russisch funktioniert das doch wohl kaum. Haben die alle vor der Abfahrt schnell mal eben Russisch gelernt ?
    Wo ist das Problem. Schnell einen Crashkurs machen und gut ist.
    Wo ein Wille ist, ist auch ein Anfang.