Berater im Theater: Kampf der Kulturen

Dominik KetzUnternehmensberater können Fabriken neu trimmen, Bleistifte zählen, Prozessketten analysieren. Aber was passiert, wenn es um Kreativität geht - fremdeln sie dann und verschanzen sich hinter ihren Schaubildern? Consultants im Staatstheater, das sehen viele Kulturmenschen als Tragödie.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...822399,00.html
  1. #10

    Erbsenzähler

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Unternehmensberater können Fabriken neu trimmen, Bleistifte zählen, Prozessketten analysieren. Aber was passiert, wenn es um Kreativität geht - fremdeln sie dann und verschanzen sich hinter ihren Schaubildern? Consultants im Staatstheater, das sehen viele Kulturmenschen als Tragödie.

    Berater im Theater: Kampf der Kulturen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    Da sind sie nun auch gelandet, die lieben Erbsenzähler. Es gibt sicher noch viele Bereiche in der Wirtschaft/Verwaltung zu optimieren. Was machen die nur, wenn alles abgegrast ist?
    Sie werden sich an die Optimierung des Privatlebens machen. Irgendwann gibt es Zeit-/Kostenvorgaben für den Orgasmus. Wird bestimmt lustig.
  2. #11

    Profitstreben

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Ein Staatstheater ist eine Behörde und eine Behörde ist kein Unternehmen. Eine Behörde will keine Gewinne erzielen, zahlt keine Umsatzsteuer, treibt keinen Handel, sondern setzt Beschlüsse um, egal was sie kosten. Das ist etwas völlig anderes.

    Soll eine Untersuchung durch eine Consulting Firma überhaupt Sinn machen, müsste vorher der Eigentümer des Staatstheaters, also die Landesregierung, genaue Vorgaben machen, was sie eigentlich von ihrem Theater erwartet.

    Genau da, hapert es aber immer.
    Gerade in Sozialbereichen der ÖV gibt es in der Regel keine "Kunden". Ein Flüchtling aus Afrika z.B. wird sich kaum ein Zimmer im Mövenpick leisten und dann mal so nebenbei einen Antrag auf Asyl stellen. Auch hier wird deutlich, wie irre das Beraterunwesen ist. Aber die Damen und Herren verdienen wenigstens ordentlich....
  3. #12

    Bezahlte Werbung?

    Mich würde interessieren, ob die Firma Actori SPON für diesen Artikel
    bezahlt hat?
    Zudem sollte der Herr Intendant vorsichtig sein: es wird berichtet, dass er im Rahmen eines öffentlichen Vergabeverfahrens mit einem Bewerber essen war. Wer hat bezahlt? War er mit allen Bieterfirmen zu Abend essen? Auch für die von Steuerzahlern (gut) bezahlten Theaterintendanten gelten Regeln, die manchen Amtsträger zu Fall gebracht hat.

    Der Satz "Wir machen Kunst" kann nicht dazu führen, dass Kulturbetrieben eine Generalabsolution erteilt bekommen. Es gibt Wege, den Zuschussbedarf an Theatern zu senken, ohne dass die Qualität leidet. Es ist richtig, dass zwischen GP und Premiere pausiert werden muss, aber muss immer auf der Hauptbühne probiert werden, so dass Bühnenbilder mehrmals am Tag transportiert und auf- und abgebaut werden müssen? (Was für einen Krankenstand beim Menschen dritter Klasse - dem Bühnentechniker!) Muss jeden Tag ein anderes Stück aufgeführt werden, mit den gleichen Konsequenzen? Müsste nicht jedes Ensemblemitglied ausgelastet werden, anstatt Gagen für Gäste auszugeben? Muss man wirklich Stücke in Industriebaracken aufführen, während das frisch renovierte Haupthaus nicht bespielt wird? (viel zu spießig!) Muss man wirklich die Auslastungszahlen türken, indem man als 100% die zum Verkauf stehenden Plätze nimmt, anstelle der ingesamt zur Verfügung stehenden Plätze? Aua, die Kunst! Die Banausen!

    Vielleicht sollte man aber strategischer darüber nachdenken. Braucht es in Deutschland wirklich so viele Theaterhäuser? Der demografische Wandel sorgt ohnehin in den nächsten Jahren für die Antwort. Und dann ist die Politik schuld, und nicht die Berater. Auch nicht die Actori-Berater!
  4. #13

    Zitat von sheff Beitrag anzeigen
    Mich würde interessieren, ob die Firma Actori SPON für diesen Artikel
    bezahlt hat?
    Zudem sollte der Herr Intendant vorsichtig sein: es wird berichtet, dass er im Rahmen eines öffentlichen Vergabeverfahrens mit einem Bewerber essen war. Wer hat bezahlt? War er mit allen Bieterfirmen zu Abend essen? Auch für die von Steuerzahlern (gut) bezahlten Theaterintendanten gelten Regeln, die manchen Amtsträger zu Fall gebracht hat.

    Der Satz "Wir machen Kunst" kann nicht dazu führen, dass Kulturbetrieben eine Generalabsolution erteilt bekommen. Es gibt Wege, den Zuschussbedarf an Theatern zu senken, ohne dass die Qualität leidet. Es ist richtig, dass zwischen GP und Premiere pausiert werden muss, aber muss immer auf der Hauptbühne probiert werden, so dass Bühnenbilder mehrmals am Tag transportiert und auf- und abgebaut werden müssen? (Was für einen Krankenstand beim Menschen dritter Klasse - dem Bühnentechniker!) Muss jeden Tag ein anderes Stück aufgeführt werden, mit den gleichen Konsequenzen? Müsste nicht jedes Ensemblemitglied ausgelastet werden, anstatt Gagen für Gäste auszugeben? Muss man wirklich Stücke in Industriebaracken aufführen, während das frisch renovierte Haupthaus nicht bespielt wird? (viel zu spießig!) Muss man wirklich die Auslastungszahlen türken, indem man als 100% die zum Verkauf stehenden Plätze nimmt, anstelle der ingesamt zur Verfügung stehenden Plätze? Aua, die Kunst! Die Banausen!

    Vielleicht sollte man aber strategischer darüber nachdenken. Braucht es in Deutschland wirklich so viele Theaterhäuser? Der demografische Wandel sorgt ohnehin in den nächsten Jahren für die Antwort. Und dann ist die Politik schuld, und nicht die Berater. Auch nicht die Actori-Berater!
  5. #14

    Altes Denken

    Die Unvereinbarkeit, ja die Feindschaft von Kultur und Wirtschaft entspricht einem veralteten und höchst schädlichem Denken.
    Aktuelle Beispiele (Schauspielhaus Düsseldorf, Burgtheater Wien) zeigen, dass auch große namenhafte, staatlich finanzierte Kulturhäusern einen Geschäftsbetrieb haben müssen, der einwandfrei funktioniert. Die Konsequenzen sind ansonsten katastrophal, auch für die künstlerische Arbeit.

    BWL ist keine Wissenschaft, die ein kaltes, emotionsloses und kulturfeindliches Gewinnstreben in allen auslöst, die sich damit beschäftigen und Unternehmensberater suchen nicht nur nach Einsparungsmöglichkeiten bar jeder Empathie und ohne jedwedes Kulturverständnis.
    Auch (vor allem) die größten Kulturliebhaber müssen einsehen, dass es um Betriebe geht, die den Einsatz von Staats-/Landes- und Kommunalmitteln rechtfertigen müssen, indem sie nicht massenkonform produzieren sondern nachweislich die Steuergelder bestmöglich einsetzen. Das bedeutet: Es muss das Bestreben geben, möglichst viele Kosten durch Einnahmen zu decken und keine Gelder durch veraltete Buchführung, ungenaue Finanzplanung etc. zu verschwenden. Dabei spricht niemand von Marktkonformität. Es geht darum, Kunst und Kultur zu ermöglichen. Nicht darum, sie einzuschränken.

    Und es gibt sehr wohl erfolgreiche Einrichtungen in Deutschland - z.B. das Thalia Theater in Hamburg - die den durchaus wirtschaftlich relevanten Anteil von bis zu 30% des Budgets selbst erwirtschaften.

    Viele Beispiele zeigen, dass eine Betriebsleitung in der Kultur auch in der Lage sein muss wirtschaftlich zu denken. Nichts ist ein besserer Vorwand/Anlass ein Haus oder eine Sparte einzustampfen oder die Förderung zu kürzen als Skandale aufgrund von falscher oder schlechter kaufmännischer Geschäftsführung.
    Darüberhinaus ist es naiv zu denken, dass BWLer kein Interessen an Kultur haben und Kulturschaffende kein Verständnis für die Wichtigkeit der BWL. Nur Personen, die sich in beiden Bereichen auskennen (und die gibt es durchaus und auch außerhalb von Actori und Co.), können beispielsweise in der Kulturpolitik für die Kultur kämpfen oder aber der künstlerischen Leitung innerhalb der Institutionen langfristig den Rücken freihalten.

    Wünschenswert ist ein Bekenntnis der Politik aller Ebenen, Kultur langfristig unabhängig von bestimmten Beträgen zu fördern und zu ermöglichen. Ebenso muss bei den Finanzverantwortlichen (z.B. bei Haushaltspolitikern der Länder) ein Bewusstsein für den gesellschaftlichen Mehrwert der Kultur geschaffen werden. Und wer könnte ihnen diesen besser klar machen, als kulturliebende BWLer, evt. sogar mit Erfahrung in der Unternehmensberatung von Kulturbetrieben.